Kugelschreiber-Zuspruch

Vor einiger Zeit schenkte mir meine Mutter eine ganze Menge Kugelschreiber. Was daran so besonders sein soll, wo es doch bestimmt bloss Werbegeschenke von Banken, Versicherungen und Hilfswerken waren? Nun, es ist ganz einfach: Da gibt es eine Frau, die früher nach jedem Telefongespräch seufzte und sich fragte, wo bloss wieder all ihre Stifte, die sie eben erst gekauft hatte, hingekommen waren. Diese Frau hat offenbar nicht vergessen, wie nervig das war und darum gibt sie einen grossen Teil ihres heutigen Kugelschreiber-Überflusses weiter an eine Frau, die nach jedem Telefongespräch schimpft wie ein Rohrspatz, weil die Kinder wieder sämtliches Schreibzeug an sich genommen haben. 

Das ist viel mehr als nur eine nette Geste. Das ist ein Zuspruch, der da lautet: „Ich weiss ganz genau, wie sehr solche Kleinigkeiten nerven können, aber mach dir nichts draus. Es gibt ein Leben nach der andauernden Kugelschreiber-Suche, doch solange du noch mittendrin steckst, helfe ich dir gerne aus.“

So kann das nun mal nicht weitergehen

Wenn das Leben sich mal wieder völlig daneben aufführt, dauert es meist nicht lange, bis der Familienalltag wird, wie du ihn nie haben wolltest. Dann plärrt plötzlich die Glotze häufiger als dir lieb ist, wer schon darf, ist pausenlos online, der Tonfall entspricht ganz und gar nicht mehr dem, was der Elternratgeber für richtig und wichtig erachtet, Schulisches läuft aus dem Ruder, die Knöpfe kommen nicht zur vereinbarten Zeit vom Fussballplatz zurück und irgendwann erkennst du, dass es nun nur noch zwei Möglichkeiten gibt: Entweder resignieren und den Dingen ihren unguten Lauf lassen, oder dich ganz schrecklich unbeliebt machen, weil du versuchst, das Ruder wieder herumzureissen. 

Wenn du dich für die zweite Option entscheidest, heisst das ab sofort wieder: Bücher statt Glotze, Feierabend statt unbegrenztes W-Lan, Hausaufgaben vor Fussball, selber Musik machen statt Radiogeplärre, am Tisch bleiben statt losrennen, sobald der letzte Bissen geschluckt ist – all das, was eigentlich immer so hätte sein sollen, aber angesichts der Umstände in den vergangenen Monate ein wenig in den Hintergrund geraten ist. 

Meistens ist das Gemotze erst einmal gross und auch der eigene innere Schweinehund muckt auf, weil er ganz gerne gelangweilt dabei zusehen würde, wie alles den Bach runtergeht, anstatt den zuweilen ermüdenden Kampf um ein echtes Zusammenleben wieder aufzunehmen.

Natürlich geht so etwas nicht ohne Schmollen, Tränen und Rückschläge, aber spätestens wenn dir zwei kleine Jungs gebannt zuhören, wenn du ihnen am Abend vorliest, beginnst du zu ahnen, dass sich das alles lohnen könnte.

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Eingeschlichen

Frauen über vierzig müssen nicht aussehen wie Frauen unter zwanzig.

Das ewige Drama um den „perfekten“ Körper kann mir gestohlen bleiben.

Schwangerschaften dürfen Spuren hinterlassen.

Absolut daneben, dass in manchen Geschäften jede, die nicht gerade spindeldürr ist, bei den Übergrössen suchen muss, wenn sie etwas Passendes finden will.

Einfach traurig, wie schon junge Frauen glauben, sie seien nicht schön, weil sie aussehen wie echte Menschen und nicht wie mehrfach bearbeitete Idelabildchen.

Dies und noch viel mehr sage ich aus tiefster Überzeugung. Und doch ertappte ich mich neulich dabei, wie ich in einem dieser elenden Kleidergeschäfte, die jeder Frau das Gefühl geben, ein fettes Nilpferd zu sein, plötzlich glaubte, ich hätte etwas Grossartiges geleistet, weil ich bei denen zum ersten Mal seit Jahren wieder in eine ganz gewöhnliche Kleidergrösse von der Stange passte.

Mist, ich will so etwas doch gar nicht für einen Erfolg halten und doch hat sich dieses Denken irgendwo bei mir einschleichen können.

Widersprüchlich

Kleine Beobachtung nach einem Gespräch mit – zum Glück nur weit entfernten – Bekannten:

Es gibt Menschen, die suchen lange nach einem Wohnquartier, in dem sich ihre Kinder willkommen und frei fühlen dürfen. Ein Ort, wo keiner motzt, wenn nachts mal ein Baby schreit, wo nur wenige Autos fahren und wo ihre Knöpfe schon bald mit den vielen Kindern, die dort zu Hause sind, unbeschwert auf der Strasse spielen können. 

Nach langer Suche ist nicht nur das perfekte Quartier gefunden, sondern auch die perfekte Wohnung. Man zieht ein, macht es sich gemütlich und würde sich allmählich wie zu Hause fühlen. Wenn da bloss nicht diese nervigen Kinder wären, die mit ihren Velos auf der Quartierstrasse herumkurven und Lärm machen. Jawohl, genau die Kinder, die vor noch nicht allzu langer Zeit als Beweis gedient hatten, dass es sich in diesem Quartier als Kind frei und fröhlich leben lässt.

Doch jetzt, wo man sie jeden Tag um sich hat, nerven sie ganz schrecklich, also fängt man an, sie wegen jeder Kleinigkeit zurechtzuweisen. Solange, bis die Kinder aus lauter Furcht, die neuen Nachbarn könnten wieder motzen, sich kaum mehr trauen, Kinder zu sein. 

poppy

 

Im Achtsamkeit-Stress

Achtsam sollen wir sein, sagen sie. Das Leben mit Bedacht angehen und ganz bewusst im Moment leben. Alle sollen das und ganz besonders wir Eltern, denn wir sind es ja, die der heranwachsenden Generation zeigen, wie leben geht. Von uns lernen die Kleinen, ob man das Dasein als hektischen Wettlauf gegen die Zeiger der Uhr oder als gemütliche Wanderung über Höhen und Tiefen versteht. 

Wir sollen kein ödes Programm abspulen, sondern alles, was uns das Leben bietet, mit offenen Armen und sämtlichen Sinnen in Empfang nehmen. Wir sollen nicht zornig mit dem Putzlappen durch die Wohnung fegen, sondern unsere schmutzigen Fussböden und staubigen Regale mit Liebe und Hingabe pflegen. Wir sollen unserem Nachwuchs keine eilig aufgewärmte Fertigkost vorsetzen, sondern mit Lust zubereitete Mahlzeiten aus Zutaten, die wir zumindest sorgsam auf dem Wochenmarkt ausgewählt haben, wenn sie denn nicht in unserem eigenen Garten unter unserer fürsorglichen Pflege herangewachsen sind. Natürlich berieseln wir unsere Kleinen nicht mit Musik aus der Konserve, sondern singen stundenlang Lieder und ermutigen unseren Nachwuchs dazu, selber zu musizieren. Wir setzen unsere Kinder nicht andauernd vor die Glotze, sondern bieten echte Erlebnisse, draussen in der Natur, beim Kreativsein, beim gemeinsamen Arbeiten.

Selbstverständlich dreht sich in unserem Leben nicht alles um den Nachwuchs, denn wir müssen auch zu uns selber Sorge tragen. Müssen Zeit haben, auf unseren Körper zu hören, ihm Gutes zu tun und ihn zu pflegen. Wir halten immer mal wieder inne, um an Blumen zu riechen, die Schmetterlinge zu beobachten und den kühlenden Wind auf unserer Haut zu spüren. Und natürlich gehen wir regelmässig in uns, um zu spüren, ob wir noch auf dem richtigen Weg sind, oder ob wir unnötigen Ballast abwerfen müssen.

Wer mich kennt, weiss, dass mir viele von diesen Gedanken nicht fremd sind. Ich will ein Familienleben, in dem gemeinsame Mahlzeiten, echte Erlebnisse und Kreativität eine wichtige Rolle spielen. Will selbst gebackenes Brot auf dem Tisch, hergestellt aus Teig, der Stunden und Tage Zeit hatte, um zu reifen. Will mein eigenes Gemüse und bunte Blumen, die nicht nur uns, sondern auch den Schmetterlingen und Bienen Freude bereiten. Will Zeit haben, um über mein Leben nachzudenken und reflektiert zu handeln. Will lieben Menschen genügend Raum lassen und trotzdem Zeit für mich alleine haben. Will an manchen Tagen sogar ein aufgeräumtes Zuhause haben, weil man sich darin einfach mehr zu Hause fühlt. 

Weil ich das alles will, verlangt plötzlich der Brotteig nach Aufmerksamkeit, während auf dem Herd das liebevoll zubereitete Essen für die gemeinsame Mahlzeit überkocht und draussen im Garten der Salat von den Schnecken gefressen wird, weil ich keine Zeit hatte, die zarten Pflänzchen zu schützen, da ich vollauf damit beschäftigt war, mit „Meinem“ darüber zu reden, wie wir unser Leben ruhiger gestalten könnten, anstatt dafür zu sorgen, dass Haus und Garten nicht im Chaos versinken. 

Und plötzlich stehe ich schimpfend und zeternd inmitten meines wunderbaren, bewussten Lebens und verliere die Nerven, weil diese elende Achtsamkeit, die alle predigen, einem ganz schön viel abverlangt. 

cavatelli

Entsteint

An rund 360 Tagen im Jahr führen mein Kirschenentsteiner und ich eine durchaus harmonische Beziehung. Etwas distanziert vielleicht, da wir einander nur selten begegnen, aber doch ganz nett. Sehe ich ihn irgendwo auf dem Regal stehen, nicke ich ihm freundlich zu, er fragt, wie es dem Kirschbaum gehe und falls dieser bereits in Blüte steht oder sich erste Früchte zeigen, strahlt er mich an und sagt, er freue sich auf den Juni. „Ich freu mich auch“, sage ich dann und meine das durchaus so, wie ich es sage, denn ohne ihn macht die Kirschernte nur halb so viel Freude.

Dann aber kommt dieser eine Tag, an dem ich auf die Leiter steige, weil die Kindern, die sich über Tage fast ausschliesslich von Kirschen ernährt haben, alle Bauchweh haben, weshalb ich den Rest der Ernte verwerten darf. Dies wäre dann der Moment, in dem der Kirschenentsteiner und ich ein paar Stunden fröhlich miteinander arbeiten sollten, aber natürlich steckt der Kerl nicht mehr dort, wo ich ihn zum letzen Mal angetroffen habe…oder wo ich geglaubt habe, ich hätte ihn getroffen. Und er steckt auch nicht dort, wo er sonst noch sein könnte und auch nicht an den unmöglichen Orten, an denen ein Kirschenentseiner nun wirklich nichts verloren hat, die ich aber trotzdem absuche, weil man ja nie wissen kann, auf welche Gedanken ein Gerät kommt, wenn es zu lange nicht im Einsatz ist. Natürlich ist er auch dort nicht und wenn ich nicht will, dass die Kirschen in den Schüsseln verfaulen, bleibt mir nichts anderes übrig, als die ganze Ernte mit dem Messer zu entkernen. 

Irgendwann, zwischen dem dritten und dem vierten Kilo, wenn mir der Kirschsaft bereits bis über die Ellbogen fliesst und die Finger schmerzen, fange ich an, auf das nutzlose Gerät, dessen Arbeit ich nun im Schweisse meines Angesichts erledigen muss, zu schimpfen. Warum räumt man einem solchen Nichtsnutz überhaupt Platz im Regal ein, wo er doch nie zur Stelle ist, wenn man ihn braucht? 

Der Kirschenentseiner ist natürlich nicht weniger eingeschnappt, was ich meist wenige Tage nach der Ernte erfahre, wenn er plötzlich wieder dort ist, wo er schon immer war und mir Vorwürfe macht, weil ich ihm, der doch nur eine Sache richtig gut kann, nicht ein einziges Mal im Jahr die Chance gebe, sein grossartiges Können zu beweisen. Ich verspreche ihm dann hoch und heilig, ihn nächstes Jahr, wenn die Kirschen wieder reif sind, ganz bestimmt zu berücksichtigen und er verspricht mir ebenso hoch und heilig, er werde dann auch ganz bestimmt an exakt dieser Stelle auf mich warten. Dann liegen wir uns versöhnt in den Armen, beide wohl wissend, dass weder er noch ich in einem Jahr unsere Versprechen, die wir einander unter Tränen gegeben haben, werden einhalten können.

Weil er ja doch nie dort ist, wo man ihn sucht…

rosor

 

Wie man’s nimmt…

Es tobt einmal mehr ein wüster Kampf um die grundlegendsten Grundlagen des aufgeräumten Kinderzimmers und weder „Meiner“ noch ich sind gewillt, von unseren minimalen Forderungen – Schmutzwäsche gehört nicht zurück in den Schrank und Matratzen werden nicht mutwillig zerstört – abzuweichen. 

Luise gerät in Rage, weil ich die Waschmaschine nicht daran gehindert habe, ihr Lieblingsshirt zu ruinieren.

Das Prinzchen und der FeuerwehrRitterRömerPirat geraten sich in die Haare, weil keiner beim Mühlespiel verlieren mag, wollen aber trotzdem eins uns andere Mal gegeneinander antreten.

Sie plündern heimlich den Glace-Vorrat und geben sich empört, wenn wir sie deswegen zur Rede stellen.

Immer dann, wenn „Meiner“ und ich den Feierabend einläuten möchten, lassen Karlsson und Luise noch einmal richtig Dampf ab. Auch der FeuerwehrRitterRömerPirat und der Zoowärter geben am späten Abend regelmässig noch einmal tüchtig Gas. 

Der Zoowärter zieht sich eine Blessur nach der anderen zu und zeigt sie uns erst, wenn die Sache schon so wüst aussieht, dass man sich schon fast Sorgen macht. 

Irgend einer – man wird wohl nie erfahren, wer es war – kippt sich den ganzen Eistee, den sich „Meiner“ für seine Schulreise gekauft hat, hinter die Binden.

Kurz, sie fordern uns mal wieder mit vielen kleinen Widrigkeiten, auf die wir ganz gerne verzichten würden.  Man könnte sich darüber ärgern, weil wir nach dem Stress der vergangenen Wochen nun wahrlich eine Pause verdient hätten. Man könnte es aber auch positiv sehen und sagen, sie würden eben spüren, dass die Anspannung der letzten Zeit verflogen ist, weshalb wir sie wieder nehmen mögen, wie sie sind, mit all ihren Stärken und Schwächen. 

Ich weiss nicht so recht, ob ich reif genug bin für die positive Sicht der Dinge. 

Da ist sie wieder

Es war, als hätte sie gespürt, dass das Ende naht. Wenige Tage vor Schwiegermamas Tod war die Katze plötzlich verschwunden. Sie, die noch nie draussen gewesen war, machte sich plötzlich auf und davon, gerade so, als müsste sie sich ein wenig zurückziehen. Alles Suchen und Rufen war vergeblich, das Tier blieb verschwunden.

Davon durfte Schwiegermama natürlich nichts erfahren, denn sie hatte schon genug Schweres zu tragen in ihren letzten Tagen und auch der italienischen Verwandtschaft mussten wir eins ums andere Mal versichern, der Katze gehe es gut, obschon wir doch keine Ahnung hatten, was aus ihr geworden war. Zwar meinte die Nachbarin, sie sei ihr eines Tages in der Waschküche begegnet, aber wer konnte denn so sicher sein, ob es sich bei dem Tier tatsächlich um Schwiegermamas Katze handelte? Wo es doch in unserem Quartier von schwarz-weissen, übergewichtigen Katzen nur so wimmelt. Es blieb uns also nichts anderes übrig, als in der Verwandtschaft so zu tun, als sei alles in bester Ordnung, während wir uns insgeheim damit abzufinden begannen, dass wir die Katze, die sich doch gerade mal so knapp bei uns eingelebt hatte, nie wieder zu Gesicht bekommen würden. Und weil die italienische Verwandtschaft sich ja auch in den Sozialen Medien rumtreibt, konnten wir nicht mal eine Vermisstmeldung auf Facebook posten… „Vielleicht kommt sie ja zurück, wenn die Beerdigung durch ist“, bemerkte ich irgendwann, ohne wirklich zu glauben, was ich da gerade sagte.

Nun, die Katze brauchte wohl noch ein paar Tage länger, um von Schwiegermama Abschied zu nehmen, denn am Donnerstag, als wir von der Abdankung zurückkamen, war sie noch nicht da. Heute aber tauchte sie plötzlich wieder auf, ein wenig schlanker als vor ihrem Verschwinden, dafür aber zutraulicher als je zuvor.

Es sieht ganz so aus, als hätte sie sich damit abgefunden, dass wir jetzt ihre Familie sind. 

blommor

 

 

Adieu

Nur ganz kurz: Schwiegermama ist am Freitagabend friedlich eingeschlafen. Dank der Unterstützung vieler lieber Menschen konnten „Meiner“ und ich sie bis zuletzt begleiten. Möglicherweise wird es hier in den kommenden Tagen etwas stiller sein, denn es gilt nicht nur, Gefühle und Gedanken zu ordnen, sondern auch zu organisieren, zu telefonieren, zu sortieren und zu räumen. 

Lagebericht aus dem ganz normalen Familienleben

Früher Mittwochmorgen. Hinter mir liegt eine ausgesprochen schlechte Nacht, denn der Kopf wollte auch im Halbschlaf nicht damit aufhören, sich Gedanken zu machen, was uns wohl beim eilig einberufenen Gespräch mit Schwiegermamas Ärzten erwartet. Und es ist ja nicht nur die Frage nach dem möglichen Inhalt des Gesprächs, der den Kopf nicht zur Ruhe kommen lässt, sondern auch die Gedanken an das, was in den kommenden Tagen und Wochen wohl alles noch folgt.

Dem Alltag ist es natürlich herzlich egal, was nachts war und so macht man sich eben auf in einen Tag, der die folgenden Programmpunkte enthält: 

  • Vormittags Business as usual, also Schule für die Kinder, Unterrichten für „Meinen“, leichtfüssige Kolumne über das Familienleben schreiben für mich.
  • Möglichst sofort nach Unterrichtsschluss: „Meiner“ ins Spital, um zu übersetzen, was die Ärzte Schwiegermama zu sagen haben. Termin seit vorgestern bekannt. 
  • 15:00 Uhr: Die Ärzte wollen „Meinen“ und mich – dass wir beide erwartet werden, wurde ausdrücklich betont – alleine sprechen, während die drei jüngeren Kinder auf dem Spielplatz auf uns warten werden. Termin seit gestern Nachmittag bekannt.
  • 16:20 Uhr: Der Zoowärter hat Hauptprobe für seinen heutigen Auftritt mit dem Cello.
  • 17:00 Uhr: Das Prinzchen hat Hauptrobe für seinen heutigen Auftritt mit der Flöte.
  • 19:00 Uhr: Grosser Auftritt von Zoowärter und Prinzchen. Immerhin am gleichen Anlass und nicht zur gleichen Zeit an verschiedenen Orten.
  • Irgendwann: Essen besorgen für Prinzchens morgige Schulreise, Mahlzeiten auf den Tisch bringen, Hausaufgaben betreuen, diverse Fahrten von A nach B und wieder zurück, dem Chaos Einhalt gebieten, etc. Um die Sache nicht noch komplizierter zu machen, hat „Meiner“ bereits zwei Termine abgesagt, für Unvorhersehbares bleibt dennoch kaum Raum. 

Aber natürlich trifft das Unvorhersehbare ein und zwar in Form einer akuten „Ich will nicht zur Schule gehen, weil ihr so doofe Eltern seid“-Krise, die sich in einem der Kinderzimmer abspielt. Eine Krise, die wir erst mit gutem Zureden, viel Verständnis und Appell an die Vernunft zu lösen versuchen, was aber zunehmend schwieriger wird, als sich herausstellt, dass der Schulverweigerung ein unbändiges Verlangen nach unerlaubter Handy-Zeit zugrunde liegt. Luise meldet derweilen an, sie fühle sich krank und müsse im Bett bleiben, alle anderen müssen irgendwie selber mit dem klar kommen, was gerade ansteht, denn „Meiner“ und ich sind vollauf damit beschäftigt, die Krise irgendwie in den Griff zu bekommen. 

„Meiner“ und die Kinder, die weder krank sind, noch Krise schieben, können irgendwann das Haus verlassen, während ich mich weiterhin erfolglos mit der Krisenintervention beschäftige. Um halb neun sind meine Nerven endgültig aufgebraucht und die Nachbarn dürfen einmal mehr hören, wie laut Mama Venditti brüllen kann und wie heftig sie die Türen knallt, wenn der Geduldsfaden gerissen ist. Ein kleiner Deal – „Du darfst bis 10 Uhr weiter trotzen, dann gehst du ohne Murren zur Schule“ – entspannt die Lage endlich und ich könnte mich der Kolumne widmen. Doch wie soll man leichtfüssige Worte über das Familienleben aus dem Hut zaubern, wenn das Familienleben gerade alles andere als leichtfüssig daherkommt? Ausheulen bei meiner Mama und danach Flucht ins Gewächshaus zu den Tomaten sind da schon eher angebracht und dadurch kehrt endlich so etwas wie Ruhe ein. Zumindest bis zehn Uhr, aber immerhin geht es jetzt nicht mehr um Schulverweigerung, sondern nur noch um Zahnbürstenverweigerung und damit kann ich so halbwegs leben. 

Inzwischen ist es Mittag, der Routine-Teil des Tages ist abgeschlossen und wir können mit dem, was an Energie noch übrig ist, das Nachmittagsprogramm in Angriff nehmen. (Na ja, immerhin hat der FeuerwehrRitterRömerPirat nach der Heimkehr aus der Schule aus freien Stücken den Tisch gedeckt, obschon „Meiner“ und ich heute Küchendienst hätten.) 

Warum ich mir dennoch die Zeit nehme, zu bloggen? Damit ich der Netzgemeinschaft jetzt, wo ich noch mittendrin stecke, ehrlich darüber berichten kann, wie wenig das Familienleben an manchen Tagen mit zuckersüssen Cupcakes, hinreissend komischen Kindersprüchen und unglaublich kreativen Pinterest-Basteltipps zu tun hat. Denn wenn ich einmal vergessen habe, wie sich das alles anfühlt, werde ich mit ziemlicher Sicherheit vollmundig behaupten, es seien genau diese Zeiten gewesen, die uns als Familie stärker gemacht hätten und nicht die traumhaften Abendstunden  an einem See irgendwo in Schweden. 

rosor