Folgenschwer

Der FeuerwehrRitterRömerPirat heute beim Abendessen: „Als ich zu Frau XY in die Schule kam, ermordete sie sogleich meine Schulfreude.“

Ich: „Stimmt, ich erinnere mich. Du warst so froh, endlich ein Schüler zu sein und dann war deine Begeisterung schon nach wenigen Tagen verflogen. Aber deine Schulfreude ist inzwischen bestimmt wieder nachgewachsen. Es geht dir doch jetzt so gut.“

FeuerwehrRitterRömerPirat: „Na ja, weisst du, so einfach ist das nicht. Die meisten Menschen haben nur eine Schulfreude und wenn die mal umgebracht worden ist, wächst nicht so leicht wieder eine neue.“

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Das war auch schon einfacher

Glaubt mir, ich gehöre ganz bestimmt nicht zu den Menschen, die Internet, Smartphone, Tablet & Co. als Teufelszeug bezeichnen und die am liebsten wieder zurück in die Steinzeit möchten. Diese Dinge haben unser Leben in vielerlei Hinsicht vereinfacht und ich bin durchaus bereit, zu gestehen, dass ich mir ein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen könnte. Ich vertrete auch nicht die Meinung, junge Menschen müssten bis zu ihrem 18. Geburtstag digital unberührt bleiben, um gesund heranwachsen zu können. Solange sie noch genügend andere Interessen haben, sollen sie dürfen – auch wenn manche Inhalte aus pädagogischer Sicht nicht über alle Zweifel erhaben sind. 

Dennoch verspüre ich heute das tiefe Bedürfnis, sämtliche Geräte in hohem Bogen aus dem Fenster zu werfen. Nach einer Woche Weihnachtsferien habe ich es mal wieder tüchtig satt, den ganzen Tag darüber zu wachen, dass keiner die ihm erlaubte Bildschirmzeit überschreitet oder heimlich Handy oder iPod ins Kinderzimmer schmuggelt, um sich die Nächte spielend um die Ohren zu schlagen. Die endlosen Diskussionen, warum wir auch während der Ferien nicht wollen, dass sie sich rund um die Uhr unterhalten lassen, hängt mir allmählich zum Hals heraus. 

Nein, ich möchte die Vergangenheit wirklich nicht verklären, aber Medienerziehung war deutlich einfacher, als man einen Computer hochfahren und eine zerkratzte CD-ROM einlegen musste, um in die Welt eines Games zu entschwinden. Ich kann mich zumindest nicht erinnern, dass Karlsson oder Luise jemals versucht hätten, ein Gerät ins Zimmer zu schmuggeln, als sie in Prinzchens Alter waren. 

Wie hätten sie auch Tower und Bildschirm unter dem Pyjama verstecken wollen? 

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Familienabend

Unsere aktuelle Familienphase:

„Lasst uns doch mal wieder alle zusammen Aristocats schauen! Das wäre doch so schön. Erinnert ihr euch noch, wie wir uns immer vor dem Gewitter gefürchtet haben? Und wie lustig der besoffene Gänserich war? Und der alte Mann mit den Glotzaugen. Und die Strassenkatzen mit ihrer schrägen Musik… Und dann haben wir das immer zusammen gespielt. Ich war Berlioz, du warst Marie und du Toulouse. Dabei bist du doch eher wie Toulouse und ich wie Berlioz.“

Und wenn der Film zu Ende ist:

„Du blöde Kuh! Immer musst du…“

„Nein, du bist hier einfach reinspaziert und hast alles kaputt gemacht!“

„Stimmt doch überhaupt nicht. Wenn du nicht so bescheuert wärst…“

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Überzeugt?

Es kommt selten vor, dass die Dinge so herauskommen, wie ich sie mir vorgestellt habe, aber ich glaube, diesmal habe ich mit dem Adventskalender mein Ziel erreicht: 24 Geschenke, die zu einer Aktivität anregen, wer dran ist mit Auspacken muss sich unter den Geschwistern mindestens eine(n) zum Mitmachen aussuchen und dann können sie loslegen. Seither trifft man immer wieder zwei oder drei an, die gemeinsam Geschichten hören, dekorieren, ein Spiel spielen oder einen kniffligen Fall lösen. Ein voller Erfolg also, der zu meiner Überraschung alle zu überzeugen scheint.

Alle? Nun ja, mich dünkt, mein Bankkonto sei in letzter Zeit ein wenig eingeschnappt. Warum sonst hätte es neulich, als ich ihm begegnete, lautstark gemotzt: „Der übliche billige Kleinkram hätte doch auch gereicht. Was soll plötzlich dieser pädagogisch wertvolle Mist?“

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Santa Claus ist auch schon da

Nachdem wir gestern Abend voller Andacht – und natürlich auch mit einer tüchtigen Portion Elternstolz – den Klängen lauschten, die Karlsson seiner Geige entlockt, sind wir heute wieder auf dem harten Boden der musikalischen Realität gelandet. Bald findet bei uns im Dorf nämlich ein Weihnachtskonzert statt, bei dem unter anderem auch ein Ensemble der Musikschule mitwirkt. Für uns als Familie bedeutet dies:

„Santa Claus is coming to town“ rauf und runter, interpretiert von einem hoch motivierten Karlsson, einem ziemlich motivierten Prinzchen und einem irgendwie schon auch motivierten Zoowärter, der aber partout nicht einsehen will, weshalb sich manche Leute für solche Dinge beinahe die Finger wund spielen. Santa wird also so lange durch unsere Gehörgänge spazieren, bis bei jedem jeder Ton sitzt. Und dann wird die Phase des häuslichen Zusammenspiels beginnen…

Soweit sind wir momentan noch nicht, denn Karlsson hat erst heute erfahren, dass er auch mit von der Partie ist, weshalb er erst noch ein wenig üben muss. Doch man ahnt bereits, wie es kommen wird, wenn er genug geübt hat. Er wird Santa Claus mit Kapriolen und Schnörkel über die Klaviertasten treiben, das Prinzchen wird alles geben, um dem Mann im roten Mantel auf den Fersen zu bleiben und der Zoowärter wird jammern, der arme Santa sei doch schon alt, der brauche bestimmt hin und wieder eine Pause, um sich auszuruhen. So, wie ich Karlsson kenne, wird er solche Einwände nicht gelten lassen und Santa weiter vor sich hertreiben, bis alles perfekt ist. Es würde mich deshalb nicht verwundern, wenn der gute alte Mann irgendwann mit lautem Türknallen aus unserer Wohnung verschwände. 

So sehr ich es auch schätze, dass unsere Söhne musizieren – würde Santa verschwinden, wäre ich noch so froh. Der Kerl weigert sich nämlich jetzt schon standhaft, aus meinen Gehörgängen zu verschwinden und bis zum Konzert sind es noch fast zwei Wochen…

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Vielleicht kommt er dann doch wieder

Wie man weiss, haben das Prinzchen und der Zoowärter entschieden, dass es im Hause Venditti keinen leibhaftigen Samichlaus mehr braucht. Also lag heute Abend, als wir von Karlssons Geigenvorspiel nach Hause kamen, bloss ein Sack voller Nüsse, Mandarinen, Lebkuchen und dergleichen vor der Haustür. Damit der Chlausabend dennoch einen mehr oder weniger geheimnisvollen Anstrich bekam, legte ich den Sachen einen Brief an unsere Kinder bei. 

Darin liess ich den Chlaus noch einmal die guten alten Zeiten heraufbeschwören, legte ihm lobende Worte über die kleinen und mittelgrossen Vendittis in den Mund und liess ihn uns ausrichten, er sei schon ein wenig traurig, weil sein Besuch am 6. Dezember nicht mehr erwünscht sei. Wenn eine schöne Tradition ein Ende findet, wird man ja wohl noch ein wenig sentimental sein dürfen, nicht wahr? 

Nun, mein stümperhafter Versuch, die Samichlaus-Ära würdig abzuschliessen, ging tüchtig in die Hosen. Der Brief weckte nämlich nicht schöne Erinnerungen, sondern Prinzchens schlechtes Gewissen. „Nächstes Jahr müssen wir den Chlaus unbedingt wieder zu uns einladen“, meinte er, als es Zeit war, ins Bett zu gehen. „Warum denn?“, wollte ich wissen. „Du hast doch gesagt, wir brauchten das jetzt nicht mehr.“ „Ja schon, aber der Samichlaus war so fruchtbar traurig, dass er nicht mehr eingeladen war. Das hat er doch in seinem Brief geschrieben. Ich will, dass er nächstes Jahr wieder kommen darf, damit er nicht mehr traurig sein muss.“

Und ich hatte allen Ernstes geglaubt, bei uns zu Hause glaube keiner mehr an den Samichlaus…

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Hab‘ ich dir doch schon gesagt…

Du begleitest sie von klein auf, siehst schon früh gewisse Stärken und Talente, stehst mit ihnen die harten Jahre der Pubertät durch, in denen sie oft an sich selber vorbei zu leben scheinen und freust dich unbändig, wenn allmählich zur Entfaltung kommt, was du schon immer geahnt hast. Aber wehe, du sagst: „In dir steckt so unglaublich viel drin. Mach etwas aus dem, was dir mit auf den Weg gegeben wurde.“ Dann lachen sie nur und meinen: “ Du bist meine Mutter, du musst mich ja toll finden. Es ist sozusagen dein Job, von mir begeistert zu sein.“

Wenn dann aber jemand anders die gleichen Stärken und Talente in ihnen sieht, dann kommen sie ganz erstaunt angerannt und sagen: „Der oder die ist doch tatsächlich der Meinung, ich sei richtig begabt in diesem Bereich. Kannst du dir das vorstellen, Mama?“

Ja, das kann ich, mein Kind. Ich versuche schon seit Jahren, es dir weis zu machen.

Viel cooler als Mama

Ein wenig leid tun sie mir ja schon, die weiblichen Teenager von heute. Auf gar keinen Fall wollen sie aussehen wie ihre Mütter, diese abgekämpften Frauen, die in altbackenen Klamotten rumlaufen und keine Ahnung von Mode haben. Aussehen wie Mama? Nie und nimmer! 

Also rennen die Mädchen am schulfreien Mittwochnachmittag in die Boutiquen, um sich einzudecken mit allem, was in ist. Boyfriend-Jeans, Mom-Jeans, Tüllröcke mit breitem Bund, Plateaupumps, senfgelbe Pullis und flatternde Stoffhosen mit Nadelstreifen – alles kommt in die Einkaufstüte. Wieder zu Hause lassen sie sich auf youtube zeigen, wie die Jeans stilecht gerollt wird und dann sind sie bereit, der Mama zu zeigen, wie man sich heute stylt. „Schau mal, wie cool ich bin. Nicht so langweilig wie du“, sagt ihr Blick. 

Und was geschieht? Die Mama kriegt vor lauter Staunen den Mund nicht mehr zu. Aber nicht, weil sie beeindruckt ist von so viel Modebewusstsein. Sondern nur, weil sie glaubt, einer gespenstische Erscheinung ihres früheren Ichs – Version 1988 oder 1989 – zu begegnen. Und dann lacht sie auch noch Tränen, wenn sie gesagt bekommt: „So eine Mom-Jeans könntest du ja nie tragen. Dafür bist du viel zu altmodisch.“ 

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So gross sind sie jetzt also schon

Seit etwas mehr als 17 Jahren bin ich Mutter. Mein Jüngster ist der einzige, der noch deutlich kleiner ist als ich, alle anderen haben mich schon längst überholt oder sind ganz nah dran. Ausser dem Jüngsten schreibt keiner mehr eine einstellige Zahl hin, wenn nach dem Alter gefragt wird. Bei den drei Grössten stellt sich die Frage nach der Berufswahl oder zumindest nach der Richtung, in die es gehen soll, immer deutlicher. Und auch bei den Jüngsten wird es nicht mehr allzu lange dauern, bis die ersten wichtigen Weichen gestellt werden. 

Man könnte also sagen, ich sei Mutter von fünf ziemlich grossen Kindern.

Dennoch hörte man mich heute früh sagen: „Aber klar darf dein Teddy neben dem Teddy deines Bruders auf dem Sofa sitzen. Warum sollte deiner nicht fernsehen dürfen, wenn seiner darf? Von mir aus dürfen sich die beiden den ganzen Vormittag Filme reinziehen, wenn ihr in der Schule seid.“

Und dies sagte ich nicht etwa zu meinem Jüngsten…

Ziemlich schräg.

Aber irgendwie auch ziemlich schön. 

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Zurück

Dinge, die man erfährt, wenn man nach einem wunderbaren Wochenende mit Freunden wieder nach Hause kommt:

  • „Meiner“ und ich sind viel die besseren Eltern als Karlsson und Luise (findet das Prinzchen).
  • „Meiner“ und ich sind viel die schlechteren Eltern als Karlsson und Luise (findet der FeuerwehrRitterRömerPirat).
  • „Meiner“ und ich können nicht anständig putzen (findet Luise, die solche Dinge ja wissen muss, da sie in der Kochschule fürs Putzen meistens Bestnoten bekommt).
  • Luise und Karlsson können wirklich ganz wunderbar putzen und für Ordnung sorgen (finden „Meiner“ und ich, die solche Dinge ja wissen müssen, weil wir seit 17 Jahren mehr oder weniger erfolglos darum bemüht sind, hier irgendwie das Chaos einzudämmen.
  • „Meiner“ und ich sollen bloss nicht glauben, wir hätten nach der Heimkehr das Recht, ganz langsam und sanft wieder im Alltag anzukommen, wo wir doch ganze 55 Stunden Erholung hinter uns haben, während unsere Kinder sich in dieser Zeit abrackern mussten wie die Ackergäule.
  • Unsere Kinder kommen ohne uns ganz wunderbar miteinander klar und sind durchaus in der Lage, ihre Differenzen auf den Moment zu verschieben, wo wir wieder da sind, um sie daran zu hindern, einander an die Gurgel zu springen. 
  • Während unsere Kinder das Wochenende ohne uns bestens überstanden haben, hätte mein Lievito Madre beinahe das Zeitliche gesegnet, weil Karlsson ihn für einen ganz gewöhnlichen Tortilla-Teig hielt. 
  • So schön es ist, am Freitagvormittag dem ganzen Trubel mal für eine Weile zu entfliehen, so schön ist es auch, am Sonntagabend wieder in den Trubel zurückzukehren und von denen, die einen grossen Teil des Trubels verursachen, bei Kerzenschein mit Tee und Guezli empfangen zu werden. 
  • Karlsson ist froh und dankbar, dass er nicht jeden Tag unseren Job machen muss.

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