Nein, nein, nicht gleich schimpfen. Vielleicht bleibt das neue Design ja nicht. Ich wollte einfach, dass es hier etwas festlicher aussieht und dass man die Schneeflocken besser sieht. Gut, beim Test hat man sie gar nicht mehr gesehen, aber das kommt bestimmt noch. Also, lasst das Design erst einmal auf euch wirken und wenn ihr in zwei Wochen noch immer nicht glücklich seid damit, dürft ihr gerne reklamieren. Okay, wenn sich irgendwo unter den mehr als 1500 Posts einer findet, der sich wegen der Hintergrundfarbe nicht mehr lesen lässt, dürft ihr mir dies natürlich melden und ich passe die Schriftfarbe an.
Archiv des Autors: Tamar
Was habe ich mir dabei bloss gedacht?
„Bloss nicht wieder dieser elende Kleinkram“, dachte ich mir, als ich mir überlegte, wie wir das diesmal mit den Adventskalendern machen. Ich meine, 120 Kleinigkeiten, die dann doch nur irgendwo herumliegen, sind doch einfach zuviel. Nach einigem Nachdenken hatte ich einen Geistesblitz: Für jedes Kind ein etwas grösseres Geschenk, aufgeteilt auf 5 Päckli. Da bekommt man zwar nur an jedem fünften Tag etwas, dafür ist es auch etwas Rechtes. Und damit die anderen nicht ganz leer ausgehen, dürfen sie an den Tagen, an denen sie nichts bekommen, in den Topf mit Süssigkeiten greifen. Im letzten Moment kam dann noch ein verbilligter Türchen-Adventskalender dazu, bei dem das Kind, das am längsten nicht mehr dran war mit Auspacken, ein Türchen öffnen darf. Okay, das alles klingt jetzt ein wenig kompliziert, doch in meinen Augen grenzt das System an Perfektion.
In den Augen meiner Kinder jedoch habe ich kläglich versagt. Vor sieben Tagen schon ging der Streit über die Reihenfolge los und auch sonst liess kein Mitglied dieser verwöhnten Bande ein gutes Haar an meinem absolut durchdachten, gerechten und ethisch halbwegs vertretbaren Adventskalender. „Ich hätte lieber einen Adventskalender der drei Fragezeichen“, motzte der FeuerwehrRitterRömerPirat. „Muss ich dann meine Geschenke mit den anderen teilen?“, fragte der Zoowärter den Tränen nahe. Luise entdeckte den Inhalt ihrer Adventspakete lange vor dem ersten Advent und wies mich darauf hin, dass ich da noch ein paar Dinge vergessen hätte, weil sonst nichts aus der Sache werden könne. Das Prinzchen war der Verzweiflung nahe, weil er mein System nicht verstehen konnte und fürchtete, er werde am Ende mit Mädchengeschenken abgespeist. Karlsson war sich sicher, dass er „wie immer“ als letzter drankommen würde mit Auspacken, was das Los dann auch tatsächlich so entschied. Obendrein waren die Grossen äusserst unglücklich über meinen Entscheid, den Kleinen endlich auch einmal „Leone & Belladonna“ vorzulesen. Meine Erklärung, es könne doch nicht sein, dass Zoowärter und Prinzchen Mamas erstes Buch nicht kennen, verstanden sie zwar, doof fanden sie das trotzdem. Der Protest war so gross, dass ich mich vor einem Aufstand zu fürchten begann.
Das Gemotze hörte erst auf, als ich irgendwann mi weinerlicher Stimme sagte, ich hätte mir so grosse Mühe gegeben und es sei vollkommen unfair, dass sie auf meinem Adventskalender herumhacken, ehe sie in den Genuss seiner Überraschungen gekommen seien. Das wirkte. Begeisterung vermochten die Kinder zwar weiterhin nicht zu zeigen, aber immerhin sabotierten sie das erste Adventsritual dieser Saison nicht. Und nachdem sie den Inhalt von Prinzchens erstem Päckli gesehen haben, ahnen sie jetzt auch, dass ich wirklich keinen billigen Mist gekauft habe. Glaube – und hoffe – ich zumindest.
Advent? Aber doch nicht jetzt schon?
Adventskalender für die Kinder? – Alles bereit.
Adventskranz? – Seit einer Woche schon fertig. Ich hatte sogar Zeit, mir zu überlegen, ob ich noch etwas anderes machen will, weil Luise das Ding so hässlich findet.
Adventskalender für „Meinen“? – Ich hab’s tatsächlich wieder mal geschafft.
Samichlaus? – Ist organisiert.
Geschenke für die Lehrer? – Noch nicht, aber immerhin schon eine vage Vorstellung, was es sein soll.
Adventskalender für mich? – Habe einen geschenkt bekommen und bin schon ganz gespannt, was sich darin verbirgt.
Festliche Dekoration? – Ist auf gutem Wege.
Das obligate schlechte Gewissen? – Ist vorhanden, dieses Jahr sogar besonders ausgeprägt.
Adventsstimmung? – Hä? Wie bitte? Wir haben doch erst September, oder etwa nicht?
Will ich das überhaupt?
Lange Zeit gehörte ich zu denen, die über andere schreiben, sie fotografieren und ihre ausführlichen Aussagen zu möglichst knackigen Statements eindampfe. „Was haben die bloss für ein Problem? Vor einem Journalisten braucht man sich doch nicht zu fürchten“, sagte ich, wenn die Leute sich nicht so ganz sicher waren, ob sie sich auf Medienkontakte einlassen sollten oder nicht. Heute stehe ich manchmal auf der anderen Seite und ich finde noch immer, dass man sich vor Journalisten nicht zu fürchten braucht, doch gewisse Bedenken kann ich nachvollziehen. In meinem Kopf läuft das dann etwa so ab:
Die Begeisterungsfähige: „Oh, toll, die wollen etwas über das Buch bringen! Interview, Illustrationen von ‚Meinem‘ und ein Bild. Da soll ein Fotograf vorb…“
Die Skeptische: „Halt! Stopp! Nicht so schnell! Ein Fotograf? Hast du neulich mal wieder in den Spiegel geschaut?“
Die Begeisterungsfähige: „Ja, ein Fotograf. Das gehört halt dazu, wenn man Bücher verkaufen will.“
Die Skeptische: „Bücher verkaufen sich doch auch ohne Bild.“
Die Begeisterungsfähige: „Bestimmt, aber du kannst es dir nicht leisten, kompliziert zu sein. Du bist auf die Medien angewiesen.“
Die Skeptische: „Ich weiss und ich finde es ja auch ganz toll, dass die sich für mein Buch interessieren, aber…“
Die Begeisterungsfähige: „Was, aber? Da gibt es kein Aber. Es ist einfach nur toll, Punkt!“
Die Skeptische: „Nein, ist es eben nicht. Man verliert auch ein Stück weit die Kontrolle, wenn die Medien ins Spiel kommen. Denk nur an die Journalistin, die gemeint hat, ich hätte ein Selbsthilfebuch geschrieben und mich nach Tipps fragte…“
Die Begeisterungsfähige: „Was ist denn schon schlimm dabei? Das war doch ganz amüsant.“
Die Skeptische: „Natürlich war das auch amüsant, aber es stimmt mich auch nachdenklich. Denk nur, wie leicht man missverstanden wird und wie schnell die Leute sich ein falsches Bild von einem machen.“
Die Begeisterungsfähige: „Ist doch egal. Was heute in der Zeitung steht, ist morgen bereits wieder vergessen.“
Die Skeptische: „Mag sein, aber man gibt eben doch ein gewisses Bild von sich ab und ich weiss nicht, ob mir dieses Bild passt. Am Radio komme ich auch so komisch rüber, die Kinder grinsen ja immer auf den Stockzähnen, wenn sie mich hören. Und was sollen unsere Freunde denken? Das Ganze ist mir irgendwie ein wenig peinlich. Es ist ja nur ein Buch…“
Die Begeisterungsfähige: „Nun geniess es doch einfach. Man muss nicht immer alles hinterfragen.“
Die Skeptische: „Muss man doch.“
Die Begeisterungsfähige: „Muss man nicht.“
Die Skeptische: „Muss man doch. Unbedingt. Und dies ist mein letztes Wort.“
Und noch einmal am Radio…
Der zweite Auftritt am Radio, diesmal hier.
Leseförderung
Manche Mamas standen einst mitten in der Nacht auf, um den neuesten Harry Potter zu erstehen, weil es das einzige Buch war, das ihr lesefaules Kind in den Bann zog.
Manche Mamas lesen ihrem lesefaulen Kind bis ins hohe Teenageralter Bücher vor, damit sie irgendwie doch noch ein wenig Lesestoff in den Kopf bekommen.
Manche Mamas ertragen mit Engelsgeduld über Monate das gleiche Hörbuch, weil ihr lesefaules Kind wenigstens dieses eine mag.
Manche Mamas setzen sich mit ihrem lesefaulen Kind hin, um mit ihm im Wechsel vorzulesen und zuzuhören, damit ihr lesefaules Kind die Klassenlektüre irgendwie schafft.
Manche Mamas geben die Hoffnung auf, dass ihr lesefaules Kind je zum Buch greifen wird und lassen es deshalb die Klassiker der Kinderliteratur am Fernseher reinziehen.
Manche Mamas schleppen Woche für Woche stapelweise Kinderliteratur aus der Bibliothek an und bringen das Zeug eine Woche später ungelesen wieder zurück, weil das lesefaule Kind kein Interesse daran zeigte.
Manche Mamas kommen gar nicht auf die Idee, ihr lesefaules Kind zum Lesen zu motivieren, weil sie lesen selber doof finden.
Manche Mamas versuchen ihr lesefaules Kind mit Belohnungen zum Lesen zu motivieren.
Manche Mamas versuchen ihr lesefaules Kind mit Drohen und Bestrafungen zum Lesen zu zwingen.
Manche Mamas tun selber so, als würden sie gerne lesen, um ihrem lesefaulen Kind ein gutes Vorbild zu sein, denken aber nicht daran, dass eine Modezeitschrift nicht wirklich als Lesestoff zählt.
Manche Mamas versprechen ihrem lesefaulen Kind, dass es die Verfilmung des Buches sehen darf, sobald es das Buch fertig gelesen hat.
Diese Mama hier kauft ihrer lesefaulen zehnjährigen Tochter einen Liebesroman für Zwölfjährige, damit diese endlich auch mit einem Buch vor dem Gesicht durchs Leben geht, wie es sich für ein anständiges Venditti-Familienmitglied gehört. Gut, immerhin ist die Heldin der Geschichte Assistenzärztin und nicht Model oder Kosmetikerin…
Winterschlafmüde
Kochmüde
Einkaufsmüde
Lesemüde
Internetmüde
Schreibmüde
Erziehungsmüde
Essmüde
Medienmüde
Aufräummüde
Strickmüde
Tierefütternmüde
Aufstehmüde
Schimpfmüde
Chauffiermüde
Brotbackmüde
Facebookmüde
Denkmüde
Putzmüde
Organisiermüde
Teekochmüde
Stundenplanmüde
Meinungsbildungsmüde
Abfallentsorgungsmüde
Müdeseinmüde
Warum bin ich bloss kein Bär? Dann könnte ich jetzt winterschlafen. Gut, zwischendurch mal aufwachen, um mit netten Menschen zu quatschen, zu schreiben und Weihnachten zu feiern wäre nicht schlecht, aber der ganze Rest kann von mir aus bis Februar warten.
Es wird politisch
Karlsson: „Mama, wie hast du bei dieser Vorlage gestimmt?“
Ich: „Ich habe ja gesagt.“
Karlsson: „Du hast ja gesagt? Warum? Das kann ich jetzt überhaupt nicht verstehen.“
Ich: „Nun, ich finde dass man dadurch die Leute motivieren kann, es anders zu machen…Klar, ich sehe auch die Nachteile, aber…“
Karlsson: „Du findest also wirklich, dass Leute, die nicht viel haben, jetzt auch noch das ändern sollen. Deine Freundin, zum Beispiel, wie soll die das machen?“
Ich: „Auf sie hat das keinen Einfluss, sie braucht das ja nicht. Aber andere würden sich vielleicht wirklich nach Alternativen umsehen.“
Karlsson: „Aber wie sollen sie sich die Alternative denn leisten können? Das kostet doch eine Menge Geld…“
Ich: „Ja, aber wenn sie dafür auf das andere verzichten, können sie sich dafür die Alternative leisten.“
Karlsson: „Im ersten Jahr vielleicht, ja. Aber was ist danach?“
Ich: „Danach müssen sie eben das Geld dafür übers Jahr ansparen…“
Karlsson: „Tut mir Leid, Mama, aber das geht einfach nicht auf. Du hast einen völligen Mist gestimmt. Wenn die Vorlage angenommen wird…“
Ich: „Die wird ohnehin nicht angenommen, es sind doch alle dagegen. Da macht mein Ja doch keinen Unterschied…“
Karlsson: „Und wenn doch? Dann bist du mitschuldig daran, dass es schief geht. Das finde ich echt daneben….“
Unsere erste echte Diskussion. Bis anhin hat Karlsson immer gefragt und ich habe ihm gesagt, wie der politische Hase meiner Meinung nach laufen sollte. Jetzt aber fängt er an, sich eine eigene Meinung zu bilden, meine Sicht der Dinge in Frage zu stellen, mich herauszufordern. Seit Jahren schon habe ich mich darauf gefreut und jetzt, wo der grosse Moment gekommen ist, stelle ich fest, dass es noch viel mehr Spass macht, als ich mir vorgestellt hatte. Zumindest solange Karlsson trotz unserer unterschiedlichen Meinungen brav auf der linken Seite des politischen Spektrums bleibt…
Mama Venditti am Radio
Für alle, die es hören möchten: Interview zu „Füsse hoch!“ auf Radio Life Channel. Hier der Link dazu.
Das hat man davon, wenn man zu langsam strickt…
Draussen liegt der erste Schnee und im Schrank liegt die Wolle, aus denen Zoowärters und Prinzchens neue Fäustlinge für den ersten Schnee hätten werden sollen. Die Wolle liegt noch dort, weil auf dem Klavier ein fast fertiger Strickschal für Luise liegt und dieser liegt noch dort, weil im Garten bis vor Kurzem ein Schutthaufen lag, von dessen Beseitigung sich meine Arme erst erholen mussten, ehe sie wieder stricken mochten. So kommt es, dass unsere zwei Jüngsten beim ersten Schnee keine Handschuhe haben, denn die vom letzen Jahr sind hin. Oder sind getrennte Wege gegangen. Oder haben die Motten zu nahe an sich herangelassen.
„Kein Problem“, sagte ich, „ihr geht schon mal aus dem Haus und ich hole euch im Dorf neue Handschuhe, die ich dann auf dem Heimweg in der Schulgarderobe deponiere.“ Kein Problem? Von wegen! Im ersten Laden hatten sie gar keine Handschuhe, sondern nur samtweiche Winterpyjamas, flauschige Socken und Thermounterwäsche. Im zweiten Laden hatten sie Handschuhe. Fleece-Fäustlinge für Damen, Skihandschuhe für Herren, Fingerhandschuhe für Damen mit irgend so einem Touch-Dings im Zeigefinger, damit man beim Bedienen des Smartphones keine kalten Finger kriegt. Ach ja, Fleece-Fingerhandschuhe hatten die auch noch, für Damen und Herren. Und für Kinder? Nichts, zumindest nichts gegen kalte Hände, dafür kuschelige Hausschuhe mit Norwegermuster.
Was also tun? Einen dritten Laden mit Handschuhen gibt es nicht in der Gehdistanz, die dringliegt, damit ich rechtzeitig zum Kaffee mit meiner Schwester wieder zu Hause bin. Ich habe also die Wahl, eine Rabenmutter zu sein, die ihren Kindern keine Handschuhe kauft, oder eine doofe Mama, die ihren zwei jüngsten Söhnen dunkelviolette Damen-Fäustlinge in die Jackentasche stopft. Ich entscheide mich für die Rolle der doofen Mama, denn an die gewöhne ich mich allmählich. Gut, die Rolle der Rabenmutter spiele ich in den Augen gewisser Leute ebenfalls bestens, aber davon ist jetzt nicht die Rede. Ich kaufe also zwei paar potthässliche, dunkelviolette Damenfäustlinge, wohl wissend, dass Zoowärter und Prinzchen damit ähnlich lächerlich aussehen werden wie wenn sie versehentlich in Papas Schuhen aus dem Haus gegangen wären. Was soll’s? Irgendwann werden wir darüber lachen.
Nur eine Sache beschäftigt mich noch, als ich auf dem Heimweg bin: Warum um Himmels Willen kommen meine Söhne überhaupt auf die Idee, Handschuhe tragen zu wollen? Ist doch noch viel zu warm dazu…








