Fehlkäufe

Ich möchte ja gar nicht wissen, welche Unsummen von Geld ich in den vergangenen zehn Jahren aus dem Fenster geschmissen habe. Es muss unglaublich viel gewesen sein und ich wünschte, ich könnte all die Fehlkäufe rückgängig machen. Wer jetzt denkt, ich würde dem Geld nachheulen, das ich für Schuhe, Kleider, Handtaschen und Make-Up über die Jahre liegengelassen habe, der irrt. Für mich selber schmeisse ich eigentlich nur mit Geld um mich, wenn ich Bücher kaufe und wer will denn schon behaupten, sich mit Lesestoff einzudecken sei herausgeschmissenes Geld? Selbst das dümmste Buch ist seinen Preis wert und wenn es nur der unfreiwillige Unterhaltungswert ist, den man da bezahlt. Nein, ich klage nicht über Fehlkäufe, die ich für mich selber getätigt habe; ich bereue es, all das Geld für Playmobil, Legos, Barbies, Puppentheater und dergleichen ausgegeben zu haben.

Alles, was ich für meine Kinder hätte kaufen müssen, wären ein paar Kochlöffel, zwei oder drei Teesiebe, einen Haufen Tücher und natürlich mehrere Tortenheber gewesen. Das sind nämlich die einzigen Spielsachen, – mal abgesehen von den Stofftieren, die ebenfalls äusserst beliebt sind – an denen unsere Kinder nicht nach wenigen Stunden schon das Interesse verlieren. Während Luises Barbies schon bald einmal kahlgeschoren oder geköpft, die Playmobil-Ritter allesamt ohne Schädeldecke unterwegs und die Legosteine in alle Himmelsrichtungen achtlos zerstreut waren, sind und bleiben Schaumkelle, Schneebesen & Co. hoch im Kurs. Angefangen hat damit Karlsson, der zwischen seinem zweiten und vierten Lebensjahr selten ohne „seine“ Tortenschaufel anzutreffen war. Noch heute jubelt er jedesmal, wenn er dem Ding zufällig begegnet.

Mit seiner Liebe zu Küchenutensilien hat Karlsson offenbar all seine Geschwister, mit Ausnahme von Luise, vielleicht,  angesteckt und so streite ich mich Tag für Tag mit meinen Kindern, wer jetzt gerade die Bratenschaufel haben dürfe. Wobei es sich auch trefflich darüber streiten lässt, ob das Ding denn wirklich eine Bratenschaufel sei, oder nicht doch viel eher ein Säbel oder ein Morgenstern. Was man darin sehen will, hängt nämlich ganz vom eigenen Standpunkt ab. Und ob man damit gerade einen gefährlichen Ritter besiegen muss oder ein Schnitzel in der Bratpfanne wenden möchte.

Und wisst ihr, was das Traurigste ist an der ganzen Sache: Die meisten Fehlkäufe habe ich mir selber in die Schuhe zu schieben. Als jüngstes von sieben Kindern habe ich so sehr darunter gelitten, immer nur mit einarmigen Puppen, mehrfach operierten Teddybären und kahlköpfigen Playmobil-Figuren zu spielen, dass ich wollte, dass meine Kinder es einmal besser haben. Und weil es eines meiner traumatischsten Kindheitserlebnisse war, dass meine grossen Brüder den Einkaufsladen zu einer Seifenkiste umfunktionierten, weil sie nicht daran dachten, dass ihre kleinen Schwestern im besten Einkaufsladen-Alter waren, sorge ich dafür, dass auch das Prinzchen hin und wieder etwas Neues bekommt.

Wenn man die Sachen wenigstens später noch für gutes Geld bei Ricardo verscherbeln könnte, wäre das ja alles halb so schlimm. Aber das Meiste kommt in solch desolatem Zustand aus den Kinderzimmern, dass wir es wohl nicht einmal für unsere Enkelkinder aufbewahren können. Ich frage mich bloss, wie die Kinder es überhaupt schaffen, das Zeug kaputt zu machen, wo sie doch immer nur mit meinen Kochlöffeln spielen.

2 Gedanken zu “Fehlkäufe

  1. Das mit dem Wegräumen haben wir auch lange so gemacht. Inzwischen aber sind unsere Grossen gross genug, um alles wieder hervorzuschleppen, was wir weggeräumt haben.

  2. Kann mich dem nur anschließen. Ich denke auch manchmal, mann müsste einfach den ganzen Spielzeugkrempel einfach wegwerfen und schauen ob irgend ein Kind überhaupt etwas vermisst. Ich befürchte auch unsere Damen würden nur einem minimalem Bruchteil wirklich hinterher trauern. Wobei sie schon damit spielen, aber so richtige Herzblut/Lieblingsspielsachen haben sie nicht. Bis auf 1-2 Teile.

    Aber immer wenn es wieder auf Weihnachten und Geburtstag geht kann ich mich selbst auch schwer bremsen. Aber eine Regel habe ich mittlerweile. Lieber 1-2 große teure und qualitativ hochwertige Dinge als 20 Plunderteile. Und da hält die Verwandschaft sich auch weitgehend dran.

    Und ich räume regelmäßig 1/3 der Spielsachen in den Keller, nach 1-2 Monaten sind die Sachen für die Kids wieder wie neu.

    Unsere Spielen übrigens zur Zeit stundenlang mit unreifen Äpfeln und Gartenstühlen.

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