Was sind wir doch dumm!

Ihr Mann habe ein wenig Stress mit dem Chef, der Arbeitsweg sei lang und die Kinder würden ihm an den Nerven zerren, da habe er sich eben krank schreiben lassen, erzählte mir vor einiger Zeit eine zweifache Mutter. Man dürfe eben nichts riskieren, sonst käme es am Ende noch zu einem Burnout. Wie dumm „Meiner“ und ich doch immer waren. Wir glaubten allen Ernstes, man müsse zuerst ein Burnout vorweisen können, ehe man zähneknirschend einer Krankschreibung zustimmen müsse.

Gestern lud ich mir ein Buch einer erfolgreichen Autorin, von der ich schon diverse Bücher gelesen habe, aufs iPad. Kaum eine Seite des Oevres kommt ohne Fehler aus. Da wird fröhlich zwischen Präsens und Präteritum hin- und hergehüpft, aus Männlein wird innerhalb des gleichen Satzes Weiblein und manchmal fehlt auch einfach mitten im Satz ein Wort. Mir kommt es vor, als habe die Autorin fälschlicherweise den ersten Entwurf veröffentlicht. Und ich habe schlaflose Nächte, weil ich in „Füsse hoch!“ einen Kommafehler entdeckt habe…

Im Bus sitzen drei junge Männer, die einander gegenseitig dubios aussehende Beutelchen und Banknoten reichen. Jeder, der will, kann zuschauen, vielleicht bekäme man auch etwas, würde man nett danach fragen und gut bezahlen. Und wir ermahnen unsere Kinder, sich anständig aufzuführen Bus…

Seitdem wir Kinder haben, bin ich unzähligen Müttern begegnet. Mit vielen habe ich bereichernde Gespräche geführt, einige haben mich mit ihren Ansichten fast auf die Palme getrieben. Selten nur habe ich mir etwas anmerken lassen, wenn ich nicht einverstanden war. Ich habe brav genickt, wenn Einzelkindmütter allen Ernstes behaupteten, bei ihnen zu Hause ginge es gleich lebhaft zu wie bei uns. Ich habe mir geduldig Ratschläge angehört, von denen ich zum Vornherein wusste, dass ich sie nie befolgen würde. Ich habe versucht, zu verstehen, wenn ich nicht verstehen konnte. Muss ich verstehen, weshalb eine Mutter vorwurfsvoll auf ihre Armbanduhr tippt und „Hopp, Hopp!“ ruft, wenn ich mal wieder drei Minuten vor Kindergartenbeginn mit dem Prinzchen und seinem besten Freund antrabe?

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Zwei Stecken unter dem Esstisch

Wie oft habe ich schon gesagt, dass Stecken draussen bleiben müssen?

Wie oft habe ich mich schon gebückt, um sie trotz aller Ermahnungen unter Betten, Esstischen, Kloschüsseln, Regalen, Stühlen hervor zu angeln?

Wie oft habe ich in der Wut einen zerbrochen und aus dem Fenster geschmissen, nachdem ich brutal darüber gestolpert war?

Wie oft habe ich Streit geschlichtet, weil nur ein einziger Stecken aus dem ganzen grossen Wald den Ansprüchen meiner Söhne genügen konnte?

Wie oft bin ich dazwischen gesprungen, ehe sie mit den Dingern aufeinander einschlagen konnten?

Wie oft habe ich schon Tränen getrocknet, weil einer des anderen Stecken gestohlen, kaputt gemacht oder zweckentfremdet hatte?

Wie viele sind schon auf der Strecke liegen geblieben, weil ich mich weigerte, meinen Söhnen das gesammelte Holz nach Hause zu schleppen?

Wie oft habe ich mir schon Vorwürfe anhören müssen, weil ich einen dieser magischen Stecken für ein ganz gewöhnliches Stück Holz gehalten hatte?

Wie viele durch Stecken zugefügte Wunden habe ich verarztet?

Wie viele davon hat „Meiner“ zu Fotoobjekten zweckentfremdet und dadurch für lautes Protestgeheul gesorgt?

Wie lange wird es noch dauern, bis ich wehmütig an die Stecken zurückdenke, weil sie plötzlich keiner mehr anschleppt?

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Heute

Natürlich habe ich mir fest vorgenommen, genau das zu tun, was die Mehrheit meiner Leserschaft ebenfalls für richtig angesehen hat, nämlich das Leben zu geniessen. Das hätte dann etwas so ausgesehen: Ein ausgedehnter Morgenspaziergang im Wald – ganz ohne Schreien -, dann mit Bus und Laptop in die Stadt, damit ich bei Kaffee und Sonnenschein ein wenig arbeiten könnte, Stöbern in der Buchhandlung, vielleicht zu Fuss nach Hause zurück, vielleicht auch mit dem Bus, ein heisses Bad, ein einfaches, feines Mittagessen, garniert mit ausgedehnter Zeitungslektüre, Mittagsschlaf und dann die Kinder abholen. Wäre doch nett gewesen, nicht wahr?

Nun, mein Schlafmanko war da anderer Meinung. „Du könntest dich ruhig mal um mich kümmern, wo schon mal alle aus dem Haus sind“, meckerte es schon bevor ich das Prinzchen in die Obhut der Kindergärtnerin übergeben hatte. Ziemlich verwundert schaute ich das Schlafmanko an. „Um dich habe ich mich doch bereits in Schweden ausgiebig gekümmert. Erinnerst du dich denn nicht mehr daran?“ Das Schlafmanko lachte höhnisch. „In Schweden? Ja, da hast du mir tatsächlich ein wenig Aufmerksamkeit zukommen lassen, aber das ist eine halbe Ewigkeit her…“ „So lange nun auch wieder nicht“, unterbrach ich. „Eine halbe Ewigkeit, sage ich“, beharrte das Schlafmanko, „und darum gehört dieser Tag mir.“ „Er gehört mir“, widersprach ich heftig. Etwas zu heftig wohl, denn dem Schlafmanko traten die Tränen in die Augen. „Nie nimmst du dir Zeit für mich, dabei habe ich dir über all die Jahre die Treue gehalten. Nicht einen einzigen Tag bin ich von deiner Seite gewichen und jetzt, wo du endlich etwas Zeit für mich hättest, willst du mich links liegen lassen.“ Das Schlafmanko tat mir richtig Leid. „Okay, du bekommst eine Stunde“, sagte ich. „Zwei Stunden“, feilschte das Schlafmanko. „Neunzig Minuten“, beharrte ich. „Einverstanden“, sagte das Schlafmanko und da wir gerade zu Hause angekommen waren, legte ich mich noch vor dem Frühstück ins Bett. Das Schlafmanko deckte mich zu, sang mir ein Schlaflied und bald war ich im Land der Träume.

Was dann geschah, weiss ich nicht. Ich nehme an, das Schlafmanko zog mir eins mit dem Holzhammer über, vielleicht flösste es mir auch heimlich ein Schlafmittel ein. Auf alle Fälle verschlief ich nicht nur Frühstück und Znüni, sondern gleich noch das Mittagessen. Als ich aufwachte, blieben mir gerade noch neunzig Minuten, um das Leben zu geniessen. „Was hast du getan?“, keifte ich, als ich das Schlafmanko frech grinsend auf dem Sofa sitzend antraf. „Nichts habe ich getan“, antwortete das Schlafmanko mit Unschuldsmiene. „Was kann ich denn dafür, dass du den Wecker überhörst und einfach weiter pennst?“ Dagegen konnte ich natürlich nichts einwenden und so beschloss ich, mich einfach daran zu freuen, dass ich ganz ungestört hatte schlafen können. Und weil mir der zusätzliche Schlaf einen Haufen zusätzlicher Energie gab, konnte ich später, als die Kinder bereits wieder zu Hause waren, das tun, wozu mir nur ein einziger Leser geraten hatte: Diesen Saustall endlich wieder einmal ausmisten. 

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Übermorgen

Karlsson ist von Montag bis Freitag im Klassenlager, „Meiner“ und die anderen Kinder sind am Dienstag auf Sternwanderung, die Wetterprognose verheisst prächtiges Wetter und das stellt mich vor ein grosses Problem: Was mache ich an einem Tag, an dem von 8:10 Uhr bis 14:30 Uhr kein einziges Familienmitglied etwas von mir wollen kann? Man könnte ja so unglaublich viel anstellen an einem solchen Tag. Zum Beispiel vollkommen ungestört fast das ganze Wochenpensum abarbeiten. Pasta mit Mayonnaise essen und dabei die Zeitung lesen. In den Zug sitzen und ins Blaue fahren. Stundenlang schreiben. Schlafen. Jemandem helfen. Gärtnern… Die Auswahl ist überwältigend und genau dies ist es, was mich überfordert. Was, wenn ich mich für das Falsche entscheide und abends ernüchternd feststellen muss, dass ich die kostbaren Stunden vergeudet habe?  Es kann Ewigkeiten dauern, bis eine solche Gelegenheit wieder kommt und die Angst, alles zu vermasseln ist gross. Aus diesem Grund habe ich beschlossen, meine geschätzten Leser zu fragen, was ich aus dem kommenden Dienstag machen soll. Ich bin gespannt auf das Abstimmungsergebnis; ob ich dann auch tun werde, was die Mehrheit meiner Leserschaft für richtig hält, wird man sehen. Vielleicht komme ich ja plötzlich auf die Idee…

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Heute investiert

75 Minuten und 110 Blumenzwiebeln in einen bunteren Frühling. 

6,5 Minuten in die botanische Erziehung des Prinzchens und seines besten Freundes. („Zuerst mit dem Ende des Kochlöffels ein Loch in die feuchte Erde graben…Nein, noch etwas tiefer…noch etwas tiefer…Halt! So tief nun auch wieder nicht…jetzt die Blumenzwiebel rein, zudecken und das nächste Loch graben. Nein, nicht hier, hier habe ich schon eine gesetzt….Ihr mögt nicht mehr? Die hier noch, dann seid ihr fertig. Bringt den Kochlöffel wieder nach oben, den brauche ich noch. Nein, das machst du. Ja, ich weiss, du hast Rückenschmerzen von der harten Arbeit, aber glaub mir, das habe ich auch und mein Rücken ist bedeutend älter als deiner….“)

125 Gedanken und drei Gesprächsminuten mit „Meinem“ in eine verbesserte Nutzung des Gewächshauses. 

18 Gedanken in die Optimierung der Melonengrösse. Nicht, dass ich es übertreiben möchte, aber ich habe das Gefühl, dass für eine ausgereifte Tigermelone auch etwas mehr als 5 Zentimeter Durchmesser drinliegen.

39.80 Fr. in ein Verbessertes Raumklima und damit unendlich viel in das Wohlbefinden unserer Gäste, die den Geruch unserer Katzen durchaus noch wahrnehmen, wenn sie die Wohnung betreten.

Eine mit Curry-Blumenkohl belegte Piadina in die Liebesbeziehung zwischen dem Zoowärter und dem genannten Gemüse.

2 Stunden in das Anlegen eines Pfirsich-Wintervorrats. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an unseren Nachbarn, der seinen Pfirsich-Überfluss mit uns teilt. Ja, wir haben auch anständige Nachbarn, nicht nur solche, die immer gleich die Polizei rufen.

2 Kilo zukünftiger Essiggurken in das Glück meines Mannes. Und meiner Kinder, falls „Meiner“ etwas für sie übrig lässt.

Je einmal ausschlafen und einmal Mittagsschlaf in die Bekämpfung meiner Dauermüdigkeit.

30 Minuten in ein glücklicheres Leben unserer Wachteln.

Viel Arbeit, ein bisschen Shopping und noch mehr Abwechslung in die Verhinderung meiner üblichen samstäglichen Misere. 

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So geht das nicht, „Meiner“

Mein lieber „Meiner“

Glaub mir, ich schätze es ungemein, mit einem Mann verheiratet zu sein, der ohne grosse Komplikationen von heute auf morgen meine Rolle übernehmen könnte. Ich gebe unumwunden zu, dass du eindeutig begabter bist als ich, wenn es um die praktischen Seiten des Familienalltags geht. Ja, ich ertappe mich zuweilen dabei, wie ich mit dir prahle, wenn ich mit Frauen ins Gespräch komme, die ihr Leben mit einem Mann teilen, der nicht mal Spaghetti kochen kann. Oh ja, solche Männer gibt es noch immer, auch wenn wir beide das nicht für wahr halten möchten.
Jetzt, wo ich dir all diese lieben Dinge gesagt habe, möchte ich mit einer Bitte an dich herantreten. Nun ja, eigentlich ist es ein Befehl, aber da wir zwei einander nichts zu befehlen haben, tue ich eben so, als wäre es eine Bitte.

Also: Bitte, mein allerliebster „Meiner“, lass gefälligst im Zukunft deine Finger von Kinderarzt- und Coiffeurterminen. Ich kann ja verstehen, dass es dir nach deinem schlimmen Zeckenerlebnis wichtig ist, unsere Kinder gegen das FSME-Virus impfen zu lassen, ich sehe es dir sogar für einmal nach, dass dich meine Meinung zu dieser Impfung nicht im Geringsten interessiert hat. Aber kannst du mir bitte erklären, welcher Teufel dich geritten hat, als du – so ganz ohne Vorkenntnisse in Sachen Terminvereinbarung mit Kinderärzten – einen Termin für alle fünf Kinder vereinbart hast? Und dies an einem Donnerstagnachmittag, an dem jeder ein anderes Programm hat, so dass wir die Kinder gestaffelt hinkarren müssen. Dann notierst du dir auch noch eine falsche Zeit, so dass ich der Praxisassistentin peinlich berührt erklären muss, ich wüsste nicht, weshalb du mit den restlichen Kindern zu spät seist, aber ich müsse jetzt ganz dringend nach Hause gehen, da der Zoowärter seine Freundin und ihre kleine Schwester eingeladen hat. Und dann arrangierst du auch noch ohne mein Wissen, dass Zoowärters Gäste etwas später kommen. Du musstest das lange Gesicht unseres Sohnes ja nicht sehen, als die Mädchen nicht wie erwartet um vier bei uns aufkreuzten.

Okay, es kann ja mal etwas schief gehen. Ich habe auch nicht immer alles im Griff. Aber wie, um Himmels Willen, bist du auf die Idee gekommen, unsere vier Söhne auch noch zum Coiffeur anzumelden? Zwei heute, zwei morgen und morgen ausgerechnet denjenigen, der zuerst zur Schule und dann zum Standortgespräch mit der Therapeutin muss? Ja, ich weiss, die Coiffeuse ist schnell, aber ich bin es nicht, wenn ich im Feierabendverkehr in die Stadt fahren und dann rechtzeitig wieder zurück sein muss, weil abends noch Laternenumzug ist.

Nein, mein liebster „Meiner“, so geht das wirklich nicht, also lass mich das mit den Terminen in Zukunft wieder selber machen. Mag sein, dass die Kinder ihre Zeckenimpfung etwas später bekommen und ihre Haare etwas länger wachsen lassen müssen, ehe ich endlich zum Telefon greife, aber immerhin richte ich nicht solch ein heilloses Chaos an.

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Nächtliche Ungerechtigkeit

Okay, ich weiss, dass ich mich allmählich an die Launenhaftigkeit (vor)pubertierender Kinder gewöhnen muss, aber das war nun doch etwas viel: Da schlafe ich tief und fest den gerechten Schlaf der übermüdeten Mutter, die sich unbedingt noch einen Film reinziehen musste, nachdem alle Kinder im Bett waren. Irgendwann, mitten in der Nacht,  kommt das Prinzchen mitsamt Bär und Decke in unser Bett gekrochen, was ich knapp zur Kenntnis nehme, ehe ich wieder in tiefen Schlaf versinke. Wenig später erscheint eine sehr aufgebrachte Luise an unserem Bett. Die Worte, die sie mir an den Kopf schleudert, ergeben nicht viel Sinn, aber mir ist sofort klar, dass ich mal wieder eine abscheuliche Ungerechtigkeit zugelassen habe. Wenn ich meine Tochter richtig verstehe, habe ich irgendwann, in grauer Vorzeit, dem FeuerwehrRitterRömerPiraten erlaubt, was ich ihr jetzt, mitten in der Nacht, vollkommen grundlos verwehre. Ich kann mir zwar beim besten Willen nicht zusammenreimen, auf welche Begebenheit sie sich bezieht, ich weiss auch nicht so recht, was sie von mir erwartet, doch dem Frieden zuliebe – und um nicht richtig wach werden zu müssen – biete ich meiner zornigen Tochter meinen Platz im Bett an und ziehe mich aufs Sofa zurück. Offenbar ist damit die Ungerechtigkeit aus der Welt geschafft, denn Luises Gezeter hört schlagartig auf und bald schlafen wieder alle friedlich.

Alle? Nein, nicht ganz. Das Prinzchen hat sofort bemerkt, dass das falsche weibliche Familienmitglied an seiner Seite liegt und so dauert es nicht lange, bis er ins Wohnzimmer tappst. Na ja, immerhin verzichtet er dabei auf lautstarkes Gemotze…

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Generalstreik

Das Notebook, auf dem sich meine ganze Arbeit befindet, tut keinen Wank mehr. Noch habe ich nicht herausgefunden, ob die Katzen oder die Kinder sich an dem Gerät vergriffen haben.

Der Familiencomputer ist meist durch andere Familienmitglieder besetzt, lädt keine Bilder mehr hoch, hat ein sehr angespanntes Verhältnis zum Drucker und steht ausserdem an denkbar schlechter Stelle für jemanden, der in Ruhe schreiben sollte.

Jetzt hat auch noch eine unserer Katzen das iPad zu Boden geschmissen und dadurch das Display so sehr zertrümmert, dass mir beim Schreiben beinahe die Scherben in den Fingern steckenbleiben.

Wahrlich ideale Voraussetzungen für jemanden, der sein Geld damit verdient, schreibend und redigierend am Computer zu sitzen.

Ich verspüre gerade das dringende Bedürfnis, sehr laut zu schreien.

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Arbeits-Wellness-Haushaltsmorgen

Nein, ich habe es bei Weitem noch nicht im Griff, wie es sich geschickt mit neu gewonnener Freiheit, Heimarbeit und Haushalt jonglieren lässt. Heute ein Versuch, den ich wohl nicht zum letzten Mal unternommen habe:

Vor dem Frühstück ein kurzer Spaziergang zum Kindergarten, ein Abstecher zur Bäckerei und dann ein Blitz-Frühstück mit Karlsson, der erst um neun Schule hat. Danach eine erfrischende Runde ums Haus – Wachtelkäfig abdecken weil Regen droht, Nacktschnecken-Versalzen und Altpapier vor dem Gartentor aufstapeln – und dann ein Gang in den Keller, um die Sauna einzuschalten. Währenddem der Saunaofen sich aufheizt, skizziere ich oben eine kleine Artikelserie, schreibe einleitende Sätze und verlinke, was sich bereits verlinken lässt. Nach vierzig Minuten Arbeit ist die Sauna heiss, ich geniesse die Ruhe und mache mir Gedanken über den Inhalt der einzelnen Artikel. Dies erfordert ein Eintauchen in eine längst vergangene Zeit, als ich heulend mit einem Stillkind auf dem Sofa sass, Staubfusseln anstarrte und dachte, so würde es bis an mein Lebensende bleiben. Nach fünfzehn Minuten ist genug geschwitzt und die einzelnen Texte haben in meinem Kopf Form angenommen. Wieder oben schreibe ich weiter, bis es Zeit wird, das Mittagessen in den Ofen zu schieben. Eine Schrecksekunde lang glaube ich, der Gusseisentopf, der noch von meiner Grossmutter stammt, die ich nie gekannt habe, hätte ein Loch, aber es stellt sich heraus, dass nur das billige Litermass, mit dem ich Wasser eingefüllt habe, eine undichte Stelle hat. Als Bohnen, Kartoffeln und Speck im Ofen sind, gönne ich mir einen weiteren Saunagang, diesmal mit dem „Spiegel“. Nicht, weil ich sonderlich Lust auf Lektüre bei schummrigem Licht und ohne Brille hätte, sondern einfach, weil mir in unserer eigenen Sauna keiner verbieten kann, Zeitschriften zu lesen. Zum Schluss noch eine kurze Dusche und hinaus ins Regenwetter, um das Prinzchen abzuholen – für einmal ganz ohne Kater.

Rückblickend würde ich meinen Jonglierversuch als durchaus gelungen bezeichnen, auch wenn ich mir ein wenig vorkomme wie dieser hier:

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Und hier noch der Text, der aus seinem Mund käme, hätte ich das richtige Bild gefunden: „Nun, ich hab‘ die erste Hälfte der ersten Platte fertig. Ich verschnauf‘ ein wenig, dann feg‘ ich die zweite Hälfte der ersten…Ich verschnauf‘ ein wenig, dann kommt die erste Hälfte der zweiten…ich versch…“
Im Detail nachzulesen bei „Asterix und der Arvernerschild“.

Montagsgemotze

Der FeuerwehrRitterRömerPirat ist wütend auf mich, weil ich darauf bestehe, dass er seine Hausaufgaben macht.

Der Zoowärter ist wütend auf mich, weil ich dem Prinzchen erlaube, die grosse Kartonschachtel für seine Michel aus Lönneberga-Sammlung zu behalten, obschon der Zoowärter daraus ein Bett für seine Karlsson auf  dem Dach-Puppe hätte machen wollen.

Das Prinzchen ist wütend auf mich, weil er einfach auf irgend einen wütend sein muss, da das Leben als frischgebackener Kindergärtner ganz schön anstrengend ist.

Luise ist wütend auf mich, weil Karlsson mich abends begleiten darf, um den kleinen Gottegris und den grossen Leone vom Kindergarten abzuholen, wo sie den ganzen Tag im Gebüsch auf mich gewartet haben.

Karlsson ist wütend auf mich, weil ich Luise erlaube, ebenfalls mitzukommen, als wir noch einmal zum Kindergarten gehen müssen, weil wir zuerst den zappelnden Gottegris nach Hause bringen mussten, ehe wir uns um Leone kümmern konnten. 

„Meiner“ ärgert sich über mich, weil ich mich mit den beiden auf eine Diskussion einlasse.

Katzenmama Henrietta wirft mir misstrauische Blicke zu, weil ich in ihren Augen zu wenig dagegen unternehme, dass der kleine Gottegris im Dorf herumstreunt.

Die Nacktschnecken-Gemeinschaft hat zum Sturm auf mein Gewächshaus geblasen, weil ich noch immer nicht bereit bin für Friedensverhandlungen.

Unsere zwei Wachtelhähne attackieren mich, wenn ich nach dem Füttern die Eier hole. Warum attackieren die mich und nicht ihre Hennen, die zu faul zum Brüten sind und mich dadurch geradezu zwingen, die Eier zu nehmen?

Die Wespen auf dem Balkon nehmen es mir übel, dass ich den Kompostkübel wespendicht verschliesse und reiten deshalb jedes Mal eine Attacke auf mich, wenn ich die Balkontüre öffne.

Das alles hat mir heute ziemlich zugesetzt, aber ich hätte den Tag locker als misslungenen Montag abgetan, hätte nicht auch noch einer der mir treu ergebenen Kater einen stinkenden Haufen auf neben meiner Seite des Bettes liegen lassen. Wenn die zwei jetzt auch noch anfangen zu motzen, verabschiede ich mich in die Ferien…

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