Oregano ist nichts für Männer

Der Grossverteiler meines Vertrauens hat am Samstag alle Kunden, die bereit waren, 80 Franken oder mehr an der Kasse abzugeben, mit einem kleinen Präsent belohnt. Ein Bestechungsversuch, der bei uns im Ort offenbar seine Wirkung verfehlt hat. Darum reichte es heute, wenn man verzweifelt genug war, um frühmorgens schon im Laden zu stehen, um trotzdem noch ein Päckchen zu bekommen. Bei manchen Kunden zierte sich das Verkaufspersonal dennoch ein wenig, wie der folgende Gesprächsausschnitt zeigt:

Kassierin 1 zu Kassierin 2: „Bekommen jetzt also wirklich alle Kunden das Geschenk?“

Kassierin 2: „Ja, alle.“

Kassierin 1 (mit zweifelndem Blick auf den älteren Herrn, der gerade bezahlen möchte): „Alle? Auch die Herren?“

Kassierin 2: „Ja, auch die Herren.“

Kassierin 1: „Aber hast du nicht gesagt, da sei etwas Blumiges drin?“

Kassierin 2: „Ja, schon…“

Kassierin 1 (Mit einem weiteren zweifelnden Blick auf den Herrn, der jetzt wirklich gerne bezahlen möchte): „Aber soll man das dann wirklich auch den Herren abgeben?“

Kassierin 2: „Ja.“

Kassierin 1 (Überreicht dem leicht verunsicherten Kunden mit schlecht kaschiertem Widerwillen das Präsent):“Es bringt ja eigentlich wirklich nichts, denn Herren etwas Blumiges zu schenken und die freuen sich dann nicht mal darüber.“

Als Nächste war ich dran und da die Kassierin bezüglich meiner Weiblichkeit nicht die geringsten Zweifel hat, bekam ich das Päckchen ohne Murren überreicht. Es war eine kleine Box mit Oregano-Samen zum Ansäen. Seitdem ich das Ding ausgepackt habe, quält mich die Frage, ob „Meiner“ ein richtiger Mann ist. Er mag nämlich Oregano und der ist ja offenbar nichts für Männer. 

happiness begins with ice cream; prettyvenditti.jetzt

happiness begins with ice cream; prettyvenditti.jetzt

Therapiefeuer

Ausgelöst wurde das Ganze durch den Elternabend. Der erste Erstklässler-Elternabend, den ich rundum glücklich verliess. Ein Abend, an dem Sätze fielen, die einer Mama das Gefühl geben, dass hier Menschen unterrichten, die ihren Beruf und die Kinder, mit denen sie arbeiten, von Herzen mögen. Ein Abend auch, der mir schmerzlich bewusst werden liess, wie anders dies bei Karlsson, Luise, dem FeuerwehrRitterRömerPiraten und dem Zoowärter gewesen war. Ihnen blies in den ersten zwei Schuljahren ein steifer Wind um die Ohren und Standortgespräche waren in erster Line dazu da, den Kindern vor Augen zu führen, in welchen Bereichen sie nicht genügen. Keine optimalen Bedingungen, um die Freude am Lernen zu kultivieren.

Tja, und dann sprachen wir halt am Familientisch darüber, wie minderwertig sich unsere vier grösseren Kinder jeweils gefühlt hatten, wenn mal wieder nichts gut genug war. Wie es der Zufall wollte, brannte gerade ein Feuer im Garten und bald schon brannten da nicht nur Äste, die zu dick waren für den Häcksler, sondern alte Rechenaufgaben, Schönschreibblätter (die natürlich nie schön genug geschrieben waren), Prüfungen, ja, sogar ein ganzes Übungsbuch. Je höher die Flammen loderten, umso ausgelassener tanzten der FeuerwehrRitterRömerPirat und der Zoowärter ums Feuer herum, befreit von dem Ballast der Jahre, in denen sie nie genügen konnten, so sehr sie sich auch bemüht hatten.

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Weider mal so ein Home-Office-Morgen…

Der erste Satz des Tages hätte mich eigentlich vorwarnen sollen: „Da sind Maden im Abfallsack!“ Mehr bräuchte ein Mensch ja wirklich nicht zu hören, um zu wissen, dass er den Tag gar nicht erst in Angriff zu nehmen braucht, sondern sich am besten gleich die Decke über den Kopf zieht und weiterschläft. Krankhaft naiv, wie ich nun mal bin, kroch ich trotzdem aus dem Bett und half „Meinem“, dem Ungeziefer den Garaus zu machen. Noch irgendwelche Fragen, weshalb ich den Rest des Tages für einmal nicht barfuss, sondern mit Schuhen an den Füssen im Haus unterwegs war?

Nach den Maden kam der Telefontechniker, der sich der „Fremdspannung“ annahm, die für mehrere Tage unser Telefon lahm gelegt hatte. Na ja, ich behaupte ja, die Telefongesellschaft habe das mit der Fremdspannung mit Absicht gemacht, weil ich die Hotline schon so lange nicht mehr angerufen habe und die mir doch endlich das neue TV-Internet-Festnetz-Handy-Sparpaket andrehen wollten, aber beweisen kann ich natürlich nichts. Der Techniker kam also, behob den Mangel und rauschte wieder ab.

Ich hätte die Zeit seiner Anwesenheit ja dazu genützt, das Mittagessen in den Slow Cooker zu schmeissen, wenn denn nicht eine gewisse Diskrepanz bestanden hätte zwischen dem Menüplan und den real existierenden Lebensmittelvorräten im Kühlschrank. Also kam vor der Arbeit noch die Migros und nach der Migros kam nicht die Arbeit, sondern der Stromausfall. Und weil ich glaubte, die Ursache des Stromausfalls wäre beim Sicherungskasten zu finden, begab ich mich eben treppab in den Keller, anstatt treppauf ins Büro. Im Keller war aber kein Stromausfall zu finden, dafür dichter Rauch, der Gott sei Dank nicht aus dem Heizungskeller drang, wie ich zuerst befürchtet hatte, sondern von draussen in den Heizungskeller geweht wurde. Ich folgte also meiner Nase in den Garten und landete schliesslich bei der Feuerstelle, wo noch immer einer der Wurzelstöcke, die „Meiner“ gestern in Brand gesetzt hatte, vor sich hin rauchte. 

Also keine Feuerwehrübgung, dafür aber eine Rettungsaktion in der Küche, denn der Slow Cooker fand das mit dem Stromausfall ganz und gar nicht lustig und weigerte sich rundheraus, dort weiterzumachen, wo er aufgehört hatte, als der Strom wieder da war. Und das wiederum hatte zur Folge, dass „Meiner“ mich mit einem vorwurfsvollen „Was hast du am Herd zu suchen, du solltest doch arbeiten?“ begrüsste, als er am Mittag nach Hause kam und mich in der Pfanne rühren sah. 

Hab doch gesagt, es wäre besser gewesen, im Bett zu bleiben…

mademoiselle orsay; prettyvenditti.jetzt

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Garagen-Igel (oder vielleicht auch Igel-Garage)

Menschen wie wir, die ihr Auto als Gebrauchsgegenstand betrachten, brauchen keine Garage, finde ich. Darum sehne ich den Tag herbei, an dem ich das potthässliche, nutzlose Ding gegen ein anständiges Gewächshaus mit Geräteschuppen eintauschen kann. Besonders jetzt, wo unser Grundstück von Tag zu Tag kahler wird, kann ich es kaum mehr ertragen. „Hier ist kein Leben mehr weit und breit, nur diese hässliche Garage“, klage ich, wenn es mir mal wieder nicht schnell genug vorwärts geht mit der Gartengestaltung.

„Hier ist kein Leben mehr weit und breit, nur diese hässliche Garage“, hat sich auch der Igel gesagt, der ab und zu bei uns vorbeischaut, um sich die paar Nacktschnecken zu schnappen, die der Hitze getrotzt haben. „Aber Menschen, die ihr Auto als Gebrauchsgegenstand betrachten, brauchen keine Garage, da könnte ich doch eigentlich einziehen“, sprach er weiter, schlüpfte durchs halb geöffnete Tor und und machte es sich drinnen gemütlich. Jetzt haben wir also einen Garagen-Igel – oder vielleicht auch eine Igel-Garage – und ich bin bis auf Weiteres versöhnt mit dem Schandfleck auf unserem Grundstück. So als Provisorium, bis wir endlich ein anständiges Igelhotel eingerichtet haben, kann die Garage von mir aus noch ein paar Monate stehen bleiben.

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An die Wetterverwirrten,…

…die nach dem zweiten nicht ganz sonnigen Wochenende in Folge nicht mehr ein und aus wissen und deswegen in diversen sozialen Medien den Jammergesang „So ein mieses Wetter und das mitten im August!“ angestimmt haben…

Ich möchte euch etwas erklären: Das, was seit einigen Stunden auf eure ach so empfindlichen Köpfchen herab tropft und eure noch empfindlicheren Seelchen in tiefste Trauer stürzt, nennt sich Regen. Die Tröpfchen fühlen sich gar kalt an auf der nackten Haut, ich weiss, und sollten eure zarten Füsschen in einem Pfützchen landen, holt ihr euch am Ende noch einen Schnupfen und dann ist es aus mit dem Sommerfeeling. Ach, so ganz ohne Sonnenschein will einfach keine rechte Lebensfreude aufkommen. Vierundzwanzig kostbare Sommerstunden vergeudet! Womit haben wir das verdient? Wo doch schon bald der Herbst vor der Tür steht und dann dauert es wieder sooooooo lange, bis endlich wieder Sommer wird. 

Meine lieben Wetterverwirrten, ihr nervt und zwar gewaltig. Schaut ihr denn eigentlich nie aus dem Fenster? (Ich meine, jetzt mal abgesehen von eurem sorgenvollen Blick, mit dem ihr überprüft, ob der Himmel „endlich“ wieder blau werden will?) Seht ihr denn nicht, wie die Natur förmlich nach Flüssigkeit lechzt? Glaubt ihr wirklich, das Wetter habe einzig und alleine die Aufgabe, euch fröhlich zu stimmen und euch das Gefühl zu vermitteln, ihr wäret am Strand und nicht zu Hause in der langweiligen Schweiz? Hat eure Mama euch nie erklärt, dass eitel Sonnenschein ziemlich schnell eine trostlose Wüste entstehen lässt?

Falls nein, dann solltet ihr vielleicht mal im Estrich euer altes Schulmaterial ausgraben, dort findet ihr bestimmt noch irgendwo die Zeichnung mit dem Wasserkreislauf und dann versteht ihr vielleicht, was ich meine.

(Und sonst könntet ihr euch wenigstens ein Beispiel am Prinzchen nehmen. Der hat heute, als die Lehrerin wissen wollte, worüber sich die Kinder freuen, gesagt, er sei glücklich, weil es endlich mal wieder regne.)

will I be happy?; prettyvenditti.jetzt

will I be happy?; prettyvenditti.jetzt

Wer verwöhnt denn da?

Vor ein paar Tagen geriet ich mit einem unserer grösseren Kinder in einen ziemlich heftigen Disput. „Das Prinzchen ist dein Lieblingskind. Er ist total verwöhnt und darf alles“, lautete der Vorwurf im Kern und ich versuchte, möglichst angemessen zu reagieren. Mir sei schon klar, dass „Meiner“ und ich mit dem Jüngsten weniger streng seien, gab ich zu. Wir täten das nicht mit Absicht und erst recht nicht, weil wir das Prinzchen lieber hätten als die anderen, aber als Eltern werde man mit zunehmender Erfahrung einfach gelassener. Ja, ich stand sogar dazu, dass ich als jüngstes Kind in meiner Familie mich ohne es zu wollen oft mit dem eigenen jüngsten Kind solidarisiere. Ich erklärte aber auch, die Position des Nesthäkchens bringe nicht nur Vorteile mit sich, übermüdete Eltern und besserwisserische grosse Geschwister könnten einem ziemlich zusetzen. Weil ich mich gerade für einen Artikel mit dem Thema „Geschwisterkonstellationen“ auseinandersetze und mehrere Fachbücher gelesen habe, konnte ich mein Geschwätz gar theoretisch untermauern, doch es half nichts; der Vorwurf, ich würde den Jüngsten krass bevorzugen, blieb im Raum.

Heute Abend trat das Prinzchen mit nackten Füssen in eine Nähnadel, die aus unerfindlichen Gründen auf dem Teppich lag. Die Nadel steckte tief im grossen Zeh und entsprechend laut war das Geschrei. Innert Sekunden kamen sie angerannt, die grossen Geschwister. „Prinzchen, was ist mit dir? Tut es schlimm weh? Kann ich dir helfen? Willst du meine Spielfigur haben?“ Das alles, obschon das Prinzchen längst auf meinem Schoss sass und „Meiner“ sich um die Entfernung der Nadel kümmerte. „Oh ja, er wird tatsächlich gehätschelt und verwöhnt, der Kleine“, brummte ich. 

Blöd war einfach, dass ausgerechnet das Kind, das so sehr mit der Sache gehadert hatte, nicht dabei war, um zu sehen, dass Mama und Papa bei Weitem nicht die einzigen in diesem Haus sind, die dem Jüngsten das Gefühl geben, er sei ein kleiner Prinz.

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Wenn dein Garten an der Strasse liegt,…

…und du dich irgendwann dazu entschliesst, dem Gehölz den Garaus zu machen, um aus der Einöde etwas Schönes entstehen zu lassen, dann kommst du mit jedem, der am Haus vorbeigeht, ins Gespräch. 

Der eine – ein netter Kerl, leicht handicapiert – erzählt dir, wie er jeweils zu Hause, in den Bergen oben, mit seinen Blumen plaudert und wie gut das beiden Seiten tut.

Der Nächste lässt dich ganz unverblümt wissen, es sei wirklich höchste Zeit, dass du das mit dem Garten mal endlich anpackst. So, wie das ausgesehen habe, sei es ja wirklich nicht mehr schön gewesen. 

Der Dritte sagt dir, mit der von euch angewendeten Methode würdet ihr die Wurzelstöcke nie und nimmer aus dem Boden kriegen und er bleibt auch bei seiner Meinung, als du erklärst, auf diese, Wege hättet ihr bereits ohne grossen Aufwand fünf hartnäckige, lästige Dinger ausgegraben. 

Ein älteres Ehepaar freut sich, dich mit „Deinem“ im Garten anzutreffen, findet, es sei doch besser, einen neuen Garten anzulegen, anstatt sich einen neuen Mann zu suchen und erzählt dann voller Stolz die eigene Liebes- und Lebensgeschichte.

Eine übellaunige Alte sagt zwar nichts, verzieht aber angewidert das Gesicht, weil auf der Feuerstelle gerade ein paar Wurzelstöcke, die zu gross sind für den Häcksler, ziemlich viel Rauch produzieren.

Manch einer meint nur: „Lieber du als ich“ und lässt zur Motivation ein paar Tipps zurück, nach denen du nicht gefragt hast.

Einige wollen wissen, was denn werden soll und sind erstaunt, wenn du dir deinen zukünftigen Garten ganz anders vorstellst, als sie es machen würden. 

Und dann gibt es noch so nette Menschen wie dein Nachbar und sein Kollege, die mit sinnvollen Tipps und Tricks, Werkzeugverleih und beherztem Anpacken dafür sorgen, dass die Arbeiten mit bedeutend weniger Schwielen und Schweissausbrüchen als erwartet vorangehen.

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Liebe Lehrmittelautoren

Heute Abend habe ich mit Luise für die erste Französischprüfung an der Oberstufe gelernt. „Quel est ton sport préferé?“, „Où habites-tu?“, „Comment tu t’appelles?“, „Est-ce que tu as des animaux?“ und solche Sachen. Kein Problem für jemanden, der bereits Französisch kann und offenbar geht ihr tatsächlich davon aus, dass die Klassen, die schon vier Jahre mit dem Vorläufer eures Oberstufenlehrmittels gearbeitet haben, die Grundlagen der Sprache beherrschen, aber darin irrt ihr leider. Wie hätten sie auch etwas lernen sollen, wo sie doch vier Jahre lang Liedchen gesungen und sich Wörter wie „giratoire“ (Verkehrskreisel) und „onomatopée“ (Lautmalerei) eingeprägt haben? Nichts gegen Liedchen und komplizierte Wörter, aber glaubt ihr wirklich, die Kinder seien danach fit, um an der Oberstufe gleich auf der ersten Doppelseite eures ach so modernen und lebhaften Lehrmittels mit „Est-ce que…“, Inversionsfragen, reflexiven Verben, männlichen und weiblichen Formen, Singular und Plural, etc. klarzukommen? Ein Wunder, dass ihr nicht gleich noch das passé composé reingewurstelt habt! Woher, meine lieben Autoren, sollen die Schüler das grammatikalische Geschlecht all der verwendeten Vokabeln kennen, wenn ihr euch nicht mal die Mühe nehmt, zu jedem Nomen den passenden Artikel zu liefern? Und wozu die App, deren Download eine Ewigkeit dauert, die dann aber doch nicht viel mehr liefert als das Buch? (Mal abgesehen von den Liedchen, auf die ihr auch an der Oberstufe nicht verzichten wollt.)

Klar, meine Französischkenntnisse reichen aus, um Luise beim Lernen beizustehen und ich habe auch volles Vertrauen in die Lehrerin. Aber wie um alles in der Welt soll ich meiner Tochter helfen, das Chaos im Kopf zu ordnen, wenn weit und breit kein klarer Aufbau erkennbar ist? Oder muss ich ihr jetzt wirklich im Eilverfahren den ganzen Stoff einprügeln, den das Frühfranzösisch eigentlich hätte liefern müssen, damit sie an der Oberstufe nicht den Anschluss verpasst? Das kann’s doch nun wirklich nicht sein. Zumal ich eine grottenschlechte Lehrerin bin. 

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Alles nur eine Frage der Disziplin?

Montag backen, Dienstag arbeiten, Mittwoch Garten, Donnerstag arbeiten, Freitag putzen – So ist das geplant und so habe ich das in den vergangenen zehn Tagen auch mehr oder weniger durchgezogen. „Ist es am Ende doch nur eine Frage der Disziplin, ob man es schafft, die Dinge zu tun, die man sich vorgenommen hat?“, fragte ich mich selbst heute früh, als ich mal kurz meinem Spiegelbild begegnete. Mein Spiegelbild zog die Augenbrauen hoch. „Hast du die Sache mit Schwiegermama schon wieder vergessen?“, fragte es mich. „Und die Lehrerin, die dich fast jeden Mittwochvormittag angerufen hat, weil der FeuerwehrRitterRömerPirat über Bauchweh klagte? Und Luise, die so viel krank war? Und deine eigenen Käferchen? Und all die Stundenplanänderungen? Und…“ „Schon gut“, unterbrach ich ungeduldig, denn im Garten warteten ein paar hartnäckige Wurzeln auf mich, „ich habe verstanden: Solange alles mehr oder weniger rund läuft, ist es eine Frage der Disziplin, aber wenn Schwiegermütter, Lehrerinnen und Käfer die Finger im Spiel haben, kann ich wollen, soviel ich will, es wird trotzdem nicht klappen.“ „Schlaues Mädchen“, antwortete mein Spiegelbild. Jetzt war es an mir, die Augenbrauen hochzuziehen. „Mädchen? Hast du uns zwei in letzter Zeit schon mal etwas genauer angesehen?“ „Wie sollte ich?“, fragte mein Spiegelbild zurück, „du rennst ja andauernd wie ein aufgescheuchtes Huhn durch Haus und Garten, da bekomme ich dich kaum je zu Gesicht.“ „Ach ja, ich soll hier vor dem Spiegel rumhängen, wenn meinen Plänen endlich mal nichts im Wege steht?“, raunzte ich. „Und wenn ich dir das nächste Mal begegne, wirfst du mir vor, ich sei ein undiszipliniertes Miststück, das nichts auf die Reihe kriegt.“ Eine Antwort wartete ich nicht mehr ab, denn die Wurzeln brauchten mich jetzt wirklich. Man weiss schliesslich nie, wann der nächste Käfer kommt… 

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Diebstahl!

Vor vielen Jahren gab es in unserem Leben eine Sache, die wirklich kostbar war, aber da sie uns in rauen Mengen zur Verfügung stand, wussten wir ihren Wert nicht richtig zu schätzen, weshalb wir sie oft für unsinnige Dinge wie Endlossitzungen, Pflichteinladungen und Streitigkeiten verschwendeten. Als die Kinder kamen, begannen wir zu erkennen, was wir vergeudet hatten, aber da die Sache nur umkämpft, nicht aber verschwunden war, lernten wir mit der Zeit, sie zu geniessen. Jetzt erkannten wir erst, wie unglaublich wertvoll sie war und wir schätzten uns ausserordentlich glücklich, sie zu besitzen. Okay, an gewissen Tagen sah es so aus, als hätten wir sie verloren, aber je grösser die Kinder wurden, umso seltener war dies der Fall. Ja, zwischenzeitlich fühlten wir fast wieder so sicher wie zu kinderlosen Zeiten, so dass wir uns gar verstiegen, zu glauben, die Sache stünde uns zu. 

Tja, und dann wurden aus unseren Kindern Teenager und auf einmal war die Sache weg. Einfach so, mochten wir auch noch so lange danach suchen, sie war fort. Erst dachte ich ja, wir hätten sie einfach am falschen Ort versorgt und müssten nur mal gründlich unser Leben auf den Kopf stellen, um sie wieder zu finden. Doch seitdem Luise auch an der Oberstufe ist, gibt es keinen Zweifel mehr: Man hat uns beraubt, hat uns den Feierabend, der uns im Laufe der Jahre so kostbar geworden ist, brutal entrissen und ich fürchte, es wird eine Ewigkeit dauern, bis der Dieb gefasst ist und wir zurückbekommen, war wir so schmerzlich vermissen. 

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