Herkunftsfamilien

Ich kenne Menschen, die unter denkbar schlechten Bedingungen gross geworden sind. Zerrüttete Familienverhältnisse, mindestens ein Elternteil suchtkrank, finanziell prekäre Situationen, zum Teil auch Probleme mit der Integration. Es würde niemanden wundern, wenn diese Menschen heute unfähig wären, ihr Leben zu meistern, doch erstaunlicherweise kommen sie besser klar als mancher, der mit dem Silberlöffel im Mund geboren worden ist. Fachleute reden in solchen Fällen von Resilienz, was bestimmt berechtigt ist. Zumindest bei den Menschen, die ich kenne, kommt aber noch etwas anderes hinzu: Sie waren von klein auf umgeben von Menschen, die sich ihrer angenommen haben. Menschen, die diesen Kindern zumindest stundenweise ein friedliches Zuhause boten, die ihnen bei den Hausaufgaben halfen, die mit ihnen ins Museum gingen, die ihnen Mut machten, einen eigenen Weg zu finden, anstatt in die Fusstapfen der Eltern zu treten. Natürlich waren diese Menschen auch nicht perfekt, aber sie gaben, was die Kinder zu Hause nicht bekommen konnten, nämlich vorbehaltlose Liebe.

Ich kenne aber auch Menschen, bei denen nichts hätte schief laufen dürfen, weil einfach alles perfekt war. Mutter aufopferungsvoll, Vater erfolgreich, die ganze Familie gut integriert und überall aktiv dabei, die finanziellen Verhältnisse bestens, die Kinder werden gefördert wo immer möglich. Und ausgerechnet in diesen perfekten Verhältnissen gerät einer auf die schiefe Bahn. Warum? Es wird wohl viele Gründe dafür geben, bei den Menschen, die ich kenne, fällt aber früher oder später immer die eine Aussage: „Ich war einfach nicht gut genug. Egal, wie sehr ich mich bemühte, es reichte nie.“ Irgendwann haben sie eben aufgegeben, vielleicht auch ganz bewusst das Gegenteil von dem getan, was die perfekte Familie von ihnen erwartete, weil es ja ohnehin keinen Unterschied mehr machte, denn abgelehnt fühlten sie sich ohnehin. Und weil keiner sehen wollte, dass die heile Familie gar nicht so heil war, wie es nach aussen hin aussah, wurde an dem schwarzen Schaf herumkritisiert und herumgedoktert bis es vollends verkorkst war.

Ein paar Kleinigkeiten noch…

Allmählich werde ich mir selbst unsympathisch. Da ärgere ich mich ein halbes Leben lang über Menschen, die sich Ende November zurücklehnen und süffisant lächelnd verkünden, dass abgesehen vom Baumschmücken alles erledigt sei. Und jetzt bleiben auch mir nur noch zwei oder drei Geschenke zu organisieren, ein paar Guetzli zu backen und mit den Kindern Lehrergeschenke fertigzustellen. Die Weihnachtsvorbereitungen sind so erschreckend weit fortgeschritten, dass ich in Versuchung komme, Dummheiten anzustellen. Zehn Sorten Pralinen machen, zum Beispiel, Baumschmuck aus gefärbtem Isomalt oder ein üppig verziertes Weihnachtsfenster. Am Ende fange ich noch an zu basteln…

Mag sein, dass ich mich zu aktiveren Zeiten danach gesehnt habe, dem festlichen Geschehen nicht immer zwei Schritte hinterherzuhinken. Zuweilen verspürte ich vielleicht sogar einen Hauch von Neid wenn ich sah, wie perfekt organisiert andere sind. Was war ihr Geheimnis? Eine spezielle Begabung fürs Feiern? Ausgeklügelte Checklisten oder gar eine Ausbildung?

Heute habe ich eine Ahnung davon, welche Voraussetzungen es braucht, damit das Fest gelingt: Kinder, die aus dem Gröbsten raus sind, ein Job als Vollzeithausfrau und keine namhaften Pflichten ausser Hause. So sollte es klappen. Die Frage ist bloss, ob ich bereit wäre, diesen hohen Preis zu bezahlen, nur damit alles reibungslos läuft.

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Zeit

Es gibt schönere Dinge, als mitten im Leben ausgebremst zu werden und plötzlich weder Kraft noch Nerven für die alltäglichsten Dinge zu haben. Der angenehme Nebeneffekt ist aber, dass man bekommt, was man sonst nie hat: Zeit.

Die Zeit, Kleinigkeiten sofort zu erledigen und nicht erst dann, wenn man dreimal per Mail daran erinnert worden ist.

Die Zeit, mich darüber zu informieren, welche Bücher die Kinder aus der Schulbibliothek ausgeliehen haben. Damit ich nach Ablauf der Leihfrist nicht immer schreiben muss: „Liebe Frau Lehrerin, können Sie mir bitte die Titel der noch fehlenden Bücher nennen, damit ich weiss, wonach ich im Bücherregal oder notfalls auch im Antiquariat suchen muss.“

Die Zeit, sich in Ruhe zu überlegen, was man Freunden und Lehrern zu Weihnachten schenken will und auch die Zeit, alles so zu organisieren, dass man die Kinder nur noch anleiten muss.

Die Zeit, an dem einen Tag, an dem alle vollkommen käferfrei sind, auch wirklich mit den Kindern ins Hallenbad zu gehen und nicht nur davon zu reden, wie nett es doch wäre, wenn man die Zeit dazu hätte. Okay, auf den käferfreien Tag warte ich noch immer, aber ich glaube fest daran, dass er kommen wird.

Die Zeit, die Kinder rechtzeitig abzuholen und nicht immer die Letzte zu sein, die verschwitzt, schimpfend und mit tausend Entschuldigungen aufkreuzt.

Die Zeit, sich Gedanken zu machen darüber, an welchem Punkt man mit den Kindern steht, wo sie Unterstützung brauchen und wo klarere Grenzen angesagt sind.

Die Zeit, beim Kinderarzt die zusätzlichen Abklärungen sofort machen zu lassen, anstatt einen weiteren Termin vereinbaren zu müssen.

Die Zeit, mich mit „Meinem“ darüber zu unterhalten, dass die einfallslose Küche wohl mehr zum Beizensterben beiträgt als das Rauchverbot.

Die Zeit, dem Zoowärter des Langen und Breiten zu erklären, warum ich es besser fände, wenn er sich den Playmobil-Zoo mit den niedlichen Koalas zu Weihnachten wünschte und nicht die hässliche „Cars“-Rennbahn.

Und wenn einmal das Telefon schweigt und kein Kind nach Aufmerksamkeit schreit die Zeit, mit der Katze auf dem Schoss eine Tasse Tee zu trinken und die Zeitung zu lesen. 

Unberechenbar

In der Theorie geht das alles prächtig auf: Bis Ende Monat sind wir an drei Vormittagen vollkommen kinderfrei. Zeit, sich von den Strapazen der vergangenen Wochen zu erholen, neue Kräfte zu sammeln und Liegengebliebenes zu erledigen.

In der Praxis sieht es natürlich mal wieder ganz anders aus. Mal fühlt sich der Zoowärter zu krank, um in den Kindergarten zu gehen, nur um voll aufzudrehen, kaum habe ich ihn bei der Lehrerin abgemeldet. Dann wieder fällt bei einem der Kinder der Unterricht aus, mal weil die Lehrerinnen des FeuerwehrRitterRömerPiraten Weiterbildung haben, dann wieder, weil Luises Lehrerin krank ist. Hin und wieder kommt es vor, dass das Prinzchen sich weigert, lange Hosen anzuziehen und in kurzen lasse ich ihn nicht in die Waldspielgruppe gehen. Also bleibt er zu Hause. Wenn dann doch mal alle aus dem Haus sind, kommt bestimmt ein Anruf der Lehrerin, die uns mitteilt, dass sie den FeuerwehrRitterRömerPiraten nach Hause schicken werde, weil er so blass und müde sei. Und falls ausnahmsweise mal nichts von all dem geschieht, habe ich bestimmt einen Zahnarzttermin, den ich in einem Anfall von geistiger Umnachtung für einen der kinderfreien Vormittage vereinbart habe.

Ich will mich nicht beklagen, das Familienleben ist nun mal unberechenbar. Ich frage mich nur, wann ich endlich damit aufhöre, an das Märchen von der Erholungsinsel zu glauben.

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Familien-Strickmuster

In Zeiten, in denen die Angst vor der Überalterung der Gesellschaft wächst, darf die perfekte Familie wieder mehr als zwei Kinder haben. Lange Zeit sah das Bild ja so aus: Papa mit bereits leicht angegrauten Schläfen, Mama ein paar Jährchen jünger, Junge, Mädchen. Zur Not durften es auch zwei Mädchen sein, zwei Jungen aber lieber nicht, weil es zu laut werden könnte.

Natürlich wird dieses Bild nicht über Nacht verschwinden, aber immer öfter wird mit Drei- bis Vierkindfamilien geworben, wenn Eltern Geld locker machen sollen. „Schaut her, wer bei uns einkauft, kann sich mehr als zwei Kinder leisten“, lautet die Botschaft. Und so lächeln dann von den Plakaten ein Papa mit leicht angegrauten Schläfen, eine Mama, die einige Jährchen weniger auf dem Buckel hat, eine vernünftige älteste Tochter, ein angepasster Zweitältester, eine verträumte jüngere Tochter und ein schalkhafter Jüngster. So sieht sie heute aus, die perfekte Familie, selbstverständlich zufrieden und sorgenfrei.

Auch wenn es begrüssenswert sein mag, dass heute auch als glücklich gelten darf, wer viele Kinder hat, so bleiben die Bilder realitätsfremd wie eh und je. Wir zumindest hatten schon Mühe damit, uns an das Strickmuster Mädchen-Junge-Mädchen-Junge zu halten, von der perfekten Harmonie und dem sorgenfreien Alltag ganz zu schweigen.

Glücklich sind wir trotzdem mit unseren Kindern.

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Sechzehn einfache Schritte zur eigenen Sauna

1. Sauna geschenkt bekommen, sich riesig über das Geschenk freuen und die Elemente in der Garage zwischenlagern, bis die Zeit reif ist, nicht alleine an Erholung zu denken, sondern auch etwas dafür zu tun.

2. Fünfzehn Monate später: Sauna-Elemente mit zornesrotem Kopf vor die Haustüre schleppen, damit „Meiner“ endlich glaubt, dass es mir Ernst ist mit Wellness im eigenen Keller.

3. Einen Samstag lang für genügend Essen und Getränke sorgen, damit „Meiner“ und mein Bruder beim Aufbau nicht verhungern und verdursten.

4. Erkennen, dass sich die Saunatüre nicht öffnen lässt, wenn der Waschtrog im Wege steht. Vier Monate warten, bis „Meiner“ Zeit findet, den Trog umzuhängen.

5. Schüchtern nachfragen, ob der Elektriker in der Verwandtschaft eventuell einmal in nicht allzu ferner Zukunft und natürlich nur, wenn es ihm auch Freude macht und selbstverständlich als ganz gewöhnlicher Auftrag ohne Verwandtenrabatt, die Stromversorgung einrichten könnte.

6. Sich auf einen entspannenden Saunaabend freuen und dann feststellen, dass noch die Saunasteine fehlen.

7. Das Internet nach Lieferanten für Saunasteine durchforsten. Eine Liste erstellen mit allen Baumärkten in der Gegend, die in Frage kommen.

8. Beim ersten – und grössten – Baumarkt erfahren, dass das „umfassende Sauna- und Wellnessangebot“ aus einigen Holzkesseln, einer Massagebürste und zwei oder drei verschiedenen Aufguss-Düften besteht. Ach ja, einen Whirlpool für nur 4999.90 hätte es auch noch gehabt, aber uns fehlte gerade das nötige Kleingeld. Die Saunasteine waren „leider alle schon ausverkauft“, wie man uns beschied, als wir es endlich schafften, uns todesmutig einem rasenden Mitarbeiter in den Weg zu stellen, um ihn zu fragen.

9. Beim zweiten Baumarkt – der mit dem „breitgefächerten Angebot an Sauna- und Infrarot-Kabinen“ – feststellen, dass es wohl feuerfeste Dekosteine für den Holzofen gibt, nicht aber Saunasteine. Der Versuch, zu fragen, ob diese auch für die Sauna geeignet wären scheiterte daran, dass sich die Mitarbeiter aus lauter Angst vor den Kunden hinter Türen mit der Aufschrift „Zutritt nur für Personal“ flüchteten, sobald man sich ihnen auf zehn Schritte näherte.

10. Beim dritten Baumarkt schiefe Blicke ernten, weil man jeden Sack mit Steinen ganz genau mustert und dann doch ohne Steine aus dem Laden geht.

11. Beim vierten Baumarkt – einer grösseren Filiale von Baumarkt Nummer zwei – erfahren, dass man bis vor einem Jahr noch ein grosses Sauna-Sortiment hatte, jetzt aber leider gar nichts mehr anbietet.

12. Auf der Heimfahrt rätseln, ob man vielleicht doch noch bei Baumarkt Nummer fünf vorbeischauen soll, weil er ja gerade am Weg liegt. „Aber einen Einkaufswagen nehmen wir nicht. Die werden ja ohnehin keine Steine haben“, entscheide ich, als wir schliesslich mit wenig Hoffnung auf Erfolg vor dem Eingang stehen.

13. Drei Minuten später zum Eingang hetzen, um einen Einkaufswagen zu holen, währenddem ein Kind die letzten vier Kartons mit Saunasteinen bewacht, damit sie uns keiner wegschnappt.

14. Saumässig viel bezahlen für vierzig Kilo ganz banale Steine, aber nach dieser Odyssee spielt der Preis keine Rolle mehr.

15. Wieder zu Hause, die Steine in den Keller schleppen, den Ofen auffüllen und hoffen, dass die fünf kleinen Vendittis abends um halb sieben darum betteln, ins Bett gehen zu dürfen, weil sie sooooooooo müde sind.

16. Saunadüfte, die seit einer Ewigkeit auf dem Schrank darauf warten, gebraucht zu werden, von Staub und Spinnweben befreien und hoffen, dass sie nach all den Monaten noch duften.

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Ganz der Papa

Nein, Helena und der Zoowärter haben noch immer keinen Termin für ein Treffen gefunden. Davon geredet haben sie zwar schon oft, aber meist scheitert es daran, dass bei Helena keiner das Telefon abnimmt, wenn der Zoowärter anrufen will. Das Mädchen ist wohl einfach zu beschäftigt. Kein Grund für den Zoowärter, Trübsal zu blasen. Es gibt ja noch andere Mädchen. Joanna, zum Beispiel, mit der man es immer so lustig hat. Oder Matilda, mit der er diese Woche schon dreimal gespielt hat und die er morgen schon wieder einladen will.
Ganz klar, der Zoowärter liebt Mädchen. Er, der mit seinen Freunden und Brüdern so laut und wild ist, zeigt sich bei seinen Freundinnen von der sanften, verspielten Seite. Da wird gemalt, gebastelt und Schule gespielt. Für Matilda darf es kein gewöhnliches Zvieri sein, da muss ein bunter Früchteteller her. Neben Matilda stürmt man auch nicht einfach achtlos die Treppe hoch, sonst könnte sie am Ende noch hinfallen. Vor allem aber will er sich ungestört mit ihr unterhalten können. „Prinzchen, sei nicht immer so laut“, heisst es dann. „Matilda und ich können bei diesem Lärm gar nicht miteinander reden.“
Ich kenne einen Mann, der genau auf diese Weise das Herz seiner heutigen Frau erobert hat und mir scheint, dass der Zoowärter diesem Mann nicht nur sehr ähnlich sieht, sondern dass er auch seine Art geerbt hat.

Mama schläft (nie so ganz)

Zwölf lange Jahre habe ich trainiert, beim Mittagsschlaf nie so tief wegzutauchen, dass man direkt neben mir das Haus in Brand stecken könnte. Oh ja, ich habe einige kleinere Katastrophen verschlafen – Bad unter Wasser, Fingerfarbenschmierereien und dergleichen -, aber wenn es wirklich gefährlich zu werden drohte, weckte mich mein mütterliches Alarmsystem immer rechtzeitig. Ich glaube, die Kinder haben inzwischen begriffen, dass es sich nicht lohnt, grosse Dummheiten anzustellen, weil Mama Venditti auch im Schlaf kaum etwas entgeht.

„Meiner“ hingegen glaubte bis heute Nachmittag noch allen Ernstes, er könne tun, was der Arzt verboten hat, bloss weil ich gerade im Land der nachmittäglichen Albträume unterwegs war. Aber wenn ich mitten in meinen Albträumen die Satzfetzen „nur kurz nach Olten“, „Mama schläft ja noch“ und „geht schon mal zum Auto“ höre, dann bin ich aus dem Bett, bevor ich ganz wach geworden bin. Da will der gute Mann doch tatsächlich für einen Besuch im Brockenhaus sein Leben aufs Spiel setzen, bloss weil ihm die Decke auf den Kopf fällt, wenn er wochenlang zu Hause bleiben muss. Dass ihm die Decke auf den Kopf fällt, kann ich ja nur zu gut verstehen, aber mit heftigem Schwindel, übermässiger Lärmempfindlichkeit und Gleichgewichtsstörungen setzt man sich nun mal nicht ans Steuer. Schon gar nicht mit zwei Kindern auf der Rückbank.

Und so bekam „Meiner“ eben zu hören, was jeder zu hören bekommt, der meinen Mittagsschlaf stört: „Kann man sich denn in diesem Haus nicht mal ein halbes Stündchen hinlegen, ohne dass einer auf dumme Gedanken kommt?“

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Gute alte Bestechung

Irgendwann ist genug herumgebrüllt, gedroht, gebettelt, an den Verstand – oder gar an das Mitgefühl für die arme, übermüdete Mama- appelliert. Irgendwann hilft nur noch eins,  nämlich Bestechung. Nun ja, so offen gibt das kaum einer zu, aber machen wir uns nichts vor: Wer für zehn Einheiten Wohlverhalten einen Hallenbadbesuch, für zwanzig Einheiten Wohlverhalten einen Museumsbesuch und für dreissig Einheiten Wohlverhalten eine Überraschung verspricht, besticht seine Kinder. 

Oh ja, Belohnungssysteme sind äusserst wirksam. Das beweisen die zahlreichen Kundenkarten, die wir allzeit griffbereit halten. Egal wie klein der Gewinn, wenn man uns eine Belohnung in Aussicht stellt, müssen wir sie haben und zwar so schnell als möglich. Bei den Kindern ist dies nicht anders und so tun sie für ein paar Wochen brav das, was wir uns von ihnen wünschen. Kaum aber sind die Belohnungen eingesackt, ist der alte Schlendrian zurück.

Warum also gestalte ich dennoch für jedes Kind seinen eigenen Plan mit individuell formulierten Zielen? Ich tue es, weil ich eine Verschnaufpause brauche. Weil das Gezerre um jede kleinste Gefälligkeit zu viele Nerven kostet. Weil ich Zeit gewinnen will, um mir Gedanken zu machen, wie wir die Kinder wieder besser begleiten sollen, damit wir in Zukunft auf die billige Bestechung verzichten können.    

A ram sam sam

Das Prinzchen hat’s in der Krippe gelernt und singt es andauernd.

Der Zoowärter hat’s im Kindergarten gelernt und singt es ebenfalls andauernd.

Der FeuerwehrRitterRömerPirat hat es von den kleinen Brüdern gelernt und probiert aus, wie viel schneller es noch geht.

Luise muss es auf der Querflöte üben.

Karlsson klimpert es auf dem Klavier, weil er Luise begleiten möchte.

Ich frage mich, ob denn keiner an die armen Mütter denkt, die pausenlos das gleiche banale Liedchen hören müssen.

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