Das hat man davon, wenn man zu langsam strickt…

Draussen liegt der erste Schnee und im Schrank liegt die Wolle, aus denen Zoowärters und Prinzchens neue Fäustlinge für den ersten Schnee hätten werden sollen. Die Wolle liegt noch dort, weil auf dem Klavier ein fast fertiger Strickschal für Luise liegt und dieser liegt noch dort, weil im Garten bis vor Kurzem ein Schutthaufen lag, von dessen Beseitigung sich meine Arme erst erholen mussten, ehe sie wieder stricken mochten. So kommt es, dass unsere zwei Jüngsten beim ersten Schnee keine Handschuhe haben, denn die vom letzen Jahr sind hin. Oder sind getrennte Wege gegangen. Oder haben die Motten zu nahe an sich herangelassen. 

„Kein Problem“, sagte ich, „ihr geht schon mal aus dem Haus und ich hole euch im Dorf neue Handschuhe, die ich dann auf dem Heimweg in der Schulgarderobe deponiere.“ Kein Problem? Von wegen! Im ersten Laden hatten sie gar keine Handschuhe, sondern nur samtweiche Winterpyjamas, flauschige Socken und Thermounterwäsche. Im zweiten Laden hatten sie Handschuhe. Fleece-Fäustlinge für Damen, Skihandschuhe für Herren, Fingerhandschuhe für Damen mit irgend so einem Touch-Dings im Zeigefinger, damit man beim Bedienen des Smartphones keine kalten Finger kriegt. Ach ja, Fleece-Fingerhandschuhe hatten die auch noch, für Damen und Herren. Und für Kinder? Nichts, zumindest nichts gegen kalte Hände, dafür kuschelige Hausschuhe mit Norwegermuster. 

Was also tun? Einen dritten Laden mit Handschuhen gibt es nicht in der Gehdistanz, die dringliegt, damit ich rechtzeitig zum Kaffee mit meiner Schwester wieder zu Hause bin. Ich habe also die Wahl, eine Rabenmutter zu sein, die ihren Kindern keine Handschuhe kauft, oder eine doofe Mama, die ihren zwei jüngsten Söhnen dunkelviolette Damen-Fäustlinge in die Jackentasche stopft. Ich entscheide mich für die Rolle der doofen Mama, denn an die gewöhne ich mich allmählich. Gut, die Rolle der Rabenmutter spiele ich in den Augen gewisser Leute ebenfalls bestens, aber davon ist jetzt nicht die Rede. Ich kaufe also zwei paar potthässliche, dunkelviolette Damenfäustlinge, wohl wissend, dass Zoowärter und Prinzchen damit ähnlich lächerlich aussehen werden wie wenn sie versehentlich in Papas Schuhen aus dem Haus gegangen wären. Was soll’s? Irgendwann werden wir darüber lachen. 

Nur eine Sache beschäftigt mich noch, als ich auf dem Heimweg bin: Warum um Himmels Willen kommen meine Söhne überhaupt auf die Idee, Handschuhe tragen zu wollen? Ist doch noch viel zu warm dazu…

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