Wir haben noch zu lernen…

Familienferien sind anders, wenn Teenager mitreisen. Hier einige Dinge, die Eltern wissen sollten:

  • Sightseeing und Shopping sind strikte voneinander zu trennen, denn sonst hängt die eine Hälfte der Familie beim Stadtrundgang gelangweilt vor der Ladentür rum, während die andere Hälfte sich „nur ganz schnell“ mit Schuhen, T-Shirts, Ohrringen und Souvenirs eindeckt.
  • Das Gejammer, die gewählte Feriendestination sei so ziemlich das Letzte, darfst du dir auf gar keinen Fall zu Herzen nehmen. Diese Sicht ändert sich nämlich schlagartig, wenn die ersten Freunde sich auf WhatsApp beklagen, sie müssten den ganzen Sommer in diesem elenden Kaff bei Verwandten rumhängen. 
  • Plane auf jedem Tagesausflug mindestens fünf Essenpausen ein. Teenager sind immer hungrig. I-M-M-E-R.
  • Museumsbesuche sind zwar erlaubt, müssen aber als Entschädigung für die erlittene Langeweile mit der exakt gleichen Menge an Teenager-tauglichen Aktivitäten aufgewogen werden.
  • Schalte immer wieder Ruhetage ein. Teenager sind nicht sehr belastbar und müssen sich deshalb von strapaziösen Tagesausflügen ausgiebig erholen, bevor sie wieder fit sind für neue Entdeckungen. 
  • Mach dich auf überraschende Momente der Nähe und Vertrautheit gefasst. Wenn dir kein „Best Friend Forever“ die Show stiehlt, bist du als Mutter oder Vater plötzlich wieder sehr gefragt. 
  • Sobald das Ferientaschengeld dein Portemonnaie verlassen hat, ist dein Mitspracherecht, wofür es ausgegeben wird, verwirkt. Oh ja, es ist äusserst schmerzhaft, mit ansehen zu müssen, was man mit deinem sauer verdienten Geld alles anstellt, aber wenn dir der Friede lieb ist, hältst du jetzt einfach die Klappe. 
  • Begehe nie, aber auch wirklich gar nie den Fehler, ein Ferienhaus ohne WLAN zu buchen. Ach, ich glaube, den hatten wir vor ein paar Tagen schon…
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Wasser, Sand & Vendittis

„Meiner“ mag das Wasser nicht und der Sand nervt ihn nach einer gewissen Zeit auch.

Karlsson findet Sonnenbäder doof.

Luise träumt zwar von kristallklarem Wasser und kilometerlangen Sandstränden, aber in der Realität findet sie das alles dann doch ein wenig langweilig.

Der FeuerwehrRitterRömerPirat muss in der richtigen Stimmung sein, um Wasser und Sand zu geniessen. Die richtige Stimmung erfasst ihn aber meist dann, wenn beides nicht verfügbar ist.

Der Zoowärter könnte sich stundenlang in den Wellen tummeln, aber wenn keiner mitmacht, macht es nur halb so viel Spass.

Dem Prinzchen ist das Wasser zu kalt. Sand ist okay, aber die anderen trampeln ja doch immer nur achtlos über seine Burgen hinweg.

Meiner Meinung nach müsste man – gelegentlich, etwa einmal pro Jahrzehnt – im Wasser schwimmen und am Strand dicke Schmöker lesen können, aber mit unserer Familie ist beides nicht so richtig möglich. 

Fragt mich bloss nicht, weshalb wir trotzdem jedes Mal, wenn sich zufällig ein Meer in unserer Nähe befindet, einen oder zwei Ferientage darauf verschwenden, uns am Strand zu tummeln. Vielleicht müssen wir uns einfach immer wieder aufs Neue beweisen, dass wir nicht strandtauglich sind. 

Ystad

 

Allmählich werden sie frech…

„Mama, Papa, wann kommt ihr endlich wieder nach Hause?“, tönte es früher, als unsere Kinder noch klein waren, durchs Telefon, wenn „Meiner“ und ich uns alle paar Monate mal dazu aufraffen konnten, zusammen auszugehen. Manchmal kam der Anruf erst kurz vor unserer Rückkehr, manchmal auch schon bevor wir überhaupt an unserem Ziel angekommen waren. Meist war es Luise, die zum Telefon griff, manchmal auch Karlsson oder der FeuerwehrRitterRömerPirat.

Als die Kinder grösser waren, wurden diese Anrufe immer seltener. Die Momente ohne Mama und Papa wurden kostbar, der Augenblick, in dem wir wieder zur Tür hereinkamen, wurde nicht mehr herbeigesehnt. 

Gestern, als „Meiner“ und ich uns nach längerer Pause wiedermal einen gemeinsamen Saunatag gönnten, waren wir deshalb ziemlich erstaunt über Karlssons Anruf. „Na ja, vielleicht fürchtet er, wir würden zu spät zu seiner Schulschlussfeier kommen“, meinte „Meiner“. „Oder sie wollen wissen, ob die Zeit noch reicht, um das Chaos, das sie angerichtet haben, zu beseitigen“, sagte ich.

Eigentlich wollten sie aber nur wissen, wann sie sich in ihre Verkleidungen stürzen müssen. Als wir zur Tür hereinkamen, sassen sie nämlich da, Karlsson und Luise, verkleidet als „Meiner“ und ich. „Lasst mich gefälligst in Ruhe meine Netflix-Folge schauen!“, stänkerte der falsche Papa hinter seinem iPad. „Ich muss diese Woche noch mindestens 13 Stunden arbeiten und komme einfach nirgendwo hin“, klagte die falsche Mama, die ihren Laptop auf dem Schoss hielt.

Allmählich werden sie frech, die „Kleinen“.

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Jugendfestvorabend

Falls das Wetter morgen mitspielt, sollte also das Prinzchen im weissen T-Shirt um zwanzig nach neun im unteren Schulhaus sein, der Zoowärter im roten T-Shirt um neun im oberen Schulhaus, der FeuerwehrRitterRömerPirat im blauen T-Shirt um zehn nach neun ebenfalls im oberen Schulhaus, Karlsson und Luise mit den Kleidern, die sie in der Schule bereit gemacht haben, bei der Turnhalle und zwar keine Minute später als elf nach neun.

Oder waren es Karlsson und Luise, die im weissen T-Shirt um fünf nach neun im unteren Schulhaus sein müssen, der FeuerwehrRitterRömerPirat, der in den Kleidern, die er in der Schule bereit gemacht hat, um halb zehn bei der Turnhalle, der Zoowärter und das Prinzchen, die im schwarzen T-Shirt um zehn vor neun beim oberen Schulhaus erscheinen müssen?

Vielleicht aber liege ich auch gänzlich falsch und es ist so, dass sie alle zusammen um zwanzig nach neun beim oberen Schulhaus sein müssen, das Prinzchen in Blau, der Zoowärter in Grün, der FeuerwehrRitterRömerPirat in Violett, Luise in Gelb und Karlsson in Schwarz. Und natürlich dürfen sie ihre Papageien, die sie gebastelt haben, nicht vergessen. Oder waren es die Lollipops? Oder die Feuerwehrautos? Ach nein, die können es nicht sein, die sind nämlich in der Schule. 

Irgendwie so muss es sein, aber ich denke, es ist wohl besser, wenn ich jetzt aufhöre zu schreiben, um noch einmal ganz genau all die Zettel, die wir bekommen haben, zu studieren. Nicht dass ich morgen das Prinzchen in meiner geblümten Bluse zum Bahnhof schicke, den Zoowäter in den Matrjoschka-Shorts, die „Meiner“ neulich geschenkt bekommen hat, zur Tankstelle, den FeuerwehrRitterRömerPirat im Bademantel zum Feuerwehrmagazin, Luise in eine Tagesdecke eingehüllt zum Kirchgemeindehaus und Karlsson in Badehosen zum Waldhaus.

So ein Jugendfest ist doch immer wieder eine intellektuelle Herausforderung.

 

Ach, da fällt mir ein: Das Prinzchen muss ein schwarzes T-Shirt tragen, das weiss ich mit Sicherheit, ohne vorher die Elternbriefe zu studieren. Eine herzensgute Person ist nämlich vor ein paar Wochen eigens in fünf verschiedene Geschäfte gerannt, um für ihn eines ohne Aufdruck aufzuspüren. 

Nachtkerze

 

 

 

Keine Zeit für Sentimentalitäten

Zwei, drei, vielleicht sogar vier Jahre lang hatten wir diese himmlische Ruhe am Ende des Schuljahres. Alle anderen mochten von einem Schultermin zum nächsten hetzen, wir aber konnten uns mehr oder weniger zurücklehnen. Klar, da war das eine oder andere Schülerkonzert und natürlich durften wir es nicht verpassen, unsere Kinder für die Schulreise mit Proviant auszurüsten, aber keiner belästigte uns mit Picknicks zum Schuljahresende und anderem Kram. Nicht mal, als letztes Jahr eine Lehrerin, die vier von unseren fünf Kindern unterrichtet hatte, in Pension ging, mussten die Eltern zu einer Abschlussfeierlichkeit antraben. Etwas Positives hat es also doch, wenn eine Lehrperson am Ende ihrer Laufbahn derart schulmüde ist, dass sie den Kindern ohne grosse Sentimentalität den Rücken kehrt. 

Leider kann ein solcher Zustand nicht ewig dauern. Irgendwann dämmert einer überengagierten Lehrperson oder einer Schulleitung, die beweisen will, wie aktiv sie ist, dass die Eltern schon lange nicht mehr in der Schule waren und dann wird der Terminkalender gefüllt. Abende, an denen die Klassen präsentieren, woran sie in den vergangenen Monaten gearbeitet haben, Sporttage, bei denen die Eltern vorgängig angefleht werden, sie möchten doch bitte den Wettkämpfen beiwohnen, zusätzliche Musikschulkonzerte, weil eins pro Jahr plötzlich nicht mehr reicht. Und das alles in dem Jahr, in dem Karlsson die Volksschule abschliesst, was uns einige Anlässe beschert, bei denen unsere ungeteilte Sentimentalität gefragt wäre.

Wie sollen wir denn noch richtig wehmütig darüber werden, dass aus dem kleinen, schüchternen Jungen innerhalb von neun Jahren ein grosser, selbstbewusster Halbwüchsiger geworden ist, wenn wir atemlos zu seiner Projektpräsentation angerannt kommen, nachdem wir beim Zoowärter im Schulzimmer die Bienen bestaunt haben? Wo bleibt die Zeit, uns nach seinem letzten Auftritt an der hiesigen Musikschule die Tränen der Rührung wegzuwischen, wenn wir zu Hause wieder den FeuerwehrRitterRömerPiraten zum Üben antreiben müssen, damit er ein paar Tage später im Nachbardorf „The Final Countdown“ auf der Trompete blasen kann? Wie sollen wir den Kauf des Konfirmandenanzugs zelebrieren, wenn wir zugleich die schier unlösbare Aufgabe haben, für Prinzchen ein schwarzes T-Shirt ganz ohne Aufdruck aufzutreiben, das er am Jugendfestumzug tragen soll? (Nach welchen Unifarben wir für die anderen Kinder suchen müssen, wissen wir noch nicht, aber es wird ganz bestimmt aufwändig werden, denn das ist es immer.)

Ein bisschen mehr Rücksichtnahme auf unseren von Meilensteinen angefüllten Terminkalender hätte man von den Lehrern schon erwarten dürfen. Immerhin hatten sie an Karlsson – im Gegensatz zu seinen kleinen Brüdern, die sie jetzt unterrichten – nie etwas auszusetzen. (Na ja, sie fanden jeweils, er sei zu schüchtern, aber das hat sich ja inzwischen gelegt.)

 

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Womit man sich als unerfahrene Mutter so tröstet…

Wenn der Dreijährige sich dauerhaft im Nein-Modus befindet: „Ja, er ist ein totaler Sturkopf, seine Trotzanfälle wollen kein Ende nehmen. Aber es hat ja auch sein Gutes, wenn ein Kind einen starken Willen hat. Später lässt er sich bestimmt nicht so leicht mit der Masse treiben und geht seinen eigenen Weg.“

Eine Weisheit, die sich ein paar Jahre später tatsächlich als wahr herausstellt. Bloss hat Mama nicht damit gerechnet, dass dieser starke Wille sich nicht nur gegen den Willen der Masse stellt, sondern weiterhin auch ganz gerne mit ihrem starken Willen konkurriert. 

*

Wenn die Knöpfe weder Zucchini, noch Auberginen noch Tomaten essen wollen: „Irgendwann wird sich ihr Geschmacksempfinden ändern und dann werde ich wieder alles kochen können, was ich mag.“

Auch diese Weisheit bewahrheitet sich, wenn der kindliche Geschmack erwachsen wird. Manch ein Heranwachsender wird gar von tiefer Reue gepackt, dass er diese Delikatessen über Jahre verschmäht hat und so klagt er mitten im tiefsten Winter: „Wann kochst du endlich wieder mal Ratatouille?“ und er wird dein salopp hingeworfenes „Wenn das Zeug wieder Saison hat“ mit ausdauerndem Schmollen quittieren.

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Wenn täglich schon im Morgengrauen Tagwache ist: „Eines Tages werden sie nicht vor Mittag aus dem Bett gekrochen kommen.“

Wenn man von gewissen Ausnahmen absieht, ist das tatsächlich so, aber das gilt leider auch für Tage, an denen man ein volles Programm hat und ganz gerne vor dem Mittagessen aus dem Haus käme.

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Wenn das Kind Nacht für Nacht ins Elternbett schlüpft, weil es sich vor Monstern fürchtet: „Irgendwann wird es wissen, dass es keine Monster gibt und dann werden wir alle ruhiger schlafen.“

Nun gut, die meisten Kinder hören tatsächlich eines Tages auf, an Monster zu glauben. Leider erfahren sie aber wenig später, dass es auf diesem Planeten Menschen gibt, die schlimmer sind als das schlimmste Monster, das je unter ihrem Bett gelauert hat und dann tauchen Ängste auf, die sich nicht mit einem „Na gut, dann schläfst du eben bei uns“ vertreiben lassen.

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Wenn Globi, Chasperli, Pingu oder sonst eine Nervensäge in der Endlosschlaufe läuft: „Der Tag wird kommen, an dem sie das Zeug nicht mehr lustig finden und dann herrscht Ruhe.“

Stimmt, der Tag, an dem sie das Zeug nicht mehr lustig finden, kommt tatsächlich, aber Ruhe herrscht deshalb noch lange nicht, denn dann tritt Youtube mit seinen zahllosen hirnverbrannten Videos, die genau auf den pubertären Humor zugeschnitten sind, in ihr Leben. Und wenn das seinen Reiz verloren hat, entsinnen sie sich plötzlich wieder der Helden ihrer Kindheit und brüllen unter schallendem Gelächter pausenlos: „De Groll i siinere Hööli isch en dumme Löööli“ und damit ist Globi wieder zurück im Rennen. 

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Wenn man es allmählich satt hat, jeden Tag für die Meute am Herd zu stehen: „Wenn wir sie nur fleissig mithelfen lassen, werden sie sich schon bald selber etwas kochen können.“

Eine Weisheit, die sich erstaunlich früh bewahrheitet, worüber man sich von Herzen freuen darf. Man sollte allerdings bedenken, dass die Meinungen, wann eine Küche nach dem Kochen als „sauber und aufgeräumt“ zu bezeichnen ist, sehr weit auseinandergehen.

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Nur der Feinschliff fehlt noch

Eigentlich wäre er dazu ausersehen gewesen, ein richtiger süditalienischer Macho zu werden, doch zum Bedauern seiner Verwandtschaft liessen ihn Fussball und schnelle Autos kalt, lautes Prahlen war auch nicht sein Ding und nachdem er im frühen Kindesalter Farbstifte und Papier für sich entdeckte, ging es nur noch bergab mit ihm.

Mit sechzehn färbte er sich die Haare in verschiedenen Rottönen.

Mit siebzehn schleppte er eine Schweizerin an.

Mit knapp zwanzig entschied er sich, Primarlehrer zu werden, anstatt einen Beruf zu wählen, bei dem man den ganzen Tag wichtigtuerisch in Anzug und Krawatte herumstolzieren konnte.

Mit einundzwanzig trat er aus der katholischen Kirche aus.

Mit vierundzwanzig reiste er im Sommer lieber nach England als nach Italien.

Mit vierunddreissig war er Vater von fünf Kindern, obschon seine Mama ihm geraten hatte, nach zwei damit aufzuhören.

Und was für ein Vater er war. Einer, der sich nicht genierte, nachts aufzustehen, seinem Nachwuchs die Windeln zu wechseln und bei den Hausaufgaben zu helfen. Einer der seine Männlichkeit nicht in Frage gestellt sah, wenn er im Kochtopf rührte oder mit dem Staubsauger durch die Wohnung wetzte.

Für seine Verwandtschaft blieb er ein Rätsel, auch wenn sich mit der Zeit eine gewisse Bewunderung bemerkbar machte, denn auch in Süditalien sind Machos inzwischen nicht mehr so gefragt. 

Für seine Frau ist er ein Glücksfall, denn sie kann sich darauf verlassen, dass er, wenn sie ausser Hause ist, den Karren zieht. Anders als sie zwar, aber ganz bestimmt nicht schlechter. (In den meisten Fällen sogar besser, wenn man mal von den ewigen Streitereien mit seiner einzigen Tochter absieht.) Inzwischen spielt es eigentlich keine Rolle mehr, ob sie oder er zu Hause ist.

Na ja, es spielt fast keine Rolle mehr. Er muss nur noch lernen, wie die richtige Antwort lautet, wenn sie nach einem langen Arbeitstag nach Hause kommt und fragt, ob die Kinder am nächsten Tag Sporttag haben.

Seine Antwort: „Sporttag? Keine Ahnung. Die Kinder haben nichts davon gesagt.“ Und das natürlich um eine Zeit, als nachfragen bei den Knöpfen nicht mehr möglich ist, weil alle schon tief und fest schlafen. (Proviant kaufen ginge übrigens auch nicht mehr, da nicht mal mehr Tankstellenshops offen sind.)

Die richtige Antwort hätte gelautet: „Nein, der Sporttag findet morgen nicht statt. Ich hatte es ja schon geahnt, denn die Wetterprognose ist wirklich mies. Und meine Vermutung hat sich mit dem Elternbrief, den die Kinder nach Hause gebracht haben, bestätigt. Was eigentlich schade ist, denn selbstverständlich habe ich bereits den ganzen Proviant für den morgigen Tag eingekauft.“

So müsste das eigentlich laufen, aber wenn man bedenkt, dass er eigentlich dazu ausersehen gewesen wäre, ein südländischer Macho zu werden, wollen wir mal grosszügig über diesen Schnitzer hinwegsehen.

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Es darf auch mal so sein

Wenn die Frage auftaucht, ob Vendittis auch dabei sind, wenn die Kirchgemeinde über Auffahrt gemeinsam wegfährt, dann…

…will das Prinzchen auf jeden Fall dabei sein, denn im Haus gibt es einen Automaten, der gegen ein bisschen Kleingeld Süssigkeiten spuckt.

…möchte der Zoowärter lieber zu Hause bei seinen Legos bleiben.

…möchte der FeuerwehrRitterRömerPirat lieber zu Hause bei seinen Büchern bleiben.

…will Luise unbedingt dabei sein, denn ganz viele ihrer Freundinnen sind es auch.

… hat Karlsson keine Zeit, mitzufahren, weil er anderweitig engagiert ist, aber auch wenn er es nicht wäre, würde er nicht mitfahren wollen, da er die Ruhe liebt.

…weigert sich „Meiner“ rundheraus, denn er mag nicht drei Tage lang unter so vielen Menschen sein, erst recht nicht, wenn er in den vergangenen Woche kaum je einen ruhigen Moment hatte.

…stelle ich mich zur Verfügung, mit Luise, dem Prinzchen und einem Koffer voller Kaplas, die unser Jüngster unbedingt dabeihaben muss, hinzufahren und ein paar nette Tage unter netten Menschen zu verbringen, auch wenn es im Garten, bei den Akeleien und Kopfsalaten ebenfalls ganz nett wäre.

Das Leben in einer Grossfamilie, so stelle ich gerade fest, ist zuweilen am schönsten, wenn man nicht dem Glauben verfällt, eine glückliche Familie zeichne sich dadurch aus, dass alle andauernd alles gemeinsam unternehmen.

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Natürlich hätte es etwas gebracht

Unser Parlament findet es bekanntlich nicht nötig, dass Väter nach der Geburt ihrer Kinder zwei Wochen zu Hause bleiben dürfen und weil das nicht alle verstehen wollen, tönt es jetzt aus der Ecke, aus der die Mehrheit der Parlamentarier kommt, ein Baby brauche in den ersten Wochen vor allem seine Mutter, ein Vater könne da nicht viel ausrichten, also brauche er keinen Urlaub. Es ist zwar eine Weile her, seitdem ich zum letzten Mal mit einem frisch geschlüpften Baby alleine zu Hause war, aber es fallen mir durchaus ein paar Dinge ein, die „Meiner“ hätte ausrichten können, wenn er die zwei Wochen Urlaub gehabt hätte. Zum Beispiel:

  • Mütterlichen Kohldampf verhindern
  • Futternachschub besorgen
  • Eine oder zwei Stunden ungestörten Schlaf ermöglichen
  • Miterleben, wie viel Einsatz nötig ist, um diesem winzigen, zerbrechlichen Geschöpf zu geben, was es braucht
  • Die unzähligen kleinen und grossen Unsicherheiten der ersten Tage mittragen
  • Schreiphasen-Schichtwechsel

Und noch zwei- oder dreihundert Kleinigkeiten mehr. Bei mir hätten diese „Kleinigkeiten“ dazu beigetragen, den einen oder anderen Heulkrampf, die eine oder andere Brustentzündung, den einen oder anderen Notfalleinkauf mit schreiendem Baby zu verhindern. 

Nicht viel? Von wegen! Ein sanfterer Start in die neue Familiensituation wäre der Himmel auf Erden gewesen. Für alle Beteiligten.

(Nein, er hätte nicht gekonnt, wenn er gewollt hätte, denn er ist Lehrer. Und die Frage, ob läppische zwei Wochen genug gewesen wären, wollen wir lieber nicht aufwerfen. Soweit sind wir hierzulande in hundert Jahren noch nicht.)

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Alters…. äääh… Familienausflug

Das Prinzchen möchte die Welt im Sturm erobern und versteht darum beim besten Willen nicht, weshalb die anderen nicht endlich vorwärts machen. Ausserdem will er ganz dringend ein Taschenmesser haben, auch wenn das Taschengeld schon längst aufgebraucht ist, was natürlich ganz schrecklich unfair ist.

Der Zoowärter möchte die Welt eigentlich auch im Sturm erobern, kann das aber nicht, weil sein Bauch – oder, wie sich inzwischen zeigt, wohl eher seine Hüfte – nicht mitmacht und darum ist er genervt, weil alle anderen so schnell sind. Ausserdem hat er Hunger und wenn er Hunger hat, ist er reizbar. Sehr reizbar.

Der FeuerwehrRitterRömerPirat ist rundum zufrieden mit dem Programm, das wir bieten. Zu seinem Glück fehlt ihm nur noch ein neues Taschenmesser und weil er nicht nur mehr bekommt als das Prinzchen, sondern in letzter Zeit auch brav gespart hat, könnte er sich seinen Traum auf der Stelle verwirklichen. Wenn denn der Papa endlich mit ihm ins Geschäft käme, anstatt sich um alle anderen zu kümmern.

Luise wäre eigentlich lieber nicht dabei, aber weil sie gerade nichts Besseres zu tun hat und wir Kleinkarierten darauf bestanden haben, dass sie mitkommt, hat sie keine andere Wahl. Mit Karlsson ist es ja noch ganz witzig, mit den Eltern geht’s auch so halbwegs, aber die kleinen Geschwister nerven. Irgendwann tut auch noch der Kopf weh und damit wird der Nachmittag zur Qual.

Karlsson ist – wie fast immer – mit sich selber und der Welt, die ihn umgibt, im Reinen. Das Programm haut ihn zwar nicht gerade aus den Socken, aber einer wie Karlsson findet überall etwas, worüber er sich freuen kann. Nun ja, die kleinen Geschwister dürften schon etwas kooperativer sein…

Nachdem wir diesen Trupp fünf Stunden lang bei fast schon sommerlicher Wärme durch das von Touristen überlaufene Luzern geführt haben, sind „Meiner“ und ich so geschafft, dass wir uns fragen, ob man sowas noch Familienausflug nennen kann. Irgendwie hat es sich angefühlt, als wären wir mit einer Gruppe Senioren unterwegs…

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