Führungsschwach

Wenn Mama Venditti eine junge Frau im Hause hat, die ihr dabei hilft, das Chaos zu beseitigen, dann schämt sie sich fürchterlich dafür, dass ihre Kinder nicht so brav sind wie im Erziehungsratgeber, dass man der Wohnung ansieht, dass übers Wochenende alle krank waren, dass die Wäscheberge herumliegen. Mama Venditti entschuldigt sich dafür, dass nicht alles perfekt ist, und vergisst dabei a) dass sie ja Hilfe geholt hat, weil sie die Berge beseitigen will, b) dass es der jungen Frau wohl ziemlich egal ist, wie es bei Vendittis aussieht, weil sie ja zum Arbeiten gekommen ist und nicht weil es so schön ist hier, und c) dass die junge Frau irgendwann vielleicht froh sein wird, sich daran erinnern zu können, dass bei Vendittis auch nicht alles perfekt war, als die Kinder klein waren.


Wenn Mama Venditti eine junge Frau im Hause hat, die ihr dabei hilft, das Chaos zu beseitigen, dann erteilt sie die Anweisungen so:

„Hättest du vielleicht schnell Zeit, auf das Prinzchen aufzupassen? Ich muss schnell in den Keller gehen.“

Oder so: „Würde es dir etwas ausmachen, mit den Kindern ein Spiel zu spielen? Du kannst aber auch diesen Schrank hier aufräumen, wenn du lieber möchtest.“

Oder so: „Stört es dich, wenn ich das hier schnell erledige, währenddem du mit Karlsson das Zimmer aufräumst?“


Wenn Mama Venditti eine junge Frau im Hause hat, die ihr dabei hilft, das Chaos zu beseitigen, dann delegiert sie nichts, aber auch gar nichts. Warum nicht? Weil sie alles selber machen will, damit es perfekt ist? Nein, weil sie dabei immer wieder denkt: „So eine elende Drecksarbeit kannst du niemandem zumuten. Das musst du selber machen. Die junge Frau ist ja nicht dein Sklave, der jeden Mist für dich erledigen muss.“

Noch irgendwelche Fragen, weshalb es Mama Venditti beruflich auf keinen grünen Zweig gebracht hat?

2 Gedanken zu “Führungsschwach

  1. Eigentlich sehe ich das ganz ähnlich. Allerdings ist das bei mir auch schon ganz tüchtig in die Hose gegangen: Dann lag das Au-Pair auf dem Sofa und machte die stundenlange Pause, die ich nach der fünften Geburt und allem anderen Stress so dringend nötig gehabt hätte und auch eingefordert hatte. Da war dann wohl was falsch gelaufen…

  2. Wenn hostmam eine neue Au-Pair in die Hausarbeit einweist klingt das so „und dann wäre es gut, wenn Du“ oder „Schön wäre es wenn es Dir gelingen würde“ oder auch “ das wäre eigentlich auch täglich zu tun“. Wenn hostmam gaaaanz viel Glück hat, versteht die junge Dame den Subtext der da heisst „MACH ES, mach es täglich, mach es ordentlich!“.
    Wenn hostmam Pech hat versteht sie es nicht, macht es nicht oder nur teilweise und hostmam ist genervt.
    Deutliche Ansagen fallen mir nach wie vor schwer – schliesslich ist ja eine Au-Pair kein Hausmädchen… und dabei weiss ich genau, dass der Hausarbeitsanteil sich bei uns in sehr eng überschaubaren Grenzen hält.
    Wir sind einfach zu höflich….. 🙂
    Aber andererseits: ich mag mich lieber ein bisschen zu nett als ständig rumkommandierend (hoffentlich lesen meine Kinder nieeehiie diesen Kommentar!)

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