Von wegen ausschlafen…

„Eines Tages“, so prophezeiten jene, die damals, als wir noch kleine Kinder hatten, schon mit grossen Kindern unterwegs waren, „werdet ihr samstags wieder ausschlafen können. Ganz bestimmt, wir legen die Hand dafür ins Feuer. Irgendwann werdet ihr eure Kinder am Wochenende nicht vor dem Mittagessen zu Gesicht bekommen.“ 

Hätten wir nur Luise, den FeuerwehrRitterRömerPiraten, den Zoowärter und das Prinzchen, dann wäre schon längst in Erfüllung gegangen, was die Propheten vorausgesagt haben, denn die Vier schlafen aus wie die Weltmeister. Aber wir haben halt auch einen Karlsson und der war nicht nur früher ein Frühaufsteher, der ist es auch heute noch. Was nicht weiter schlimm wäre, wenn er sich – wie andere Frühaufsteher – samstags damit begnügen würde, im Morgengrauen ein Tässchen Milchkaffee und ein Butterbrot zu geniessen und dabei in aller Stille die Tageszeitung zu lesen. Aber Karlsson hat anderes im Sinn. Klavier üben, zum Beispiel. Oder Geige. Oder Cembalo. Oder sich die Gesänge längst verblichener Diven – Edith hat inzwischen Gesellschaft bekommen – anhören. Oder sich morgens um Viertel nach fünf die Haare fönen, weil er es sonst nie und nimmer schafft, pünktlich um zehn vor sieben den Zug, der ihn zur Orchesterprobe bringen soll, zu erwischen. Alles nur ganz leise und sacht, denn er ist ja ein rücksichtsvoller Mensch. Aber halt doch laut genug, um seine Eltern aufzuwecken, die über Jahre trainiert haben, sich durch den Flügelschlag eines Schmetterlings aus dem tiefsten Schlaf reissen zu lassen.

Weil das alles so furchtbar löbliche Dinge sind, mit denen er sich die samstägliche Langeweile vertreibt, darf man sich nicht mal über die verfrühte Tagwache beklagen. Sonst würden jene, die uns damals versprochen hatten, wir würden bald schon länger schlafen können, nämlich sagen: „Seid doch froh, dass er so brav ist. Es hätte viel schlimmer kommen können.“ Und diesmal hätten sie sogar recht.

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Haben wir jetzt alle einen Knall?

Als ich noch nicht ganz zwölf war, fuhr ich täglich ins nächstgelegene Städtchen zur Schule. Meistens mit dem Velo, egal wie glatt die Strassen waren, oft in waghalsige Manöver mit meinen Mitschülerinnen verwickelt, fast immer ohne Vernunft und darum nicht selten bei Dunkelheit ohne Rücklicht. Später dann, als Busfahrplan und Stundenplan besser zusammen passten und ich für eine kurze Zeit in meinem Leben sehr besorgt war um meine Frisur, legte ich den Weg öfter mal mit dem Bus zurück. So alltäglich war das, dass meine Eltern nicht im Traum darauf gekommen wären, sich je um mich zu sorgen. Sie hupten höchstens mal verärgert, wenn sie zufällig auf der gleichen Strecke unterwegs waren und mich dabei erwischten, wie ich mich von einem Mitschüler, der den Weg motorisiert zurücklegte, mitziehen liess. 

Zu jenen Zeiten sorgten sich Eltern generell wenig um ihre Kinder. Vermutlich ist mir darum der eine Abend, an dem mich meine Mutter ziemlich besorgt und deshalb leicht angesäuert in Empfang nahm, so lebhaft in Erinnerung geblieben. Es war mir leider nicht in den Sinn gekommen, ein Lebenszeichen von mir zu geben, als ich mit „Meinem“ auf einer Velotour in ein heftiges Gewitter geriet. Ich konnte absolut nicht nachvollziehen, weshalb sie plötzlich so ein Aufhebens machte. Zu Hause anrufen mussten doch nur Söhne und Töchter überbesorgter Glucken. Also zum Beispiel „Meiner“…

Inzwischen ist der FeuerwehrRitterRömerPirat fast zwölf und heute zum ersten Mal alleine mit dem Bus in der Stadt. Nur zwei Bücher will er kaufen, mehr nicht, aber natürlich hat er nicht nur sein Portemonnaie dabei, sondern auch das von mir abgezählte Kleingeld für das Billett, mein Handy und eine Notiz mit den Abfahrtszeiten des Busses. Der Junge weiss genau, was er zu tun hat, er kennt den Weg, die Buchhandlung, die Stadt und mehr als eine Stunde wird er nicht weg sein. Dennoch überlege ich mir seit dem Moment, in dem die Tür hinter ihm ins Schloss gefallen ist, ob ich ihn nicht vielleicht kurz anrufen soll um zu fragen, ob alles in Ordnung ist.  

Peinlich. Und äusserst beunruhigend, denn für mein Verhalten kann es nur drei mögliche Gründe geben:

  1. Ich werde allmählich wie meine Schwiegermutter.
  2. Ich habe sonst irgend einen Knall.
  3. Die Möglichkeiten der mobilen Kommunikation machen aus allen Müttern überbesorgte Glucken.

Ich weiss noch nicht so recht, welchen dieser drei möglichen Gründe ich am beunruhigendsten finde. 

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Diesmal (hoffentlich) ohne uns

Pro 20 Franken Einkauf schenken sie dir ein Briefchen mit Stickers oder sonst irgend einen Sammelkram, im Laden gibt es das dazu passende Album zum Einkleben der Bildchen zu kaufen und natürlich hoffen sie, dass die Kinder das Zeug auf dem Pausenhof fleissig tauschen und einander dazu animieren, die Eltern anzuflehen, noch etwas mehr Geld auszugeben, damit es mehr Bildchen gibt. Mal sind es Bildchen von wilden Tieren, mal Sehenswürdigkeiten aus der Schweiz im Miniformat, mal fantastische Kreaturen, von denen keiner so richtig weiss, was sie darstellen sollen und welche Substanz der Designer intus hatte, als er sie erschuf.

Über Jahre lief das so und jedes Mal, wenn ich an der Kasse stand und gefragt wurde, ob ich auch sammle, antwortete ich seufzend: „Na ja, diesmal werden wir wohl noch einmal mitmachen müssen.“ Natürlich kaufte ich auch brav das Sammelalbum und den anderen Kram, der zur Sammelwut halt einfach dazugehört.

Heute lief es anders, zum ersten Mal in all den Jahren. „Sammeln Sie auch?“, fragte die Kassierin und zückte schon die Stickers, weil Mama Venditti ja immer sammeln muss. Ein einziger Blick genügte und mir war klar: Diesmal muss sie nicht, die Mama Venditti.

Warum nicht? Weil uns der Himmel mit vier Söhnen – und einer Tochter – beschenkt hat, die sich keinen Deut um Fussball scheren. Darum müssen wir diesmal nicht.

Es sei denn natürlich, die Meute auf dem Pausenhof bekäme Wind davon, wie viele Bildchen unsere Fussballverächter innert kürzester Zeit beisammen hätten, weil wir den Grossteil unseres Einkommens beim Wocheneinkauf abliefern. 

Frühlingsferiengedanken

Bei Kindern, die am Montagmorgen der zweiten Frühlingsferienwoche belämmert vor dir stehen und sagen: „Warum hast du mich nicht geweckt? Ich muss doch zur Schule. Wir haben ja schon seit einer halben Ewigkeit Ferien“, besteht ganz offensichtlich kein akuter Erholungsbedarf. Ich plädiere deshalb für eine sofortige Rückkehr in die Schule. Die nicht benötigten Ferientage sind an die übermüdete Mama abzutreten.

Man darf Fantasy-Romane mögen, auch wenn man Sohn einer Mutter ist, die nach „Die unendliche Geschichte“ ein für alle Mal mit diesem Kapitel abgeschlossen hat. Was aber nicht geht: Sich bei Mama beklagen, der aktuelle Lieblingsroman sei ganz und gar unrealistisch. Entweder man mag Fantasy und schluckt das wirre Zeug klaglos, oder man lässt die Finger davon und wählt eine anständige realistische Lektüre.

Wenn die SBB mit ihren Spezialangeboten mitmachen, kannst du in der Schweiz jeden sonntags geöffneten Fabrikladen zum Familienausflugsziel deklarieren. Wenn dann auch noch das Regenwetter mitspielt, brauchst du dir nie mehr Sorgen zu machen, ob abends die Kasse stimmt.

Der Marshmallow-Test für übermüdete Mütter: Willst du JETZT!!!! SOFORT!!!! ein paar lausige Ferientage an einem zweitklassigen Ort verbringen, der mit irgend einer billigen Masche um eine Handvoll Gäste wirbt? Oder bist du reif genug, all die Lockvogelangebote – und die tollen Frühlngsferienfotos, mit denen deine Facebook-Freunde ihre Pinnwände vollpflastern – zu ignorieren, um im Sommer dann genügend Geld für wunderbare Ferien am Ort deiner Träume beisammen zu haben? (Dass dein Durchhaltevermögen dann auch tatsächlich belohnt wird, kann dir leider keiner garantieren, denn das Gelingen von Familienferien hängt fast ausschliesslich von der Laune der Famileinmitglieder ab.)

So richtig Ferienbetrieb herrscht in unserer Familie eigentlich erst, wenn sämtliche Physio-, Ergo- und Sonstwas-Therapeuten auch Ferien machen. Was diese Woche erstaunlicherweise der Fall ist. Ob die sich untereinander abgesprochen haben?

Unsere Kinder nehmen die Sache mit dem Küchendienst so bierernst, dass sie es sogar in den Schulferien durchziehen wollen. Jetzt muss ich mir doch tatsächlich spätestens bis Mittag im Klaren sein, welchen Tag wir haben, damit ich nicht den Falschen zum Tischdecken verknurre.

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Vorher – Nachher

Wegen akuter „Schon wieder Schulferien“-Müdigkeit heute nur ein paar Vorher-Nachher-Bilder. Vorher, das war ziemlich genau vor einem Jahr und sah so aus:

   
 

Wie es sich bei solchen Vergleichen gehört in so schlechter Bildqualität, dass das Nachher umso besser aussieht, nämlich so:

(Nicht so) ganz spontan

Vier von fünf Kindern schlafen auswärts und der Eine, der zu Hause bleibt, ist erstens alt genug, um ein paar Stunden ohne uns auszukommen und findet zweitens die Vorstellung, mal von allen in Ruhe gelassen zu werden, äusserst reizvoll. Also die Gelegenheit für „Meinen“ und mich, mal spontan wegzugehen. 

Spontan? Wir zwei? Aber sicher doch!

Sobald wir unseren Streit, ob wir zu Hause oder auswärts essen wollen, beigelegt haben.

Und uns drei halbe Filmtrailer angeschaut haben, um zum Schluss zu kommen, dass uns die freie Zeit fürs Kino zu schade ist.

Und einander gegenseitig die Schuld daran zugeschoben haben, dass es jetzt schon zu spät ist für die Sauna.

Und darüber lamentiert haben, dass wir von dem andauernden Alltagsgeplänkel so geschafft sind, dass wir jetzt eigentlich gar keine Lust mehr haben, aus dem Haus zu gehen.

Und einander auf dem Parkplatz im Auto zehn Minuten lang angeschwiegen haben, weil wir jetzt beide so mies drauf sind. 

Und… Naja, ihr könnt euch ja ausmalen, wie solche ehelichen Streitigkeiten etwa ablaufen. 

Eins nur hält uns davon ab, die Übung abzublasen: Der Eine, der heute nicht auswärts übernachtet, wäre masslos enttäuscht, wenn er nicht mindestens zwei Stunden sturmfrei hätte.  

Nicht der romantischste Grund, um gemeinsam auszugehen, aber immerhin eine Motivation, einen am Ende doch noch ganz netten Abend zu zweit zu verbringen.

  

Alters…. äääh… Familienausflug

Das Prinzchen möchte die Welt im Sturm erobern und versteht darum beim besten Willen nicht, weshalb die anderen nicht endlich vorwärts machen. Ausserdem will er ganz dringend ein Taschenmesser haben, auch wenn das Taschengeld schon längst aufgebraucht ist, was natürlich ganz schrecklich unfair ist.

Der Zoowärter möchte die Welt eigentlich auch im Sturm erobern, kann das aber nicht, weil sein Bauch – oder, wie sich inzwischen zeigt, wohl eher seine Hüfte – nicht mitmacht und darum ist er genervt, weil alle anderen so schnell sind. Ausserdem hat er Hunger und wenn er Hunger hat, ist er reizbar. Sehr reizbar.

Der FeuerwehrRitterRömerPirat ist rundum zufrieden mit dem Programm, das wir bieten. Zu seinem Glück fehlt ihm nur noch ein neues Taschenmesser und weil er nicht nur mehr bekommt als das Prinzchen, sondern in letzter Zeit auch brav gespart hat, könnte er sich seinen Traum auf der Stelle verwirklichen. Wenn denn der Papa endlich mit ihm ins Geschäft käme, anstatt sich um alle anderen zu kümmern.

Luise wäre eigentlich lieber nicht dabei, aber weil sie gerade nichts Besseres zu tun hat und wir Kleinkarierten darauf bestanden haben, dass sie mitkommt, hat sie keine andere Wahl. Mit Karlsson ist es ja noch ganz witzig, mit den Eltern geht’s auch so halbwegs, aber die kleinen Geschwister nerven. Irgendwann tut auch noch der Kopf weh und damit wird der Nachmittag zur Qual.

Karlsson ist – wie fast immer – mit sich selber und der Welt, die ihn umgibt, im Reinen. Das Programm haut ihn zwar nicht gerade aus den Socken, aber einer wie Karlsson findet überall etwas, worüber er sich freuen kann. Nun ja, die kleinen Geschwister dürften schon etwas kooperativer sein…

Nachdem wir diesen Trupp fünf Stunden lang bei fast schon sommerlicher Wärme durch das von Touristen überlaufene Luzern geführt haben, sind „Meiner“ und ich so geschafft, dass wir uns fragen, ob man sowas noch Familienausflug nennen kann. Irgendwie hat es sich angefühlt, als wären wir mit einer Gruppe Senioren unterwegs…

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Wenn ich mich daran erinnere,…

…könnte ich noch heute im Boden versinken vor lauter Scham. (Nach der Lektüre versteht ihr bestimmt, weshalb ich heute ausnahmsweise sogar auf die Decknamen unserer Kinder verzichte.)

Da war zuerst einmal die Episode mit dem Nachbarskind, das sich so ganz alleine mit seiner Mama manchmal sehr einsam fühlte und darum gerne zu uns zum Spielen kam. Vordergründig lief alles ganz gut, doch als sich die Kinder mal unbeobachtet fühlten, hörte ich, wie eines der unseren gönnerhaft meinte: „Ach weisst du, Carmen, wir wissen eben, wie man das macht, aber du hast davon keine Ahnung, denn du bist halt ein Einzelkind.“

Leider war dies nicht die einzige peinliche Begegnung, die diese Familie mit uns hatte. Einmal war unsere ganze Horde zu Carmens Geburtstagsparty eingeladen. Die Mutter, eine ausgesprochen herzliche und sehr füllige Frau, scheute keinen Aufwand, unsere Kinder zu verwöhnen. Und wie dankten sie es ihr? Indem eines von ihnen in ihrer Anwesenheit laut vernehmlich fragte: „Mama, warum hat Carmens Mutter eigentlich immer so riesige Kleider an? Weil sie so dick ist?“

Aber natürlich verstanden es unsere Kinder auch bei anderen Gelegenheiten, mich blöd dastehen zu lassen. Einmal zum Beispiel bei einem Untersuch. Die Ärztin bat einen unserer Söhne – damals etwa sechs Jahre alt – seine Hose auszuziehen. Der Junge zögerte ungewöhnlich lange. Ob er die Anweisung nicht gehört hatte? Ich wiederholte, was die Ärztin gesagt hatte, doch mein Sohn machte weiterhin keine Anstalten, zu tun, wozu man ihn aufgefordert hatte. Als sich die Aufforderung nicht mehr länger ignorieren liess, erklärte er, was sein Problem war: „Ich kann meine Hose nicht ausziehen, denn ich habe vergessen, eine Unterhose anzuziehen.“ (Na ja, immerhin war er frisch gebadet.)

Und dann war da noch die Sache mit dem Kind, das zu seiner Lehrerin sagte: „Meine Mutter könnte das in der Hälfte der Zeit und erst noch besser erklären.“

Der absolute Tiefpunkt aber war der Abend, an dem Windpocken, ein wunder Po und eine Magen-Darm-Grippe einen Zweijärigen dazu brachten… Ach nein, ich glaube, die Geschichte erspare ich euch. Die war nämlich nicht nur peinlich, sondern auch furchtbar eklig. 

  

Träume…

Früher hatte ich noch grosse Träume. Eine gerechtere Welt. Ferne Länder bereisen. Etwas Grosses aufbauen. Positive Spuren hinterlassen. Erfolgreich schreiben. Und wenn aus all dem nichts wird, dann wenigstens eine richtig tolle Küche haben. Mal abgesehen davon, dass ich eine ziemlich grosse Familie aufgebaut habe, ist aus diesen Träumen herzlich wenig geworden. Das Träumen aber habe ich nicht aufgegeben. Nur der Inhalt hat sich leicht geändert. Heute träume ich…

…davon, mich einfach mal aufs WC setzen zu können, ohne vorher überprüfen zu müssen, ob der Vorgänger wirklich alles so hinterlassen hat, wie man es schon tausendmal gepredigt hat.

…dass der Wäscheberg uns mal ein paar Tage in Ruhe lässt. Also, ich meine jetzt nicht diese trügerische Ruhe, die herrscht, wenn man einfach so tut, als wäre er nicht da und er derweilen ungehindert weiterwächst, sondern die himmlische Ruhe, die wir hätten, wenn er sich mal für eine Weile von uns fernhalten würde.

…davon, mindestens eine Woche lang keinen einzigen Anruf aus dem Schulhaus zu bekommen.

…davon, auf Facebook nicht andauernd über Fallfehler und andere Scheusslichkeiten stolpern zu müssen. (Okay, da gibt es auch ziemlich viele inhaltliche Dinge, über die ich nicht stolpern möchte, aber wir wollen mal nicht übertreiben mit den Wünschen.)

…davon, wenigstens einen Tag lang keinem einzigen Legostein in die Quere zu kommen. 

…dass Bibliotheksbücher an dem Tag, an dem sie zurück ins Schulhaus müssen, morgens unaufgefordert aus ihren Verstecken hervorgekrochen kommen.

…von einer papierlosen Kommunikation mit der Schule. Und wenn das nicht geht, dann wenigstens von einer strikten räumlichen Trennung zwischen vollen Kakaotassen und Elternbriefen, die unterschrieben in die Schule zurück müssen. 

…dass ich ein offenes Buch, dem ich für eine Weile den Rücken kehren muss, noch an der genau gleichen Stelle geöffnet vorfinde, wenn ich mich ihm wieder zuwende. (Ach, wo wir schon von Büchern sprechen: Wäre nett, wenn ich mit dem Knausgård noch in diesem Jahrzehnt fertig würde.)

Wie, ihr findet, ich sei bescheiden geworden? Aber nicht doch. Die Dinge, die ich mir früher gewünscht habe, waren weitaus realistischer als die Luftschlösser, die ich heute baue.

  

Gescheiterte Demotivationsstrategie

Wer es in unserem Kanton nach der sechsten Klasse nicht in die richtige Stufe schafft, kann später nur über den Umweg einer Prüfung ans Gymnasium. An offiziellen Schulveranstaltungen erklärt man das den Eltern der enttäuschten Zwölfjährigen so: „Im neunten Schuljahr gibt es die Möglichkeit, eine Aufnahmeprüfung zu machen, aber die schafft eigentlich keiner.“ Dies hält leider einzelne Schüler nicht davon ab, sich laut zu überlegen, ob sie es nicht vielleicht doch probieren sollten und so erklärte neulich eine Lehrerin – nicht an unserer Schule – den übermotiverten Teenagern: „Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand diese Prüfung besteht, ist etwa gleich gross wie die Chance, dass man lebend unten ankommt, wenn man vom Eiffelturm springt.“ Bedauerlicherweise gibt es sogar nach dieser Warnung noch ein paar Todesmutige, die sich zur Prüfung anmelden und fleissig büffeln. Ja, da sind sogar einige Lehrpersonen, die den Prüflingen Mut zusprechen, ergänzendes Lernmaterial herbeischaffen und Zusatzpunkte vergeben. Unerhört, so etwas! Einige – unter ihnen Karlsson und drei seiner Schulkameradinnen- fühlten sich so natürlich dazu ermutigt, ihr Bestes zu geben und die Aufnahme aus Gymnasium zu schaffen. 

Ich finde, wenn die Demotivationsstrategie derart versagt, sollten die Schulverantwortlichen ganz dringend über die Bücher gehen. Es darf doch nicht sein, dass Teenager sich einfach so über die Grenzen, welche die Schulpolitik ihnen  aufzeigt, hinwegsetzen.