Eine Frage der Einstellung

Ich kann mich darüber ärgern, dass andauernd alle Grundzutaten, die eigentlich im Haus sein müssten, aufgebraucht sind, weil sie alles für die Zubereitung ihrer Zwischenmahlzeiten verwendet haben.

Ich kann schimpfen, dass zwischen meinem „Du räumst nach dem Kochen aber alles wieder auf“ und ihrem „Natürlich mache ich danach wieder Ordnung“ eine gewisse Diskrepanz liegt, deren Beseitigung meistens an mir hängen bleibt. 

Ich kann mich empören, wenn nach den Kochversuchen ungeniessbare Reste übrig bleiben, weil sie sich mit der Menge von Salz, Zucker, Öl oder sonst irgend einer Zutat ein wenig vertan haben. 

Ich kann zetern, weil sie – kaum haben wir fertig gegessen – schon wieder am Herd stehen, um sich etwas zu kochen. 

Ich kann mich enervieren, wenn sie mir mit ihrer Kocherei andauernd in die Quere kommen, wo ich mich doch eigentlich in Ruhe mit meinem Brotteig vergnügen möchte. 

Ich kann entsetzt sein, wenn ich höre, wie der FeuerwehrRitterRömerPirat sein rudimentäres Küchenwissen an seine kleine Brüder weitergibt, was meistens zu ziemlich schrägen Experimenten führt.

Ich kann mir die Haare raufen, wenn der Zoowärter mal wieder meine Bratschaufel, die er zärtlich „mein aller-allerliebstes Küchengerät auf der ganzen Welt“ nennt, entwendet hat. 

Oder ich kann mich darüber freuen, dass inzwischen alle fünf Vendittis in der Lage wären, sich irgendwie mit etwas Essbarem über Wasser zu halten, falls ich mal beschliessen sollte, in einen Kochstreik zu treten. 

bees

Samstägliche Einsichten

  • Hätte ich doch bloss früher einen Schrittzähler besessen, der mir sagt, wie viele Kilometer ich an einem ganz gewöhnlichen AufräumBrotbackPutzWäscheKleinkram-Samstag abspule. Dann hätte ich in den vergangenen Jahren nicht jedes Mal, wenn mich ein gestrenger Arzt nach meinen sportlichen Aktivitäten fragte, verschämt zu Boden geblickt und gemurmelt: „Ich weiss ja, dass ich sollte…“ Nein, ich hätte ihm voller Selbstbewusstsein ins Gesicht geschaut und gesagt: „Dauerlauf ist mein Leben.“
  • Es mag ja rührend sein, dass das Prinzchen mich darauf aufmerksam macht, es fange gleich an zu regnen, ich sollte vielleicht lieber die Wäsche reinholen, damit ich sie nicht zweimal waschen müsse. Daraus sollte man aber nicht schliessen, dass der Junge allmählich lernt, den Wert von Hausarbeit zu schätzen. Eine halbe Stunde später lässt er nämlich wieder seinen ganzen Kram im eben erst aufgeräumten Wohnzimmer liegen. Und wehe, man bittet ihn, das Zeug wegzuräumen, man wolle doch nicht die ganze Arbeit zweimal machen…
  • Wenn der FeuerwehrRitterRömerPirat nach einer Woche Abwesenheit sagt, er habe die ganze Familie furchtbar vermisst und sei froh, wieder zu Hause zu sein, bedeutet dies nicht, dass er deshalb ganz viel Zeit mit uns verbringen will. Sein Handy hat ja während dieser Woche auch fast gänzlich ohne ihn auskommen müssen und braucht jetzt ganz viel Aufmerksamkeit.
  • Niemand hat die Banane geschält, gedrückt und dann wieder zurück in die Obstschale gelegt. Bananen tun solche Dinge manchmal ganz von sich aus und es ist eine Unverschämtheit, dass ich eines der Kinder dafür verantwortlich machen wollte. 
  • Wenn Karlsson sagt, er werde eine Sache „gleich“ erledigen, dann kann dies durchaus bedeuten, dass erst noch Klavier spielen, Violine üben, im Zimmer herumhängen, nach Basel an die Herbstmesse fahren, essen, lernen und sich ein wenig ausruhen wird. Aber er wird tun, was er versprochen hat. Man muss sich nur ein wenig gedulden. 

skog

Fertig gewitzelt

Du kannst genau so lange über ungeübte „Mobility“-Autofahrer spotten, bis dein Jüngster beschliesst, es mit Akrobatik zu versuchen und dann ist fertig gewitzelt.

„Akrobatik? Klingt gut“, sagst du. „Tausendmal besser als Fussball. Wir melden dich an.“ Weil aber dein Jüngster nicht das einzige Kind ist, das liebend gerne waghalsige Turnübungen macht, wird er vor die Wahl gestellt: Entweder freitags um halb fünf oder nie.

Freitags um halb fünf? Genau die Zeit also, zu der das Familienauto in der Regel mit „Meinem“ drin irgendwo in der Schweiz in einem Stau steht. 

Dann also nie? Aber nicht doch! Das Kind liebt Sport und wo er schon eine Alternative zum Fussball gefunden hat, kann man ja nicht so sein… 

Also nicht mit dem Familienauto und auch nicht nie. Wie dann? ÖV kommt diesmal leider nicht in Frage, weil der Fahrplan für die 7,7 Kilometer Fahrt 40 Minuten und ein- bis zweimal Umsteigen vorschlägt. Und damit wäre erst die Hinfahrt geschafft. 

Was dann?

Man könnte es ja mal mit einem Mobility-Probeabo versuchen.

Tja, und so kommt es, dass du dich am späten Freitagnachmittag hinter dem Steuer eines Smart wieder findest, wo du mit Schrecken feststellst, dass das Ding keine Handschaltung hat. Ein Umstand, der deinem linken Fuss nicht in den Kopf will, so dass er verzweifelt nach der Kupplung sucht, dabei aber natürlich die Bremse trifft, was dazu führt, dass du jedes Mal, nachdem du Gas gegeben hast, das Wägelchen wieder zum totalen Stillstand bringst. 

Du weisst nur zu gut, was jene, die hinter dir warten, vor sich hin knurren: „Sch… Mobility-Faherein! Soll doch die Finger ganz vom Steuer lassen, wenn sie vom Autofahren keine Ahnung hat.“

Dabei liegt es gar nicht an den mangelnden Fahrkünsten. Richtig reservieren müsste man können. Dann bekäme man nämlich auch ein Auto mit Gangschaltung.

blommor

 

 

Spatz

Gestern im fast leeren Bus:

Eine junge Frau mit Kinderwagen steigt ein. Das Kind ist total friedlich, sie wirkt vollkommen entspannt. Ihr Handy piepst. Eine Anruf von einem Mann, der – wie man den Antworten entnehmen kann – auf den Namen Spatz hört:

„Ja, Spatz…“

„Natürlich, Spatz…“

„Nein, Spatz, so können wir das nicht machen.“

„Sicher, Spatz, so sehe ich das auch.“

„Aber klar doch, Spatz.“

„Finde ich gut, Spatz.“

Und schliesslich, als der Bus in den Bahnhof einfährt: „Hör mal Spatz, ich bin jetzt grad total im Stress. Ich hab‘ jetzt wirklich keine Zeit für dich.“ Sagt’s, spaziert gemütlich aus dem Bus, fällt einer Freundin um den Hals und schlendert mit ihr fröhlich plaudernd zum nächstgelegenen Café.

Armer Spatz! Ob er ahnt, dass er gerade brandschwarz angelogen worden ist? 

färg

 

 

Elterliche Pflichten

Als Eltern hat man gewisse Pflichten. Zum Beispiel diejenige, eine Gelegenheit, spontan einen Abend zu zweit zu verbringen, nicht ungenutzt verstreichen zu lassen, ganz egal, wie müde und abgekämpft man auch sein mag.

Wenn der FeuerwehrRitterRömerPirat ohnehin die ganze Woche ausser Hause ist,…

… Karlsson und der Zoowärter am Montag verkünden, sie seien heute Abend eingeladen,…

… das Prinzchen bittet, bei einem Freund übernachten zu dürfen, wo doch morgen die Schule ausfalle…

und sich schliesslich bei der Luise, die seit Samstag an einer heftigen Halsentzündung leidet, endlich deutliche Anzeichen der Besserung bemerkbar machen, so dass ihr eine Freundin am Abend Gesellschaft leisten kann, 

dann hat man als Eltern gar keine andere Wahl, als sofort das Kinoprogramm zu studieren, sich über die Öffnungszeiten diverser Wellness-Tempel zu informieren und kurz Rücksprache mit dem Bankkonto zu halten, um zu entscheiden, was am ehesten drin liegt.  Es spielt – wie bereits gesagt – keine Rolle, ob man gerade in Stimmung ist, auszugehen. Es spielt auch keine Rolle, für welches Programm man sich am Ende entscheidet. Ja, es ist nicht einmal von Bedeutung, ob man lange oder kurz wegbleibt. Es geht einzig und allein darum, der elterlichen Pflicht nachzukommen, die da heisst, sich einen Szenenwechsel zu gönnen, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet.

Man weiss ja nie, wann die Umstände wieder ähnlich günstig sein werden. 

fisk

Wenn der kleine Esel den Grossen Langohr schimpft

Weil der kleine Perfektionist im Hause morgen seinen neunten Geburtstag feiert, ist die ganze Familie bei der Gotte zum Mittagessen eingeladen. Die Mama des kleinen Perfektionisten hat ein Brot gebacken zum Mitbringen. Dieses duftet zwar ganz wunderbar und die Kruste ist ebenfalls nicht schlecht geraten, doch leider ist es ein wenig flach herausgekommen. Und ein bisschen unförmig auch. Also nicht gut genug, um verschenkt zu werden, findet die Mama des kleinen Perfektionisten, die mit der gleichen Schwäche zu kämpfen hat wie ihr Sohn.

Für einmal aber sieht der Sohn nicht ein, was am nicht ganz Perfekten nicht gut genug sein sollte. Er ist nämlich nicht nur ein kleiner Perfektionist, sondern auch ein grosser Brotliebhaber. Und darum beschliesst er, seiner Mama eine Lektion zu erteilen. Im grossen Durcheinander, das in dieser Familie jedes Mal aufkommt, wenn alle gleich- und rechtzeitig aus dem Haus gehen sollten, nimmt er das Brot, das die Mama für nicht gut genug befunden hat, mit ins Auto. Als ihr kurz vor dem Losfahren der Duft in die Nase steigt und sie sich verwundert umsieht, grinst der kleine Perfektionist sie schelmisch an und meint: „Mama, du verschenkst dieses Brot, ist das klar? Weisst du, es muss nicht immer alles perfekt sein.“

So nachdrücklich, wie er das sagt, könnte man fast glauben, er sei von seiner eigenen Predigt überzeugt… 

rosarot

 

 

Hyperaktiver Lievito Madre

Bereits im Sommer fasste ich den Entschluss, es mal mit Lievito Madre zu versuchen. Da ich aber wusste, dass dieses wundersame Geschöpf viel Zuwendung braucht, die ich ihm während unserer Toscana-Ferien nicht würde bieten können, verschob ich das Vorhaben auf nach den Herbstferien. Ein weiser Entscheid, denn in Italien stiess ich auf das perfekte Mehl für die regelmässige Fütterung des Sauerteigs. (Falls jemand demnächst einmal nach Italien reist und danach bei mir vorbei kommt: Ich bräuchte dringend Nachschub…)

Weil ich mich nahezu sklavisch an alles halte, was der Brotdoc empfiehlt, musste ich erst einmal Rosinenhefewasser herstellen. Ein Vorhaben, das erst beim dritten Anlauf klappte. Bei den ersten beiden Durchgängen stiegen nicht kleine, lustige Blasen auf, sondern hässliche, graue Schimmelpilze. Beim dritten Anlauf gelang es endlich und dann ging es los mit der Hetzerei: Ich mischte die Zutaten für den Grundansatz und wollte das Zeug – wie in der Anleitung empfohlen – 48 Stunden ruhen lassen. Doch bereits nach 12 Stunden hatte das Volumen um das Dreifache zugenommen, so dass ich mich gezwungen sah, zum nächsten Schritt überzugehen. Auch hier wären wieder 48 Stunden Wartezeit vorgesehen gewesen, doch mein lieber neuer Mitbewohner fühlte sich bereits nach 12 Stunden bereit für eine erneute Fütterung. So ging es munter weiter. Jede im Rezept angegebene Wartezeit verkürzte der Streber mindestens um die Hälfte.

Dagegen hätte ich grundsätzlich nichts einzuwenden gehabt, denn ich bin ein ungeduldiger Mensch, der gerne sofort Resultate sieht. Da aber nach jedem Auffrischen eine ganze Menge Reste übrig blieben, die verbacken werden wollten, kam ich fast nicht mehr nach mit Backen. Kaum hatte ich ein neues Brot im Ofen, schrie mein Sauerteig nach neuem Futter und ich sah mich gezwungen, noch mehr zu backen. Am Ende hatten wir so viel Brot, dass nicht einmal meine ausgesprochen verfressene Familie in der Lage war, alles zu vertilgen, ehe ein neuer Laib aus dem Ofen kam.

Heute schliesslich verlangte das Monstrum gleich zweimal nach einer Auffrischung. Der beste Pizzateig meiner Küchenkarriere war noch nicht zu Pizza verarbeitet, schon musste ich mich wieder nach einem Brotrezept umsehen, um die Überreste der nächsten Fütterung zu verwerten. Ich backe ja grundsätzlich sehr gerne, aber das wurde selbst mir zuviel. „So kann es nicht weitergehen“, sagte ich zu meinem Lievito. „Es kann doch nicht sein, dass du mich mit deiner Triebkraft vor dir hertreibst.“ 

Und so kommt es, dass mein lieber neuer Mitbewohner heute Abend im Kühlschrank nächtigen muss. 

blå

Ich weiss ja schliesslich, wie man einkauft…

Zwischen Prinzchen abliefern und Prinzchen wieder abholen habe ich knappe fünfundvierzig Minuten Zeit. Gerade genug also, um schnell in die Migros zu rennen, das Nötigste einzukaufen, nach Hause zu hetzen, um das Zeug in den Kühlschrank zu legen und wieder loszufahren. Entsprechend gestresst bin ich, als es an der Kasse nicht vorwärts geht.

Die ältere Dame, die eigentlich bezahlen sollte, hat vergessen, die Kaki zu wägen. „Himmel, man weiss doch, dass man Kaki wägen muss“, grummle ich innerlich vor mich hin. „Und wenn man es nicht weiss, kann man ja lesen. Steht doch klar und deutlich, ob das Zeug pro Stück oder pro Kilo verkauft wird. Manche Leute sind einfach unfähig, richtig einzukaufen. Mir würde ein solcher Schnitzer ja nicht unterlaufen…“

Nach der älteren Dame kommt ein kleiner Junge dran. Das Geld, das ihm die Mama mitgegeben hat, steckt tief in seiner Hosentasche. Sehr tief. So tief, dass er erst einmal ganz viele andere Dinge hervorkramen muss, um an die Münzen ranzukommen. „Er hätte ja schon früher dran denken können, dass er bald dran ist“, schimpft es in mir drinnen. „Er hätte doch mehr als genug Zeit gehabt, sich um sein Geld zu kümmern, während die Kassierin auf die Kaki warten musste.“ Ja, so ungnädig kann ich über fremde kleine Jungs denken, wenn ich fürchte, mein eigener kleiner Junge müsse zu lange auf mich warten, weil andere nicht einmal einen kleinen Einkauf reibungslos über die Bühne bringen. 

Endlich bin ich an der Reihe. Die wenigen Artikel sind schnell gescannt. Schon will ich das Portemonnaie zücken, als die Kassierin fragt: „Was ist mit dem Blumenkohl? Haben Sie den nicht gewogen?“ 

Wie gut, dass keiner von denen, die hinter mir anstehen, meine Gedanken über die ältere Dame und den kleinen Jungen haben lesen können.

Ich hingegen kann mir ziemlich genau vorstellen, was sie über mich denken…

olive

Von älteren und jüngeren Linken

Damit er weiss, was er mit den Abstimmungscouverts anstellen soll, die in gut einem Jahr regelmässig für ihn im Briefkasten liegen werden, hat Karlsson momentan Staatskundeunterricht. Die Schüler sollen nicht nur informiert sein darüber, wie die Politik hierzulande funktioniert, sondern auch, welcher Partei sie nahe stehen. Deshalb hatten sie die Aufgabe, einen smartvote-Fragebogen auszufüllen. Ich war wohl ebenso gespannt auf das Resultat wie Karlsson. Eine Mutter will doch wissen, ob ihr Sohn der linken Gesinnung, die er bereits mit der Muttermilch eingeflösst bekommen hat, treu geblieben ist. 

Nun, treu geblieben ist er der politischen Überzeugung seiner Eltern schon. Auf den ersten Blick überrascht das Resultat dennoch: An zweiter Stelle von Karlssons Wahlempfehlung steht mit fast 75 Prozent Übereinstimmung die SP60+. Unser noch nicht ganz volljähriger Sohn tickt also fast genau gleich wie ein alternder Linker. Ganz so erstaunlich ist das Resultat aber nicht. Unser Ältester war ja schon immer etwas reif für sein Alter.

Und vielleicht muss er ja – trotz grundsätzlicher Übereinstimmung mit den politischen Ansichten seiner Erzeuger  – ein wenig Gegensteuer geben. Füllen nämlich die Eltern solche Fragebögen aus, bekommen sie meistens die Empfehlung, die Jungsozialisten zu wählen. 

kreide

Gefiltert

Man behauptet ja gerne, wir alle würden uns nur noch in unserer eigenen Filterblase bewegen und hätten keine Ahnung mehr davon, wie andere Menschen die Welt sehen. Doch wie war das eigentlich damals, als die Hauptinformationsquellen die Tageszeitung, Nachrichtensendungen und der Tratsch im Quartier waren?

Ich erinnere mich noch lebhaft an die Zeiten, als man sich nie mit der Aussage konfrontiert sah, Eltern seien „Kinderhalter“ und es mache nicht den geringsten Unterschied, ob man ein Haustier oder ein Kind zu betreuen habe. Als man noch nicht wusste, zu welcher Gewalt an Rechtschreibung und Grammatik manche Menschen fähig sind, weil Korrektoren alles dafür taten, dass solche Gräuel dem Auge der Leserin verborgen blieben. Als man sich noch einreden konnte, der Rassismus befinde sich auf dem Rückzug, weil man nicht mit Menschen verkehrte, die sich aufgrund ihrer Hautfarbe für etwas Besseres hielten. Als Menschen, die einander wildfremd waren, nicht im Traum auf die Idee gekommen wären, in aller Öffentlichkeit eine gehässige Diskussion über politische, religiöse oder andere Differenzen vom Zaun zu brechen. Als man noch glaubte, man sei von lauter vernünftigen Menschen umgeben, da keiner ungefragt in die Welt hinaus posaunte: „Ich glaube jede Verschwörungstheorie, die gerade im Umlauf ist, schere mich einen Dreck um den Klimawandel und bin im Weiteren fest davon überzeugt, dass die Erde eine Scheibe ist.“ 

Man mied die Menschen, die das Heu ganz und gar nicht auf der gleichen Bühne hatten, liess sich mit Fremden nicht auf allzu kontroverse Themen ein und abonnierte keine Blätter, die verqueres Gedankengut verbreiteten. War das vielleicht kein Leben in der Filterblase? 

Möglicherweise haben wir damals einfach ein wenig selbstbestimmter gefiltert, wen und was wir an uns heranlassen…

röd