Ja

Zwölf Jahre ist es her, da haben „Meiner“ und ich ja gesagt. Ja zu einem Leben zu zweit, zu einem Leben, das wir uns etwa so vorgestellt hatten: Ein paar Jahre die Zeit zu zweit geniessen, ein wenig reisen, ein wenig studieren und ein wenig Geld verdienen, „Meiner“ zuerst mit unterrichten, dann mit etwas Kreativem, ich vielleicht als Journalistin, vielleicht auch als Gymnasiallehrerin oder vielleicht auch als etwas ganz anderes. Dann irgendwann eins, zwei, drei, vier Kinder, alle schön nacheinander, in gut verkraftbaren Abständen, Junge, Mädchen, Junge, Mädchen oder vielleicht auch Mädchen, Junge, Mädchen, Junge, auf alle Fälle schön gleichmässig nach Geschlechtern aufgeteilt. Ein eigenes Haus würden wir nie besitzen, ein eigenes Auto erst recht nicht.

Zwölf Jahre sind vergangen und alles ist ein wenig anders geworden, als wir es uns damals gedacht hätten: Wir besitzen zwei Drittel eines Hauses, auf dem Vorplatz steht ein eigenes Auto – gut, inzwischen ist es wenigstens kein Siebenplätzer mehr, sondern nur noch ein nettes himmelblaues Kleinwägelchen -, in den Kinderzimmern schlafen fünf Kinder, Junge, Mädchen, Junge, Junge, Junge und die Kinderchen sind nicht schön brav dann gekommen, wann wir sie geplant hätten, sondern dann, wenn ihnen gerade danach war, zu unserer Familie zu stossen. Unser Leben zu zweit dauerte gerade mal anderthalb Jahre, dann waren wir schon zu dritt.

Unser Leben zu zweit, dann zu dritt, zu viert, zu fünft, zu sechst und schliesslich zu siebt steckte voller Überraschungen, viele davon wunderschön, viele davon aber auch niederschmetternd. Wie oft haben wir gestaunt über Dinge, die wir nie für möglich gehalten hätten? Wie oft haben wir geweint, weil wir uns das alles etwas einfacher vorgestellt hatten? Wie oft haben wir gezweifelt, ob unser Weg noch in die richtige Richtung geht? Wie oft haben wir gejubelt, weil Träume wahr geworden sind? Wie oft haben „Meiner“ und ich uns angebrüllt, weil der andere mal wieder so unmöglich war? Wie oft haben wir uns gesagt, wie unendlich glücklich wir uns schätzen, miteinander unterwegs sein zu dürfen?

Zwölf Jahre schon leben wir das, was viele Menschen für ein Auslaufmodell halten. Zwölf Jahre schon fahren wir auf der Berg- und Talbahn des Familienlebens. Zwölf Jahre schon? Oder sind es nicht viel eher zwölf Jahre erst? Denn auch wenn es mir so vorkommt, als wären wir schon seit Ewigkeiten verheiratet, die Zeit verging dennoch wie im Flug.

Nun, wie dem auch sei, wichtig ist daran nur eines: Auch wenn kaum etwas so geworden ist, wie wir uns dies vor zwölf Jahren mal ausgemalt hatten, Ja sagen würde ich auch heute wieder. Wenn auch auf ziemlich andere Art und Weise als damals. Vielleicht könnten „Meiner“ und ich ja noch einmal heiraten….

10 Kommentare zu “Ja

  1. Wer JA sagt ist mutig!
    Wer es dann mit 5 Kindern 12 Jahre durchhält ist stark!
    ….
    Nicht immer ist es einfach eine Familie zu haben, einen Partner zu lieben und sich selbst dabei nicht zu vergessen, aber im großen Ganzen lohnt es sich!

    Ich sagte vor 20 Jahren JA, 5 Jahre Probezeit vorne weg und es wurden 3 Kinder…..ich bin stark und dennoch schwach, ich bin doch auch nur ICH und manchmal möchte ich fliehen um wieder kehren zu dürfen!
    …..
    JA, ich würde auch wieder JA sagen …nur anders! Mein Herzallerliebster und ich sind ein Team das sich gerne NEU erfinden um beim Alten zu bleiben!
    ….
    Herzlichen Glückwunsch 😀

    • Danke! Und gleichfalls!
      Ich glaube, dass in dem „sich neu erfinden“ eine ganz grosse Kraft liegt, die einer Beziehung immer wieder neue Facetten bringen kann. „Meiner“ und ich sind immer wieder mal dran.

      Wir hatten vor den zwölf Jahren Ehe auch fast sieben Jahre Probezeit und inzwischen haben wir schon mehr als das halbe Leben zusammen verbracht. Einfach erstaunlich, dass ich diesen Mann noch immer spannend finde… 🙂

  2. ja, die zeit vergeht wirklich wie im flug… bei mir wären es dieses jahr auch 12 jahre gewesen. ich finde es schön, macht ihr euren weg, mit tiefen, wie auch mit höhen…

    • Ja, diese Tiefen , die können einem ganz schön zusetzen. Ich bin dankbar, dass wir bis jetzt immer wieder einen Ausweg daraus gefunden haben.

      Ich wünsche dur, dass für dich auch wieder eine Zeit mit mehr Höhen als Tiefen kommt….

  3. Ich gratuliere ganz herzlich!

    Auch bei „Meinem“ und mir werden es im Dezember 12 Jahre – wobei wir schon von Anfang an zu sechst waren und mittlerweile auf zehn angewachsen sind. Ich hab‘ mit knapp 20 eine ganze Familie geheiratet 🙂

    Und Du kannst Dir vielleicht vorstellen, dass auch wir uns Manches gaaaaaanz anders vorgestellt haben…

    Viele Grüße von einem anderen „Auslaufmodell“!

    CiC
    (Ehefrau, Mutter und Hausfrau – ich bin gleich drei Auslaufmodelle in Einem!)

  4. Herzlichen Glückwunsch zu den ersten 12 Jahren! Da wünsche ich euch noch viele weitere hinzu, in denen ihr noch viele neue Seiten an euch und neue Wege für euch entdeckt.
    Bei uns ist auch vieles ganz anders gekommen, als wir uns das am Anfang vorgestellt haben, aber ich würde meine Familie auch niemals tauschen wollen und meinen Allerbesten gleich noch einmal heiraten 🙂 .

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