So nah ist mir zu nah

Glaubt mir, ich bin keineswegs naiv genug, um mir einzureden, auf dem weitläufigen Naturgrundstück, umgeben von kleinen Wasserläufen und menschlichen Behausungen mit reichlich Speiseabfällen treibe sich neben Kröten, Eidechsen, Eichhörnchen und einer Unmenge von Vögeln nicht auch die eine oder andere Ratte rum. Als ich nachts gelegentlich durch ein Krabbeln in der Hauswand geweckt wurde, sagte ich mir ganz ruhig, dass das irgend ein beliebiges Nagetier, sehr wohl aber auch eine Ratte sein könnte. Und als gestern das Prinzchen erzählte: „Mama, ich habe in der Wiese so ein Tier gesehen, so ähnlich wie eine Maus, aber grösser und mit einem Schwanz wie eine Eidechse“, da konnte ich mir nur noch mit Mühe einreden, vielleicht habe unser Jüngster einfach nicht so genau beobachtet und deswegen falsche Schlüsse gezogen. In Panik geriet ich deswegen aber nicht. Klar, so eine Ratte auf dem Grundstück ist doof, aber so lange sie uns nicht zu nahe kommt… 

Von wegen nicht zu nahe! Seit heute Morgen herrscht Klarheit: Das Rattenvieh treibt sich nicht nur im Garten rum, es hält sich vorzugsweise zwei oder drei Schritte neben dem Sitzplatz auf, wo wir gerne unsere Morgen-, Mittag- und Abendmahlzeiten einnehmen. Nur ein paar Schritte weiter geht’s ins Haus hinein, direkt in die Küche und diese Tür steht – ähhhm, ich meine stand bis vor Kurzem – beinahe immer offen. Frech und selbstbewusst hockt das Biest da und verschwindet nicht etwa, wenn es uns bemerkt, sondern erst dann, wenn es unseren Anblick satt hat. Keine Frage, wer hier wen als Eindringling betrachtet. (Fragt mich nicht, warum es einige Familienmitglieder vorgezogen haben, mir zu verschweigen, dass sie dem Tier schon mehrmals an der gleichen Stelle begegnet sind.)

Was das Rattenvieh nicht weiss: Auch wenn wir leicht einzuschüchtern sind, vertreiben lassen wir uns nicht einfach so. Das musste schon unsere griesgrämige Nachbarin feststellen, die alles mögliche unternommen hat, um uns loszuwerden und nun doch hat einsehen müssen, dass wir wie ursprünglich vorgesehen bis Ende Mai bleiben. (Inzwischen lässt sie sich übrigens kaum mehr blicken. Sie hat einen Käufer für ihr Haus gefunden und ist nun wohl mit der Einrichtung ihrer neuen Bleibe beschäftigt.) Wir haben uns also mit Gift und Köderboxen eingedeckt und schauen mal, wer den längeren Atem hat, die Ratte oder wir. 

Rückblickend muss ich mir aber wohl trotz allem vorhalten, ich sei ein wenig zu naiv gewesen. Hätte ich mich beim Einkaufen etwas besser geachtet, wäre mir schon längst aufgefallen, welch riesiges Sortiment an Rattengift hier jeder noch so kleine Supermarché hat und ein solches Sortiment legt man sich ja nicht zu, wenn nicht eine gewisse Nachfrage besteht…

il castello; prettyvenditti.jetzt

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Intelligenzbestien beim Einkauf

Sie sind zu dritt unterwegs. Mama, Papa und Baby. Der Zufall will es, dass sie kurz nach uns die Kasse erreichen, was sie aber nicht daran hindert, sich vorzudrängen. Ich nehme es hin, denn wer mit einem Baby unterwegs ist, hat Vorrang. Immer. Auch dann, wenn das Baby zufrieden auf einer halben Baguette kaut, während sich unsere Fünf nach einem anstrengenden Homeschooling-Tag aufführen wie eine Horde ausgehungerter Vandalen.

Nun, wie auch immer, warten müssen wir alle, denn vorne an der Kasse hat einer ein Problem mit der Karte. Zeit also, um den Inhalt des Einkaufswagens zu überprüfen. Wir, um festzustellen, ob wir etwas vergessen haben, sie, um auszumustern, was sie nicht benötigten. Eine Familienpackung tiefgekühlte Hamburger wird als überzählig erkannt und muss den Einkaufswagen verlassen. Nun ist es aber leider so, dass es zum Tiefkühler, wo die Hamburger sich gerne aufhalten, wenn sie nicht gekauft werden, mindestens zwanzig, vielleicht gar dreissig Schritte wären und wenn man schon so lange durch den Laden gelatscht ist, mag man sich sowas nicht mehr antun, das muss man verstehen. Also werden die Hamburger ins Kaugummiregal neben der Kasse ausgesetzt. So ein kleines bisschen Luftveränderung tut doch jedem gut, auch einem Tiefkühlhamburger. 

Einkaufen macht aber nicht nur müde, sondern auch hungrig und die Chips sehen ja so verlockend aus. Also wird die Packung aufgerissen. Nein, nicht vom Kind, das ist noch viel zu klein, um selber eine Tüte aufzureissen. Mama und Papa sind es, die sich mit Chips vollstopfen, währenddem sie ihre Artikel aufs Band legen. Als alles – ausser den Hamburgern – auf dem Band ist, kommt ganz zum Schluss die offene Chipspackung.  Aber wie immer, wenn man sich mal mutig den gängigen Konventionen  widersetzt hat, sitzt da vorne an der Kasse so ein engstirniger Mensch, der davon ausgeht, dass sämtliche Verpackungen, die auf dem Band liegen, unversehrt sind. (Man sollte ja wirklich meinen, inzwischen sei die Menschheit in dieser Hinsicht offener geworden, aber diese Ewiggestrigen halten unbeirrt an solchen alten Zöpfen fest.) Ja, und dann gibt das natürlich eine Riesensauerei, ungehalten schauen Mama und Papa dabei zu, wie die ungeschickte Kassiererin ihren Arbeitsplatz von Chips befreit. Na ja, immerhin hat sie genügend Anstand, sich für das Missgeschick zu entschuldigen.

Wenig später, als endlich wir an der Reihe sind mit Bezahlen, beobachte ich aus den Augenwinkeln, wie Mama und Papa ihren Einkaufszettel ganz genau studieren, um zu überprüfen, ob die Chips auch ordnungsgemäss storniert worden sind. Recht haben sie. Wäre ja wirklich die Höhe, wenn sie das Zeug auch noch bezahlen müssten, wo sie doch nicht mal alles aufessen konnten.  

orange; prettyvenditti.jetzt

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Heimweh?

Und wie steht’s eigentlich mit dem Heimweh? Na ja, so hin und wieder läuft schon mal eins der Kinder mit etwas niedergeschlagenem Blick rum und will wissen, wie lange es denn noch gehe, bis man die Freunde wieder sehe. Hin und wieder der eigene Wunsch, in der Stadt ein bekanntes Gesicht zu sehen, ein paar Worte mit jemandem zu wechseln, vielleicht auch ein Tässchen Tee zu trinken. Nachts kommen die Katzen in die Träume geschlichen – nicht nur in die Träume der Kinder – und hat tagsüber mal ein Büsi das Pech, uns über den Weg zu laufen, sieht es sich von sieben irren Vendittis verfolgt, die ganz dringend mal wieder weiches Fell spüren und zartes Schnurren hören wollen. Gelegentlich auch Unterhaltungen darüber, was man zu Hause anders machen könnte oder was man als erstes tun wird, wenn wir wieder dort sind, wo wir eigentlich hingehören. Und doch manchmal auch eine gewisse innere Distanz zu dem, was wir Heimat nennen. Die Frage, ob man manche Dinge nicht einfach darum als besser empfindet, weil man es von Kind an so kennt. 

Heimweh? Nicht wirklich, aber allmählich so ein Bewusstsein, dass man hier nicht ewig bleiben wird, auch nicht ewig bleiben will.

prettyvenditti.jetzt

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Eichelhäher

Wann habe ich zum letzen Mal einen Eichelhäher gesehen? Das muss mindestens 22 Jahre her sein. Still sass er damals da, mit glasigen Augen und liess sich seelenruhig von zwanzig eher weniger interessierten Gymnasiasten beobachten. Nun gut, er konnte gar nicht anders, als seelenruhig zu sein, denn der Kerl war mausetot und ausgestopft, aber immerhin war er ein Prachtexemplar. 

Meine vorletzte Begegnung mit einem dieser Vögel liegt noch weiter zurück, schätzungsweise 35 Jahre. Damals teilten wir uns sogar eine Zeit lang ein Zimmer. Er sass auf dem Fenstersims und beobachtete, was meine Geschwister und ich den lieben langen Tag alles anstellten. Oder er hätte zumindest beobachtet, wenn er nicht ebenfalls Glasaugen im Kopf und Füllmaterial im Leib gehabt hätte. Irgendwann flog er dennoch davon, ich vermute, in eine Abfallmulde, nachdem er genügend Kinderzimmerstaub angesammelt hatte. 

Hier also kreuzen sich unsere Wege wieder, aber hier ist er nicht still und glotzäugig, sondern ausgesprochen lebendig. Frühmorgens fliegt er jeweils zwischen den Bäumen hin und her und posiert gelegentlich auf dem Kirschbaum, damit wir seine blauen Federn bewundern können. Weltbewegend? Wohl kaum. Für gewisse Menschen aus dem Schweizer Mittelland, die schon dankbar sein müssen, wenn sie hin und wieder eine Blaumeise oder einen Spatzen zu Gesicht bekommen, aber doch immerhin denkwürdig genug, dass sie sich dazu gedrängt fühlen, einen Blogpost darüber zu schreiben. 

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Balsam

Wenn der Kellner im Restaurant findet, wir seien so eine nette Familie,…

Wenn er jedem einzelnen Kind seine Aufmerksamkeit schenkt, obschon wir nur Pizza, Wasser und ein kleines bisschen Dessert bestellen,…

Wenn sein Kollege beim Abschied bemerkt, „Meiner“ sehe aus wie Abramowitsch, sei aber mit seinen vielen Kindern viel reicher als der,…

Wenn der Verkäufer am Glacestsand das Eis zum halben Preis gibt, weil er findet, uns eine Freude zu bereiten bereite ihm auch Freude,…

Wenn die Vermieterin sagt, morgen gehe sie zur Polizei, weil es ihr jetzt reiche mit dieser elenden Nachbarin, die unsere Kinder andauernd anschreit,…

Wenn Sie uns dann auch noch bittet, doch so wie geplant hier zu bleiben, weil unsere Kinder vollkommen in Ordnung seien und auch kein Wort mehr von der Treppe sagt,…

Wenn das alles an einem Tag geschieht, den ich so gegen vier Uhr nachmittags für verloren erklärt hatte,…

…dann ist das Balsam auf meine Seele, die in den letzten zwei Tagen Rotz und Wasser geheult hat, weil sie das Gefühl hatte, die Franzosen hätten uns kein bisschen lieb.    

 

So war das gemeint

Okay, mag sein, dass „Massregelungen“ ein etwas starkes Wort war. Vielleicht hätte ich eher sagen müssen, wir fühlten uns gegängelt, mal sanfter, mal gröber. 

Die sanfte Tour läuft so ab:

Ich gehe mit Luise zum Gemüsehändler, bezahle meine Ware, will einen Teil Luise in die Hände drücken, einen Teil selber tragen, weil es bis zum Auto nur ein paar Schritte sind. Ob ich eine Tasche haben möchte, fragt die Frau an der Kasse. Nein danke, möchte ich nicht. Meine Tochter kann beim Tragen helfen und… weiter komme ich nicht. Ohne Tasche gehe das nicht, unterbricht mich die Verkäuferin. Doch, wirklich, kein Problem, es sind nur ein paar Schritte bis zum… Ach, was rede ich mir den Mund fusselig? Die Bananen sind bereits in einem dieser unmöglichen Plastikbeutel verschwunden, den ich eben nicht hätte haben wollen. 

Oder so:

Es ist heiss, alle Vendittis sind müde und durstig, also suchen wir uns ein nettes Strassencafé aus und schieben ein paar Tische zusammen, damit alle Platz finden. Der Keller findet das grundsätzlich gut, nur müssen in seiner Vorstellung die Tische ein paar Zentimeter weiter links stehen. Keine Ahnung warum, der Durchgang für ihn wird dadurch nicht breiter. Aber es muss so sein, also müssen alle Vendittis noch einmal aufstehen und schieben, bis der Kellner zufrieden ist, dann erst dürfen wir unsere Getränke bestellen.

Die sanfte Tour ist natürlich nicht so schlimm, auch wenn sie ganz schön nerven kann, wenn man ihr mehrmals täglich ausgesetzt ist. Mühsamer wird es, wenn ein erzieherischer Unterton dazu kommt. Zum Beispiel so:

„Meiner“ ist mit vier Kindern am See, er sitzt am Ufer, die Kinder klettern ein wenig auf den nahen Felsen. Eine Gruppe von Spaziergängern kommt vorbei und weist „Meinen“ darauf hin, dass sie das Schuhwerk unserer Kinder zum Klettern vollkommen ungeeignet finden, obschon sie selber nicht viel mehr Profil auf den Sohlen haben. Eine zweite Gruppe stänkert, er sei aber etwas gar weit entfernt von seinen Kindern, eine dritte Gruppe will wissen, ob er denn keine Angst um seine Brut hätte. (Nein, hat er nicht, denn er weiss ziemlich genau, was er ihnen zutrauen kann und was nicht.)

Nun, auch damit kann man leben. Richtig mühsam wird es, wenn man sich in den vier Wänden, die man gemietet hat, nicht mehr frei fühlt. Zum Beispiel darum:

Wie wir bei unserer Ankunft erfahren durften, wohnen wir Wand an Wand mit unserem Vermieter. (Nein, davon war in den Reiseunterlagen nichts zu lesen, sonst hätten wir das Haus nicht gemietet.) Ebenfalls bei unserer Ankunft erfuhren wir, dass wir bitteschön auf der Treppe, die in den oberen Stock führt, etwas leise sein sollen. „Kein Problem“, sagten wir und gaben uns alle erdenkliche Mühe. Zwei Wochen lang ging das gut, dann meinte der Vermieter, das mit der Treppe störe halt schon ein wenig, ob wir nicht vielleicht noch etwas leiser sein könnten. „Na ja, wir werden’s versuchen“, murmelten wir in bestem Wissen, dass ein Mensch des Fliegens mächtig sein müsste, um auf diesen andauernd knarrenden Stufen unhörbar zu sein. Wo er schon dabei sei, meinte der Vermieter, möchte er uns noch bitten, die Türen etwas leiser zu schliessen, das störe auch. Natürlich versprachen wir, unser Bestes zu tun, aber irgendwie wurmte uns die Sache doch. Weder die knarrende Treppe noch die hellhörige Bauweise des Hauses sind unsere Schuld und hätten wir davon gewusst, wären wir nicht hier. 

Spätestens in diesem Fall wünschte ich mir innig, man würde hier auch mal über eine Sache hinwegsehen – so wie ich zum Beispiel darüber hinwegsehe, dass der Hund des Vermieters andauernd zu uns in den Garten kommt -, weil man ja nicht für den Rest des Lebens nebeneinander wohnen wird. Aber so läuft das hier offenbar nicht. Im Gegenteil, unsere liebenswerte Nachbarin steht inzwischen schon zeternd da, wenn bei uns drüben an einem sonnigen Nachmittag fünf Minuten lang mittlere Spielplatzlaustärke herrscht. 

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Meine lieben Franzosen

Glaubt mir, inzwischen mag ich euch wirklich ganz gut. Ihr seid ausgesprochen höflich – wenn ihr uns nicht gerade auf der Strasse so dicht auffahrt, dass man es mit der Angst zu tun bekommt. Ihr plaudert liebend gerne mit uns darüber, ob das alles unsere Kinder sind und wie alt wir waren, als wir sie bekommen haben, weil wir noch so furchtbar jung aussehen. Bei Touristenfallen weist ihr artig darauf hin, dass eine Sehenswürdigkeit vielleicht nicht so das Wahre für unsere Kinder ist, obschon ihr euch damit der Gelegenheit beraubt, uns ein teures Kombiticket anzudrehen. Ihr lächelt unser wild gelocktes Prinzchen freundlich an, obschon er das offizielle „Jöööööö“-Alter längst überschritten hat. Ihr erträgt geduldig unsere Stammeleien, wenn uns mal ein Wort entfällt und haltet nichts von der Unsitte, mit jedem Fremden Englisch zu reden, bloss weil er gerade einen Knoten in der Zunge hat. Ihr gebt jedem Schweizer hier das Gefühl, er sei etwas ganz Besonderes, dabei hat jedes zehnte Auto hier ein Schweizer Nummernschild. Ja, ihr schenkt uns sogar regelmässig frische, knackige Salate. 

Das alles freut uns sehr. Aber wäre es euch vielleicht möglich, nicht andauernd jede Kritik zu äussern, die euch auf der Zunge liegt? Mag sein, dass wir uns in euren Augen sonderbar aufführen, aber könnten wir uns nicht darauf einigen, dass ihr uns gewähren lässt, solange wir uns im Grossen und Ganzen nach euren Gepflogenheiten richten und euer wunderschönes Land mit der ihm gebührenden Bewunderung und Respekt bereisen? So viele Massregelungen habe ich seit meinem letzten – und einzigen – Hausarrest mit fünfzehn nicht mehr über mich ergehen lassen müssen. Dabei führe ich mich inzwischen weitaus gesitteter auf als damals. 

  

Awards und so…

Kleinwirdgross und Opa haben mich nominiert und zwar für zwei verschiedene Awards. Nun ist das bei mir mit den Awards so eine ähnliche Sache wie bei den Stöckchen: Ich freue mich, dass andere Blogger mein Geschriebenes toll genug finden, um mich zu nominieren, meistens finde ich auch die Fragen spannend, aber wenn’s dann darum geht, mir eigene Fragen auszudenken und weitere Blogger zu nominieren, dann ist das irgendwie nicht so mein Ding. Darum mache ich es wieder so:

a) Ich bedanke mich ganz herzliche bei Kleinwirdgross und bei Opa. So lieb von euch. 

b) Ich beantworte eure Fragen wahrheitsgetreu.

c) Ich empfehle meiner Leserschaft ein paar Blogs, die mir gefallen. 

Gut so? Okay, dann kümmern wir uns mal um den „Lovely Blog Award“ von Kleinwirdgross. Hier sind offenbar sieben Fakten über mich gefragt. Na dann, lege ich mal los:

1. Manchmal denke ich, ich sollte mit bloggen aufhören, aber dann halte ich doch nicht länger als zwei Tage durch, bis ich wieder irgend etwas loswerden muss.

2. Wenn ich keine Kinder hätte, wäre ich so ordentlich, dass ich mich selbst unsympathisch fände.  

3. Wenn ich viel Zeit habe – wie zum Beispiel jetzt -, lese ich so lange Kommentare zu Zeitungsartikeln, Blogposts und auf Facebook bis ich mich frage, ob es wirklich eine gute Idee war, den Menschen flächendeckend das Schreiben beizubringen. 

4. Manchmal überkommt mich der unbändige Drang, die Welt zu verändern. Wenn ich bloss wüsste, wo anfangen…

5.  Ich quatsche jede Katze an, die mir begegnet und wenn ein Mensch mit Hund meinen Weg kreuzt, grüsse ich beide, obschon ich Hunde (bis auf wenige Ausnahmen) überhaupt nicht mag. 

6. In letzter Zeit habe ich mich öfters mal auf meine Pensionierung gefreut und dann gedacht, dass man das in meinem Alter eigentlich noch nicht sollte.

7. Meistens weiss ich nicht, ob ich das mit dem Muttersein richtig gemacht habe, aber wenn wir alle zusammen am Tisch sitzen und ganz ungezwungen miteinander reden, dann ist mir das egal und ich bin einfach glücklich. 

So, und nun zu Opas Fragen für den „Liebster Award“:

1. Meine grösste Stärke ist…

Hmmmm, schwierig. Vielleicht, dass ich auch in miesesten Zeiten meinen Humor nicht ganz verliere und immer irgend eine Absurdität finde, über die sich lachen oder zumindest lästern lässt.

2. Meine grösste Schwäche ist…

Ich bin ganz schrecklich launisch.

3. Am meisten Angst habe ich vor…

Aktuell gerade, dass ich hier in Südfrankreich einer Schlange oder einem Skorpion begegnen könnte.

4. Familie bedeutet für mich…

Die Kurzfassung: Dort, wo meine Familie ist, bin ich zu Hause. Die lange Fassung erspare ich euch, denn das könnte dauern.

5. Kinder sind für mich…

Wunder (Okay, ich geb’s ja zu: Manchmal auch einfach wunderbare Nervensägen.)

6. Mit…würde ich gern mal…

Mit einigen dieser grossmäuligen, hartherzigen, überheblichen Politiker würde ich gerne mal ein Wörtchen reden.

7. Eine Stunde im Wald spazieren gehen ist für mich…

Himmlisch. Vor allem, wenn Schnee liegt.

8. Essen ist für mich…

Eine ganz wunderbare Sache. 

9. Kochen ist für mich…

Für mich persönlich: Eine Leidenschaft, die ich mir nicht nehmen lassen will durch die alltägliche Pflicht, auch im grössten Stress etwas halbwegs Anständiges auf den Tisch bringen zu müssen. 
Ganz allgemein: Eine hohe Kunst, egal, wie einfach die Zutaten auch sein mögen.

10. Mein Lieblingsgericht ist…

Ein eigentliches Lieblingsgericht habe ich nicht, da es auf dieser Welt zu viele köstliche Gerichte gibt. Ich liebe vegetarische Curries, knuspriges Brot, Gewürze, frische Pasta, Salzbutter, Basilikum, Käse, Joghurt, einfache Gerichte, bis ins letzte Detail durchdachte Menüs, Gnocchi, frisch zubereitete Suppen, hausgemachte Marmelade und einmal hätte ich über einer „Insalata Caprese“ aus sonnenwarmen Tomaten beinahe Freudentränen vergossen. 

11. Bloggen ist für mich…

Eine Möglichkeit, meine Gedanken in Worte zu fassen und mit anderen Menschen zu teilen, oftmals aber auch einfach ein Mittel, im ganzen Alltagschaos nicht durchzudrehen. 

Und das hier wären die Blogs, die ich euch allen ans Herz legen möchte:

Feminism – OMG! 

Vater da sein

Eulenkling 

Madame Gaianna 

Signora Pinella   

Die Schreibschaukel

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Die Macht der Werbung

So sehr ich es auch versuche, ich kann’s nicht verstehen. Begreife nicht, wie man sein Taschengeld dafür sparen kann. Wie man auf unzählige schöne Dinge verzichtet, um ganz bestimmt genügend Geld zu haben, damit man die Sammlung bald vergrössern kann. Wie man auf die Idee kommt, die kostbaren iPad-Minuten, die Mama und Papa einem zugestehen, damit zu vergeuden, sich ein Video nach dem anderen reinzuziehen. Weshalb man tieftraurig ist, weil man das Ende des Filmchens nicht mitbekommen hat, da die iPad-Minuten zu schnell um waren und man jetzt nicht weiss, ob der Held noch lebt oder nicht. Kriege nicht in meinen Kopf hinein, wie man sich all die Namen merken kann und dann auch noch weiss, zu welchem Namen welche Charaktereigenschaften gehören. Habe erst recht kein Verständnis dafür, wie man für viele Stunden in diese Rollen schlüpfen kann. Wie man nach dem Rollenspiel zu zeichnen anfängt, viele viele Blätter voll, immer die gleichen Figuren. (Oder vielleicht auch nicht – welcher Erwachsene weiss das denn so genau?) Und wenn einen die Eltern aus dem Spiel reissen, einfach so, vollkommen rücksichtslos, weil sie irgendwelche Sehenswürdigkeiten sehen wollen, dann vergnügt man sich auf der Autofahrt damit, einander Pantomimen vorzuspielen, damit die anderen erraten können, welchen der Grossartigen man imitiert. 

Schon oft habe ich mir die Dinger angeschaut, habe sie in meinen Händen gedreht und gewendet, um daran irgend etwas Schönes zu finden. Habe gefühlt, ob da vielleicht etwas wäre, was einem so angenehm in der Hand liegt, dass man es nicht mehr aus den Fingern geben mag. Habe ihre Gelenke gebogen, gestreckt und beinahe gebrochen, nur um herauszufinden, warum es so viel Spass macht, mit ihnen Zeit zu verbringen. Glaubt mir, ich habe ehrlich versucht, hinter das Geheimnis zu kommen, aber alles, was meine Augen sehen ist pure Hässlichkeit und ganz viel Plastik.

Nie werde ich verstehen, warum gleich drei meiner Kinder voll darauf abfahren, aber immerhin kann ich jetzt wieder voll und ganz an die Macht der Werbung glauben. Wie sonst kämen kleine Jungen darauf, sich so etwas Abscheuliches aus tiefstem Herzen zu wünschen?

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Was mir an Frankreich gefällt

Nach einer pubertären Schwärmerei für die Französische Revolution (und einer Begeisterung für Napoleon, die wohl in krankhaftem Zusammenhang mit meiner mangelhaften Körpergrösse stand) sowie einem Ferienflirt mit einem hundeäugigen Franzosen (der sich später in seinen Liebesbriefen als psychisch schwer angeschlagen herausstellte), wandte sich meine Leidenschaft mit zunehmendem Alter den Angelsachsen zu. In der Folge kühlte meine Begeisterung für Frankreich merklich ab, denn ein Herz kann wohl nicht zugleich für England und Frankreich schlagen. Es kostete mich also einige Überwindung, mich auf unseren Aufenthalt in der Provence zu freuen. Inzwischen aber habe ich einige Dinge gefunden, die mir an Frankreich ganz gut gefallen:

  • Die Mayonnaise scheint einen deutlich höheren Essiganteil zu haben als unsere. Dadurch lösen sich die Nissen wie von selbst vom Haar, nachdem man die Läuse mit Mayonnaise erstickt hat. Folglich ist das Geschrei beim Auskämmen bedeutend leiser, worüber sich unsere Nachbarin eigentlich freuen sollte, aber sie weiss ja nicht, wie unsere Kinder schreien, wenn sie Essig in die Augen kriegen. (Ja, irgend jemand hat uns offenbar kurz vor der Abreise eine Portion Läuse mit auf den Weg gegeben. Soviel zu der Behauptung unserer Schule, es sei vollkommen ausreichend, wenn man den Eltern bei Lausbefall einen Brief nach Hause gebe, Lauskontrollen seien ganz und gar unnötig.)
  • Der „Café au Lait“ (Obschon ich ja eigentlich keine Kaffeetrinkerin bin.)
  • Alles hier fühlt sich sehr südländisch an und doch sind die Museen offen, wenn sie laut Angaben auf der Website offen sein sollten. (Ich will ja hier keine Klischees pflegen, aber in diesem Bereich habe ich in Italien ganz andere Erfahrungen gemacht. Nicht nur auf Sardinien und im Molise, auch im Piemont.)
  • Die Blumeninseln mitten im schlimmsten Strassenverkehr. Aktuell in „unserer“ Stadt gerade Mohn in leuchtendem Orange. Eine Augenweide. 
  • Öko-Putzmittel sind deutlich billiger als das ganze giftige Zeugs in grellen Verpackungen.
  • Der „Café au Lait“ (Ich bin wirklich keine Kaffeetrinkerin.)
  • Zum gleichen Preis, zu dem es zu Hause Tee mit Croissant für zwei gibt, frühstückt hier die ganze Familie. (Jawohl, die siebenköpfige. Orangensaft inklusive.)
  • Sehenswürdigkeiten, die so sehenswert sind, wie sie angepriesen werden. (Okay, die Schweden sind in diesem Bereich noch besser: Die preisen ihre Sachen überhaupt nicht an und dann kriegst du die Klappe nicht mehr zu vor lauter Staunen.)
  • Familieneintrittspreise, die diesen Namen auch wirklich verdienen. (An einem Ort waren doch tatsächlich „Kinder“ bis 18 gratis.) 
  • Der „Café au Lait“ (Echt jetzt, der ist himmlisch.)
  • Der frühe Beginn der Spargel-, Erdbeer- und Tomatensaison. (Lange hätte ich es mit diesem ewigen Wintergemüse nicht mehr ausgehalten, obschon ich durchaus wintergemüsefreundlich eingestellt bin.)
  • Die Blumenwiesen. (Bei uns hat man für sowas ja keinen Platz mehr, wirft kein Geld ab.)
  • Die Alleen (Ja, ich weiss, Bäume würden von sich aus nie so wachsen, aber sie gefallen mir halt doch. Vielleicht ein Nachklang meiner pubertären Napoleon-Schwärmerei. Laut Wikipedia soll der ja die Finger im Spiel gehabt haben.)
  • Der Zwang, die Sauce Hollandaise im Wasserbad zuzubereiten, weil es auf dem Gasherd schlicht nicht anders geht und Gasherd hat man hier eben noch. Noch nie war sie besser, meine Hollandaise. 
  • Die Salzbutter
  • Die Artischocken
  • Die vielen blühenden Bäume (Obschon: Habe ich da eben ein Niesen vernommen?)
  • Das Gesumme der Bienen (Eine Folge der vielen blühenden Bäume, natürlich)

Ach ja, habe ich den „Café au Lait“ bereits erwähnt?

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