Schlaf Töchterlein, schlaf!

Sie war schon als Kleinkind besonders gut darin, sich die Nächte um die Ohren zu schlagen. Meist schlief sie abends um sechs innert Minuten ein, erwachte dann so gegen Mitternacht und setzte die Küche unter Wasser, schlafwandelte zur Grossmama ins Parterre oder fütterte ihre Brüder mit Schokolade bis sie morgens gegen sechs Uhr erschöpft einschlief. Um zehn oder elf erwachte sie wieder, war für den Rest des Tages quengelig und ungeduldig und schlief schliesslich meist vor dem Abendessen wieder tief und fest. So ging das zwei Jahre lang, irgendwann sass ich heulend im Sprechzimmer der Kinderärztin, aber auch sie konnte mir nicht weiterhelfen. Dann kam der Zoowärter zur Welt und seit jenem Tag schläft Luise mit wenigen Ausnahmen wie ein Murmeltier.

Na ja, bis vor Kurzem schlief sie, seit einiger Zeit macht sie wieder immer öfter die Nacht zum Tag. Meist fängt es damit an, dass ihr abends irgend eine schlimme Sache in den Sinn kommt, die ihr den Schlaf raubt, irgendwann lässt sie sich dann aber doch ins Land der Träume entführen. Dort findet sie aber offenbar keine Ruhe und deshalb findet sie meist mitten in der Nacht den Weg ins Elternschlafzimmer oder zu einem ihrer Brüder. Ob sie dabei auch wirklich wach ist, oder ob sie erst erwacht, wenn wir aus dem Tiefschlaf hochschrecken und fragen, was denn los sei, ist weder ihr noch uns ganz klar. Auf alle Fälle kommt irgendwann der Moment, wo sie wieder hellwach ist, wenn eigentlich Schlafenszeit wäre. Wie früher eben, ausser dass sie heute keine Überschwemmungen mehr veranstaltet. Manchmal findet sie den Schlaf nicht mehr, dann steht sie frühmorgens in unserem Zimmer und schimpft, wir würden alle immer schlafen, das sei so langweilig. Manchmal schläft sie im Morgengrauen wieder ein und will dann verständlicherweise nicht aus dem Bett kommen, wenn es Zeit wäre. Manchmal wird sie erst am späten Nachmittag vom Schlaf übermannt, was dann natürlich wieder das Einschlafen am Abend erschwert. Mit guter Laune ist da verständlicherweise nicht mehr zu rechnen.

Wir sind derzeit ziemlich ratlos, wie wir die Sache diesmal in den Griff bekommen können, denn die Methode von früher lässt sich heute nicht mehr anwenden. Eines aber weiss ich: Den Gedanken, mit grösseren Kindern würden die Nächte wieder ruhiger, können wir uns allmählich abschminken, denn ist Luises Schlafproblem erst mal gelöst, werden wir schon bald aufbleiben müssen, bis Karlsson nach Hause kommt.

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