Paradiesisch

Du weisst, dass es wieder aufwärts geht, wenn die Putzfrau endlich wieder aus den Ferien zurückkommt. Wenn sie dann ganz besorgt nachfragt, wie es deinem Haushalt so gehe und ob sie vielleicht bereits morgen, anstatt erst am Montag vorbeikommen solle, dann weisst du nicht so recht, ob du wach bist oder träumst. Etwas später kommst du von der Arbeit nach Hause und „Deiner“ verkündet, dass er nur gerade zwei Tage, nachdem die Waschmaschine in Streik getreten ist, die Zeit gefunden hat, um die Unterhose, welche den Streik verursacht hatte, aus den Eingeweiden der Maschine zu entfernen. Wieder fragst du dich, ob das alles nur ein schöner Traum ist, aber dann hörst du das regelmässige Summen aus der obersten Etage und dir wird klar, dass die Maschine tatsächlich wieder schleudert, ausnahmsweise schon tagsüber, weil sie nach zwei Streiktagen einiges an Arbeit nachzuholen hat. Vollends im siebten Hausfrauen-Himmel fühlst du dich, als dir in den Sinn kommt, dass deine Küche morgen den ganzen Tag sauber bleiben wird, weil du mit den Kindern am Mittagstisch essen wirst.

Warum bloss sind diese paradiesischen Zustände die Ausnahme? Und das hier die Regel:

Inflation auf dem Punktekonto

Glaubt man den Schlagzeilen, so bewegt sich die Welt derzeit auf den Abgrund zu, aber bis anhin blieb die heile Hausfrauenwelt noch mehr oder weniger unbehelligt von dem sich ausbreitenden Ungemach. Klar, es ist ungerecht, dass die Importeuere die Milchschnitte dank dem billigen Euro zu Ramschpreisen einkaufen und uns zum unverändert hohen Preis weiterverkaufen können, aber davon bin ich nicht betroffen; ich habe schon immer gesagt, dass Milchschnitten Mist sind und sie schon damals nicht gekauft, als Coop sie noch im Regal hatte. Natürlich schmeckt der Frühstückstee bei düsterer Zeitungslektüre weniger gut, aber schlechte Nachrichten las man ja auch schon, als die Welt noch halbwegs in Ordnung schien. Und zudem haben Hausfrauen ohnehin kaum einmal Zeit für Frühstückstee und Zeitungslektüre, auch wenn sich das Klischee der gemütlich frühstückenden Hausfrau hartnäckig hält, fast so hartnäckig wie jenes der kaffeeklatschenden Hausfrau.

Aber kommen wir zurück zum Thema. Die Welt der Schweizer Hausfrau ist also trotz aller beunruhigenden Nachrichten bis heute Abend um 19:24 Uhr mehr oder weniger heil geblieben. Doch dann, um 19:25 Uhr änderte sich mit einem Schlag alles. Grund dafür ist die folgende äusserst beunruhigende Nachricht, die wohl unzähligen Hausfrauen gesendet wurde: „Der enorme Erfolg der E-Punkte brachte nun eine wahre Punkte-Inflation mit sich. Und damit, wie bei einer richtigen Inflation, leider auch einen gewissen Werteverlust.“ Um diesen Werteverlust zu bremsen, heisst es in der Mail weiter, würden die Punkte nicht mehr im Verhältnis 1:1, sondern im Verhältnis 1:10 vergeben. Wo wir heute also für hundert Franken hundert Punkte bekommen, werden uns ab Oktober nur noch zehn Punkte gutgeschrieben, damit unserer Punkte, die wir so brav gesammelt haben, nicht plötzlich ohne Wert sind.

Ja, und jetzt ergreift mich natürlich die Panik. Die Pukte, die wir uns unter Preisgabe vertraulichster Daten sauer verdient haben, sind in Gefahr. Was, wenn die Punkte trotz dieser Massnahme weiter an Wert verlieren? Was, wenn ich für das Buch „Detox ypur Life“ auf einmal nicht bloss 100, sondern 10’000 Punkte abgeben muss? Was, wenn die anderen Punktesammler zu hamstern beginnen und ich keinen Hello-Kity-Koffer mehr bekomme? Oder wenn ich am Ende nicht mehr genug Punkte auf dem Konto habe, um mir den Bastelratgeber „Faszinierende Origami-Tiere“ zu gönnen? Wahrlich beunruhigende Neuigkeiten, die mir wohl einige schlaflose Nächte bereiten werden. Vielleicht nütze ich die schlaflose Zeit, um so viele Bestellungen wie möglich aufzugeben. Bevor die Punkte noch mehr von ihrem Wert einbüssen und meine heile Hausfrauenwelt vollends in sich zusammenfällt.

 

Durchgeknallt oder Mutterliebe?

Okay, ich weiss, ich hätte cool bleiben sollen, als die Freundin anrief, weil sie Karlsson nach der Orchesterprobe nicht finden und somit auch nicht nach Hause bringen konnte. Ich hätte nachdenken müssen, mir überlegen, wie Karlsson gewöhnlich reagiert, wenn etwas nicht so läuft wie erwartet, hätte mich in seine Gedankenwelt versetzen müssen. Nun ja, immerhin war ich sicher, dass er nicht den Bus genommen hatte, denn Karlsson hatte kein Geld dabei und Schwarzfahren käme ihm nicht im Traum in den Sinn. Ihm, der sich weigert, eine Strasse ohne Fussgängerstreifen zu überqueren. Soweit konnte ich also noch klar denken, aber natürlich blieb ich dennoch alles andere als cool. Nun ja, nach dem ersten Anruf der Freundin schon, aber als sie zehn Minuten später Bescheid gab, sie hätte unseren Ältesten noch immer nicht finden können, wurde ich so langsam panisch. Karlsson alleine zur Feierabendzeit in der Stadt – diese Vorstellung war zu viel für meine zuweilen etwas zu lebhafte Fantasie und so heulte ich beim dritten Anruf der Freundin nur noch hilflos ins Telefon. Was sollte ich bloss tun? Der Zoowärter sass in der Badewanne, das Prinzchen war bereits im Bett und „Meiner“ war beim Elterngespräch, kein Auto im Haus und kein Vertrauen in die Selbständigkeit unseres Sohnes, dafür umso mehr schreckliche Vorstellungen, was dem Kind alles zustossen könnte.

Hätte ich doch bloss auf den Zoowärter gehört. Als der nämlich merkte, dass ich nicht bloss so tat, als würde ich heulen, meinte er ganz ruhig „Karlsson ist nichts passiert, du brauchst keine Angst zu haben“. Aber welche Mama ist denn so klug, in solchen Momenten auf ihren vierjährigen Sohn zu hören? Mag ja sein, dass es solche Mamas gibt, ich gehöre auf alle Fälle nicht dazu und so rief ich schliesslich „Meinen“ an, damit er sich sofort auf die Suche nach unserem Sohn machte. Nun ja, vollkommen unvernünftig war das wohl nicht, denn immerhin hätte er bereits vor 45 Minuten auftauchen müssen. Aber vielleicht war es dann doch ein wenig übertrieben, dass ich danach auch noch meine Mutter auf den Plan rief, die sich gemeinsam mit Luise und dem FeuerwehrRitterRömerPiraten auf die Suche machte.

Während nun alle nur erdenklichen Leute auf der Suche nach dem verlorenen Sohn  waren – die Freundin hatte inzwischen eine Freundin alarmiert und eine weitere Freundin hätte sich ebenfalls auf die Socken gemacht, wenn ich sie darum gebeten hätte -, tigerte ich durch die Wohnung und hatte nichts Weiteres zu tun, als all die Gespenster, die wohl in fast allen mütterlichen Gehirnwindungen schlummern, aufzuwecken und durch meinen Kopf spuken zu lassen. „Ruf ins Spital an!“, heulte das eine Gespenst „vielleicht ist er unters Auto gekommen.“ „Nein, die Polizei musst du alarmieren“, widersprach das andere. „Ach, so ein Quatsch!“, brauste das dritte auf „Das Kind fürchtet sich bestimmt vor dem neuen Schuljahr und hat sich irgendwo im Wald verkrochen.“

Ich weiss nicht, was ich getan hätte, wenn das Geheul dieser Gespenster nicht plötzlich durch Schritte im Treppenhaus unterbrochen worden wären. Vielleicht hätte ich tatsächlich die Polizei alarmiert. Doch die Schritte, die ich hörte, gehörten ganz eindeutig zu Karlsson und da kam er  tatsächlich die Treppe hoch gehumpelt, vollkommen zufrieden und ziemlich hungrig. Er hätte unsere Freundin nirgendwo finden können und deshalb sei er eben zu Fuss nach Hause gekommen, viereinhalb Kilometer, mit heftigen Wachstumsschmerzen im Knie, mit der Geige auf dem Rücken und im Kopf die Angst, dass „Meiner“ und ich bestimmt schimpfen würden, weil er so spät nach Hause kam.

Okay, vermutlich habe ich die Situation mal wieder nicht besonders bravourös gemeistert, aber zumindest wissen die Kinder nun, wie sehr ich heulen muss, wenn ich mich um sie sorge. Ich hoffe doch sehr, dass sie dies als Zeichen von Mutterliebe deuten und nicht als Zeichen dass ihre Mama so langsam aber sicher den Verstand verliert…

Wundersame Verwandlungen

Meine Befürchtungen, dass meine Schlaflieder mit dem Prinzchen-Auszug nicht mehr gefragt wären, haben sich nicht bewahrheitet. Im Gegenteil, heute hat mich das Prinzchen ausdrücklich zum Singen in die obere Etage eingeladen und weil dort auch der Zoowärter einzuschlafen versuchte, wünschten bald einmal zwei kleine Jungs eine Serenade, wodurch ich in den Genuss von zwei wundersamen Veränderungen kam, anstatt nur einer, wie an gewöhnlichen Abenden. An den Anblick, wie aus einem sehr lebhaften Prinzchen, der tagsüber eher einem Gummiball als einem Kind gleicht, ein sanft schlafender kleiner Engel wird, habe ich mich schon gewöhnt. Wie aber innert wenigen Minuten aus dem tagsüber so kämpferischen Zoowärter ein verträumtes kleines Kind mit butterweichem Herzen wird, habe ich schon lange nicht mehr erlebt. Einfach unglaublich, was ein paar Schlaflieder und einige Umarmungen bewirken können.

Und noch eine Verwandlung erlebte ich: Während des Singens spürte ich, wie aus einer ungeduldigen, grummligen Rabenmutter, die ihre miese Laune nur unter grösster Anstrengung halbwegs in den Griff bekommen konnte, eine ziemlich ausgeglichene, entspannte Mama Venditti wurde, die ihren beiden Kleinsten aus vollem Herzen sagen konnte, wie sehr sie sie liebt, bevor ihnen die Augen zufielen. Auch solche Verwandlungen kommen vor und von allen drei ist dies die wundersamste, zumindest an Tagen wie heute, an denen ich schon aus der Haut fahre, wenn eine harmlose Stubenfliege durch die Küche summt oder wenn ein noch harmloserer „Meiner“ mich darum bittet, ihm mal schnell den Stil-Bund der „NZZ am Sonntag“ zu reichen.

Ich bin noch nicht soweit

Jetzt wollen sie also tatsächlich, dass das Prinzchen aus dem Elternschlafzimmer auszieht. Alle wollen das, am meisten aber „Meiner“ und Luise. „Meiner“, weil er findet, dass wir unser Zimmer endlich wieder für uns haben sollten, Luise, weil sie seit jenem Tag, an dem sie sich damit abgefunden hat, dass das Prinzchen kein Mädchen ist, sehnsüchtig auf den Tag wartet, an dem der Jüngste in ihr Zimmer umzieht. Karlsson, der FeuerwehrRiterRömerPirat und der Zoowärter sind zwar nicht ganz so versessen auf den Umzug, aber auch sie finden, es wäre langsam Zeit, vor allem, weil sie sich erhoffen, dass er sehr bald einmal verkünden wird, dass er nicht mehr bei Luise schlafen will, sondern bei einem seiner grossen Brüder. Ja, und auch das Prinzchen hat in den vergangenen Wochen hin und wieder angedeutet, dass er abends ganz gerne oben bei seinen grossen Geschwistern sein möchte.

Was soll also ich da noch ausrichten können? Zumal Luise heute Tatsachen geschaffen hat, indem sie das Prinzchen-Bett ganz alleine aus dem Elternschlafzimmer gehievt hat. „Meiner“ hat ihr dann auf der Treppe bereitwillig geholfen. Danach ging alles ganz schnell: Luise wechselte ihrem kleinen Bruder die Windel, brachte ihn zu Bett und sang ihm Schlaflieder, welche durch lautes Geheul des Zoowärters, der möchte, dass das Prinzchen mit ihm das Zimmer teilt, begleitet wurden. Und ich, was sollte ich jetzt tun? Keiner mehr da, der meine Schlaflieder hören will, kein gemütliches Feierabendritual mit meinem Jüngsten, der mir noch ein wenig von den zahlreichen Abenteuern des Tages erzählt. Wie ich da so etwas verloren in der Küche stand und nicht so recht wusste, was ich mit der gewonnenen Zeit anfangen sollte, fühlte ich mich auf einmal ziemlich leer. Bis jetzt war da stets noch ein Kleineres gewesen, wenn ein Kind allmählich weniger Mama und mehr grosse Geschwister wünschte. Jetzt aber folgt niemand, so langsam muss ich mich wohl damit abfinden, dass die Kleinkindertage in unserem Hause gezählt sind und so sehr ich mir zuweilen etwas mehr Ruhe und Ordnung wünschte, es fällt mir dennoch sehr schwer, dass schon bald einmal Schluss sein wird damit. 

Ob das Prinzchen gespürt hat, wie ich mich fühle? Oder ist er am Ende auch noch nicht bereit, auf die schönen Momente am Abend zu verzichten? Ich weiss nicht, welches von beidem der Grund war, Tatsache ist, dass er, kaum war Luise eingeschlafen, zu „Meinem“ und mir aufs Sofa gekrochen kam, wo er sich eine ausgiebige Kuschelrunde gegönnt hat. Danke, mein Prinzchen, dass ich noch ein wenig länger Kleinkind-Mama sein darf.

Was wäre wenn…?

Mir scheint, wir leben uns allmählich auseinander, die Schule und ich. Während ich mir vor sechs Jahren, als Karlsson in den Kindergarten kam, noch sehnlichst wünschte, dass das Kind dort den ganzen Vormittag betreut würde, habe ich heute ernsthafte Bedenken, ob der Zoowärter damit zurechtkommen wird, wenn er ab nächster Woche jeden Tag von Viertel nach acht bis zwanzig vor zwölf im Kindergarten sein wird. Als Karlsson vor vier Jahren eingeschult wurde, war ich noch der Meinung, dass er ruhig etwas mehr gefordert werden dürfte. Knappe zwei Jahre später, als Luise mit einem entzündeten Blinddarm im Untersuchungszimmer des Kinderspitals sass und sich sorgte, ob die Lehrerin mit ihr schimpfen würde, weil sie keine Zeit hatte, die Hausaufgaben zu machen, sah ich das schon ein wenig anders. Schulstress in der zweiten Klasse schon? Das darf doch nicht wahr sein. Wenn der FeuerwehrRitterRömerPirat nächste Woche eingeschult wird, wird er jede zweite Woche an drei Nachmittagen Unterricht haben. Nur noch zwei freie Nachmittage, um unbeschwert Kind zu sein, als Siebenjähriger schon. Mir wird mulmig dabei und wenn ich erst bedenke, dass Luise in der Dritten ebenfalls nur noch zwei freie Nachmittage hat, davon einer zur Hälfte belegt mit Querflötenstunde und Therapie, dann wird mir Angst und bang. Ja, ich weiss, das Kind wird sich auswärts zusammenreissen, wird auf die Zähne beissen und überall ihr Bestes geben, dafür aber wird sie zu Hause umso mehr Dampf ablassen, bei jeder Gelegenheit aus der Haut fahren und der freien Zeit, die sie nun nicht mehr hat, nachtrauern.

Je länger ich Mutter bin, umso mehr zweifle ich daran, dass Kinder derart gefordert werden müssen. Ja, Bildung ist wichtig, der Wissensdurst der Kinder will gestillt werden, aber je länger je mehr bekomme ich den Eindruck, dass sich bei derart vollen Stundenplänen gar kein richtiger Wissensdurst mehr entwickeln kann. Wie viel Wissen haben unsere Kinder während dieser einen Woche in Prag in sich aufgesogen, einfach so, weil sie mehr über das erfahren wollten, was sie sahen. Mit wie vielen neuen Pflanzennamen und Gedanken über unseren Umgang mit der Natur kehren sie jeweils von einem Ausflug in den Wald zurück. Wie viel lernen sie, wenn sie selber zum Kochbuch greifen und einfach mal drauflos kochen. Der Lehrplan sieht ja gewöhnlich vor, dass man all das in der Theorie gründlich lernt und am Ende, falls das Budget es erlaubt und man im Stundenplan noch eine Lücke findet, geht man auf eine Exkursion, um sich das Ganze noch in Echt anzuschauen. Ja, ich weiss, die Lehrer würden das oftmals auch gerne umgekehrt machen, aber sie haben meist auch nicht den Spielraum dazu.

Was wäre, wenn es genau umgekehrt wäre? Wenn man zuerst erleben würde, anschauen, ausprobieren, erfahren und dann, wenn man sich auch wirklich etwas unter der Sache vorstellen kann, würde man sich hinter die Theorie machen, die man ja wohl auch kennen muss, wenn man eine höhere Schulbildung anstrebt und vielleicht einmal etwas selber erforschen will? Müsste man dann die Kinder morgens auch mit Mühe und Not davon überzeugen, sich endlich auf den Weg zu machen? Hätte man dann auch diese aufreibenden Diskussionen über Sinn und Unsinn von Hausaufgaben? Gäbe es gleich viele Schulversager? Weniger? Oder mehr?

Ich weiss es nicht und  mir ist klar, dass auch ich die Schule nicht neu erfinden werde, aber heute, wo ich mich ein wenig vor dem neuen Schuljahr fürchte, wünschte ich mir, die Schule wäre ein kleines bisschen mehr so, wie ich mir sie erträume. Und ich gebe offen zu, dass hinter diesem Wunsch sehr viel Egoismus steckt, denn kaum etwas strengt mich in meinem Alltag als Mutter mehr an als die ewige Antreiberei, die mir je länger je schwerer fällt, weil ich immer weniger dahinter stehen kann.

 

Erfolgsbilanz

Wohl in keinem anderen Lebensbereich wird die Freude über den klitzekleinsten Erfolg sogleich wieder durch den nächsten Misserfolg zunichte gemacht wie im Familienleben. Du glaubst, du hättest eine Situation ausnahmsweise mal bravourös gemeistert, doch kaum drehst du dich um, siehst du, dass es dafür an einem anderen Ort bereits wieder brennt. Abends hast du dann das Gefühl, der Tag sei eine Aneinanderreihung unzähliger kleiner Missgeschicke und Misserfolge gewesen. Die Lichtblicke dazwischen hast du schon längst vergessen. Damit dies heute nicht der Fall ist, hier eine kleine Erfolgsbilanz aus dem Hause Venditti:

  • Karlsson hat beim Zwischendurcheinkauf gebettelt, ich möchte doch wieder einmal Salat kaufen, er hätte so grosse Lust darauf. Als ich bloss einen in den Wagen legte, protestierte er lautstark und verlangte nach einem zweiten. Schokolade, Chips und andere vollwertige Nahrungsmittel hingegen hat er ausnahmsweise keines Blickes gewürdigt.
  • Das Prinzchen hat nur einen der beiden Frischhefe-Würfel zerkrümelt und auf der Matratze des Ehebetts verteilt. Der andere Würfel ist ganz geblieben. Nun ja, wenn ich es recht bedenke, ist das vielleicht nicht unbedingt ein Erfolg, sondern viel eher ein glücklicher Zufall, weil das Prinzchen durch etwas anderes, das ihn spannender dünkte, abgelenkt wurde.
  • Luise hat heute fast nie gezickt, was vielleicht daran lag, dass sie den ganzen Nachmittag weg war.
  • Das Prinzchen schlief heute Abend ohne sein Nuschi ein und ersparte mir damit eine lange, nervenaufreibende Suchaktion.
  • Der FeuerwehrRitterRömerPirat und der Zoowärter haben sich nicht ein einziges Mal verhauen.
  • Der Zoowärter hat sich ganz alleine angezogen, ohne zu protestieren, das könne er noch nicht und er sei noch viel zu klein und wenn man viereinhalb sei, müsse man sich noch nicht selber anziehen, auch wenn man nächste Woche in den Kindergarten komme.
  • Das Prinzchen verlangte nach einer zweiten Portion Orecchiette mit Bohnen und sagte nicht bereits vor dem ersten Bissen „Hani nöd gern!“
  • Luise hat ihre Schuhe ins Regal gestellt. 
  • Der FeuerwehrRitterRömerPirat war bereits angezogen, als ich zum Mittagessen nach Hause kam und so, wie es aussah, hat ihn niemand dazu zwingen müssen.
  • Das Prinzchen hat nicht auf den Boden gepinkelt, als er ohne Windel unterwegs war, sondern hat das Katzengeschirr, das wir uns schon mal angeschafft haben, als Töpfchen verwendet.
Und schliesslich noch der unglaublichste aller Erfolge:
  • „Meiner“ und ich konnten uns heute nach dem Mittagessen kurz hinlegen, weil gerade niemand sein Holzschwert geflickt haben, oder die Schürze des Dirndls gebunden haben, oder die Geschichte vom kleinen Maulwurf uns seiner blauen Hose vorgelesen haben wollte.
Eine ganz beachtliche Erfolgsbilanz, nicht wahr? Wie? Ihr findet, das seien alles nur Bagatellen? Da muss ich euch leider widersprechen. Nehmen wir das Beispiel von Luises Schuhen. Wenn ihr wüsstet, wie oft wir das Kind schon darauf aufmerksam gemacht haben, dass ihre Schuhe ins Regal gehören, dann wüsstet ihr, dass das heutige Ereignis so denkwürdig ist, dass es eigentlich gebührend gefeiert werden müsste. Leider hatten wir keine Zeit dazu, denn ausnahmsweise kamen heute die Kinder nicht ein einziges Mal aus ihren Betten gekrochen und wenn mich nicht alles täuscht, herrschte spätestens um Viertel nach neun absolute Ruhe in den Kinderzimmern. Auch das ein Erfolgserlebnis, wobei man hier nie so ganz sicher sein kann. Vielleicht erfahren wir auch morgen früh, dass die Kinder gar nicht geschlafen, sondern die halbe Nacht Gespenster gejagt haben. Was bekanntlich so leise vor sich gehen muss, dass nicht nur die Eltern, sondern auch die Gespenster nichts davon merken.

Sehr verehrte Frau Lindgren

Nie und nimmer würde ich es wagen, Sie in irgend einer Weise zu kritisieren. Zu sehr liebe ich die Geschichten, die Sie erzählen, zu sehr haben Sie meine Kinder in Ihren Bann gezogen. Wie sollte ich Sie da kritisieren können? Eine Frage aber habe ich an Sie: Glauben Sie wirklich im Ernst, dass die Kinder, die sich gegenseitig in der Dunkelheit der Nacht Spukgeschichten erzählen, danach friedlich einschlafen und erst frühmorgens beim ersten Hahnenschrei wieder frisch und fröhlich erwachen? Ist es nicht viel eher so, dass sich die Kinder gegenseitig hochschaukeln mit immer unheimlicheren Geschichten, bis sie am Ende vor Angst zitternd bei Mama und Papa auf dem Sofa sitzen und nicht mehr wagen, zurück ins Bett zu gehen? Wenn Mama und Papa dann vorschlagen, die Kinder sollten sich stattdessen schöne Geschichten erzählen, klagen sie, das hätten sie ja bereits mehrmals versucht, aber am Ende sei doch wieder irgend ein böser Mensch aus der Schublade gekrochen gekommen oder es hätten schreckliche rote Augen in der Dunkelheit geleuchtet und darum müssten sie jetzt alle zusammen bei Mama und Papa im Bett schlafen.

Bei ihnen, Frau Lindgren steht nie etwas davon, dass die Kinder am Ende in Mamas oder Papas Bett gekrochen sind. Da mag zwar die kleine Lisa hin und wieder etwas kreischen, wenn die grossen Brüder Bindfäden an den Stühlen festmachen, um die Möbel zum Tanzen zu bringen, aber damit hat sich’s mit der Angst. Nun quält mich natürlich die Frage, ob unsere Kinder allesamt kleine Memmen sind, die keine anständigen Spukgeschichten ertragen können. Oder haben die Kinder ihre Angst bloss gespielt, damit sie uns ihre schrecklichen Geschichten erzählen und damit testen können, ob „Meiner“ und ich danach vor lauter Angst nicht mehr schlafen können? Könnte ja sein. Ich höre da nämlich so ein eigenartiges Knacken und Schritte in der oberen Etage…

Wieder da

Nach

…unzähligen Schritten durch Prags wunderschöne Gassen
…einigen sehr sehenswerten Sehenswürdigkeiten wie zum Beispiel das Musikmuseum und das Kommunismusmuseum in Prag oder der Altstadt von Regensburg
…einigen nicht so sehenswerten Sehenswürdigkeiten wie zum Beispiel dem Schloss Karlšteijn oder dem Turm der Burg Falkenstein
…dem Kauf von zahllosen Reiseandenken, vom Mini-Theater mit dem Kleinen Maulwurf für den Zoowärter bis hin zum Dirndl für Luise – das muss man sich mal vorstellen, wie die allem Volkstümlichen abgeneigte Mama mit ihrer einzigen Tochter im  Laden Dirndl bewundert, während der männliche Rest der Familie völlig entnervt im Auto wartet und dem Lieben Gott dafür dankt, dass es nicht mehr Frauen gibt in der Familie
…ein paar kleineren Familienstreitigkeiten und dem einen oder anderen Gemotze, sowohl von elterlicher als auch von kindlicher Seite
…sehr vielen Kilometern auf Tschechischen und Deutschen Strassen mit erstaunlich wenig Stau und keiner einzigen Panne und dies, obschon nachbars Auto, mit dem wir unterwegs waren, schon bessere Tage gesehen hat
…einigen sehr erfreulichen Begebnungen mit Menschen, die sich an unseren Knöpfen freuten
…zum Glück nur wenigen negativen Begegnungen mit Menschen, die unsere Knöpfe schrecklich fanden
…zu viel Fastfood, zumindest für Menschen, die eigentlich am liebsten viel Gemüse und dergleichen essen
…sehr viel Eis
…einigen äußerst faulen Tagen, an denen die größte Anstrengung darin bestand, die paar lästigen Wespen loszuwerden und sich ein Glas Wasser in der Küche zu holen
…keinem einzigen Morgen, an dem man vor neun aus den Federn war
…endlosen Kinderfragen zu den Weltkriegen, dem Kalten Krieg und anderen Katastrophen der jüngeren Vergangenheit
…endlosen Kinderfragen im Sinne von „Warum kriege ich diese mit Zuckerperlen gefüllte Nuckelflasche mit der Trillerpfeife dran nicht?“ – Nun  ja, offen gestanden war es keine Frage, sondern ein Tobsuchtanfall mitten im Laden
…sehr vielen gemütlichen Lesestunden
…zu vielen Wiederholungen der immer gleichen Hörspiel-CD

und

… dem Besuch beim ehemaligen Au-Pair  mit Familie, der einfach rundum perfekt und wunderschön war, der aber leider auch dazu führte, dass heute Abend fast alle kleinen Vendittis weinend ins Bett gingen, weil sie „ihr“ Au Pair so sehr vermissen

… sind wir nun wieder da. Eine unglaublich intensive Zeit, zwei Wochen, die sich anfühlen wie ein halbes Jahr, so voll waren sie mit Schönem, Unvergesslichem, aber auch Anstrengendem, was das Familienleben in Ferienzeiten zu bieten hat. Wie immer wird auch diesmal nicht allzu viel Fassbares bleiben, dafür umso mehr Erinnerungen. Ach ja, und dann wäre natürlich noch dies, aber das hat man eben davon, wenn man zwei Wochen lang so tut, als wisse man nicht, was das Wort „Wäscheberg“ bedeutet:

Nun, eigentlich käme jetzt hier ein Bild unseres Wäschebergs, aber mir scheint, der Kerl geniert sich und darum klappt das heute nicht ganz mit dem Bild. Da er nicht kleiner wird, wenn ich hier noch lange herumprobiere, muss meine Leserschaft leider auf das Bild verzichten. Aber ich nehme jetzt mal an, dass 90% meiner Leserschaft einen eigenen Ferienwäscheberg abzutragen hat, also was sitzt ihr eigentlich noch hier…

Neues aus dem Haushalt

Reisen bildet, sagt man und wie es sich gehört, habe auch ich in diesen Ferien Weisheiten gesammelt. Die weiseste dieser Weisheiten möchte ich meiner Leserschaft nicht vorenthalten, zumal es sich dabei um einen Haushaltstipp handelt, den ich gerne schon vor Jahren gekannt hätte.

Also, hier kommt er endlich, nach mehr als zwei Jahren Bloggerei, mein allererster Haushaltstipp: Flecken von Babybel-Wachs auf Kachelböden – es kann auch das Wachs vom Edamer-Käse sein – entfernt man am einfachsten mit einem Baby-Feuchttuch. Das funktioniert übrigens auch bestens bei versiegeltem Parkett. Habe ich heute Morgen beim Aufräumen der Ferienwohnung festgestellt, nachdem ich die hartnäckigen Wachsflecken einfach nicht wegbkriegen konnte.

Weshalb ich diesen Tipp hier weitergebe? Erstens, weil ich keinen Bedarf dafür habe, da wir weder Kachelböden noch versiegelte Parkettböden haben. Und zweitens, weil man von einer bloggenden Teilzeithausfrau doch Haushalttipps erwartet und ich möchte meine Leserschaft nicht enttäuschen.

Wie, ihr wollt hier gar keine Haushaltstipps lesen? Umso besser. Das mit dem Babybel-Wachs ist nämlich der Einzige, den ich auf Lager habe. Aber vielleicht ist ja dennoch die eine oder andere verzweifelte Mama, die eine Ferienwohnung in halbwegs anständigem Zustand hinterlassen möchte, froh darum.

Es gäbe da natürlich noch eine andere Möglichkeit: Sich konsequent weigern, Babybel-Käse zu kaufen, wenn die Kinder wieder unbedingt welchen haben wollen. Dies allerdings erfordert ziemlich starke Nerven und wer diese nicht hat – wie ich zum Beispiel -, der sollte sich zusammen mit dem Käse auch gleich noch eine Packung Feuchttücher kaufen.