Wenn ich ein Geschirrspüler wäre…

… dann würde ich es auch so machen. Ich würde Tag für Tag klaglos meinen Dienst tun und würde höchstens leise vor mich hin brummen, dass es doch eine Schweinerei sei, dass diese Vendittis immer so viel schmutziges Geschirr haben und dass es eine himmelschreiende Ungerechtigkeit ist, dass das Au Pair einen Lohn kriegt, die Maschine, die auch noch da sein wird, wenn das Au Pair längst wieder weg ist, hingegen nicht. Ich würde mich darüber ärgern, dass die mich nicht wahrnehmen, aber ich würde dennoch schön brav tun, was von mir erwartet würde. Auch wenn diese Vendittis einem ganz schön etwas zumuten können, wenn sie einen bis oben hin mit Pfannen vollstopfen, bloss weil sie zu faul sind, hin und wieder selber zu Spülbürste und Geschirrtuch zu greifen.

So würde ich das tun, aber irgendwann wäre es leid, täglich ohne Dank und Lob die gleiche Arbeit tun zu müssen und deshalb würde ich mir überlegen, wann die mich denn am meisten vermissen würden, wenn ich meinen Dienst verweigern würde. Vielleicht am Geburtstag eines der Kinder? Oder wenn Gäste da sind? Nein, alles viel zu wenig effektvoll. Die müssten wirklich spüren, wie unverzichtbar ich bin. Und deshalb würde ich den Entschluss fassen, ein paar Tage vor Heilig Abend mit einem eigenartigen Piepsen anzufangen. Ich würde aber meine Arbeit weiterhin so halbwegs erledigen, so dass diese Vendittis nicht auf die Idee kommen, einen Monteur zu rufen. Und dann, am 23. Dezember, kurz vor Feierabend würde ich ein letztes hysterisches Piepsen von mir geben und darauf einfach meine Arbeit niederlegen. Der Anblick der verzweifelten Vendittis, die nicht mehr wissen, wohin mit all dem schmutzigen Geschirr, das sich ansammelt, weil sie mal wieder so unglaublich viel kochen und backen wollen zu Weihnachten, würde mich für all meine Mühen entschädigen.

Genau das würde ich tun, wenn ich ein Geschirrspüler wäre und deshalb habe ich auch ein gewisses Verständnis für unseren Geschirrspüler, der genau dies getan hat. Dumm nur, dass der Geschirrspüler vergessen hat, dass oben, in unserer Zweitküche – ja, wir haben zwei Küchen, fragt mich bitte nicht, weshalb und vertraut mir einfach, dass es Gründe, wenn auch nicht besonders einleuchtende, dafür gibt – ein armer vernachlässigter Kollege steht, der auch so gerne wieder mal arbeiten möchte. Und deshalb lassen wir uns nicht von einem übel gelaunten Haushaltgerät das Fest verderben, sondern nützen die Gelegenheit, ein paar überschüssige Kalorien abzubauen, indem wir das schmutzige Geschirr nach oben tragen.

Frohe Weihnachten allerseits!

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