Weshalb tun wir uns das bloss an? Vierter und letzter Teil

Nach nur gerade drei Wochen sind wir wieder voll und ganz mit der Aussenwelt verbunden. Das Telefon schellt wieder wie in alten Zeiten, der Fernseher verfügt über noch mehr Sender, die uns nicht interessieren und – am Allerwichtigsten – wir haben wieder Internet im Haus. Das bedeutet, dass beautifulvenditti nun wieder in Farbe daherkommt. Nach unzähligen Minuten in der Warteschleife und stundenlangem Kopfzerbrechen, weshalb meine Mutter auf einmal unter unserem Namen telefoniert,  wir dafür „keine Anrufsberechtigung unter diesem Anschluss“ hatten,  komme ich zum Schluss, dass es heutzutage wohl einfacher ist, den Ehepartner loszuwerden, als die Telefongesellschaft zu wechseln. Nicht, dass ich diese These beweisen möchte. Ich werde „Meinen“ behalten, auch wenn es im Alltag hin und wieder zu Störungen in der Leitung kommt.

Mein geliebtes Leben

Ich hätte da mal eine kleine Bitte an dich und zwar wünsche ich mir, dass du mir mal eine Verschnaufpause gewährst. Nein, ich meine jetzt nicht ein paar Tage im Ländli oder eine Woche Erholungsferien mit der ganzen Familie. Das alles ist ja ganz nett, aber was hilft es denn, wenn ich, kaum zu Hause angekommen, wieder im selben Schlamassel stecke?

Nein, was ich mir wünsche ist, dass das Karussell mal wieder etwas langsamer dreht. Zum Beispiel, indem das ewige Gezanke in den frühen Morgenstunden aufhört. Ich träume davon, dass wir sieben Vendittis unsere Tage friedlicher beginnen können, denn so allmählich bin ich des ewigen Kämpfens um jede Bagatelle müde.

Ich wünsche mir, dass die Arbeitszeit reicht, um zu erledigen, was getan werden muss. Dass die Pendenzenliste kürzer und nicht stetig länger wird.

Ich wünsche mir mein altes Gedächtnis zurück, denn um so oft am Tag gestehen zu müssen „Mist, das habe ich vergessen!“ bin ich eindeutig noch zu jung.

Ich wünsche mir, dass die Legosteine und Playmobil-Helme, die meinen Weg vom Bad ins Schlafzimmer zum Büsserweg machen, sich von selbst in die Spielkiste begeben.

Ich wünsche mir, dass die nächste Tortenplatte, die ich erstehe, länger als zwei Wochen ganz bleibt.

Ich wünsche mir, dass ich wieder Zeit und Nerven habe, einen Menüplan zu machen. Und vor allem, dass ich mich dann auch an den Plan zu halten, anstatt immer mal wieder Brot und Käse aufzutischen, währenddem die Schwarzwurzeln, auf die wir uns alle so gefreut haben, in der Vorratskammer vergammeln.

Ich wünsche mir, dass das Prinzchen endlich damit aufhört, das Duschgel gleich flaschenweise in die Badewanne zu schütten. Und überhaupt, wenn wir schon beim Baden sind, mein liebes Leben: Könntest du nicht bitte dafür sorgen, dass unsere Söhne endlich begreifen, dass das Wasser in die Wanne gehört und nicht daneben?

Ich wünsche mir, dass ich endlich wieder wie eine ganz normale Frau – eine mit Kindern, Job etc. – unterwegs sein darf und nicht wie ein aufgescheuchtes Huhn, das sich den Mantel falsch zugeknöpft hat.

Ich wünsche mir, dass meine Energie am Ende des Tages für mehr reicht als nur für einige Levels „My kingdom for the Princess“. Die ich übrigens nicht mal in meinem eigenen Namen spiele, sondern im Namen der Kinder, die es trotz aller Anstrengungen nicht schaffen, das Schloss zu erweitern.

Dies alles und noch ein paar Dinge mehr wünsche ich mir, mein geliebtes Leben. Glaubst du, du kriegst das vor meiner Pensionierung hin, oder soll ich mir da erst mal keine Hoffnungen machen?

Doch kein Märchen

Pädagogen beklagen sich ja gerne über die heutigen Kinder. Sie wüssten sich nicht mehr zu bewegen, sie könnten nicht mehr mit der Schere hantieren, sie hätten keine Ahnung davon, wie man spielt. Alles Schwarzmalerei, pflegte ich zu denken, denn die Kinder, mit denen unsere Kinder spielen, sind nicht so. Klar, hin und wieder trifft man schon eines, das am liebsten nur fernsehen möchte, aber die meisten klettern mit Vergnügen und grossem Geschick auf Bäume, spielen mit Leidenschaft Theater und wissen, wie man Kuchenteig macht.

Hin und wieder aber begegne ich Kindern, für die es eine echte Herausforderung ist, zehn Minuten lang einer Geschichte zuzuhören. Ihre Kiefer sind nicht mehr stark genug, um ein frisches, knuspriges Brötchen zu kauen, denn etwas anderes als weiches Weissbrot haben sie noch selten zwischen die Zähne bekommen. Ein leeres Blatt und ein paar Farbstifte empfinden sie als Überforderung, denn wo bitte sehr sind da die vorgezeichneten Figuren, die man nur noch ausmalen muss? Es sind Kinder, die sich daran gewöhnt haben, alles pfannenfertig vorgesetzt zu bekommen. Mit ihren eigenen Werken sind sie nie zufrieden, weil sie nicht so grell und perfekt sind wie all das, was sich am Computer herbeizaubern lässt.

Wenn ich solchen Kindern begegne, wird mir jeweils bewusst, dass es doch keine Märchen sind, welche die Pädagogen jeweils über die Kinder von heute erzählen. Und doch erzählen sie nicht die ganze Wahrheit. Denn mit welcher Begeisterung diese Kinder den Teig kneten, wenn sie mal die Gelegenheit dazu bekommen, wie glücklich sie sind, wenn sie einfach mal ohne grosse Vorgaben drauflos malen können, mit welchem Genuss sie „mal etwas anderes als Pommes und Würstchen“ verspeisen, davon hört man selten. Gut, zuerst ist da meist eine gewisse Furcht vor dem Unbekannten, die es zu überwinden gilt, aber wenn sie mal Mut gefasst haben und etwas Neues gewagt haben, sind sie mit mindestens so viel Begeisterung dabei wie die Kinder, für die Kreativität und Herumtollen zum Alltag gehören. Vielleicht sogar mit mehr.

Familienanalyse

Das Prinzchen schaut mich treuherzig an und meint: „Gell Mama, Karlssons Brüder machen dich manchmal fast wahnsinnig.“

Ja, mein Prinzchen, das tun sie. Aber leider muss ich dich darauf aufmerksam machen, dass du auch einer von Karlssons Brüdern bist.

Das Prinzchen fährt fort: „Ich bin dein Bruder und du bist meine Frau, die Mami heisst. Karlsson, der FeuerwehrRitterRömerPirat und der Zoowärter sind auch meine Brüder und ich bin Luises Schwester. Papa ist mein Sohn und er ist mein Mann, der Papa heisst. Und ich bin ein grosser Junge, der klein ist. Und der Grossvater wird sich bestimmt freuen, wenn ich ihn Grosspapa nenne.“

Irgendwie so ähnlich ist es, mein Sohn. Einfach das mit den richtigen Bezeichnungen müssen wir noch üben, bevor du in die Schule kommst, wo du deine Familie wirst vorstellen müssen.

Ziemlich genau so ist es, mein Sohn

Archiv der Sentimentalitäten

Am Anfang war es ja noch einfach zu entscheiden, was man als Erinnerung für spätere nostalgische Momente aufbewahrt: Der erste Strampler, die erste abgeschnittene Locke, der erste Versuch des Kindes, mit Stift und Papier umzugehen, vielleicht auch noch die erste Eintrittskarte für den Zirkus. Bei den Fotos wurde es dann schon etwas schwieriger. Welche kommen aufs Papier, welche werden für immer digital bleiben – im vollen Bewusstsein, dass in fünfzig Jahren wohl keiner mehr wissen wird, wie man sie aus diesen altmodischen Computern herausbringt? Ein schwerer Entscheid und vermutlich werden die Kinder später genau die Bilder vermissen, die wir als nicht ausdruckenswert angesehen hatten. Auch bei den Zeichnungen fällt es nicht leicht zu trennen zwischen wertlosem Gekritzel und potentiellem Beweismaterial mit dem man der Welt zeigen kann, dass sich da schon ganz früh eine künstlerische Ader zeigte. Welches Bild gehört an den Kühlschrank gehängt und welches darf man getrost der Altpapiersammlung übergeben?

Mit all diesen Fragen hatten wir ja gerechnet, als wir Eltern wurden. Immerhin waren wir genau im richtigen Alter, um unsere eigenen Eltern zu fragen, weshalb sie denn unseren ersten Strampler nicht aufbewahrt hatten, warum sie die Negative mit den Ferienbildern von 1989 weggeschmissen hatten und ob es denn fair sei, dass vom grossen Bruder noch ein Fütterungsplan da sei, während man für sich selbst keinen einzigen Beleg hatte, dass die Eltern in den erstn Lebensmonaten für ausreichend Nahrung gesorgt hatten. Mal abgesehen von diesem peinlichen Bild mit dem schreienden, pausbackigen Baby.

Nun aber zurück zu meinem eigentlichen Problem: Welche von den Kindern gespeicherten Computerdateien archiviert man? Klar, die irrwitzigen Kurzgeschichten, die sie in die Tasten hauen, behält man. Mir treten ja heutzutage selbst die Tränen der Rührung in die Augen, wenn ich in den „Lenzurger Schulnachrichten“ von 1987 meinen ersten veröffentlichten Text lese und erkenne, dass ich damals schon gebloggt habe. Die Texte der Kinder also bleiben. Bei Karlssons Kompositionen bin ich mir da schon nicht mehr so sicher. Nun ja, er hat sich wirklich grosse Mühe gegeben, aber am Ende sind es doch mehr oder weniger zufällig aneinander gereihte Noten. Wobei, die Namen seiner Werke sind echt kreativ, also bleiben sie vielleicht doch. Bei seiner ersten Power Point Präsentation bin ich nun aber wirklich unsicher. Wenn das erste Kind in der fünften Klasse bereits seine erste Präsentation macht, wie viele Präsentationen werden es dann sein, bis das Prinzchen aus der Schule kommt? So viel Speicherplatz haben wir nie und nimmer. Und wie um Himmels Willen sollen wir noch den Überblick behalten, wo unser Computer bereits jetzt alles Berufliche, Private, Ehrenamtliche und Kreative von „Meinem“ und mir im Kopf behalten muss?

Der Entscheid fällt mir zwar schwer, aber ich glaube, die Präsentationen können wir nicht auch noch archivieren. Wobei, Karlsson hat sich ja wirklich grosse Mühe gegeben…

Warum tun wir uns das an? – Teil III

Nun sind wir also bereits eine Woche ohne Telefon und Internetanschluss. Ein Ende ist noch nicht in Sicht. Im Gegenteil: Inzwischen geht auch bei meiner Mutter, die bei uns im Haus wohnt, das Telefon nicht mehr. Ihr Anschluss läuft über die Swisscom, die Rechnungen erhält sie von econophone, wenn sie einen Anruf tätigen will, heisst es „Willkommen bei Sunrise – Bienvenu chez Sunrise – Benvenuti da Sunrise“ und wenn man auf die Testnummer anruft, um herauszufinden, welche Gesellschaft den Bock geschossen hat, landet man bei der Ansage von Tele4you. Alles ziemlich verwirrend und natürlich will keiner einen Fehler gemacht haben. Aber immerhin weiss ich nun, welcher Anbieter den nettesten Kundendienst hat, wo sie nicht die geringste Ahnung haben und wo man am längsten in der Warteschleife hängt. Wer sich darum kümmern wird, dass meine Mutter wieder telefonieren kann, haben wir allerdings noch nicht herausgefunden.

Dafür aber wissen wir seit heute, dass unser Internetanschluss frühestens am kommenden Freitag installiert wird, dass wir die neue Telefonnummer, die sie uns zugeteilt haben, behalten können und dass man uns irgendwann einen Techniker ins Haus schicken wird. Das ist doch immerhin schon mehr als vor zwei Tagen.

Und die Zeit ohne Telefon hat ja durchaus auch ihre VorteDur. Keine lästigen Werbeanrufe beim Mittagessen, keine Möglichkeit, von der Lehrerin zu erfahren, dass der FeuerwehrRitterRömerPirat schon wieder zu spät zur Schule gekommen ist, keine geschäftlichen Telefonate ausserhalb der Arbeitszeit. Das Allerbeste aber ist, dass die Nachbarn vorbeikommen müssen, wenn sie etwas von einem wissen wollen. Und wo sie schon mal da sind, kann man doch gleich ganz spontan einen netten Filmabend veranstalten.

Nun gut, irgendwann möchte ich dann schon gerne wieder telefonieren können. Ich weiss ja nicht, ob der ewige Junggeselle in unserem Quartier den gleichen Filmgeschmack hat wie wir. Was also müssten wir tun, wenn plötzlich er vor unserer Haustüre stünde, weil wir telefonisch nicht erreichbar sind?

Opfer der Telefongesellschaft

Kurz vor Mitternacht spielt das Geburtstagskind immer noch mit seinen Geschenken. Der Mann, mit dem man heute seit 20 Jahren unterwegs ist, sitzt auswärts im Büro und lässt sich via Handy eine Blogmeldung diktieren. Die drei Texte, die im Kopf herumschwirren, bleiben weiterhin im Kopf, denn die Internetverbindung ist tot. Schönes Wochenende allerseits.  

Standortbeurteilung

Früher nannten sie es Beurteilungsgespräch. Das Kind bekam in der Schule oder im Kindergarten einen Fragebogen mit Smiley-Gesichtern, auf dem es einzeichnen durfte, was es gut kann und was ihm Mühe bereitet. Die Lehrerin füllte den gleichen Bogen aus, dann wurden Eltern und Kind zu einem Gespräch eingeladen. Das Kind stand im Zentrum, man sprach über sein Wohlbefinden, über seine Stärken und seine Schwächen. Man liess das Kind reden, stärkte sein Selbstbewusstsein mit lobenden Worten und einigen Hinweisen, was es besser machen könnte. Das Beurteilungsgespräch war nicht perfekt, es gab immer wieder Eltern, die mit einem mulmigen Gefühl nach Hause gingen. Heute erinnert man sich dennoch sehnsüchtig an das Beurteilungsgespräch zurück.

Der Begriff „Beurteilungsgespräch“ wurde abgeschafft, man spricht jetzt von „Standortgespräch“. Das läuft so ab: Man zitiert die Eltern zum Gespräch – je nach Lehrperson bitte lieber ohne Kind – und präsentiert ihnen einen Zettel mit Kreuzen drauf. „Trifft in hohem Masse zu“ – gibt es nicht. „Trifft zu“ – wen interessiert das schon? Über das, was gut läuft, braucht man nicht zu reden. „Trifft teilweise zu“ – hier wird es allmählich interessant. „Wenn wir in diesem Bereich nichts unternehmen, besteht die Gefahr, dass es zu einem Defizit kommt“, heisst es dann. „Es ist natürlich nicht dramatisch, aber eine Fördermaßnahme wäre angezeigt“ oder „Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass Ihr Kind hier ein Problem hat?“ Die Spalte „Trifft nicht zu“ bleibt gewöhnlich leer, aber der Hinweis „Wir wollen doch nicht, dass das Kind hier landet“ macht sich immer mal wieder gut, wenn das Kind nicht den gewünschten Einsatz zeigt.

Der Hauptteil des Gesprächs dreht sich um „Trifft teilweise zu“, wenn man Glück hat, fällt irgendwann noch die Bemerkung, dass man eigentlich ganz zufrieden sei mit dem Kind und dann steht man plötzlich auf der Strasse und fragt sich, ob man in den falschen Film geraten ist. Da will man nicht mehr von „Beurteilung“ reden, tut aber genau das in einem Mass, dass man sich als Eltern fragen muss, was aus dem Wohlwollen geworden ist, auf das die Kinder so sehr angewiesen sind, um sich gesund entwickeln zu können.

Nehmt diesem Kind den Wecker weg!

Jeden Mittwoch muss Luise früh raus. Um zwanzig nach sieben fängt die Schule an, was „Meiner“ und ich regelmäßig vergessen. So ist es schon mehrmals vorgekommen, dass Luise nur gerade ein paar Minuten Zeit hatte, um sich für die Schule bereit zu machen. Damit sich dies ändert, hat die Grossmama Luise einen Wecker geschenkt.

Heute früh, es war wohl gegen halb sechs, kam das Ding zum ersten Mal zum Einsatz. Wenige Momente später stand das Kind in unserem Schlafzimmer. „Mama, Papa! Ihr müsst aufstehen, sonst komme ich zu spät zur Schule.“ Ein Blick auf die Uhr zeigte uns, dass unsere Tochter mal wieder übertreibt. „Geh zurück ins Bett. Es ist noch viel zu früh“, murmelte ich und versuchte, wieder einzuschlafen. Zehn Minuten später wieder Luise: „Wann steht ihr endlich auf? Ich komme ganz bestimmt zu spät.“ Nach weiteren fünf Minuten dann „Mama, kannst du mir einen Pferdeschwanz binden?“ „Nein, kann ich nicht, es ist noch nicht mal sechs Uhr und ich weigere mich, die Augen aufzumachen. Wenn du unbedingt wach sein willst, kannst du etwas lesen, aber sei bitte still, mir brummt der Schädel“, war meine ziemlich unfreundliche Antwort. „Aber Mama, ich komme doch zu spät zur Schule. Der Wecker hat schon längst geklingelt. Und Grossmama hat gesagt…“ „Ja, meine liebe Luise, ich weiss, dass dir Grossmama gesagt hat, du sollst den Wecker stellen, damit du nicht zu spät kommst, aber sie hat dir nicht gesagt, du solltest ihn mitten in der Nacht stellen.“ „Aber Mama, du weisst doch, dass ich einen Eintag bekomme, wenn ich nicht rechtzeitig bin…“

Ja, mein Kind, ich weiß es, aber du weisst auch, dass deine morgenmuffelige Mama das Bett erst dann verlässt, wenn es sich wirklich nicht mehr länger vermeiden lässt. Und was ist schlimmer, eine unausgeschlafene, übel gelaunte Mama, oder ein Eintrag im schulischen Sündenregister?

Warum tun wir uns das bloss an? – Teil II

Wie nicht anders zu erwarten war, sind wir auch heute noch ohne Telefon. Weil die alte Telefongesellschaft, die uns am Freitag noch den sofortigen Rauswurf angekündigt hatte, es bis heute nicht geschafft hat, die Verbindung vollends zu kappen. Telefonieren können wir zwar schon längst nicht mehr, was aber noch lange nicht bedeutet, dass auch hinter den Kulissen alles so weit geregelt ist, dass uns die neue Gesellschaft wieder ans Netz anschliessen kann.

Also ein weiterer Tag mit „Ja, Luise, du darfst deine Freundin anrufen. Oh nein, Mist, wir haben ja gar kein Telefon. Wo hab ich bloss das Handy wieder hingelegt?“ und „Nein, Karlsson, du kannst den Vortragstext nicht in die Schule mailen, wir sind noch immer offline.“ Wieder hängt „Meiner“ in der Warteschlaufe fest, währenddem wir uns nebenbei über den Entwicklungsstand unserer Kinder unterhalten. Das klingt dann etwa so: „Findest du nicht auch, dass der FeuerwehrRitterRömerPirat – jawohl, ich bin noch dran, nein, haben wir nicht, okay, ich warte – in letzter Zeit viel hilfsbereiter geworden ist? Dafür hat Luise neulich – Wie? Die Leitung ist bei ihnen noch immer offen? Aber Sie haben doch gesagt… okay, zehn Minuten habe ich noch, dann muss ich weg – ein Riesentheater gemacht, bloss weil ich ihr – Jawohl. morgen Vormittag? Ja, dann bin ich zu Hause. Wie? Ich muss einen Elektriker organisieren? Gut, dann fragen Sie doch kurz nach. Ich warte derweilen – gesagt habe, dass sie mir den Geschirrspüler ausräumen – Okay, gut. Kein Elektriker. Sie melden sich wieder, wenn Sie mehr wissen. Ach so, die alte Nummer können wir nun doch behalten? Gut, geben Sie mir einfach Bescheid.“

Mühsam das Ganze, wenn auch nicht wirklich schlimm, denn zur Not geht’s auch ohne Festnetz und ADSL. Etwas besorgt war ich nur, weil die heute Abend „Meinem“ gesagt haben, dass sie wohl auch den mobilen Internetzugang abschalten müssen. Was, um Himmels Willen mache ich dann? Wobei, wozu sorgen? Die tun ja ohnehin nichts von dem, was sie ankünden.