Wenn Vendittis müde sind,….

…. hat jeder seine eigene Methode, damit umzugehen. Karlsson zum Beispiel brüllt dann bei jeder Gelegenheit los. „Karlsson, würdest du bitte das Licht ausmachen?“, fragt man und Karlsson heult: „Immer seid ihr so gemein zu mir!“ „Karlsson, hast du deine Hausaufgaben schon gemacht?“ Der Junge bricht zusammen und schluchzt herzerweichend. Wenn Karlsson müde ist, kann jeder Satz genau der Falsche gewesen sein. Der Satz, der ihn dazu bringt, die Fassung zu verlieren, loszuheulen und die Tür zu knallen. Woher er das wohl hat?

Eine müde Luise ist das pure Gegenteil eines müden Karlssons. Eine müde Luise sitzt den ganzen Tag mit glasigem Blick in einer Ecke, den Nuckelfinger im Mund, das Schmusehäschen ans Ohr gedrückt und gibt keinen Ton von sich. Würde sie nicht zwischendurch den FeuerwehrRitterRömerPiraten verhauen, der sie beim Luftlöcherstarren stört, man könnte glauben, Luise hätte sich in den Winterschlaf begeben.

Je weniger man von Luise hört, umso mehr hört man vom FeuerwehrRitterRömerPiraten. Er verleiht seiner Müdigkeit durch Verweigerung Ausdruck. Egal, ob er bei Luises Ballettvorführung still sitzen, beim Schuhe kaufen nicht unter das Regal kriechen, beim Mittagessen nicht mit der Gabel in der Hand herumrennen dafür aber beim Krippenspiel mitsingen soll, er tut, als gehe ihn alles nichts an. Wenn er nicht will, dann will er eben nicht und dann soll ihn die Mama gefälligst in Ruhe lassen mit ihren blöden Anweisungen. Die Mama,-  und nur die Mama, nicht etwa der Papa, – soll ihn jetzt einfach nur hätscheln und streicheln, denn er ist sooooooo müde, dass er gar nichts anderes mehr ertragen kann.

Der Zoowärter übersteht seine Müdigkeit, indem er sich mit dem Stofftier, dass ihm momentan am meisten ans Herz gewachsen ist, aufs Sofa setzt und Pingu-Kassetten hört. Mit dem Schmusetuch im Mund und einem ähnlich leerem Blick wie Luise. Wenn er aber seinen aktuellen Schützling nicht finden kann, brüllt er los und zwar sehr laut und sehr lange. Nach Bedarf auch eine geschlagene halbe Stunde. Gestern und heute führt der „kleine Herr Kokosnuss“ die Top-Ten der beliebtesten Kuscheltiere an. Und wie es der Name sagt, ist der Affe Herr Kokosnuss klein, sehr klein. So klein, dass er schwer auffindbar ist,  weshalb das Gebrüll seinetwegen fast endlos ist.

Auch „Meiner“ und ich haben unsere Methoden, mit der Müdigkeit umzugehen. Wir ziehen es vor, uns einen Film reinzuziehen und so zu tun, als gebe es nichts aufzuräumen und zu erledigen in unserem Haushalt. Wir tun einfach so, als gehe uns das alles gar nichts an. Was zur Folge hat, dass der kleine Herr Kokosnuss im Chaos noch öfters verloren geht als üblich, Luise und der FeuerwehrRitterRömerPirat sich noch häufiger in die Haare geraten, weil kein Platz mehr da ist, um einander aus dem Weg zu gehen, Karlsson noch öfter die Türe knallt, weil wir ihn hin und wieder dazu auffordern, etwas wegzuräumen. Und weil wir alle zusammen gegen Ende der Adventszeit so schrecklich müde sind, ist das Leben bei Vendittis nicht gerade gemütlich im Moment.

Ach ja, wie geht denn überhaupt das Prinzchen mit alldem um? Wie bekämpft er seine Müdigkeit? Na, wie wohl? Mit schlafen natürlich.

Versuch 2346

Vielleicht ist es auch schon Versuch 5418 oder erst Versuch 1979. So genau weiss ich es nicht mehr. Irgendwann habe ich nämlich das Zählen aufgegeben. Das Problem aber ist geblieben: Meine Kinder gehen nicht aus dem Haus, ohne einen Streit vom Zaun zu reissen, ohne sich hundertsiebenmal ermahnen zu lassen, sie müssten jetzt endlich gehen, ohne mir schon morgens um acht den letzten meiner nicht gerade in Massen vorhandenen Nerven auszureissen. Was haben wir schon alles versucht, damit es besser wird?

Smileypläne, zum Beispiel. Für einen Morgen ohne Krach gab’s einen Smiley-Sticker. Für zehn Smileys gab’s eine kleine Belohnung, für zwanzig eine etwas Grössere. Das Ganze hat genau bis zum zwanzigsten Smiley hingehauen, dann ging das Theater wieder los. Dann probierten wir es eine Weile lang damit, dass „Meiner“, bevor er um sechs Uhr aus dem Haus hetzte, den Kindern ein schönes Frühstück bereitstellte, Tee kochte und eine Kerze anzündete. War nicht wirklich die zündende Idee, auch wenn die Kinder anfangs noch begeistert waren von den liebevoll angerichteten Apfelschnitzen. Dann probierte ich es mit klassischer Musik, weil ich dachte, wenn Kühe sich dabei leichter melken liessen, würden sich Kinder damit vielleicht leichter aus dem Haus manövrieren lassen. Dann kam der Versuch mit dem Erzählen von Geschichten, dann derjenige mit meiner Mutter, die jeden Tag helfen kam, dann der Versuch mit dem „in den Hammer laufen lassen, wenn sie zu spät zur Schule kommen“ und dann platzte mir der Kragen und von da an fielen mir nur noch Herumbrüllen und Türen knallen ein.

Das kann es ja auch nicht sein, dachte ich und bestellte, nach dem letzten Eklat, eine überteuerte „Morgenmuffel-Uhr“, auf Französisch viel weniger euphemistisch „Montre pour ceux qui se lèvent de mauvaise humeur“ genannt. Diese Uhr lässt sich so einstellen, dass immer dann, wenn man mit etwas fertig sein sollte, ein Signal ertönt: 30 Minuten fürs Frühstück – Gong- 5 Minuten fürs Zähneputzen – Gong- 15 Minuten fürs Waschen, Anziehen und Kämmen – Gong – fünf Minuten um Schuhe und Jacke anzuziehen – Gong – und raus mit der Bande! Klingt gut, nicht wahr?

Bleibt zu hoffen, dass dass Ding seinen Preis Wert ist. Und dass der grösste Morgenmuffel im Hause Venditti damit endlich die Probleme in Griff kriegt…..

Totales Versagen

Genau so, wie zum Familienleben die Sternstunden gehören, gehören auch die Zeiten des totalen Versagens dazu. Zeiten, in denen ich die Art von Mutter bin, die ich nie hätte sein wollen. Eine ungeduldige, herumbrüllende, herzlose, Türen knallende Mutter mit vor Wut verzerrtem Gesicht. Eine, die die Türe nicht nur einmal knallt, sondern gleich zwei, drei, viermal. Und das alles in Anwesenheit meiner Mutter, der Frau, die in ihrem ganzen Leben wohl noch nie das Bedürfnis verspürt hat, eine Tür zu knallen. Der Frau, von der ich zwar die Liebe zu Kindern, nicht aber das ausgeglichene, friedliche Temperament geerbt habe. Wenn ich dann in einem solchen Moment auch noch an die vierfache Mutter denke, die ich gestern im Schwimmbad dabei beobachtet habe, wie sie ganz still, liebevoll und geduldig mit ihren störrischen Kindern sprach, dann fühle ich mich einfach nur noch elend. Als die totale Versagerin eben.

Nicht, dass ich immer nur ausgeglichen und ruhig sein möchte. Ich liebe es, mal laut, mal leise, mal emotional, mal vor Lachen brüllend, mal ganz ernst zu sein. Aber muss es denn gleich so laut, so emotional sein? Ja, ich weiss, dass an der Explosion nicht ich alleine Schuld war. Dass Luise sich vor Wut auf dem Boden gewälzt hat, weil sie ihren zweiten Stiefel nicht finden konnte und sich weigerte, die Gummistiefel zu tragen, war auch nicht gerade erbauend. Auch die Tatsache, dass der FeuerwehrRitterRömerPirat einmal mehr seine Kindergartentasche im Nirgendwo hat liegen lassen und sich nicht eher vom Fleck bewegte, als dass ich ihm die Tasche hervorgezaubert hätte, trug nicht zu meiner guten Laune bei. Auch nicht, dass ich um Viertel nach neun mit dem Prinzchen beim Kinderarzt sein musste, vorher noch den Zoowärter in der Spielgruppe abliefern musste und mich dazu noch darüber ärgern musste, dass „Meiner“, als er heute früh das Auto in die Garage brachte, alle Kindersitze dort abgeliefert hat. Dass in all dem Chaos noch meine Hormone verrückt spielen, macht es nicht gerade einfacher, die Fassung zu behalten.

Ja, es gibt durchaus Gründe, warum ich heute nicht das Bild der stets geduldigen, stets liebevollen, stets ausgeglichenen Mutter abgeben konnte. Und ich will dieses Bild ja auch gar nicht abgeben, denn es hat mit der Realität der meisten Mütter nur wenig zu tun. Und dennoch weiss ich, dass ich versagt habe, dass ich zu laut war, zu unfair, zu wütend. Und deshalb fühle ich mich miserabel. Das Einzige, was mir in solchen Momenten hilft, ist, mich festzuklammern an der Idee der Gnade, der Idee der zweiten, der dritten, der vierhundertachtzehnten, der tausenddreihundertelften Chance. Allein dieser Glaube bringt mich in solchen Momenten wieder auf die Füsse und hilft mir, es immerhin zu versuchen, das nächste Mal alles besser zu machen, die Hoffnung auf weitere Sternstunden und weniger Zeiten des totalen Versagens nicht zu verlieren.

So in love

Der FeuerwehrRitterRömerPirat schwebt auf Wolke sieben. Die Liebe hat ihn voll erwischt. Ausgerechnet ihn, der die letzten zwei Jahre mit Kämpfen, dem Singen von Soldatenliedern und dem Schwingen von Schwertern verbracht hat. Ausgerechnet ihn, der mir mal morgens, als ich ihn aus dem Bett holte, verkündete, er hasse Frauen. Doch seit einer Woche ist alles anders: Mit leuchtenden Augen geht er in den Kindergarten, mit noch leuchtenderen Augen kommt er nach Hause und erzählt, was er mit der Angebeteten alles erlebt hat. Jedes Kunstwerk wird ihr gewidmet, jedes Stofftier trägt ihren Namen, auf jedem Fetzchen Papier lese ich die drei Buchstaben ihres Namens in wackeliger Kindergärtnerschrift. Und seit heute malt er gar Herzchen, die von Pfeilen durchbohrt sind. Was die Liebe nur alles zustande bringt…

Während ich mich an der ersten Liebe meines Sohnes erfreue, fallen mir zwei Dinge auf:  1. Ich habe mich ganz umsonst gesorgt, ob ich dereinst meine Schwiegertöchter werde ertragen können. Wenn der FeuerwehrRitterRömerPirat bei seinem Frauengeschmack bleibt, habe ich rosige Zeiten vor mir. Die Dame seines Herzens ist einfach perfekt. 2. Ich habe mir ganz umsonst den Mund fusselig geredet. Wie viel Zeit habe ich doch damit vergeudet, dem FeuerwehrRitterRömerPiraten beizubringen, dass es im Leben nicht allein ums Kämpfen geht? Wie oft habe ich ihn angepredigt, ihm gesagt, er solle nicht gleich dreinhauen, ihn darauf aufmerksam gemacht, die von ihm vergötterten Römer und Ritter hätten auch ihre sanften Seiten gehabt? Hätte ich alles gar nicht sagen müssen. Alles was es brauchte, war eine erste grosse Liebe und der Junge verstand von selbst, dass ein Ritter nur ein echter Ritter ist, wenn er auch einfühlsam und sensibel sein kann.

Da hoffe ich doch, dass er noch sehr sehr lange verliebt bleibt…

Sternstunden

Wie ich sie liebe, diese Adventsrituale! Am frühen Morgen die Lichterketten einschalten, eine Kerze anzüden, die Kinder füher wecken als gewöhnlich und dennoch kein Gemotze zu hören. Die vier Grossen zu sehen, wie sie mit glänzenden Augen artig auf dem Sofa sitzen und nicht einmal jammern, weil heute der Zoowärter ein Päckchen auspacken darf, während die anderen sich mit einem Stück Schokolade zufrieden geben müssen. Wie sie gebannt der Geschichte lauschen,  sich mit dem Zoowärter über sein Geschenk freuen, danach noch ein wenig an den anderen Päckchen herumdrücken, um herauszufinden, welche Überraschungen morgen auf sie warten, übermorgen und an den Tagen danach.

So sehen sie aus, die Sternstunden des Familienlebens. Diese unvergesslichen Momente, für die wir all die Mühen, die eben auch dazugehören, gerne auf uns nehmen. Die Zeiten, an die sich unsere Kinder – hoffentlich – noch als alte Frauen und Männer mit sehnsüchtigem Blick erinnern werden.

Bleibt zu hoffen, dass sie die Momente des Hetzens, des Herumbrüllens und des Streitens, die unweigerlich auch wieder kommen werden, von der Wärme der Adventszeit überstrahlt werden.

Die Jugend von heute

Was hatten wir uns bloss gedacht dabei, als wir Karlsson erlaubten, drei Freunde zum Übernachten einzuladen, um seinen Geburtstag nachzufeiern? Vier aufgedrehte Neunjährige, drei überforderte kleine Brüder, eine genervte Luise, die sich über die vielen Jungs im Haus aufregt, zwei von der anstrengenden Arbeitswoche vollkommen geschaffte Eltern. Und dazu noch Regenwetter. Nichts gewesen mit Nachtspaziergang, Abenteuergeschichte am Lagerfeuer und so. Stattdessen Pinocchio auf der Wohnzimmercouch. Konnte das gut gehen?

Ja, das Fest hätte tüchtig in die Hose gehen können. Nicht aber mit Karlsson und seinen Freunden. Die vier Musterknaben strafen all jene Pessimisten Lügen, die auf die Jugend von heute schimpfen. Schon als Pinocchio sich dem Ende näherte, meinte der Eine, er würde jetzt eigentlich gern ins Bett gehen. Es war gerade mal Viertel nach acht. Fünf Minuten später fand der andere, eigentlich müsse man die Tischbombe nicht heute schon zünden. Es sei ja schon so spät. Nun, wir zündeten die Bombe dennoch, Karlsson zuliebe, dem auch schon fast die Augen zufielen. Zwanzig Minuten später lagen die Jungs auf ihren Matratzen, jeder ausgerüstet mit einer Taschenlampe und einem Buch. Einzig das Umblättern der Seiten und ab und zu ein leises Kichern, weil einer etwas Lustiges gelesen hatte, waren noch zu hören. Und natürlich das Herumtoben des überdrehten Zoowärters einen Stock tiefer. Und das emsige Treiben des FeuerwehrRitterRömerPiraten, der unbedingt heute noch der Dame seines Herzens eine Zeichnung machen will.

Es würde mich nicht verwundern, wenn die Grossen die beiden schon bald zur Ruhe ermahnen würden. Oder sich bei mir beklagen kommen, sie könnten bei diesem Lärm nicht schlafen. Die Jugend von heute sei doch einfach unerträglich…

Okay, später kam dann doch noch so etwas wie Pyjamaparty-Stimmung auf. Aber nie so wild, wie wir es erwartet hätten. Und schon gar nicht so wild, dass sie es geschafft hätten, „Meinen“ zu wecken, der die Party wiedermal auf dem Sofa verpennt hat.

Guten Appetit!

Man nehme einen Stapel Pfannkuchen, fünf eigene Kinder, zwei Tageskinder, eine überforderte Mama und dazu noch Karlssons besten Freund, der noch immer an der Illusion festhält, dass das Essen bei Vendittis immer gut ist. Wenn man dies alles vor seinem inneren Auge sieht, male man sich dazu aus, wie eine Küche aussieht, in der ein kleines süsses Prinzchen einen Wasserkrug verschüttet hat. Dann führe man sich die Tischmanieren von zwei völlig überdrehten Neunjährigen vor Augen, erinnere sich an den Duft voller Windeln und an das wohlige Gefühl von Reibkäse, der an feuchten Socken kleben geblieben ist. So etwa sah heute meine Mittags“pause“ aus.

Und so, liebe Frau Klum, äh, Pardon, Frau Samuel, so schaffen wir normalen Mütter es irgendwann, viele Monate nach der letzten Geburt, ein paar unserer überflüssigen Kilos loszuwerden. Denn wie ich nach geschlagener Schlacht mit leerem Blick auf den Ort des Grauens starrte, wurde mir bewusst, dass mein Appetit verflogen war, obschon ich noch kaum einen Bissen im Magen hatte. Ich kann mir gar nicht erklären, warum…

Bis zum Umfallen….

Vielleicht war ich ja etwas voreilig mit meinem Urteil über Dr. Sarah May. Die Frau hat nämlich durchaus Qualitäten, ja, sogar Mutterqualitäten. Zumindest, wenn ich sie spiele. Dann hüpft sie morgens aus dem Bett, stürzt sich in die Kleider und rast zum Tiergehege, noch bevor sie sich ein Frühstück genehmigt hat. Sie füttert die Tiere, putzt das Gehege – und zwar nicht nur so oberflächlich, sondern richtig gründlich,- sie streichelt jedes Tierchen einzeln, spielt mit jedem und dann rast sie ins Haus, um Kunden zu bedienen, weitere Tiere zu pflegen, Futter einzukaufen. Und irgendwann, wenn sie schon beinahe kippt vor lauter Hunger, gönnt sie sich eine kleine Mahlzeit. Während die Tiere prächtig gedeihen und die Kunden höchst zufrieden sind, knausert Dr. Sarah May mit sich selber: Kaum Freizeit, kaum Zeit für Mahlzeiten, kaum Musse, ein Buch zu lesen. Und irgendwann, wenn der Mond schon hoch am Himmel steht, sinkt sie ins Bett und träumt einem nächsten randvollen Tag entgegen.

Die perfekte Mutter also, nicht wahr? Selbstlos, idealistisch, aufopferungswillig. Ja, so wäre Sarah May, wenn da nicht der Computer wäre. „Du brauchst mal eine Pause“, sagt er, wenn sie gerade so schön in Schwung ist. Oder „Wie wär’s mit einer kleinen Mahlzeit?“, wo sie doch gerade so fleissig am Tiere streicheln war. Oder „Zeit, ein paar Stunden zu schlafen“, wo sie doch unbedingt noch dies und das erledigen sollte. Wie soll Sarah May den Laden je in  Griff kriegen, wenn der Computer sie immer wieder zum süssen Nichtstun auffordert?

Nachdem ich ein paar Runden in der „Tierklinik“ von Luise und dem FeuerwehrRitterRömerPiraten herumgeschnuppert habe, fiel mir auf, dass Dr. Sarah May mein eigenes Leben perfekt spiegelt. Sie gibt alles, ist nur zufrieden, wenn sie eine Höchstleistung erbracht hat, trampelt ihre eigenen Bedürfnisse zu Boden. Und wundert sich vielleicht, dass sie dabei ausbrennt. Wo sie doch bloss ihr Bestes geben wollte….

Das kann ja heiter werden!

Seitdem Karlsson Luise an ihrem ersten Geburtstag aus lauter Eifersucht eins mit dem Hammer übergebraten hat, sind wir stets darum bemüht, dass auch die Geschwister des Geburtstagskindes nicht zu kurz kommen. Und deshalb gibt’s für sie meistens auch ein winziges Geschenk. Und weil Luise und der FeuerwehrRitterRömerPirat Tiere lieben, habe ich zugegriffen, als „Meine Tierklinik in Australien“ bei Amazon zum Spottpreis zu haben war. Und seither werde ich nicht nur von meinen Kindern herumkommandiert, jetzt fordert auch noch Dr. Sarah May meine ungeteilte Aufmerksamkeit.

Wie, Sie kennen Dr. Sarah May nicht? Dann schaffen Sie sich schleunigst eine Tochter an. Das Computerspiel mit Tierärztin Sarah May wird in den meisten Fällen gleich mitgeliefert. Und falls nicht, gibt’s bestimmt schon bald wieder eine Aktion bei Amazon. Nun, Dr. Sarah May sollte eigentlich dafür sorgen, dass die Koalas nicht hungern, dass das Gehege sauber ist und dass die Kunden stets prompt und freundlich bedient werden. Aber unter uns gesagt: Die Frau ist eine Niete! Immer wieder piepst das Handy, weil wieder ein unzufriedener Kunde abgerauscht ist, dann wieder sitzen die Koalas traurig in ihrem Gehege und  warten auf Streicheleinheiten. Und was tut Dr. Sarah derweil? Die pennt natürlich mal wieder. Oder sie macht Stretching auf der Terrasse. Das ist nicht zum Aushalten. Der Frau muss ich dringend unter die Arme greifen, sonst wird das nichts mit der florierenden Tierklinik.

Und so rase ich hin und her. Im realen Leben macht sich das Prinzchen hinter Karlssons Geburtstags-Luxemburgerli, während in der Tierklinik mal wieder ein unzufriedener Kunde meckert. Und weil der FeuerwehrRitterRömerPirat noch nicht so recht versteht, wie wichtig die Kundenzufriedenheit ist, muss natürlich Mama ran, um Sarah May auf die Sprünge zu helfen. In der Zwischenzeit liegt der Zoowärter schreiend in der leeren Badewanne, weil er hingefallen ist. Und „Meiner“, der noch immer krank ist, bräuchte dringend einen Tee. Aber wann soll ich den auch machen, wo doch die Koalas so dringend Futter brauchen? Auch Sarah May schleicht schon seit einer ganzen Weile um den Kühlschrank herum, weiss aber offensichtlich nicht, wie sie diesen ohne meine Hilfe aufbringen soll. Müssen die alle gleichzeitig hungrig und durstig sein? Damit Sarah May nicht aus den Latschen kippt, eile ich ihr rasch zu Hilfe, was zur Folge hat,  dass ich wieder zu spät komme, als das Prinzchen die Vorratskammer zu plündern beginnt.

Es ist hoffnungslos. Ich schaffe es nicht, an beiden Orten für Ordnung sorgen. Also schnell den Zoowärter aus der Badewanne gezogen, das Prinzchen ins Bett gesteckt, „Meinen“ ebenfalls und dann nichts wie hin zu den Koalas. Ich kann die armen Tierchen doch nicht verhungern lassen!

Happy Birthday, Karlsson!

Wenn wir mit anderen Leuten über unsere doch eher grosse Familie reden, bekommen wir immer etwa das Gleiche zu hören: „Wahnsinn! Da habt ihr aber viel Arbeit.“ Auch wir selber denken meistens daran, dass unsere Wäscheberge höher, unsere Einkaufswagen und Abfallsäcke voller, unsere Konti hingegen leerer sind. Auch wir sind uns dessen bewusst, dass wir viele viele Stunden unseres Lebens aufopfern um zu wickeln, den Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen, Zimmer aufzuräumen, aufgeschürfte Knie zu verarzten und so weiter. Was man bei alldem so leicht vergisst: Wir feiern auch mehr. Kaum sind die Girlanden des letzten Geburtstags verschwunden, hängen schon wieder die nächsten. Kaum haben wir die letzte Torte verdaut, steht schon die nächste auf dem Tisch. Und das ist doch einfach schön. Auch wenn es unserer schlanken Linie nicht sonderlich gut bekommt. Aber wer will denn schon an sowas denken, wenn gefeiert wird?

Und gefeiert wird, trotz Schweinegrippe, Halsschmerzen und Müdigkeit. Denn am Geburtstag soll das Geburtstagskind spüren, dass es nicht einfach Eines von Vielen ist, sondern dass es etwas ganz Besonderes ist. Es soll so richtig schwelgen in Liebe und Anerkennung. Es soll wissen, dass es eine grossartige Sache ist, dass ausgerechnet er oder sie Teil unserer Familie geworden ist.

Wie das konkret aussieht? Nun, bei jedem Kind etwas anders, je nach Vorlieben. Bei Karlsson zum Beispiel bedeutet es, dass Mama morgens um sechs aufsteht, um Berliner zu backen für die Schulklasse. Dass am Mittag Morcheln auf dem Tisch stehen und Süssigkeiten in rauhen Mengen konsumiert werden dürfen. Und natürlich bedeutet es auch, dass es frische Leberpastete gibt, auch wenn Mama dies zu verdrängen versucht. Wenn Karlsson seinen grossen Tag hat, wird nicht geknausert, denn der Junge ist ein Feinschmecker durch und durch. Und weil wir alle uns so sehr freuen, dass Karlsson ist wie er ist, werden wir tüchtig mitfeiern. Und mitschlemmen.

Nur auf die Leberpastete verzichten wir gerne. Die darf er alleine essen.