Was tun?

Vor wenigen Monaten noch hätte sich wohl keiner von uns vorstellen können, wie schnell scheinbar Selbstverständliches ins Wanken geraten kann. Immer öfter reiben wir uns am Morgen erstaunt die Augen, weil die Welt schon wieder eine andere ist, als sie am Abend zuvor noch war. Noch bevor wir die Ereignisse halbwegs verdaut und eingeordnet haben, kommt schon die nächste Sache, die uns verwirrt, verunsichert, verängstigt… Und weil wir  nicht zu denen gehören wollen, die später, wenn unsere Gegenwart Geschichte ist, von ihren Kindern vorwurfsvoll gefragt werden, warum sie tatenlos zugeschaut haben, quält uns die Frage, was wir denn überhaupt tun können.

Ich weiss es offen gestanden noch nicht. Zu sehr plagt mich im Moment das Gefühl, wir seien nichts weiter als Statisten in dem weltumspannenden Drama, zu dem sich der Vorhang eben erst gehoben hat. Ich weiss nur, dass mich das Ganze dazu anstachelt, noch mehr darauf zu achten, das kritische Denken nicht zu verlernen, noch mehr danach zu streben, den einzelnen Menschen mit seiner Geschichte zu sehen und nicht das Etikett, das an ihm haftet, noch mehr nach Gelegenheiten zu suchen, im Kleinen Gutes zu bewirken, weil ich gar nicht die Wege und Mittel dazu habe, im Grossen etwas zu bewegen, noch mehr darauf zu achten, den Kindern beizubringen, wie wichtig Nächstenliebe ist, auch wenn uns gerade ganz viele weis machen wollen, am sichersten sei es, alle zu fürchten und keinem zu trauen.

Mich dünkt, mehr könne ich im Moment nicht tun.

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