Wettlesen

Obschon ich immer noch lieber gedruckte Bücher vom Buchhändler lese, bin ich ganz froh um die Möglichkeit, mir ab und zu ganz spontan Lektüre aufs iPad laden zu können. Zum Beispiel, wenn ich einen netten Film gesehen habe, der auf einem Buch basiert, das ich noch schnell lesen möchte, ehe ich den Film wieder vergessen habe. Oder wenn mir unterwegs der Lesestoff ausgeht. Oder wenn es das Buch gar nicht in gedruckter Form gibt. Oder wenn „Meiner“ schon schlafen, ich aber noch lesen will. Grundsätzlich kann ich also damit leben, dass auch das Buch im digitalen Zeitalter angekommen ist. Auf das neueste Update aber hätte ich ganz gerne verzichtet. Da erscheint doch am unteren Seitenrand stets der Hinweis, wie viele Minuten es noch dauert, bis ich am Ende des Buches angelangt bin. Manchmal heisst es auch, in einer Minute würde ich das Kapitel zu Ende gelesen haben und im allerschlimmsten Fall steht da: „Lesegeschwindigkeit wird ermittelt“.

Himmel, lasst mich in Ruhe lesen! Müssen die jetzt wirklich auch noch einen der gemütlichsten Lebensbereiche zu einem Wettlauf gegen die Zeit machen?

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Gelesen

„I sleep in Hitler’s Room“ oder zu Deutsch „Allein unter Deutschen“ von Tuvia Tenenboum – Spannend, herausfordernd, provokativ und polemisch. Wäre ich Deutsche, hätte mich diese Lektüre wohl ziemlich vor den Kopf gestossen, aber auch sehr nachdenklich gemacht.

„Die Teilacher“ von Michel Bergmann und weil mich dieses Weihnachtsgeschenk so begeistert hat, schenkte ich mir gleich darauf die Fortsetzung „Machloikes“.

„Schantall, tu ma die Oma winken!“ von Kai Twilfer – Ich hoffe inbrünstig, dass diese Tragikomödie fiktiver ist, als der Autor einen glauben macht. Natürlich habe ich dennoch Tränen gelacht.

„Der Hundertjährige, der aus dem Fe…“, sorry, weiter bin ich leider nicht gekommen, eine derart konstruierte Geschichte halte ich nicht über 413 Seiten aus. Okay, ich weiss, mit dieser Aussage bringe ich jetzt ganz viele begeisterte Leser und auch einige Freunde gegen mich auf und ja, meine Liebe, du bekommst jetzt dann endlich dein Buch zurück, ich muss nur endlich daran denken, es dir zu bringen.

Das ist mir jetzt richtig peinlich: „Safe Haven“ von Nicholas Sparks. Zu meiner Verteidigung kann ich nur sagen, der Film ganz in Ordnung war, dass frau wohl nicht umhin kommt, irgendwann in ihrem Leben einen Sparks in die Finger zu kriegen und dass ich leider auch schon Schlechteres gelesen habe. Allerdings auch schon sehr viel Besseres.

„The Rosie Project“ – Erst wollte ich dem Roman von Graeme Simsion ja nicht kaufen, weil mir Bücher, die über allen grünen Klee gelobt werden, suspekt sind. Ich hab’s dann trotzdem gekauft, innert kurzer Zeit verschlungen, immer wieder lauthals gelacht und am Schluss gedacht, dass es auf weiten Strecken ein wirklich tolles Buch ist, das zum Ende hin leider ziemlich ausfranst.

Okay, da gab es noch ein paar weitere, einige ganz gut, andere eher seicht und zwei oder drei, bei denen man sich fragt, weshalb sich überhaupt eine(r) die Mühe genommen hat, diesen Mist aufzuschreiben.

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Keine Vorsätze, aber…

Das mit den guten Vorsätzen ist nicht so mein Ding, einerseits, weil ich dem Jahreswechsel keine allzu grosse Bedeutung beimesse, andererseits, weil ich wohl einfach zu bequem bin, mir selber irgendwelche Vorschriften zu machen, die ich dann ohnehin bald einmal missachten werde. Nun ergibt es sich aber, dass ich mich nach Jahren der Überlastung endlich wieder einmal energiegeladen genug fühle, um etwas bewusster zu leben, anstatt mich von den äusseren Umständen treiben und einengen zu lassen.

Dass dieser Wandel ausgerechnet mit dem Start des Jahres, in dem Menschen mit Jahrgang 1974 vierzig werden, zusammenfällt, ist purer Zufall und wenn ich nun aufschreibe, was ich in den kommenden Wochen und Monaten angehen möchte, hat das nichts mit guten Vorsätzen zu tun, sondern mit meinem Wunsch, keine frustrierte Mittelalterliche zu werden, die immer nur jammert, was sie alles täte, wenn sie sich doch bloss dazu aufraffen könnte und wenn man ihr doch nicht immer Steine in den Weg legte.

Einen ersten kleinen Schritt zum bewussteren Leben habe ich heute unternommen, indem ich google den Rücken zugekehrt habe und fortan mit ecosia.org das Internet durchforste, in der Hoffnung natürlich, dass die auch wirklich halten, was sie versprechen. Weitere Schritte sollen folgen, zum Beispiel:

  • Diese nervtötende Hauptfigur aus einer meiner unfertigen Texte in den Griff bekommen, damit ich endlich ihre Geschichte erzählen kann. Jedes Mal, wenn ich denke, ich hätte sie jetzt endlich an dem Punkt, an dem ich sie haben will, entwischt sie mir und stellt irgend eine Dummheit an, die sie in ihrer Entwicklung um Jahre zurückwirft. Und meinen Text, mit dem ich nun auch schon seit Jahren ringe, reisst sie gleich mit sich. In den kommenden Monaten, das habe ich mir geschworen, werde ich die Dame kleinkriegen.
  • Wie zwanzig kann und will ich nicht aussehen, aber ein bisschen mehr Sorge tragen zu meiner Gesundheit und dabei ein paar Kilos – alle überschüssigen zu beseitigen schaffe ich wohl nicht –  liegen zu lassen, wäre keine schlechte Idee und ich habe sogar einen Hauch von einer Ahnung, wie das gehen soll. 
  • Wer ein Kind bekommt, steckt vorher mal grob die erzieherischen Grenzen ab. Natürlich sind diese Grenzen in erster Linie dazu da, fröhlich niedergerissen zu werden, wenn die Grundsätze mit der Realität in Berührung kommen, aber immerhin hat man sich mal Gedanken gemacht. Bei Teenagern ist das nicht mehr so einfach, denn erstens kündigt sich der Übergang vom Kind zum Teenager nicht so deutlich an wie der Übergang von Schwangerschaft zu Elternsein und zweitens lässt einem das Familienleben wenig Zeit, in aller Ruhe zu überlegen, welche Grenzen gelten sollen. Plötzlich reagiert man nur noch, anstatt in groben Zügen vorzugeben, in welcher Richtung es gehen soll. Es soll kein umfangreiches Regelwerk werden, das auf ewige Zeiten gelten soll, aber ein paar Dinge müssen geregelt werden, auf die Gefahr hin, dass es zu lautem Protestgeheul kommt. 
  • Alt fühle ich mich nicht, aber das Bewusstsein, dass wir nicht ewig Zeit haben, um das zu verwirklichen, was uns wichtig ist, steigt. Darum gilt es, bei den Träumen auszumisten. Die einen müssen in konkrete Ziele umgewandelt werden, andere werden wohl auf ewig ins Reich der Fantasie verbannt, wo ich sie gelegentlich besuchen und sehnsüchtig betrachten werde. 
  • Der neu geschaffenen Ordnung Sorge tragen. Auch wenn ich dem Perfektionismus – bis auf wenige Bereiche – abgeschworen habe, so weiss ich es doch wieder zu schätzen, zu wissen, welches Ding wohin gehört. Und da die ganze Familie auf wundersame Weise zur gleichen Erkenntnis gelangt ist, stehen die Erfolgschancen für einmal erstaunlich gut.

Natürlich ist nichts davon in Stein gemeisselt, denn die vergangenen Jahre haben mich zur Genüge gelehrt, dass sich das Leben nicht gängeln lässt, doch das soll mich nicht davon abhalten, wieder etwas überlegter durch die Tage zu gehen. 

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Will ich das überhaupt?

Lange Zeit gehörte ich zu denen, die über andere schreiben, sie fotografieren und ihre ausführlichen Aussagen zu möglichst knackigen Statements eindampfe. „Was haben die bloss für ein Problem? Vor einem Journalisten braucht man sich doch nicht zu fürchten“, sagte ich, wenn die Leute sich nicht so ganz sicher waren, ob sie sich auf Medienkontakte einlassen sollten oder nicht. Heute stehe ich manchmal auf der anderen Seite und ich finde noch immer, dass man sich vor Journalisten nicht zu fürchten braucht, doch gewisse Bedenken kann ich nachvollziehen. In meinem Kopf läuft das dann etwa so ab:

Die Begeisterungsfähige: „Oh, toll, die wollen etwas über das Buch bringen! Interview, Illustrationen von ‚Meinem‘ und ein Bild. Da soll ein Fotograf  vorb…“

Die Skeptische: „Halt! Stopp! Nicht so schnell! Ein Fotograf? Hast du neulich mal wieder in den Spiegel geschaut?“

Die Begeisterungsfähige: „Ja, ein Fotograf. Das gehört halt dazu, wenn man Bücher verkaufen will.“

Die Skeptische: „Bücher verkaufen sich doch auch ohne Bild.“

Die Begeisterungsfähige: „Bestimmt, aber du kannst es dir nicht leisten, kompliziert zu sein. Du bist auf die Medien angewiesen.“

Die Skeptische: „Ich weiss und ich finde es ja auch ganz toll, dass die sich für mein Buch interessieren, aber…“

Die Begeisterungsfähige: „Was, aber? Da gibt es kein Aber. Es ist einfach nur toll, Punkt!“

Die Skeptische: „Nein, ist es eben nicht. Man verliert auch ein Stück weit die Kontrolle, wenn die Medien ins Spiel kommen. Denk nur an die Journalistin, die gemeint hat, ich hätte ein Selbsthilfebuch geschrieben und mich nach Tipps fragte…“

Die Begeisterungsfähige: „Was ist denn schon schlimm dabei? Das war doch ganz amüsant.“

Die Skeptische: „Natürlich war das auch amüsant, aber es stimmt mich auch nachdenklich. Denk nur, wie leicht man missverstanden wird und wie schnell die Leute sich ein falsches Bild von einem machen.“

Die Begeisterungsfähige: „Ist doch egal. Was heute in der Zeitung steht, ist morgen bereits wieder vergessen.“

Die Skeptische: „Mag sein, aber man gibt eben doch ein gewisses Bild von sich ab und ich weiss nicht, ob mir dieses Bild passt. Am Radio komme ich auch so komisch rüber, die Kinder grinsen ja immer auf den Stockzähnen, wenn sie mich hören. Und was sollen unsere Freunde denken? Das Ganze ist mir irgendwie ein wenig peinlich. Es ist ja nur ein Buch…“

Die Begeisterungsfähige: „Nun geniess es doch einfach. Man muss nicht immer alles hinterfragen.“

Die Skeptische: „Muss man doch.“

Die Begeisterungsfähige: „Muss man nicht.“

Die Skeptische: „Muss man doch. Unbedingt. Und dies ist mein letztes Wort.“

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Leseförderung

Manche Mamas standen einst mitten in der Nacht auf, um den neuesten Harry Potter zu erstehen, weil es das einzige Buch war, das ihr lesefaules Kind in den Bann zog.

Manche Mamas lesen ihrem lesefaulen Kind bis ins hohe Teenageralter Bücher vor, damit sie irgendwie doch noch ein wenig Lesestoff in den Kopf bekommen.

Manche Mamas ertragen mit Engelsgeduld über Monate das gleiche Hörbuch, weil ihr lesefaules Kind wenigstens dieses eine mag.

Manche Mamas setzen sich mit ihrem lesefaulen Kind hin, um mit ihm im Wechsel vorzulesen und zuzuhören, damit ihr lesefaules Kind die Klassenlektüre irgendwie schafft. 

Manche Mamas geben die Hoffnung auf, dass ihr lesefaules Kind je zum Buch greifen wird und lassen es deshalb die Klassiker der Kinderliteratur am Fernseher reinziehen. 

Manche Mamas schleppen Woche für Woche stapelweise Kinderliteratur aus der Bibliothek an und bringen das Zeug eine Woche später ungelesen wieder zurück, weil das lesefaule Kind kein Interesse daran zeigte.

Manche Mamas kommen gar nicht auf die Idee, ihr lesefaules Kind zum Lesen zu motivieren, weil sie lesen selber doof finden.

Manche Mamas versuchen ihr lesefaules Kind mit Belohnungen zum Lesen zu motivieren.

Manche Mamas versuchen ihr lesefaules Kind mit Drohen und Bestrafungen zum Lesen zu zwingen. 

Manche Mamas tun selber so, als würden sie gerne lesen, um ihrem lesefaulen Kind ein gutes Vorbild zu sein, denken aber nicht daran, dass eine Modezeitschrift nicht wirklich als Lesestoff zählt. 

Manche Mamas versprechen ihrem lesefaulen Kind, dass es die Verfilmung des Buches sehen darf, sobald es das Buch fertig gelesen hat. 

Diese Mama hier kauft ihrer lesefaulen zehnjährigen Tochter einen Liebesroman für Zwölfjährige, damit diese endlich auch mit einem Buch vor dem Gesicht durchs Leben geht, wie es sich für ein anständiges Venditti-Familienmitglied gehört. Gut, immerhin ist die Heldin der Geschichte Assistenzärztin und nicht Model oder Kosmetikerin…

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Was mich das Leben so alles lehrt

  • Heizungen steigen grundsätzlich an dem Tag aus, an dem es draussen zum ersten Mal so kalt ist, dass sogar ich mich mit dem Gedanken trage, Strümpfe anzuziehen.
  • Die Heizung teilt dir immer erst dann mit, dass sie sich diesmal wirklich nur mit Hilfe eines Monteurs wieder in Gang bringen lässt, wenn du bereits einen Nachtzuschlag bezahlen müsstest, um diesen Monteur ins Haus zu bestellen.
  • Wenn die Heizung streikt, kommen Fernsehgeräte, Ladekabel, Handys und dergleichen auf die Idee, es ihr gleichzutun. Wir Hausbewohner würden dann am liebsten auch in Streik treten, aber es wird so furchtbar kalt, wenn man nicht ständig in Bewegung ist.
  • Es gibt nur einen Weg, dich nach der Veröffentlichung deines Buches nicht über Tippfehler zu ärgern: Du musst deine Bücher von Hand schreiben. Dann schreibst du nur das falsch, was du nicht richtig schreiben kannst. Darüber kannst du dich dann  nicht ärgern, weil du gar nicht merkst, dass du einen Fehler gemacht hast. 
  • In der Schweiz gibt es einen neuen Industriezweig: Die Betreuungsindustrie, manchmal auch Krippenindustrie genannt. Ich weiss zwar nicht genau, was diese Industrie produziert und weiterverarbeitet, aber das spielt ja auch keine Rolle. Das Wort macht sich einfach gut in Leserbriefen und wer denkt denn schon über den Sinn von Worten nach, wenn er Leserbriefe liest?
  • Dein jüngstes Kind bleibt immer kleiner als deine anderen Kinder und darum in deinen Augen klein, egal, wie gross es schon ist. 
  • Der Vormittag gehört noch lange nicht dir, bloss weil jetzt alle deine Kinder kindergarten- oder schulpflichtig sind. Irgend einer nimmt sich immer das Recht heraus, sich krank zu melden, wenn du eigentlich etwas anderes vorhättest. Also komm gar nicht erst auf den Gedanken, dich irgendwo als freiwillige Helferin zu melden, weil du jetzt „so viel freie Zeit“ hast.
  • Man kann Kondensmilch auch selber herstellen. Man sollte sich allerdings während der Zubereitung nie weiter als zwanzig Zentimeter vom Kochherd entfernen, sonst brennt das Zeug an. 
  • Nur weil dein Kind eine ausgeprägte nostalgische Ader hat, bedeutet das noch lange nicht, dass es sich zum Geburtstag nicht die allerneusten Gadgets wünscht. Klassische Musik und Bilder von Barockpalästen lassen sich problemlos mit modernster Technik vereinbaren.

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Warum so nervös, Mama Venditti?

Natürlich war meine Nervosität vollkommen unbegründet, für einmal war nicht einmal die Kleiderfrage ein Problem, alles lief bestens, die Suppe war so gut, wie Kürbissuppe immer ist, die Gäste waren zufrieden und auch wenn sie nicht in Scharen kamen, so war es doch ein wunderschöner Abend. Wie immer in solchen Fällen hätte ich mir die ganze Aufregung sparen können, denn im Grunde genommen spielt es ja keine Rolle, ob ich meinen Kindern oder meinen Gästen vorlese. Vielleicht lerne ich eines Tages, dies schon im Voraus zu erkennen und auf das ganze nervöse Getue zu verzichten. Vielleicht aber kann ich einfach nicht anders, weil es mir einfach sehr viel bedeutet, mein Geschriebenes und die Menschen, die es lesen, zusammenzubringen.

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Mama Venditti bereitet sich auf eine Lesung vor

08:15 Der Wecker klingelt, ich stelle fest, dass Prinzchen und Herr Gemahl mich mal wieder an die äusserste Bettkante gedrängt haben. Doch was heisst hier „an“? Auf die Bettkante haben die Herren mich gedrängt, darum rapple ich mich mit ziemlich müden Knochen auf, um den Tag in Angriff zu nehmen.

08:25: Ein Glas Wasser runterkippen und dann auf zum Markt, Kürbisse kaufen.

08:45: Die ersten zwei Kürbisse sind gekauft, Schwatz mit der Marktfrau über Wachtelhaltung. Wie sind wir überhaupt von Kürbissen zu Wachteln gekommen? Keine Ahnung mehr, aber die Frau freut sich, dass ich durch so viele Fehler gelernt habe und ihr jetzt ziemlich genau sagen kann, wie sie es nicht machen soll, wenn sie sich dann mal Wachteln zulegt.

08:50: Der nächste Kürbis ist gekauft. Dazu frisch gepressten Apfelsaft. Kurzer Schwatz, dann weiter zum nächsten Stand.

08:53: Bewundern der Kürbis-Auslage am Stand mit dem Pro Specie Rara-Gemüse. Eine Kundin neben mir erzählt mir, wie sie Kürbisse zubereitet und will mir einen Schutzengel verkaufen. Als ich ihr sage, dass ich fünf Kinder und gerade nicht allzu viel Geld für Krimskrams übrig habe, bedauert sie, dass sie gerade kein Gemüse dabei habe, das sie mir schenken könne. Ob ich Selbstgestricktes brauchen könne. Ich erkläre ihr, dass wir ganz gut über die Runden kommen, aber ihre fürsorgliche Art wärmt mir trotzdem das Herz.

09:00: Der letzte Kürbis, den ich kaufe, bringt satte 10 Kilo auf die Waage und weil ich den Ganzen nehme, bekomme ich ihn günstiger. Grossmäulig behaupte ich, ich würde es schon schaffen, all die Kürbisse und den Apfelsaft zum Auto zu schleppen, ich hätte ja auf dem Frauenparkplatz parkiert, das sei ja nicht weit…

09:12: Schwer atmend stehe ich im Durchgang und überlege mir, wie ich meine Bagage besser verteilen kann. Noch 150 Meter bis zum Auto und ich habe nicht die leiseste Ahnung, wie ich das hinkriegen soll. Eine Verkäuferin, die ihren Schmuckstand ganz in der Nähe hat, bietet mir ihren Transportwagen an. Die nette Geste rührt mich fast zu Tränen. Ob ich allmählich ein wenig nervös werde? So sentimental bin ich doch nun auch wieder nicht…

10:05: Nach einem kurzen Zwischenstopp zu Hause – Kürbisse aus- und Kinder einladen – bin ich bereit zu neuen Taten. Drei Kinder sind für den Tag am Spielturnier versorgt, die anderen zwei helfen zu Hause. Vielleicht. Jetzt also noch Getränke besorgen, mehr Mehl, Kerzen, Rahm, Wacholderlatwerge,… Ein erster Anflug von Panik…

10:20: Getränke sind gekauft, Rahm und Kerzen auch. Panik wächst. Oder ist es der Hunger. Für Frühstück war ich zu aufgeregt heute Morgen. Ich erinnere mich daran, dass ich noch den winzigen Gummi-Hamburger habe, den mir der Mann, der heute neben dem Markt Handzettel für die 1:12 Initiative verteilte, geschenkt hat. Das Ding ist wirklich winzig, aber es ist essbar, also runter damit.

11:00: Alles eingekauft, jetzt schnell nach Hause. Panik sehr gross. Was, wenn keiner kommt? Was, wenn zu viele kommen? Wenn die Suppe nicht reicht? Wenn sie anbrennt? Wenn ich meine Stimme verliere? Keine Ahnung, wie das geschehen sollte, aber man kann nie wissen…

11:30: Zu Hause. Das Prinzchen schenkt mir ein Bild, das er nach dem Vorbild seines Papas gemalt hat. Ich könnte schon wieder heulen…Einkäufe hoch schleppen, Sauna einschalten, Vorteig mit Mehl, Hefe und Zucker füttern, nachdenklich das Chaos in der Küche betrachten, Beruhigungsbloggen, geschäumte Milch schlürfen und ab in die Sauna.

Fortsetzung folgt. Vielleicht. Wenn ich meine Nerven in den Griff bekomme…

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