So ein Mist!

Kinderwagen Nr. 6 hat den Geist aufgegeben. Genauer gesagt: Das linke Hinterrad von Kinderwagen Nr. 6 hat den Geist aufgegeben. Wer sich mit Kinderwägen ein wenig auskennt, weiss, dass die Räder eine entscheidende Rolle darin spielen, das Gefährt zum Rollen zu bringen. Was bedeutet, dass Kinderwagen Nr. 6 seit gestern funktionsuntüchtig ist. Gut, ich könnte ja versuchen, das Rad mit Sekundenkleber anzukleben. Anders geht das nicht, denn die Schraube ist so saumässig blöd abgebrochen, dass sich da nichts mehr schrauben lässt. Nun weiss ich aber aus bitterer Erfahrung, dass Kleben bei Kinderwägen wenig bringt und deshalb muss ich leider verkünden, dass Kinderwagen Nr. 6 nicht mehr ist. Nennt mich ruhig desillusioniert, dass ich wegen einem klitzekleinen Kinderwagenrad den ganzen Wagen abschreibe, aber eben, ich habe da so meine Erfahrungen gemacht.

Nun denn, Kinderwagen Nr. 6 ist Geschichte. Wie aber soll die Zukunft aussehen? Soll das Prinzchen ab jetzt zu Fuss gehen? Immerhin wird er übermorgen zwei, da kann er sich schon ziemlich gut und lange auf den Beinen halten. Bloss fragt sich, wie weit wir dann noch kommen. Klar, wir wären dann mit wirklich jeder Schnecke und jeder Katze im Quartier per Du, aber was ist mit all den Schnecken und Katzen in den anderen Quartieren, die wir auch so gerne mal kennen lernen möchten? Und wenn wir schon dabei sind, Schnecken und Katzen zu treffen, könnte man ja auch noch den einen oder anderen Einkauf erledigen. Abgesehen davon, dass unsere Welt ohne Kinderwagen noch kleiner würde, tut mir auch das Prinzchen Leid: Muss er denn jetzt schon laufen, bloss weil dieser blöde Wagen sein Rad so mies behandelt hat, dass es ganz dringend von ihm weg wollte? Nein, das Prinzchen kann wirklich nichts dafür und darum soll er auch nicht die Konsequenzen tragen müssen.

Was aber dann? Kinderwagen Nr. 7 anschaffen? Wo wir doch für Kinderwagen Nr. 1 bis 6 schon ein halbes Vermögen haben liegen lassen? Das kann’s doch nicht sein. Wie ich so mit dem Au-Pair hin und her überlege, was zu tun sei, erinnere ich mich plötzlich an diverse Angebote, die mir in der Vergangenheit gemacht wurden: „Ach, warum hast du mir nichts gesagt? Ich hätte doch noch einen Kinderwagen, der bei mir nur noch rumsteht….“ Bis jetzt habe ich solche Angebote immer abgelehnt. Immer, bis auf ein einziges Mal und dann stand ich da mit einem lottrigen Wägelchen ohne Sicherheitsgurten, mit welchem jeder Spaziergang zu einem Survivaltrip für das Kind wurde. Ich hoffe, ihr versteht jetzt, weshalb ich danach nur noch nein gesagt habe, wenn man mir einen Kinderwagen anbot.

Weil ich die ganze Kinderwagensache inzwischen aber so satt habe, tue ich heute etwas, was ich nie und nimmer hätte tun wollen: Ich frage mal ganz schüchtern und vorsichtig, ob da vielleicht jemand ein klitzekleines Kinderwägelchen mit Sicherheitsgurt, mit Rädern aber ohne namhafte Macken in der Garage stehen hat. Ein Kinderwägelchen, das noch fit genug ist, das Prinzchen bis zu seinem dritten Geburtstag hin und wieder bei seinen Ausflügen zu unterstützen. Ich wäre auch gerne bereit, einen Teil der Anschaffungskosten zurückzuerstatten.

Jetzt, wo ich die schüchterne Bitte geäussert habe, noch eine sehr laute Randbemerkung: Wir brauchen nur einen Kinderwagen, wir sind nicht die Sperrgut-Sammelstelle des Kantons Solothurn und wir hätten auch keine Freude an einem „noch fast nie gebrauchten, nur leicht schimmligen Reisebettchen“ und einem „leicht zerkratzten Nachtlicht, das ich auch nicht mehr brauche und dir deshalb für nur 50 Franken gerne überlassen würde“. Und nein, wir brauchen auch keine ausgetragenen Kleider für Karlsson, Luise, den FeuerwehrRitterRömerPiraten, den Zoowärter und „Meinen“, falls ihr das auch noch fragen wolltet. Bevor ich schliesse noch dies: Bitte nur ernstgemeinte Zuschriften mit Bild. Und bitte nicht böse werden, wenn wir nein sagen. Wir brauchen wirklich nur einen und es ist ganz bestimmt nicht persönlich gemeint, wenn wir euren nicht auch noch nehmen können….

9 Kommentare zu “So ein Mist!

  1. Oh ja, wir sind auch gerade dabei, Model Nr. 5 anzuschaffen. Allerdings aus dem Grund, weil wir einen Wagen brauchen, in dem man mit unsrer Großen mal in der Stadt unterwegs sein kann, ohne dass ihr die Beine auf dem Boden baumeln und plötzlich – autsch – unter dem Wagen verschwinden…
    Nr. 1 war ein olles Geschenk, das schon das Zeitliche gesegnet hat, Nr. 2 ist ein geschenkter alter Skater, der beste, robusteste geländegängigste und bestbeladbarste Wagen, den ich kenne, nur leider nicht für Babys. Deswegen haben wir Nr. 3 angeschafft, neuerer Skater mit drehbarem Kinderwagenaufsatz und schwenkbarem Rad, wodurch alle Vorteile des ersten Skater flöten gingen. Räder und Lenkstange sind mittlerweile auch schon so überstrapaziert vom 2-3 Kinder gleichzeitig kutschieren, dass es mich nicht wundern würde, wenn sie sich demnächst von ihrem Wagen trennen würden, genauso bei unsrem super kleinen, leichten Buggy.
    Aber vielleicht macht es dir Mut zu hören, dass wir alle extrem günstig gebraucht gekauft und zwei Jahre lang intensiv strapaziert haben. Der Skater war sogar geschenkt und immernoch top. Wir sind also im Ganzen gesehen sehr zufrieden mit unsrem ollen Fuhrpark.
    Wünsch dir, dass du ebenfalls einen guten alten findest!

  2. Nun, wenn er nach 6 Kindern den weg von Schiers hierher noch überlebt, dann sollte er auch das Prinzchen noch ein wenig aushalten können. 😉 Du kannst ja mal nachfragen.

  3. Ich traue mich zwar fast nicht, aber ich wage es trotzdem:
    Bei Freunden in Schiers steht unser ultimativ gefedertes Buggymodell, das unterdessen schon ca. 6 Kinder (fast) unfallfrei über Stock und Stein befördert hat. Soll ich mal nachfragen, ob er Deine Bedingungen noch erfüllt, oder sind Dir 6 Kinder zu viele?

    Guet Nacht und tröim süess vomene coole Buggy!

  4. Nun, so ganz grundsätzlich hat der naive kinderlose junge Mann gar nicht so Unrecht mit seinem Vorschlag. 🙂 Das Problem ist nur, dass sich die Traghilfe und meine vertikale Herausforderung in die Quere kommen. Ist gar nicht so einfach, ein Kind zu tragen, das mehr als halb so groß ist wie die Mutter. Deshalb halt doch lieber der Kinderwagen, auch wenn mir Tragen grundsätzlich sympathischer wäre.

  5. Mal so von nem ganz naiven kinderlosen jungen Mann 😉

    Wie wäre es denn statt Wagen mit einer Tragehilfe? Ich persönlich habe „Lasten“ immer viel lieber auf dem Rücken bzw. dank moderner Systeme auf der Hüfte und meine Hände frei, anstatt irgendwelchen „Kram“ auf Wagen/am Boden zu haben, wo man immer drauf aufpassen muss und unterschiedliche Bodenbeläge schnell hinderlich werden. Von der insgesamt ungleich höheren Bewegungsfreiheit und Reaktionsfähigkeit mal abgesehen.

    Hab vor einiger Zeit mal die damals 4-jährige einer Bekannten in einer Manduca auf dem Rücken gehabt. Ganz ehrlich, ich hab sie kaum gespürt. Und nein, ich bin kein stämmiger, muskulöser Sportler/Arbeiter, ganz im Gegenteil, Kondition ist ein Fremdwort 😉 und Rückenmuskulatur hab ich wenn überhaupt als kleiner Steppke mal besessen. Dennoch war dank Hüftgurt und Haltung ganz nah am Körper, das Gewicht fast nicht zu spüren.

    Vor allem aber, so ne Tragehilfe mag zwar für „das bisschen Stoff“ teuer erscheinen, aber im Vergleich zum Kinderwagen wohl doch nur ein Bruchteil.

  6. Merci für das Angebot. Bei unserem Kinderwagenverschleiss wage ich aber nicht, einen Wagen auszuleihen, der in ein paar Monaten noch gebraucht wird. 😉 Falls ich aber keinen Alten angeboten kriege- was sehr unwahrscheinlich ist – werde ich bestimmt noch einmal ganz schüchtern bei euch anklopfen….

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.