Vorübergehend, vielleicht

Wir von der aktuellen Generation +/-40 sind ja schon irgendwie sonderbar. Wir träumen davon, einfach mal alles stehen und liegen lassen zu können, in den nächsten Zug (oder wenn’s denn unbedingt sein muss ins nächste Flugzeug) zu springen, um an einen Ort zu entschwinden, wo wir sorgenfreie Tage geniessen können. Wir wünschen uns, wir könnten es uns leisten, beruflich noch einmal ganz von vorne anzufangen, um etwas zu tun, was voll und ganz unseren Leidenschaften und Fähigkeiten entspricht. Einige von uns hegen den Wunsch, sich irgendwohin in die Abgeschiedenheit zurückzuziehen, wo niemand ihre Unterhaltungen mit den Tomatenstauden stört – ich, zum Beispiel -, andere würden lieber auf eine andere Art ausbrechen aus dem Alltag, den sie sich aufgebaut haben. Ich weiss gar von Menschen meiner Generation, die nichts lieber täten, als den ganzen Tag auf dem Golfplatz zu verbringen (Fragt mich bloss nicht, warum sie sich das wünschen. Meine eine Probelektion vor zig Jahren im Sportunterricht in den USA hat mir gereicht.). Natürlich gibt es unter uns auch bescheidenere Menschen, die einfach schon glücklich wären, wenn sie sich bei Tee und Scones ungestört einen Schmöker nach dem anderen reinziehen könnten. Bei mir rangiert dieser Traum ziemlich weit oben auf der Hitliste, unerreichbar bleibt er trotzdem noch für eine ganze Weile.

Genau dies ist das Problem mit dieser Art von Träumen: Man muss sie entweder leben, wenn man noch jung und ziemlich verantwortungsfrei ist, oder aber aufschieben aufs Alter, in der Hoffnung, dann noch fit genug zu sein dafür. Unser Problem aber ist, dass wir einerseits nicht mehr ganz jung und ganz bestimmt nicht verantwortungsfrei sind und andererseits auf gar keinen Fall alt werden wollen. Vielleicht sollten wir vorübergehend von Dingen träumen, die etwas näher an unserer Realität sind.

Aber wirklich nur vorübergehend.

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8 Kommentare zu “Vorübergehend, vielleicht

  1. Ein schönes Buch lesen und dazu Scones und Tee zu geniessen, das sollte auch mit 80 noch klappen, hoffentlich. Und bis dahin wird es wohl auch um dich rum ruhiger, damit du in Ruhe mit den Tomaten plaudern kannst 😉

    • Ja, das sollte tatsächlich auch mit 80 noch drinliegen. Mit meinen Tomaten rede ich natürlich jetzt schon, aber wenn mich meine Kinder hören,finden sie mich ziemlich peinlich. 😉

  2. Tröste dich, auch ich träume von diesen Dingen, mit den Scones wäre ich schon sehr zufrieden. Und o.k., ich hab die Zeit dazu, trotzdem klappt es nicht immer. Einfach mal ausbrechen, das wäre auch eine Option. Dann denke ich wieder an meinen Garten, und bleib da. Er ist eigentlich alles, was ich brauche. Und Mr. W.

    Deine Geschichten rühren mich sehr an, schreib weiter!

    Sigrun

    • Danke sehr. Das motiviert mich doch gleich wieder zum Schreiben. 🙂
      Der Garten bietet mir auch immer wieder die Möglichkeit zum Ausbrechen. Auch wenn er nicht ganz so traumhaft aussieht wie deiner. Habe neulich bei dir im Blog die Aurikel bestaunt. Bin seit zwei Jahren dran, mir welche selber zu ziehen, weil man sie in der Schweiz kaum zum Kaufen findet.

  3. Interessanterweise war (ist….) es bei mir die jüngste Tochter, die keinen Streich…keinen Blödsinn ausgelassen hat…bis heute…;-) Besonders grinsen musste ich über die Schnipsel…nach dem Basteln…wenn man noch Hund und Katze hat, sind die dann im ganzen Haus verteilt….;-))))) LG Lotta.

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