Ach, wie süss…

Ach, wie rührend! Roger Federer wird Vater und die halbe Welt schmachtet mit. Nicht dass ich etwas gegen Roger Federer hätte. Ich mache mir über ihn etwa so viel Gedanken wie über Silvia Abächerli aus Bern oder Albert Thommen aus Liestal. Und so wie ich eigentlich fast jedem die Elternschaft gönnen mag, gönne ich sie auch Roger Federer und „seiner Mirka“, wie sie in den Medien gerne vertraulich genannt wird. Es kommt ja schon mal vor, dass ich bei jemandem denke, warum ausgerechnet er Kinder bekommt, während andere, die so viel bessere Eltern wären, kinderlos bleiben. Aber eben, gegen Roger Federers Vaterschaft habe ich grundsätzlich nichts einzuwenden. Wenn ich denn zum Dreinreden berechtigt wäre.

Was mich aber gewaltig nervt, ist das Riesentamtam, das man um diese Geburt macht. Man könnte meinen, der Messias wäre im Doppelpack auf die Welt gekommen. Und natürlich sorgt man sich gebührend um das junge Familienglück. Die „arme Mirka“ werde „auf der Tour“ praktisch alleine für die Kindererziehung zuständig sein, jammert ein Journalist. Ist ja wirklich tragisch, wo sich doch alle anderen Eltern rund um die Uhr zu zweit um ihren Nachwuchs kümmern können! Wie das wohl für die Federers sei, gleich zwei Babies aufs Mal aufzuziehen, fragt „Zehn vor Zehn“ besorgt. Nun, es wird sein, wie bei allen Zwillingseltern: Stress pur. Mit dem klitzekleinen Unterschied, dass Federers sich jederzeit bezahlte Hilfe werden leisten können, wenn sie auf dem Zahnfleisch gehen. Während gewöhnliche Zwillingseltern und auch alle anderen Eltern froh sein müssen, wenn ihnen nicht auch noch das Gotti als sporadische Kinderhüte abhanden kommt, weil sie keine Hütebewilligung vom Staat bekommt. Federers Freude an den Kindern wird auch relativ selten gebtrübt sein durch diesen berühmten Berg unbezahlter Rechnungen über deren Bezahlung sich gewöhnliche Eltern den Kopf zerbrechen müssen. Und über die Frage, ob die örtliche Schule auch wirklich die Beste für ihre Kinder sei, werden sie sich auch keine Sorgen machen müssen.

Aber solch trübe Gedanken wollen wir uns doch gar nicht machen. Malen wir uns lieber aus, wie herzig die Zwillinge auf dem ersten Cover-Föteli der „Schweizer Illustierten“ aussehen werden. Die alltäglichen Sorgen des Elternseins sind viel zu wenig glamourös. Und wenn man zuviel über diese nachdenkt, könnte einem noch auffallen, dass einige der Probleme mit zwei drei winzigen Systemänderungen beseitigt werden könnten. Aber solange wir wissen, dass es den Federer-Zwillingen gut geht, kann uns das ja egal sein. Nicht wahr?

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