Lasst mich doch endlich einmal schlafen!

An mein permanentes Schlafmanko habe ich mich eigentlich schon längst gewöhnt und zwar so sehr, dass ich davon im Normalfall gar nichts mehr spüre. Doch in letzter Zeit habe ich es wohl doch ein wenig übertrieben und so kann ich die Watte im Kopf nicht länger ignorieren. Das erste Jahr mit dem Prinzchen, die Sitzungen, die ich durch angeregte Gespräche mit interessanten Frauen in die Länge gezogen habe, das stundenlange Geplauder mit „Meinem“, der elende Haushalt und schliesslich auch noch das Novemberschreiben, das ich in vollen Zügen genossen habe, waren nun wohl doch etwas viel. Und so gehe ich einmal mehr auf dem Zahnfleisch. So sehr, dass ich mich endlich dazu durchgerungen habe, abends etwas früher ins Bett zu gehen.

Was zur Folge hat, dass meine Familie verrückt spielt. Einmal kriecht „Meiner“, der sonst immer brav gleichzeitig mit mir zu Bett geht, morgens um vier vom Sofa, wo er nach „10 vor 10“ eingepennt war, ins Bett, macht schnell das Licht an, um den Wecker zu stellen und schnarcht dann selig neben mir weiter. Worauf es vorbei ist mit meiner Nachtruhe. An einem anderen Abend wird das Prinzchen wach, kaum habe ich es mir im Bett so richtig bequem gemacht. Und dann wird geplaudert, als habe man nie sonst die Gelegenheit dazu. Ein anderes Mal kommt Karlsson am frühen Morgen ins Zimmer gestürmt und fordert mich auf, aufzustehen, es sei schon fünf vor sieben. Ach Karlsson, warum immer so vernünftig? Ich wollte doch bloss noch ein paar Minuten vor mich hindösen. So wie Obelix, der jedesmal, wenn Asterix ihn wecken will, protestiert „Nur noch ein bisschen…“. Womit auch klar ist, wer bei uns Asterix und wer Obelix ist…

Ich weiss nicht mehr, was sich meine Familie sonst noch ausgedacht hat, um mich vom Schlafen abzuhalten, aber es war viel. So viel, dass ich eines Nachmittags nach dem Kaffee auf dem Sofa eingepennt bin und erst wieder erwachte, als der FeuerwehrRitterRömerPirat die einzige Rolle Aluminium-Folie, die ich je in meinem Leben besessen habe, zu Geburtstagsgeschenken für seine  Freunde verarbeitet hatte. Und da wusste ich, dass etwas geschehen musste. Also verkündete ich meiner Familie, dass ich heute zu Hause bleiben würde, während sie alle zusammen in die Kirche gehen. Die Kinder in ihren diversen Kinderprogrammen bestens versorgt, kann sich auch „Meiner“ im Gottesdienst selig zurücklehnen und ich kann endlich einmal schlafen. Ist doch schön, nicht wahr?

Nun, zu schön, um wahr zu sein. Denn heute früh um fünf nach acht kommt der FeuerwehrRitterRömerPirat ins Zimmer geschlichen. Ist er nicht zuckersüss?, denke ich schlaftrunken, als er sich an mich kuschelt und mich anstrahlt, wie er sonst nur strahlt, wenn er von seiner Liebsten redet. Irgendwann merke ich, dass er mit mir redet. Und was er da sagt, will mir gar nicht gefallen. „Papa hat gesagt, ich soll dich wecken.“ Wie? Habe ich richtig gehört? „Papa hat gesagt, ich soll dich wecken. Der Zoowärter hätte auch mitkommen sollen, aber er will nicht.“ „Ach so, der Zoowärter wollte nicht aufstehen“, filtert mein müdes Gehirn die Informationen heraus, die es hören will. „Das kann mir ja egal sein. Ich schlafe heute aus.“ „Mama, du musst jetzt aufstehen. Der Papa hat’s gesagt“, insistiert der FeuerwehrRitterRömerPirat und mir wird endlich klar, dass ich mich nicht verhört habe. Leider. Denn als ich mich aus dem Bett gekämpft habe, verkündet mir „Meiner“ völlig arglos, die Kinder würden auf die Adventsgeschichte warten.

Und die kann natürlich nur ich erzählen?

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