Zwei Polizisten-Geschichten

Sonntagnachmittag, eine junge Schweizerin, knapp über zwanzig, gerät mit ihrem VW Polo, Schweizer Kennzeichen, in eine Polizeikontrolle. Sie hat weder Führerschein noch Fahrzeugausweis bei sich. Zwei mit ihr verwandte Kinder fahren mit, sitzen aber nicht wie eigentlich vorgeschrieben auf einer Sitzerhöhung. Sonst ist meines Wissens alles in Ordnung. Die Polizisten sind zwar nicht gerade erfreut, winken aber die junge Frau anstandslos durch. Noch einmal Glück gehabt.

Samstagnachmittag, ein junger Italiener, etwas über zwanzig, seit einigen Monaten in der Schweiz wohnhaft und fleissig am Deutsch lernen, gerät mit seinem Fiat Panda, Italienisches Kennzeichen, in eine Polizeikontrolle. Ach, was sage ich da? Es ist gar keine Polizeikontrolle, die Polizisten haben ihm regelrecht aufgelauert. Schon als er beim ersten Mal an ihnen vorbeigefahren war, hatten sie ihn mit scheelem Blick beobachtet, als er wieder zurückfährt, fahren sie hinter ihm her und halten ihn an. Was er hier zu suchen habe, wollen sie wissen. Er sei in zwei oder drei Brockenhäusern gewesen, gibt der junge Mann wahrheitsgetreu zur Antwort. Die Polizisten glauben ihm nicht, wollen Papiere sehen. Er zeigt sie, zumindest jene, die er hat. Einen Ausländerausweis hat er noch nicht bekommen, weil sein Arbeitsvertrag noch befristet ist. Ob er Drogen genommen oder Alkohol getrunken habe, fragt der eine Polizist, währenddem sich der andere das Auto anschaut. Der junge Mann verneint, auch diesmal wahrheitsgetreu. Man glaubt ihm noch immer nicht. Er sehe aber so aus, als hätte er etwas genommen, sagt derjenige, der für die Fragen zuständig ist. Der junge Mann besteht darauf, nichts genommen zu haben, bietet an, sich einem Alkohol- oder Drogentest zu unterziehen. Der Polizist geht nicht darauf ein und will stattdessen noch einmal wissen, was er in dem Quartier zu suchen gehabt habe. Erneut sagt der junge Mann, er sei in der Brocki gewesen. Das stimme nicht, er sei auf der Suche nach Drogen, behauptet der Polizist.

So geht es zehn oder fünfzehn Minuten weiter. Man fragt schon längst nicht mehr, ob der junge Mann etwas intus hat, sondern nur noch was und von wem er es bekommen hat. Man könne es seinen Augen ansehen, dass er auf Drogen sei, sagt der Polizist. Der junge Mann erklärt, er hätte bis spät nachts gearbeitet und sehe deswegen noch müde aus. Der Polizist wird spöttisch. „Gearbeitet?“ Ja, gearbeitet. Und heute Morgen ausgeschlafen, weil die Arbeit ziemlich anstrengend sei. Als Beweis, dass er nicht lügt, weist der junge Mann seinen Arbeitsvertrag, den er gerade dabei hat, vor. Leider bewirkt auch das nichts, doch inzwischen hat der zweite Polizist die Inspektion des Autos abgeschlossen und mischt sich ins Gespräch ein. Vielleicht seien die Pupillen des jungen Mannes einfach etwas klein wegen des Sonnenlichts, meint er. Zwar will sein Kollege auch diesen Einwand nicht gelten lassen, kann sich aber trotzdem endlich dazu durchringen, den jungen Mann laufen zu lassen. 

Und das Schlimmste an der Sache: Es gibt jetzt ganz bestimmt Menschen, die das hier lesen und sagen, dieser Vorfall sei zwar äusserst bedauerlich, aber man müsse das verstehen, die jungen Männer würden eben heutzutage…erst recht, wenn sie aus dem Ausland stammten… bla bla bla

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4 Gedanken zu “Zwei Polizisten-Geschichten

  1. Habe offenbar etwas missverständlich geschrieben. Die junge Frau ist nicht die Mutter der Kinder, sie kann auch nicht für die Mutter gehalten worden sein, da sie noch zu eindeutig in die Kategorie „junge Erwachsene“ gehört.
    Ich glaube auch nicht, dass beim jungen Mann der Faktor „Ausländer“ alleine ausschlaggebend war, mitgespielt hat er aber eindeutig.

  2. Ich glaube eher der Zusammenhang ist in der Tatsache Mutter mit Kindern/ junger Mann allein zu suchen und nicht in Schweizer/Ausländer.

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