Söhne

Sie bringen es fertig, den Abfluss im Bad mit einem Messer zu verstopfen. Fragt mich bitte nicht, wie man es schafft, ein Messer so tief hineinzustecken, dass oben nichts mehr herausschaut, aber wenn man sich richtig bemüht, geht es. 

Sie setzen sich in die massgefertigten Schubladen, für die wir vor Jahren viel Geld ausgegeben haben und spielen, es sei ein… ja, was eigentlich? Keine Ahnung. Aber am Ende des Spiels ist die Schublade kaputt. 

Sie verstecken ihre schmutzige Wäsche im hintersten Winkel ihrer Zimmer, anstatt – wie vereinbart – einmal die Woche den Weg zur Waschküche unter die Füsse zu nehmen. Und dann heulen sie, weil sie keine sauberen Kleider haben.

Sie hüpfen bei strömendem Regen auf dem Trampolin und ziehen sich dazu nicht etwa Badehosen an, sondern behalten die letzte saubere Hose am Leib. Die nach dem Hüpfen natürlich nicht mehr sauber ist, was am nächsten Morgen erneut zu Tränen führt, weil jetzt gar keine sauberen Kleider mehr da sind. (Das ist dann meist der Moment, in dem ich auf der Suche nach der allerletzten sauberen Hose die versteckte Dreckwäsche aufspüre.)

Wo sie mal waren, hinterlassen sie ihre Spuren: Angebissene Tomaten (Ja, ich weiss, ich sollte mich glücklich schätzen, dass sie freiwillig Tomaten essen), ausgezogene Socken, Legoteilichen (Die ganz kleinen, die so richtig wehtun, wenn man auf sie tritt), Darvida-Verpackungen, die Papierfetzchen, die übrig bleiben, wenn man (für Mama) einen schönen Scherenschnitt geschnitten hat, Stecken, halb volle Gläser (Ihr seht, ich bin heute wirklich optimistisch drauf), die Überreste vom Bleistiftspitzen, in allerkleinste Teilchen gezupfte Radiergummis, Bananenschalen – oder einfach das, was übrig bleibt, wenn ein Geistesblitz, den man unbedingt gleich hat umsetzen müssen, sich so schnell wieder verflüchtigt, wie er gekommen ist. 

Im Zorn gehen sie mit so viel Aggressivität aufeinander los, dass mir Angst und Bang wird. (Sie umarmen sich dann aber auch wieder, wenn alles vorbei ist.)

Sie kommen später als vereinbart vom Fussballplatz zurück und behaupten dann, ich hätte ihnen nicht gesagt, wann ich sie zurück erwarte. 

Sie haben auch schon Tasten aus dem Klavier gebrochen (als sie noch sehr klein waren und unter der „Aufsicht“ einer Person, die bei dieser Gelegenheit den Beweis für ihre Inkompetenz erbrachte), Fensterscheiben eingeschlagen (natürlich ganz und gar unabsichtlich), die teure Tapete im Treppenhaus von der Wand gerissen (man muss doch mal schauen, wie es darunter aussieht), Wettpinkeln veranstaltet, volle Windeln aus dem Dachfenster geschmissen (das ist zum Glück schon seeeeehr lange her) und die Felgen des Autos mit wasserfestem Stift verziert (Zugegeben, es sah hübsch aus.). Noch heute, wo sie doch alle aus dem Gröbsten raus sein sollten, habe ich immer das Gefühl, sie seien mir mindestens anderthalb Nasenlängen voraus. Mein Gehirn ist gar nicht dazu in der Lage, sich die Dinge auszudenken, die für sie ganz selbstverständlich in die Kategorie „Ich wollte nur mal sehen, was passiert“ gehören. 

Manchmal könnten wir durchdrehen, „Meiner“ und ich. Doch dann erinnere ich mich wieder daran, was meine Brüder alles angestellt haben, als sie in dem Alter waren und dann sage ich zu „Meinem“: „Weisst du, so schlimm sind sie eigentlich gar nicht, unsere Söhne. Immerhin ist noch keiner in die Kläranlage gefallen.“

(Ach ja, ich weiss, Töchter haben auch ihre Macken, aber weil wir nur eine davon haben, bietet das, was sie anstellt,  eine angenehme Abwechslung.)

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13 Kommentare zu “Söhne

  1. Hallo liebe Mutter
    Schmunzeln,lachen und schockiert das war ich als ich deinen Bericht las.Dir möchte ich viel Kraft und Nerven senden für deine Jungs,dass sie doch auch immer wieder deine Liebe spüren dürfen und sie halt so nimmst wie sie sind.Ich wünsche dir trotzdem die Freude für jeden Tag die du mit deiner Familie verbringen darfst!
    Sei lieb gegrüsst von Bea
    http://www.tagesverlauf.blogspot.ch

    • Liebe Bea
      Herzlichen Dank fürs Mut machen. Oh ja, ich liebe meine Jungs und halte auch jeden Tag die Augen offen, um alles Positive zu sehen, das da ja auch ist. Das, was ich im Text geschrieben habe, passiert zum Glück nicht alles am gleichen Tag, darum ist es nur halb so wild, wie es beim Lesen rüberkommt. Aber natürlich können sie einem wirklich den letzten Nerv rauben…
      Liebe Grüsse
      Tamar

  2. Warte, bis sie 16 sind……. sonst darfst Du gerne mal auf einen Kaffee kommen, dann amüsierst Du Dich nachher über Deine Jungs :-S

    • Zum Kaffee würde ich ja schon mal kommen, aber ich habe Angst, dass ich mich nach deinen Geschichten nicht mehr nach Hause traue… 😉

  3. Ach… Er macht das alles, weil er ein Junge ist!!!? Und ich dachte schon, ich hätte einfach ein besonders kreatives Kind! Bei ihm war es übrigens eine Zahnbürste, die er in den Abfluss gestopft hatte, kein Messer :-). Danke für diesen Text, er tut gut.
    lg, Mirjam

    • Ach ja, die Sache mit der Zahnbürste kenne ich auch. Ich vermute, sie machen das, weil sie KREATIVE Jungen sind. Es gibt auch anderem die Sitzen den ganzen Tag still vor dem Fernseher. 😉

  4. na ja,unser jüngster verstopft so alle Monate mal das WC…nicht absichtlich aber doch eklig…zu Hause haben wir zwei, aber oft muss ich tief rein greifen um es zu entstopfen…danach schüttelt es mich vor grausen tagelang…igitt.
    Ansonsten waren unsere Jungs nicht so extrem, nur manchmal und der Papa auch, dann schüttelte die Tochter den Kopf und sagte: “ Das ist das Testosteron, der regt sich schon wieder ab…“

    • Ich glaube, jeder für sich wäre bei uns auch nicht extrem, aber bei vier Söhnen im Abstand von acht Jahren kommt so Einiges zusammen…

  5. Ja *lach* da erkenne ich einiges wieder, dabei habe ich nur einen Jungen. Ich biete noch ein Fernsehapparätli im WC, eine Fallgrube im Sandkasten, wo ich natürlich voll reintrample und mir den Fuss verknickse, Nagelscheren die ständig verschwinden und beim Nachfragen heult er laut:”immer verdächtigt ihr mich, das ist so unfair, ich war es nicht” Da unauffindbar eine neue gekauft. Zweite Nagelschere : verschwunden ( du ahnst es, ER war es nicht, dritte Nagelschere verschwunden, mir platzt der Kragen und ich schreie wüste Drohungen aus. Monate später beim ausmisten für die Börse: 3 Nagelscheren zwischen Legos und Playmobil, dazwischen schmutzige Unterwäsche und einige Einzelsocken…
    Er sehr erstaunt: ” wie kommen denn die da rein? Also ich war das nicht.
    Das Beste kommt noch. Er braucht eigentlich keine Nagelschere, weil er seine Nägel nämlich abbeisst *uääähhhhh*
    Ach und eine meiner ganz neuen Masking-Tape-Rolle hatte er mal zu Testzwecken komplett um seine Hand gewickelt ( wollte mal schauen wieviel es da drauf hat) seine Hand lief schon blau an…
    Lg Carmen

  6. Ach, herrlich – und mir geht es schon wieder viiiiiiel besser nach dem Lesen Deines Posts :-)! Zweifelte ich doch bis anhin gelegentlich (bis hin zu fast ständig) an meinen Mutter- und Erziehungsqualitäten, weiss ich nun, dass das alles ganz normal ist und sich tagtäglich in anderen Häusern ähnliche Sachen abspielen wie bei uns. Ich werde die Eskapaden unserer fünf Jungs (und auch die hin und wieder auftretenden unserer ältesten Tochter – die kleine ist noch zu jung dazu) viel gelassener sehen. Und mir dabei immer wieder tröstend sagen: *Immerhin sind sie kreativ!* Danke für alles, was Du immer und immer wieder für mein seelisches Wohlbefinden tust, liebe Tamar! Und nun wünsche ich Dir gute nächtliche Erholung von den Ideen Deiner Söhne und den daraus entstehenden Folgen… Liebe und verständnisvolle Grüsse * Céline.

    • Liebe Céline
      Deine Kommentare bewirken bei mir genau das gleiche: Ich weiss, dass wir nicht die Einzigen sind, bei denen es so läuft. Wie oft stelle ich mir doch die Frage, ob wir es auch wirklich „richtig“ machen, wenn ich mich wieder mal dabei ertappe, wie ich mich mit anderen Müttern – von weniger Kindern – vergleiche und nur noch meine Fehler sehe.

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