Morgenstimmung

Zoowärter: „Prinzchen, bist du schon wach?“
Prinzchen: „Ja.“
Zoowärter: „Stehst du jetzt auf und fängst an zu spielen?“
Prinzchen: „Ja.“
Zoowärter: „Ich spiele mit.“

Augenblicke später sitzen die zwei auf dem Fussboden und besprechen die Handlung: „Zuerst wären die Indianer ums Lager geschlichen und dann wäre der Wolf gekommen und dann hätten die Feuerwehrleute das Baby entführt…“ Nach einigen Momenten der Stille beginnt das Spiel:

Zoowärter: „Woooooaaaaaahhh! Bummmmmmmmm!“
Prinzchen: „Zack!“
Zoowärter: „Attackeeeeeeeeeeeeeee!“
Prinzchen: „Tatüttataaaaaaaaa! Hilfeeeeeeee!“
Zoowärter: „Und jetzt hätten die Indianer das Baby wieder befreit.“
Prinzchen: „Ja, und dann wären die Cowboys gekommen….“

Der FeuerwehrRitterRömerPirat betritt die Szene. Ich halte den Atem an. Verträgt es einen Dritten in diesem Spiel, das trotz aller Action so friedlich ist? Offenbar ja:
Prinzchen und Zoowärter unisono: „Hallo FeuerwehrRitterRömerPirat. Spielst du mit?“
Prinzchen: „Die Feuerwehrleute haben das Baby entführt…“
Zoowärter: „…und du musst den Wolf spielen…“
FeuerwehrRitterRömerPirat: „Ja, und dann hätte sich der Wolf am Feuer verletzt und dann….“

Wieder Lagebesprechung, dann wieder „Woooosh! Auaaaaaa! Tschack! Zum Aaaaaaangrifffffffff!“

So geht das zwei Stunden lang, ohne nur einen Hauch von Streit. Ich sitze im Nebenzimmer und warte zitternd darauf, dass irgendwann doch noch die Explosion kommt. Aber sie kommt nicht, nicht mal, als das Prinzchen verkündet, Luise dürfe nicht mitmachen, weil alle Frauenrollen bereits besetzt seien. Was braucht es denn noch, bis die Bombe platzt und das Geschrei losgeht? Wenn ich doch bloss wüsste, wann es vorbei ist mit dem Frieden und ich einschreiten muss. Aus lauter Angst vor dem Theater, das unweigerlich losgehen wird, wenn einer doch noch das Falsche sagt, schaffe ich es kaum, den seltenen friedlichen Moment zu geniessen. Irgendwann halte ich die Spannung nicht mehr, ich trommle die Kinder zusammen und lasse sie den Film schauen, für den gestern, vorgestern, vorvorgestern und an den Tagen davor keine Zeit blieb.

Seitdem die Kinder vor der Glotze parkiert sind, bin ich nicht etwa ruhiger geworden. Ich quäle mich jetzt einfach mit der Frage, ob ich mit der Einlösung meines Versprechens etwas Grossartiges zerstört habe, oder ob ich damit heldenhaft verhindert habe, dass die Stimmung doch irgendwann noch kippt.

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Was geht mich das an?

Nach dem Ende der Nazi-Diktatur kam irgendwann die Frage auf, wer wie viel über die Gräuel gewusst hat. Es war eine der entscheidenden Frage, um herauszufinden, wer sich in welchem Masse schuldig gemacht hatte. Wissen und doch nichts dagegen tun, das gilt in den Augen von uns Nachgeborenen als Mitschuld – zu Recht, wie ich meine.

Die Frage ist einfach, wie es mit unserer eigenen Mitschuld steht. Die Gräuel der heutigen Zeit geschehen vor laufender Kamera, dank nahezu lückenloser Berichterstattung wissen wir Bescheid darüber, wo die Menschen unmenschlichem Leid ausgesetzt sind; dank kritischem Journalismus, der Gott sei Dank noch nicht ganz am Ende ist, können wir sogar erfahren, wo wir mitverantwortlich sind für dieses unmenschliche Leid.

Und, wie steht’s? Treibt uns dieses Wissen dazu an, (anders) zu handeln? Selten. Ja, es gibt vereinzelte Menschen, die alles stehen und liegen lassen, um dem Leiden den Kampf anzusagen. Dann gibt es solche, die sich rechtschaffen darum bemühen, so zu handeln, dass das Leiden der anderen nicht noch grösser wird. Die grosse Masse aber gibt sich im besten Fall einen Augenblick lang betroffen und macht dann weiter wie bisher. Im schlimmsten Fall werden Argumente gesucht, warum das eben einfach so sein muss und warum die vom Leid betroffenen im Grunde genommen selber Schuld sind. Wissen allein verändert noch gar nichts, auch heute nicht.

In der Bibel heisst es irgendwo sinngemäss, wer viel wisse, mache sich für vieles mitverantwortlich. Wenn ich bedenke, wo wir überall überall Mitwisser sind, sehe ich nur zwei Wege, die wir gehen können: Den technischen Fortschritt soweit zurückdrehen, dass wir nicht mehr so viel wissen, oder soweit es in unserer Macht steht verantwortungsbewusst handeln.

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Denk mal

Du hörst in der Migros, wie ein junger Vater zu seiner Frau sagt: „Kommt doch nicht drauf an, was wir kaufen, ist ja ohnehin nur zum Essen.“

Du siehst am Fernsehen Menschen, die ungeniert dazu stehen, dass sie echten Pelz tragen und kein Problem damit haben, dass ein Tier für ein Kleidungsstück hat leiden müssen.

Die Fallfehler in den Nachrichtensendungen treten so gehäuft auf, dass du dir gar nicht mehr alles notieren kannst.

Du liest, dass Schüler mit Schulstunden, Hausaufgaben und Lernen problemlos auf eine 40-Stunden-Woche kommen.

Deine Tochter erzählt dir, dass die Viertklässlerinnen regelmässig vergleichen, wer wie schwer ist.

Du stellst mit Schrecken fest, dass es inzwischen ganz normal ist, wenn in der Asylfrage immer ungenierter abfällig geredet wird. Und zwar nicht nur am Stammtisch, sondern auch in der Zeitung.

Du erntest fragende Blicke, wenn du laut darüber nachdenkst, warum es fast nur noch Baumschmuck „Made in China“ gibt.

Du fragst dich zuweilen, ob (kritisches) Denken überhaupt noch praktiziert wird.

. bäbi

Auf ins Mittelalter!

Eben noch war sein Olymp bevölkert mit Feuerwehrmännern, Bauarbeitern und Ambulanzfahrern. Als Halbgötter akzeptierte er Polizisten und Zivilschützer. Für Ritter, Dinosaurier, Piraten und anderes Gesindel hatte er keine Verwendung. Zu kämpferisch, zu laut, zu weit von der Realität entfernt waren sie. Wenn seine grossen Brüder zu Ehren der Helden der Vergangenheit einen Ritterkampf durchführten, wandte er sich nahezu angewidert ab.

Das alles war gestern. Heute sass er am frühen Morgen im Bett und bewunderte andächtig die Bilder in einem Ritterbuch. „Schau, Mama, ein echter Ritter. Der hat eine richtige Rüstung. Und hier eine Burg. Wow, das Pferd ist ja riesig!“ Erst glaubte ich noch an einen Zufall. Vielleicht hatte er sich im Buch geirrt und gab nur vor, sich für den Inhalt zu interessieren, weil er zu bequem war, sich andere Lektüre zu besorgen. Wenig später aber ertappte ich ihn dabei, wie er seiner kleinen Cousine voller Begeisterung das Buch mit den Ritterrüstungen zeigte, am Nachmittag befasste er sich eingehend mit dem Thema „Brandbekämpfung in der Ritterzeit“.

Spätestens jetzt gab es keinen Zweifel mehr daran, dass Feuerwehr & Co allmählich ihren Reiz verlieren, das Prinzchen macht sich dazu auf, das Mittelalter zu erkunden. Ich hätte wissen müssen, dass das kommt, habe ich diese Entwicklung doch bereits dreimal mitgemacht. Ein Entwicklungsschritt, den ich grundsätzlich begrüsse, denn in der Vergangenheit kenne ich mich besser aus als auf Baustellen. Etwas besorgt bin ich nur, weil der Wandel ausgerechnet jetzt stattfindet. Prinzchens Weihnachtsgeschenke sind nämlich bereits gekauft und es hat keinen einzigen Ritter dabei.

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Unter Generalverdacht

Wer zwischen zwölf und achtzehn ist, ist in der Gesellschaft nicht gerade beliebt. Wer zwischen zwölf und achtzehn und obendrein männlich ist, stellt eine Gefahr für die Öffentlichkeit dar und darum darf er sich auch nicht wundern, wenn er von Erwachsenen zurechtgewiesen wird. Es macht dabei keinen Unterschied, ob einer aus lauter Ungeschicklichkeit einen Fauxpas begeht, oder ob er aus purer Gemeinheit einem anderen etwas antut. Die Tatsache, dass einer männlich und minderjährig ist reicht.

Diese Erfahrung muss Karlsson derzeit immer wieder machen. Heute zum Bespiel geriet er auf dem Fahrrad aus dem Gleichgewicht, touchierte einen älteren Mann, entschuldigte sich höflich, der Mann nahm die Entschuldigung an, Augenblicke später waren zwei Frauen zur Stelle, die dem verdutzten Jungen die Leviten lasen und ihn anbrüllten, ob er denn nicht besser aufpassen könne.

Nein, Karlsson ist kein Engel, aber wer ihn kennt weiss, dass er zu schüchtern ist, um einem Fremden willentlich etwas zuleide zu tun. Gemeinheiten und Sticheleien sind seinen jüngeren Geschwistern vorbehalten, freche Antworten seinen Eltern. Darum besteht für mich kein Zweifel daran, dass die Zurechtweisungen, von denen er immer wieder berichtet, ungerechtfertigt sind. Genauso wie die Zurechtweisungen, von denen mir andere Teenager berichten, oftmals ungerechtfertigt sind. Wer zwischen zwölf und achtzehn ist, darf offenbar nicht erwarten, mit Respekt behandelt zu werden.

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Jetzt bloss nicht zurücklehnen!

Es ist wohl eine der grössten Illusionen, wenn Eltern glauben, die Kinder brauchten einen weniger, wenn sie grösser werden. Klar, nachts aufstehen muss man selten bis nie, in Körperpflege und Terminplanung werden die Knöpfe immer selbständiger, die Zeiten, zu denen keiner im Haus ist, werden länger. Wehe aber dem, der daraus schliesst, dass er sich jetzt entspannt zurücklehnen und eigenen Projekten zuwenden kann.

Das Gegenteil ist der Fall: Jetzt gilt es erst recht, bei der Sache zu sein. Konnte man beim Stillen, in den Schlaf wiegen und Windelwechsel noch eigenen Gedanken nachhängen, ist volle Aufmerksam gefragt, wenn der Teenager abends um halb elf über seine Bedenken bezüglich Übertritt an die Oberstufe reden möchte. Ein Dreijähriger gibt sich noch mit einer einfachen Antwort zufrieden, eine Zehnjährige bohrt nach, bis es richtig persönlich wird und man sich sehr gut überlegen muss, was man jetzt sagt, damit man dem Kind das weitergibt, was einem wirklich am Herzen liegt. Meinungsverschiedenheiten lassen sich nicht mehr mit einem „Davon verstehst du noch nichts“ vom Tisch wischen, sie wollen ausgetragen sein.

Ganz klar, die Auseinandersetzungen werden anspruchsvoller, Mama und Papa müss(t)en sich noch mehr darüber austauschen, wie sie ihre Kinder begleiten wollen. Dennoch halte ich weiterhin nichts vom abgedroschenen Spruch von den kleinen Kindern und den kleinen Sorgen. Ich bleibe bei meiner Meinung, dass jede Zeit ihre ganz eigenen Herausforderungen, aber auch ihre eigenen Glanzlichter hat. Ich ahne, dass sich die Herausforderung dann am besten meistern lassen, wenn man es immer wieder aufs Neue schafft, sich über die Glanzlichter zu freuen, ob es nun ein zahnloses Lächeln nach einer durchwachten Nacht ist oder ein wohlwollendes „Mama, du bist eigentlich ganz cool“ nach einem heftigen Krach mit Türknallen und Wutgeschrei.

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Generationenhaus

Auch bei uns hat es reichlich geschneit, obschon böse Zungen behaupten, bei uns hätte es deutlich weniger Schnee als andernorts. In unserem 3-Generationenhaus löst die Schneedecke äusserst unterschiedliche Reaktionen aus.

Meine Mutter stellt abends fest, dass es schneit wie ehemals. Diese Feststellung reicht, dass sie am nächsten Morgen aus dem Bett steigt und nach der üblichen Morgenroutine zur Schneeschaufel greift und der Rest läuft automatisch: Zuerst die Treppenstufen vor dem Haus, dann der Weg zum Briefkasten, damit der Briefträger sich nicht ärgern muss, danach der Fussweg bis zur Garage, wo die Zufahrt für die Autos freigeschaufelt werden muss. Die Schneehaufen müssen hierbei so zu liegen kommen, dass die Kinder problemlos Schneemänner und Iglus bauen können. Und vielleicht auch einen Thron aus Schnee, so wie sie und ihre Schwestern damals.

Ich stelle abends fest, dass es schneit wie in der Kindheit einmal, es muss wohl 1983 gewesen sein. „Hach, wie romantisch!“, denke ich und schaue minutenlang verträumt aus dem Fenster. Am Morgen fällt der erste Blick auf die verschneite Tanne in Nachbars Garten und ich wünschte mir, ich hätte eine Ausrede, nach draussen zu gehen. Ich könnte ja Schnee schaufeln, die frische Luft und die Bewegung würden mir bestimmt gut tun. Aber ich muss mich beeilen, sons kommt mir meine Mutter zuvor und ich will nicht, dass sie schaufeln muss, das ist jetzt meine Pflicht. Wenn der Weg frei ist, trinken wir alle zusammen heisse Schokolade und dann schreibe ich einen Blogpost über den Schnee.

Die Kinder stellen abends fest, dass es schneit wie noch kaum je in ihrem Leben. Morgens springen sie aus ihren Betten, suchen noch vor dem Frühstück Skianzüge, Handschuhe, Schals und Mützen zusammen und rennen nach draussen. „Wir bauen einen Schneemann! Und ein Iglu! Und ein Schneefort!“, brüllen sie im Treppenhaus. Eine Viertelstunde später stehen sie fröstelnd wieder in der Wohnung. „Mama, uns ist kalt. Kannst du uns zeigen, wie man ein Iglu baut? Und der Schlitten läuft auch nicht gut. Warum denn nicht?“

Treffen diese drei Generationen nun im Garten zusammen, wird es ziemlich chaotisch. Meine Mutter war natürlich schneller als ich und darum versuche ich, ihr die Schneeschaufel zu entwinden. Sie gibt sie nicht her und darum einigen wir uns, den Weg gemeinsam freizumachen, wir haben ja zwei Schaufeln. Meine Mutter wundert sich, weil die Kinder die Quader für das Iglu mit Plastikkisten zu formen versuchen und weil bereits sechs Schlitten ums Haus verteilt liegen. Ich erkläre ihr, dass sich unsere Kinder im Schnee wohl ähnlich verloren fühlen wie ein Fünfundachtzigjähriger am Billettautomat der SBB. Die Kinder begreifen nicht, warum wir mit unseren Schaufeln die schöne Schneedecke zerstören und warum sie ihre Schuhe ausziehen müssen, bevor sie zurück ins Haus gehen.

Irgendwann ist der Weg freigeschaufelt, wir ziehen uns alle an die Wärme zurück und morgen, wenn wieder neuer Schnee gefallen ist, werden wir die ganze Sache viel geordneter angehen können, weil wir jetzt wieder wissen, dass bei Schnee jeder von uns etwas anders tickt als der andere.

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Probelauf

Mir kommt es so vor, als würden „Meiner“ und ich in diesen Tagen einen Probelauf für das Rentenalter absolvieren. Rund um die Uhr sind wir zusammen und immer wieder ergeben sich Dialoge, die es im Familienalltag gar nicht geben dürfte. Zum Beispiel beim gemeinsamen Start in den Tag, nachdem alle Kinder aus dem Haus gegangen sind:

Er: „Nimmst du auch en Tässchen Tee?“
Ich: „Nein, ich glaube, heute nehme ich lieber einen Kaffee.“
Er: „Bist du sicher? Ich hätte gerade heisses Wasser…“
Ich: „Sicher, heute lieber Kaffee. Ich konnte gestern nicht so gut einschlafen, darum brauche ich jetzt ganz dringend Koffein.“
Er: „Ich bin auch nicht so gut eingeschlafen. Vielleicht lege ich mich heute nach dem Mittagessen noch einmal hin.“
Ich: „Das solltest du wirklich tun. Man hat ja nicht immer die Gelegenheit dazu. Reichst du mir mal eine Zeitung?“
Er: „Die AZ oder das OT?“
Ich: „Kommt nicht so drauf an, steht ja ohnehin das gleiche drin.“
Er: „Also gut, ich nehme zuerst das OT.“

Schweigen. Wir lesen beide.

Ich: „Das ist doch nicht zu fassen…“
Er: „Was denn?“
Ich: „Da hat doch tatsächlich einer versucht…“
Er: „Ach ja, das habe ich auch gelesen. So etwas ist doch einfach die Höhe.“
Ich: „Man möchte glauben, dass so etwas nicht möglich ist, aber die Leute schrecken ja vor nichts mehr zurück…“

Wieder schweigen und lesen.

Er: „Hast du den hier gesehen? Ein totaler Spinner!“
Ich: „Nein, soweit bin ich noch nicht. Ich lese da noch dieses Interview.“
Er: „Ach so, das habe ich nicht gelesen. Du, bevor ich es wieder vergesse, wir müssen heute unbedingt noch Abfallsäcke besorgen.“
Ich: „Haben wir schon wieder keine mehr.“
Er: „Doch, aber ich kann sie nicht mehr finden. Ich habe sie wohl in der Garage liegen lassen, bloss weiss ich nicht mehr wo.“
Ich: „Ich habe doch letztes Mal zwei Rollen gekauft. Und jetzt sind die schon wieder aufgebraucht. Unglaublich, wie viel Abfall wir immer produzieren.“

So würde das den lieben langen Tag weitergehen, hätten wir nicht fünf Kinder, die uns Gott sei Dank davon abhalten, für den Rest unseres Daseins solche Gespräche zu führen. Und dann sind da zum Glück noch einige Lebensträume und Visionen, über die wir uns jeweils unterhalten, wenn uns der alltägliche Gesprächsstoff ausgegangen ist.

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Samichlaus-Farce

Eine Memme ist er, dieser Samichlaus. Lässt sich durch ein paar Käferchen davon abhalten, unser Haus zu besuchen. Hat einfach einen Sack vors Haus gestellt und ist wieder in der Dunkelheit verschwunden. Und dies nur, weil Karlsson und der Zoowärter heute krank im Bett lagen und der Samichlaus sich nicht anstecken will. Immerhin hat er jedem der Kinder einen lieben Brief mit viel Lob und wenig Tadel geschrieben und sich demütigst für sein Nichterscheinen entschuldigt. Peinlich finde ich das, aber der Begeisterung unserer Jüngsten tat die Farce keinen Abbruch. Den Grossen ist es ohnehin egal, ob der Klaus ins Haus kommt oder nur an der Türe klingelt. Hauptsache, er bringt Nüsse, Schokolade und Lebkuchen im Überfluss.

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Grenzen

Das Schwierige an einem Erschöpfungszustand ist, dass der Körper noch nicht mitspielt, wenn die Seele allmählich auf dem Weg der Besserung ist. Nach einer Auszeit mit Trübsalblasen und allem, was sonst noch dazu gehört, erwacht die Kreativität zu neuem Leben, erst einmal zaghaft, doch dann mit einem regelrechten Feuerwerk an Ideen. Hier ein Geistesblitz, da ein zündender Gedanke, dort eine interessante Anregung und schon möchte ich loslegen, ausbrechen aus der Stille, nach der ich monatelang gelechzt hatte. Die Stille, die nun dazu geführt hat, dass ich den Wunsch verspüre, Neues, Undenkbares zu wagen und zu handeln, als wären da keine Grenzen.

Doch die Grenzen sind da und sie sind enger gesteckt, als mir lieb sind. Einmal Zoowärter vom Kindergarten abholen und ein kurzer Schwatz reichen aus, um mir aufzuzeigen, wie bodenlos die Müdigkeit ist. Eine schlechte Nacht, in der Prinzchen und Kater sich um den Platz an meiner Seite gebalgt haben, und ich bin am nächsten Tag zu nichts zu gebrauchen. Eine klitzekleine Anstrengung, und der Körper schreit nach Schlaf.

Es war einfacher, diesen Zustand zu ertragen, als Seele und Geist auch nichts anderes als schlafen wollten. Jetzt aber, wo ich innerlich wieder erwacht bin, habe ich eine leise – aber wirklich nur eine ganz leise – Ahnung davon, wie es sich anfühlen könnte, wenn der eigene Körper zum Gefängnis wird.

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