Versuch 2346

Vielleicht ist es auch schon Versuch 5418 oder erst Versuch 1979. So genau weiss ich es nicht mehr. Irgendwann habe ich nämlich das Zählen aufgegeben. Das Problem aber ist geblieben: Meine Kinder gehen nicht aus dem Haus, ohne einen Streit vom Zaun zu reissen, ohne sich hundertsiebenmal ermahnen zu lassen, sie müssten jetzt endlich gehen, ohne mir schon morgens um acht den letzten meiner nicht gerade in Massen vorhandenen Nerven auszureissen. Was haben wir schon alles versucht, damit es besser wird?

Smileypläne, zum Beispiel. Für einen Morgen ohne Krach gab’s einen Smiley-Sticker. Für zehn Smileys gab’s eine kleine Belohnung, für zwanzig eine etwas Grössere. Das Ganze hat genau bis zum zwanzigsten Smiley hingehauen, dann ging das Theater wieder los. Dann probierten wir es eine Weile lang damit, dass „Meiner“, bevor er um sechs Uhr aus dem Haus hetzte, den Kindern ein schönes Frühstück bereitstellte, Tee kochte und eine Kerze anzündete. War nicht wirklich die zündende Idee, auch wenn die Kinder anfangs noch begeistert waren von den liebevoll angerichteten Apfelschnitzen. Dann probierte ich es mit klassischer Musik, weil ich dachte, wenn Kühe sich dabei leichter melken liessen, würden sich Kinder damit vielleicht leichter aus dem Haus manövrieren lassen. Dann kam der Versuch mit dem Erzählen von Geschichten, dann derjenige mit meiner Mutter, die jeden Tag helfen kam, dann der Versuch mit dem „in den Hammer laufen lassen, wenn sie zu spät zur Schule kommen“ und dann platzte mir der Kragen und von da an fielen mir nur noch Herumbrüllen und Türen knallen ein.

Das kann es ja auch nicht sein, dachte ich und bestellte, nach dem letzten Eklat, eine überteuerte „Morgenmuffel-Uhr“, auf Französisch viel weniger euphemistisch „Montre pour ceux qui se lèvent de mauvaise humeur“ genannt. Diese Uhr lässt sich so einstellen, dass immer dann, wenn man mit etwas fertig sein sollte, ein Signal ertönt: 30 Minuten fürs Frühstück – Gong- 5 Minuten fürs Zähneputzen – Gong- 15 Minuten fürs Waschen, Anziehen und Kämmen – Gong – fünf Minuten um Schuhe und Jacke anzuziehen – Gong – und raus mit der Bande! Klingt gut, nicht wahr?

Bleibt zu hoffen, dass dass Ding seinen Preis Wert ist. Und dass der grösste Morgenmuffel im Hause Venditti damit endlich die Probleme in Griff kriegt…..

4 Kommentare zu “Versuch 2346

  1. Das ist ja das Verrückte am Familienleben: Man weiss, wie unglaublich gut man es hat und dennoch ist das Ganze so kräfteraubend. Dieses Hin- und Hergerissensein zwischen unbeschreiblichem Glück und absoluter Überforderung ist wohl schwierig zu verstehen, wenn man nicht drinsteckt. Aber ich denke, dass bei Singles das Schöne und das Überfordernde auch ganz nah beienander liegen. Oder bin ich da falsch gewickelt?
    Wie dem auch sei, wenn ich auch immer mal wieder lautstark jammere, so weiss ich doch, dass ich mich mit meiner Bande überaus glücklich schätzen darf.

  2. Ich liebe Eure Probleme. Ihr wisst nicht, wie gut ihr es habt! … Und ich bin aber froh, dass ich nicht glücklich zu sein habe. *Puh.Trotzdem, wie oft denke ich daran, mit so unwichtigen, aber trotzdem wesentlichen Problemen zu tun haben zu können. Als Single vermisse ich diesen Unsinn, als würde ich Liebeskummer haben. Obwohl ich genau weiß, wenn ich in Eurer Situation steckte, würde ich nur den Kopf schütteln, ob es das wirklich war, was ich vermisst habe. Und was erzähle ich gerade? Dass ich Sorgen vermisse, die mich zum Wahnsinn treiben könnten. Wie auch immer …

  3. Tja, an irgend jemandem muss man seine „Morgenmuffeligkeit“ wohl loswerden. Und wenn keine Geschwister da sind, muss wohl die Mama dranglauben. Wenn Geschwister da sind übrigens auch… 😦

  4. Tönt interessant, das mit der Uhr. Die könnte ich auch gebrauchen – allerdings bloss für meine Wenigkeit. Meine bald 15-jährige Tochter nämlich ist, was ihr Morgenritual betrifft, selbst eine wandelnde Zeitmaschine. Sobald der Wecker klingelt, gehts los:Nach 23,5 Sekunden steht sie neben dem Bett (dies, weil ich mich weigere, den Wecker früher klingeln zu lassen…); 24 Minuten Schminken, Anziehen etc. 5 Minuten Frühstück, 20 Minuten „Finish“. Man beachte die Prioritäten. Obwohl eigentlich keine Zeit mehr bleibt zum Streiten, schaffen wir das manchmal auch noch. Sogar ohne Geschwister.

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