Fiktives aber leider nicht ganz frei erfundenes Gespräch mit einer Einzelkindvollzeithausfrau

Ich: „So, ich muss los. Die Horde braucht Futter und ich habe noch nichts vorbereitet.“

Einzelkindvollzheithausfrau:“Ach ja, kochen. Das liegt mir nicht so. Meistens schiebe ich eine Fertigpizza in den Ofen. Oder Fischstäbchen finde ich auch ganz praktisch. Und kennst du diese Findus-Dinger…“

Ich: „Na ja, weisst du, mit den Fertigprodukten habe ich es nicht so…“

EVH: „Ich koche halt einfach nicht gerne. Wenn einer bei uns kocht, dann mein Mann, am Wochenende. Und der backt manchmal sogar…“

Ich: „Das machen wir auch viel. Die Kinder lieben es…“

EVH: „Ja, aber das gibt immer so eine Sauerei. Also mit dem Kleinen backe ich nie…“

Ich: „Ja, die Sauerei gehört halt dazu, aber bei uns ist ohnehin immer Chaos, da kommt es darauf auch nicht mehr an.“

EVH: „Oh ja, das Chaos, das kenne ich auch. Ich hasse putzen.“

Ich: „Ich auch. Und kaum ist es erledigt, fängt man wieder von Vorne an…“

EVH: „Wem sagst du das? Ich bin immer froh, wenn mein Mann das Putzen übernimmt. Der macht das gerne.“

Ich: „‚Meiner‘ muss auch oft dran glauben. Anders schaffen wir das einfach nicht.“

EVH: „Also wenn der Kleine zu Hause ist, kann ich auch nicht putzen. Zum Glück kommt er im Sommer in den Kindergarten, dann muss ich ihn nicht jedes Mal zur Schwiegermutter bringen, wenn ich mal putzen muss. Ich hab mir auch schon überlegt, ob ich vielleicht eine Putzfrau engagieren soll.“

Ich: „Wir hatten lange eine, aber jetzt, wo alle im Kindergarten und in der Schule sind, sollten wir es ohne schaffen.“

EVH: „Ich weiss nicht, wie du das mit dem Haushalt hinkriegst. Nur schon mein Wäscheberg bringt mich fast um. Drei Maschinen pro Woche, kannst du dir das vorstellen?“

Ich: „Nun ja…“

EVH: „Zum Glück habe ich nicht auch noch einen Job, oder ein zweites Kind. Ich würde zusammenbrechen…“

Ich: „So, ich muss jetzt wirklich los. Am Nachmittag muss ich noch…“

EVH: „Erinnere mich bloss nicht an heute Nachmittag. Da muss ich einen Geburtstagskuchen backen. Diese Fertigmischungen machen immer so viel Arbeit…Und übermorgen dann die Geburtstagsparty im Indoor-Spielplatz. Wie soll ich das bloss schaffen?“

Ich mache mich auf den Heimweg und frage mich, was um Himmels Willen die arme Frau so sehr auslaugt. Ich tippe auf Reality-TV und Nägel lackieren.

Und nein, ihr Vollzeithausfrauen und Einzelkindmütter braucht euch durch diesen Post nicht betroffen zu fühlen. Ich weiss, dass die meisten von euch einen sehr guten Job machen. Und ich weiss auch, dass ich meinen Job öfters mal ziemlich schlecht mache. 

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6 Kommentare zu “Fiktives aber leider nicht ganz frei erfundenes Gespräch mit einer Einzelkindvollzeithausfrau

  1. Solche Leute beweisen mir, dass Kürzertreten nicht glücklich macht. Ich dachte darüber nach mein Pensum im Büro zu reduzieren, bin inzwischen sicher, dass ich mit weniger zu tun nicht entspannter wäre. Also „Hop dä Bäse“ mitten in den Adventsstress!

  2. Konnte mir ein gewisses Schmunzeln nicht verhalten – schön geschrieben! Ich denke, man wächst eben mit den Aufgaben.
    Von Herzen,
    Muttis Nähkästchen (2 Kinder, 2 Jobs, 1 Putzfrau – und wenn der Schuh drückt, darf’s auch mal eine Fertigpizza sein)

    P.S.: Ich habe dir das Blog-Stöckchen „Best Blog Award“ weitergereicht. Vielleicht hast du Lust, auf meine Fragen zu antworten: http://muttis.wordpress.com/2013/12/10/stockchen-best-blog-award/

    • Aber natürlich darf es hin und wieder eine Fertigpizza sein. Wobei ich in diesem Fall lieber zu Frühlingsrollen und Samosas greife. 🙂
      Danke fürs Stöckchen. Schaue es bei Gelegenheit an.

      Liebe Grüsse

  3. Doch, ein bisschen betroffen fühle ich mich, als (Fast-)Vollzeithausfrau! Man wächst nämlich nicht nur mit den Aufgaben, man kann tatsächlich auch schrumpfen, wenn die Aufgaben weniger werden. Finde ich eine echte Gefahr am Reduzieren. Und dein Post bestärkt mich wieder einmal darin, meine gewonnene Zeit sorgfältig einzusetzen. Danke :-).

    P.S. Mein Sohn ist total fasziniert von den Schneeflöckli!

    • Solange du dich auf diese Art betroffen fühlst, kann ich ja weiterhin ruhig schlafen. Ich möchte ja nicht jemandem auf die Füsse treten, bloss weil ich dessen Situation nicht kenne.
      Und ja, die Schneeflöckli sind toll. Bin immer ganz traurig, wenn wordpress sie am 4. 1. wieder abstellt.

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