So ein blöder Deal. Ein Wiener Würstchen gegen drei Tage Ferien, allein mit dem Prinzchen. Ich und meine grosse Klappe! Warum nur habe ich in einer schwachen Minute behauptet, für ein paar Tage Ferien würde ich sogar eine Bratwurst essen. Eine Bratwurst zu essen ist so ziemlich das Übelste für eine überzeugte Vegetarierin. Also fangen wir mal mit einem Wiener Würstchen an.
Sollte eigentlich keine Sache sein. Immerhin habe ich schon öfters mal eines jener scheusslichen Vegi-Würstchen heruntergewürgt, um beim Hot-Dog-Essen nicht als Aussenseiterin dazustehen. Aber das hier ist etwas ganz anderes. Wie können unsere Kinder solche Dinger nur in sich hineinstopfen? Allein der Geruch haut einen fast vom Stuhl. Und da soll man reinbeissen können? Vor meinem inneren Auge erscheint das arme Schwein, das für diese Wurst hat leiden müssen. Oder war es eine Kuh? Ein Pferd? Egal, ich bringe es einfach nicht fertig, in das Ding zu beissen.
Langsam bekommen die Kinder Mitleid mit mir, die Tochter als Erste. Sie fangen an, Ausflüchte für mich zu suchen, damit ich den Kopf aus der Schlinge ziehen kann. Aber versprochen ist versprochen. Die Wurst muss in meinen Magen. Doch erst, als der Älteste den Küchentimer stellt und mir noch genau fünf Minuten Zeit gibt, schaffe ich es, das scheussliche Ding Stück für Stück ohne zu kauen mit viel Wasser herunterzuwürgen. Ich müsse ja ziemlich verzweifelt sein, dass ich mir sowas antue, mein "Meiner" trocken. Der hat gut reden. Immerhin hat er die Kinder immer und immer wieder an diesen doofen Deal erinnert. Zehn Sekunden bevor der Timer piepst ist das Ding endlich geschluckt, die Familie applaudiert und noch jetzt, drei Stunden später, plagt mich der scheussliche Wurstgeschmack. Die drei Ferientage habe ich mir redlich verdient.
Fragt sich bloss, welche Angst grösser war, die vor der Wurst oder die vor drei Tagen Alleinsein…