Sanfter Tyrann

Montagmorgen, draussen ist es grau und stürmisch und meine Laune ist so mies, dass ich mich am liebsten wieder ins Bett verkriechen möchte, nachdem die Grossen aus dem Haus, die Kleinen in den Kleidern sind. Aber leider geht das nicht, heute noch weniger als sonst, denn die Putzfrau dreht ihre Runden im Haus. Zwar habe ich inzwischen akzeptieren können, dass einmal die Woche eine andere als ich sich unseres Drecks annimmt, aber einfach faul herumliegen und zuschauen, wie jemand sich abrackert, das kann ich nicht. Darum putze ich meist das WC, während die Putzfrau sich um all den anderen Schmutz kümmert.

Heute aber war die Montagmorgenmüdigkeit so gross, dass ich irgendwann, als dich das Prinzchen aus unserem Schlafzimmer holen wollte, der Versuchung nicht mehr widerstehen konnte und mich ein paar Sekunden hinlegte. Nun gut, aus den paar Sekunden wurden schnell einmal fünfzehn Minuten, aber daran bin ich ganz und gar unschuldig. Kaum wollte ich mich nämlich wieder erheben, kam das Prinzchen mit einer Decke daher und versuchte, mich zuzudecken. Nun wäre es doch wirklich unhöflich, davonzurennen, wenn sich ein kleines Menschlein so rührend um einen kümmert. Also blieb ich doch ein wenig länger liegen. Ein paar Augenblicke später unternahm ich dann doch den nächsten Versuch, das Bett wieder zu verlassen, aber das Prinzchen drückte meinen Kopf zurück aufs Kissen und meinte resolut: „Nei Mami, ligge!“, was heissen soll, dass ich gefälligst liegenbleiben solle. Also blieb ich. Dann aber hörte ich, dass der Staubsauger der Schlafzimmertüre beängstigend nahe kam und da ich keine Lust hatte, auf frischer Tat beim Faulenzen ertappt zu werden, erklärte ich dem Prinzchen, dass ich jetzt auch putzen müsse. „Nei Mami, nöd putze! Ligge!“, befahl mein Jüngster und drückte erneut meinen Kopf aufs Kissen. Zur Sicherheit, dass ich nicht entwischen konnte, deckte er mich noch einmal zu und legte seinen Riesenbären obendrauf. So ging das noch mehrere Male, bis ich mich irgendwann doch gegen den süssen kleinen Tyrannen auflehnte, der mich ja bloss an dem zu hindern suchte, was ich ohnehin nicht tun wollte.

Wer nun findet, ich liesse mich von meinem Jüngsten allzu sehr herumkommandieren, der bedenke bitte, dass es a) Montagmorgen war, dass ich b) nichts so sehr hasse wie putzen und dass ich c) doch nicht so blöd bin, mich zu widersetzen, wenn mich jemand – und sei dieser Jemand noch so klein – dazu zwingt, meine geheimsten Träume in die Tat umzusetzen. Und zum Beweis, dass ich dem Kind nicht in allen Dingen gehorsam bin, sei darauf hingewiesen, dass er heute Nachmittag kein zweites Guetzli bekam, auch wenn er noch so sehr versucht hat, Druck auszuüben. Ihr seht also, ich kann ihm schon noch widerstehen, wenn ich bloss will und ihr braucht mich noch nicht zur Erziehungsberatung anzumelden. Dann wohl eher zum Wellnessurlaub, damit ich mich mal wieder ausschlafen kann.

Sonntagnachmittag

Waren sie nicht furchtbar langweilig, unsere Eltern, wenn sie sonntags nichts weiter tun wollten als schlafen, essen und vielleicht noch ein wenig lesen? Da mochte man noch so sehr betteln, sie möchten sich zu einem Ausflug in den Zoo aufraffen, ein Eis essen kommen oder vielleicht draussen mit den Kindern ums Haus jagen, aber für all dies hatten sie nur ein Gähnen und ein deutliches Nein übrig. So sie denn überhaupt reagierten. Denn meist schliefen sie schon tief und fest, ehe man nur die Chance gehabt hätte, mit den zähen Verhandlungen um das Sonntagnachmittagsprogramm zu beginnen. Wie konnten diese Erwachsenen bloss so langweilig sein? Das bisschen Arbeit, das sie wochentags zu bewältigen hatten, konnte doch nicht dermassen anstrengend sein, dass man sonntags nur noch ausgelaugt auf dem Sofa lag. Aber die Erwachsenen sahen dies anders und deshalb blieb den Kindern nichts anderes übrig, als die Sache selber in die Hand zu nehmen.

Waren sie nicht furchtbar lustig, diese Sonntagnachmittage ganz ohne Einmischung der Eltern? Diese endlosen Stunden, während derer man tun und lassen konnte, was man wollte? Zum Beispiel alle Arten von Kräutern sammeln und über dem offenen Feuer – zum Glück waren die grossen Brüder Pfadfinder und wussten, wie man so etwas macht – einen Tee brauen. Oder unter der Regie der ältesten Schwester ganze Theaterstücke einüben, die man den Eltern, wenn sie endlich mal wach waren, voller Stolz vorführte. Oder heimlich den Kühlschrank plündern, weil man glaubte, die Eltern bekämen nichts mit davon, weil sie ohnehin zu tief schliefen. Aber sonderbarerweise bekamen sie solche Dinge immer mit, auch wenn alles andere nicht durch ihre bleierne Müdigkeit dringen konnte. Am Ende hatte man an einem solchen Nachmittag so viel Spass, dass man froh war, dass die Eltern sich nicht hatten aufraffen können, irgend ein Programm durchzuziehen. In der verklärten Erinnerung sind jene Sonntagnachmittage die schönsten Stunden einer Kindheit, die ohnehin viel besser, fröhlicher, unbeschwerter und sonniger war.

Wie bei so vielen Dingen im Leben geht es auch beim Sonntagnachmittag darum, aus welcher Perspektive man ihn anschaut. Die Kinder, die damals die Erwachsenen so furchtbar öde fanden, sind heute selber erwachsen und wissen, wie sehr einem die ganze Verantwortung, die man damals noch nicht zu tragen hatte, zu schaffen machen kann. So sehr, dass sie heute diejenigen sind, die nur einen tiefen Seufzer von sich geben, wenn die Kinder fragen, ob man nicht mal wieder schlitteln gehen könnte. Sie sehnen sich nach den unbeschwerten Stunden von damals und erkennen nicht, dass sie einen Hauch davon wieder haben könnten, wenn sie mit ihren Kindern auf dem Schlitten sässen und ihnen der kalte Wind um die Ohren bliese. Sie glauben, ihre Kindheit damals sei viel schöner gewesen als diejenige der Kinder heute und sehen dabei nicht, dass die heutigen Kinder sich den Spass nicht nehmen lassen, auch wenn auf den Strassen mehr Autos fahren, die Spielsachen nicht mehr so stilvoll sind und die Wiese rund ums Haus leider nicht mehr so gross ist wie diejenige, die das eigene Elternhaus umgab. Die Welt, die in unseren Augen so schrecklich ist, erscheint in den Augen der Kinder noch so wunderbar, wie sie wohl einst mal war.

Die Kinder, die heute Kinder sind, schütteln genauso verständnislos die Köpfe ob der erwachsenen Trägheit und wissen noch nicht, dass in nicht allzu vielen Jahren sie diejenigen sein werden, die ihren Allerwertesten nicht mehr hochkriegen, um ein wenig Spass zu haben. Sie wissen auch nicht, dass die Erwachsenen schon wollten, wenn sie denn noch könnten. Sie wissen nicht, dass sich ihre Eltern ein schlechtes Gewissen machen, weil sie sich vom Alltagsstress so sehr vereinnahmen lassen, dass sie sonntagnachmittags nur noch ausspannen mögen. Und schon gar nicht wissen sie, dass ihre heimlichen Raubzüge durch die Vorratskammer, ihre fantasievollen Geschichten, die sich erst so richtig entspinnen können, wenn sich die Kinder frei von elterlicher Kontrolle fühlen, ihre chaotischen Experimente und was sie sonst noch an so einem Nachmittag anstellen mögen, den elterlichen Augen nicht verborgen bleiben.

Denn so ist das nun mal mit uns Eltern: Wir mögen zwar schlafen, aber wir wissen, dass wir auch im Schlaf die Verantwortung nie ganz abgeben und darum kriegen wir fast alles mit, auch wenn wir die Augen fest geschlossen haben.

Krank oder nicht krank, das ist hier die Frage

Okay, die Schweinegrippe, die uns letztes Jahr kurz vor Weihnachten in die Knie gezwungen hatte, war wahrlich kein Spass. Aber das, was wir dieses Jahr erleben, ist noch viel weniger lustig, auch wenn man um die diesjährigen Käfer ausnahmsweise mal kein grosses Geschrei macht. Nun gut, in diesem Jahr scheinen sie auch nicht allzu aggressiv zu sein, dafür aber umso mühsamer. Wer sie erwischt, weiss nämlich nie, ob er nun krank ist oder nicht. Zumindest ist das bei unseren Kindern so: Sie sind zu krank, um gesund zu sein und zu gesund, um krank zu sein. Alles klar? Vielleicht erkläre ich das mal ganz praktisch: Entscheidest du dich morgens, dass die Kinder wohl besser zu Hause bleiben, weil sie sich schlapp und elend fühlen, dann bereust du diesen Entscheid spätestens eine halbe Stunde später, wenn die eben noch so leidenden kleinen Menschen einander gegenseitig durch die Wohnung jagen und sich bei jeder Kleinigkeit in die Haare geraten. Entscheidest du dich aber, die Kinder dennoch aus dem Haus zu schicken, weil du den Eindruck hast, so krank seien sie dann auch wieder nicht, dann meldet sich spätestens bei ihrer Rückkehr das schlechte Gewissen: Was bist du doch für eine elende Rabenmutter, deine Kinder so blass, lustlos und mit fieberglänzenden Augen in die Schule oder in den Kindergarten gehen zu lassen?

Die Kinder wissen diesen Zustand zwischen Gesundheit und Krankheit natürlich weidlich auszunützen. Forderst du sie dazu auf, mal kurz das Wohnzimmer aufzuräumen, dann fühlen sie sich auf einmal wieder ganz elend, Bauch und Ohren tun weh, die Glieder sind schwer und der Schädel brummt. Sie brauchen ganz dringend einen Zitronenwickel, einen heissen Tee und eine warme Decke. Sehen sie ein paar Minuten später, dass draussen ein paar Klassenkameraden den Winter geniessen, sind sie plötzlich wieder vollkommen fit und glauben, es keine Sekunde länger in der Wohnung auszuhalten. Dann bist du natürlich einmal mehr die Böse, weil du darauf bestehst, dass die Kinder drinnen bleiben, weil sie krank sind. Willst du sie davon überzeugen, sie sollten sich ein wenig hinlegen und ausruhen, dann finden sie, sie seien doch schon längst wieder gesund und sich hinlegen sei etwas für Memmen. Schickst du sie nach einem Tag, an dem sich all die Halbkranken ohne Unterbruch gezankt und gerauft haben, etwas früher ins Bett, weil du vom vielen Schimpfen völlig fertig bist, dann stehen sie garantiert ein paar Minuten später wieder da und bitten dich mit leidendem Blick um eine Bauchmassage, weil sie sich „plötzlich wieder ganz fruchtbar krank“ fühlen.

So läuft das nun seit einer Woche und so langsam wäre ich froh, die Kinder würden sich endlich entscheiden, ob sie nun krank sein wollen oder nicht. Denn wenn das so weitergeht, werde ich noch krank. Vor lauter Ärger.

 

So blöd bin ich auch wieder nicht

Ein Anruf heute kurz vor dem Mittagessen: „Frau Venditti, wie ich in unserer Kartei gesehen habe, sind Sie schon seit langer Zeit Kundin unseres Verlags. Jetzt möchte ich Ihnen…“ Ich unterbreche, weil ich fürchte, eine Verkäuferin jenes Verlages am Telefon zu haben, der  mir mal hoch und heilig versichert hatte, ich würde bloss ein Ansichtsexemplar bekommen, doch im Begleitbrief  dieses Ansichtsexemplars begrüsste man mich als neue Abonnentin von „hochwertigen Kinderbüchern, welche die mathematischen Fähigkeiten Ihres Kindes fördern, so dass ihm eine Professur an der ETH so gut wie sicher ist“. Oder vielleicht ist es ja auch der Verlag, der mein deutliches „Nein danke, diesen Mist können Sie gerne jemand anderem aufschwatzen“ als „Oh, ja, gerne, schicken Sie mir diese wunderbare Sache gleich sofort bis zu meinem Lebensende“ aufgefasst hatte und mir daraufhin ein grosses Paket mit billigst hergestellten und überteuert verkauften Bilderbüchern ins Haus lieferte, Rechnung und Bestätigung, dass ich von nun an alle zwei Wochen eine Sendung von „tollen Kinderbüchern mit allen Helden von Walt Disney, die Ihre Kleinen so sehr lieben“ erhalten würde.

Um mich nicht wieder  gegen einen Vertrag wehren zu müssen, den ich nicht abgeschlossen habe, will ich wissen: „Was habe ich denn bis jetzt so gekauft, wo ich doch Kundin sein soll bei Ihnen?“ Selbstbewusst beginnt die Dame aufzuzählen: „Wunderbare Gartenwelt, Bastelideen für das ganze Jahr, Omas Koch- und Backrezepte…“ Ich bin mir fast ganz sicher, dass ich nie etwas dergleichen bestellt hatte, wo ich doch nicht bastle, bei Kochbüchern Wert darauf lege, dass ich sie zuerst anschauen kann und mich beim Gärtnern ganz auf meinen Instinkt verlasse und dabei meist scheitere. Ganz sicher, dass ich nie und nimmer zu den Kunden jenes Verlages gehört habe, bin ich mir aber erst, als die Dame das nächste Werk nennt, welches ich angeblich gekauft habe: Antike Kulturen. Mag ja sein, dass ich in meiner geistigen Umnachtung schon den einen oder anderen Mist gekauft habe, mag sogar sein, dass sich auch schon ein Bastelbuch bei mir eingeschlichen hat und dass ich dies aus lauter Scham verdrängt habe, aber dass ich keine pseudogeschichtswissenschaftlichen Bücher kaufe, da bin ich mir sicher. Ich bin ja zwar bloss eine halbfertige Historikerin, aber auch als solche hat man gewisse Qualitätsansprüche. Und siehe da, kaum erwähne ich dies, gesteht die Dame, dass sie sich wohl geirrt hat und beendet das Telefonat, hoffentlich ohne dass sie mein deutliches Nein als freudiges Ja interpretiert hat. Kann ja sein, dass ich trotzdem demnächst mit „Omas Koch- und Backrezepte“beliefert werde.

Wenig später wieder ein Anruf: „Frau Venditti, wenn Sie jetzt einen Vertrag mit uns abschliessen, dann…“ Ein ganzer Wortschwall schwappt über mich und weil das Prinzchen, der Zoowärter und der FeuerwehrRitterRömerPirat sich mal wieder in den Haaren liegen, verstehe ich kaum die Hälfte davon. Irgend etwas von einem Inserat in ganz vielen Zeitschriften, die in der ganzen Schweiz erscheinen werden. So höflich wie nur möglich winke ich ab und wende mich wieder meinen tobenden Söhnen zu. Drei Minuten später wieder ein Anruf. Die gleiche Firma, die gleiche Stimme, das gleiche Angebot. Also bescheide ich der Dame knapp, dass sie mich ja eben erst angerufen hätte und dass ich meine Meinung in den letzten drei Minuten noch immer nicht geändert habe. Und was meint die Dame dazu? Vielleicht „Oh, entschuldigen Sie bitte, da habe ich mich wohl verwählt“? Oder „Ach, das tut mir aber leid, dass ich Sie noch einmal gestört habe“? Nein, sie sagt: „Ach so, das war aber nicht ich, die Sie vorhin angerufen hat.“

Ach so, das waren nicht Sie, sondern eine andere Frau? Aber ich kann Ihnen versichern, dass ich genau die Frau bin, die Ihnen vor drei Minuten klipp und klar gesagt, dass sie nicht das geringste Interesse an Ihrem Angebot hat.

 

Sollen wir? Oder doch lieber nicht?

Morgen verreist unser Au-Pair in die Weihnachtsferien und so langsam muss ich der Tatsache ins Auge sehen, dass sich ihre Zeit bei uns ihrem Ende zuneigt. Im Januar wird sie noch einmal für ein paar Wochen zurückkommen, bevor es für sie und für uns weitergeht. Bis heute habe ich die Tatsache verdrängt, weil ich einfach nicht will, dass sie geht. Und die Kinder und „Meiner“ auch nicht. Und noch mehr als vor dem Ende ihrer Zeit bei uns graut mir vor dem Anfang mit einem neuen Au-Pair. Zweimal im Leben wird man ja wohl kaum das Glück haben, jemanden zu finden, der wie ein Puzzlestück ins verrückte Bild unseres Familienlebens passt.

Aber wie dem auch sei, eine Lösung muss her. Ohne fremde Hilfe schaffen „Meiner“ und ich es einfach nicht, Kinder, Jobs, Haushalt, Freizeit und Freunde zu jonglieren. Also wäre es nur logisch, wenn ich heute Abend mal wieder ein Familienprofil zusammenstelle, um ein neues Au-Pair zu finden. Aber wer denkt denn schon logisch, wenn es darum geht, einen Menschen zu sich einzuladen, der alles mit uns teilt? Der mein zerknittertes Gesicht in den frühen Morgenstunden zu sehen kriegt, der mich erlebt, wenn ich mal wieder mit den Nerven am Ende bin, der hin und wieder auch miterlebt, wie meiner und ich uns anschnauzen können, bevor wir uns wieder versöhnen. Was, wenn wir niemanden finden, der es mit uns aushält? Was, wenn wir jemanden erwischen, mit dem wir es nicht aushalten können? Ich vermute, ich werde mir all die Fragen noch etwas länger durch den Kopf gehen lassen, bevor ich mich entscheiden kann, ob wir wieder sollen oder nicht. Und bis diese Frage geklärt ist, werde ich mich eben einfach daran freuen, dass es bei diesem Mal so perfekt gepasst hat.

 

Akku leer

So gegen Weihnachten ist es meistens so, dass der Akku unserer Kinder leer ist. Nun gut, der Akku von uns Eltern ist auch leer, aber darüber will ich heute ausnahmsweise nicht jammern, auch wenn ich schon könnte, wenn ich wollte. Aber reden wir über den Akku unserer Kinder. Bei Karlsson merkt man es meistens daran, dass er vermehrt kränklich wird und irgendwann im Bett landet. Auch Luise möchte im Bett bleiben, allerdings nicht, weil sie krank wäre, sondern weil sie es draussen einfach zu kalt, zu ungemütlich und zu blöd findet. Dementsprechend schlecht ist ihre Laune, wenn die Energie langsam abnimmt. Der Zoowärter kommt morgens schon gar nicht mehr vor zehn Uhr aus dem Bett und einzig das Prinzchen tut so, als hätte die Energie nie ein Ende. Egal, ob Sommer oder Winter, Morgen oder Abend, warm oder kalt, der kleine Mensch hüpft durchs Leben, als gebe es nichts Schöneres und damit hat er wohl auch Recht.

Ja, und dann ist da noch der FeuerwehrRitterRömerPirat. Das Kind, das noch kaum mal krank war. Bis auf eine Mittelohrentzündung im zarten Alter von sechs Monaten, die er mit solch stoischer Ruhe über sich ergehen liess, dass ich sie erst bemerkte, als ihm der Eiter schon aus dem Ohr floss – ich hatte wohl zu kinderlosen Zeiten allzu laut verkündet, meinem Kind würde so etwas nie passieren – war das Kind meistens kerngesund. Wenn der FeuerwehrRitterRömerPirat müde ist, ist auch nicht störrischer als gewöhnlich. Wie sollte er auch, wo er doch auch an gewöhnlichen Tagen bocken kann wie kein Zweiter? Und schlafen tut er auch nicht viel mehr.

Nein, wenn der Akku des FeuerwehrRitterRömerPiraten sich leert, dann wird der heldenhafte Kämpfer plötzlich butterweich und zart. Dass es mal wieder soweit ist, hätte mir gestern Abend schon auffallen können. Da sassen wir alle wie gebannt vor dem Bildschirm und genossen das Happy Ending der Emma-Verfilmung. Je romantischer es wurde, umso näher rückte unser Dritter zu mir und schliesslich sass er auf meinem Schoss. „Findest du den Film nicht langweilig“, fragte ich mein Kind, das gewöhnlich für „Wickie und die starken Männer“ schwärmt. „Nein Mama“, sagte er verträumt. „Ich mag eben nicht nur wilde Sachen.“

Heute Morgen dann, als es eigentlich Zeit gewesen wäre, in den Kindergarten zu gehen, kam er wieder zu mir auf den Schoss gekrochen. Ich glaube, wenn er einen Weg gefunden hätte, wäre er zurück in meinen Bauch geschlüpft. Da sass er und machte keinerlei Anstalten, sich ausgehfertig zu machen. Gewöhnlich spiele ich ja Tag für Tag den Drachen und kommandiere das arme Kind aus dem Haus, weil das Gesetz das einfach so vorschreibt, ob es ihm nun passt oder nicht. Heute aber war mir klar, dass er gar nicht gehen konnte, nicht, weil er krank war oder weil ihm etwas im Kindergarten nicht passte, sondern einfach, weil sein Akku leer war. Und ich glaube, es war nicht nur der Energie-Akku, der am unteren Limit angelangt war, es war auch der Mama-liebt -mich-über-alles-Akku, der ganz dringend mal wieder geladen werden musste.

So liess ich ihn eben gewähren, meinen liebesbedürftigen, übermüdeten FeuerwehrRitterRömerPiraten. Wie wir so endlos lange bei Kerzenschein auf dem Sofa sassen, spürte ich, wie der Akku sich langsam wieder füllte. Und zwar nicht nur derjenige meines Sohnes.

Prinzchenalarm

Nachdem mir gestern Nacht um halb drei das Druckerpapier ausging und ich endlich gezwungen war, aufzuhören mit arbeiten, musste heute Morgen Nachschub her. Was ich natürlich ganz gut bei uns im Dorf hätte erledigen können. Aber weil ich a) mal endlich wieder meine Höhle verlassen musste, b) nach so viel Nachtarbeit nicht auch noch gemeinsam mit der Putzfrau unsere Höhle aufräumen wollte und ich c) nach so viel Stress in den vergangenen Tagen mal wieder ein wenig Retail Therapy brauchte – ja, ich weiss, das kann ich mir momentan eigentlich nicht leisten – schnappte ich mir das Prinzchen, den Zoowärter und das Au-Pair und fuhr mit dem Bus in die Stadt.

Kaum aus dem Bus ausgestiegen, machten wir uns auf ins Warenhaus, wo wir mit lautem Alarm begrüsst wurden. Nun gehöre ich schon gewöhnlich nicht zur Kategorie Ladendieb,  wenn ich aber eben erst den Laden betreten habe, ist mein Gewissen noch reiner als sonst. Also hatte ich kein Problem damit, dass die Verkäuferin sogleich angerannt kam. Einer nach dem anderen mussten wir die Schranke noch einmal passieren, eins ums andere Mal blieb alles still. Einzig, als das Au-Pair mit dem Prinzchen auf dem Arm den durchspazierte, heulte der Alarm wieder. Au-Pair ohne Prinzchen war okay, Au-Pair mit Prinzchen ging nicht. Also war klar, dass beim Prinzchen eine Untersuchung angesagt war. Aber wie lange wir auch tasteten, wir konnten nichts finden, was den Alarm ausgelöst hatte, schon gar kein Diebesgut natürlich. Am Ende stand das Kind ohne Jacke, Mütze und Schuhe da und endlich, nachdem jedes Kleidungsstück einzeln getestet worden war, stellte sich heraus, dass des Prinzchens Schuhwerk den Alarm ausgelöst hatte. Die Verkäuferin war so nett, dafür zu sorgen, dass die Schuhe in Zukunft kein Chaos mehr anrichten, denn, so meinte sie, „Es wäre ja peinlich, wenn Sie mit dem Kind in keinen Laden mehr gehen könnten.“ Um uns für unsere Umstände zu entschädigen, schenkte sie uns noch einen Gutschein, obschon die Schuhe aus einem anderen Geschäft stammten und dann zogen wir endlich los, um uns unseren Einkäufen zu widmen.

Ein paar Momente später, als wir uns wieder einer Schranke näherten, heulte der Alarm erneut. Weil ich inzwischen im Begriff war, meine Sachen zu bezahlen, wusste ich, dass ich mit voller Einkaufstasche nicht mehr ganz so unschuldig erscheinen würde, wenn der Alarm sich erneut melden würde und so wandte ich mich mit meinem Kummer an eine andere Verkäuferin. Noch einmal alles von Vorne, wobei inzwischen immerhin bekannt war, was den Alarm ausgelöst hatte. So stellte sich bald einmal heraus, dass die erste Verkäuferin wohl nur einen Schuh „entschärft“ hatte, der andere uns aber weiterhin fälschlicherweise des Ladendiebstahls bezichtigte. Schliesslich aber, nachdem auch der zweite Schuh seine Spezialbehandlung erhalten hatte, war alles wieder wie immer. Wir konnten wieder völlig unbehelligt gehen, wohin wir beliebten.

Nun, ganz alles war nicht wie vorher. Das Prinzchen starrte von da an jede Schranke vorwurfsvoll an, weil sie einfach nicht mehr blinken und lärmen wollte. „Blöde Schranke“, schien er zu denken, „weisst du den nicht, dass das Leben viel mehr Spass macht, wenn es hin und wieder mal ordentlich heult.“ Dann hoffen wir mal, dass das Kind nicht zum Kleptomanen wird, bloss weil er den ganzen Spass wieder und wieder erleben will.

Voll erwischt

Noch keine acht Jahre alt ist sie, unsere Luise, und schon hat es sie erwischt, dieses Fieber, an dem wir Romantikerinnen früher oder später erkranken. Ich musste ganze zweiundzwanzig Jahre alt werden, bevor ich vom Jane-Austen-Virus befallen wurde, aber wenn das Virus mal in der Familie ist, dann dauert es meist nicht lange, bis auch andere Familienmitglieder ansteckt. „Meiner“ war der Erste, was mich doch sehr erstaunte, können doch Männer, Romantiker hin oder her, gewöhnlich wenig mit Emma Woodhouse, Lizzie Bennet & Co. anfangen. Nun, „Meiner“ konnte und so ist es wohl kaum verwunderlich, dass Luise schon jetzt auf den Geschmack gekommen ist.

In den Ohren lag sie uns ja schon lange mit ihrem Wunsch, sie möchte doch endlich einmal die Verfilmung von „Emma“ sehen, doch nachdem unsere Nichten damals wenig begeistert gewesen waren von dem Film, wehrten wir ab, mit der Begründung, Luise würde sich bloss langweilen. Gestern aber liess sich unsere Tochter nicht mehr länger vertrösten und suchte bei YouTube nach Filmausschnitten. Natürlich wurde sie fündig und bald darauf sass sie schmachtend da, entrückt in eine andere Welt. In eine Welt, in der die Kleider schöner, die Männer galanter und die Liebe romantischer ist. Spätestens als Luise sehnsüchtig seufzte, als Mister Knightley und Emma sich hingebungsvoll küssten, wusste ich, dass es unsere Tochter ganz gewaltig erwischt hat. Man konnte die rosa Wölkchen, auf denen sie schwebte, förmlich sehen.

Das Ende des Trailers brachte Luise wieder auf den harten Boden der Tatschen zurück: „Ich glaube, ich werde nie einen Mann finden“, seufzte sie und ich wollte schon bemerken, dass es wohl heutzutage wirklich schwierig werden könnte, einen Gentleman wie Mister Knightley zu finden, als sie fortfuhr: „Mein Mann muss nämlich so schön sein wie Papa und so einen finde ich ganz bestimmt nicht.“ Karlsson, der daneben sass und nicht so recht wusste, ob er nun bei der romantischen Schwelgerei der beiden einzigen Frauen im Haus mitmachen sollte oder nicht, ermahnte seine Schwester: „Aber Luise, du weisst doch, dass es nicht nur auf die äussere Schönheit ankommt. Die innere Schönheit ist viel wichtiger.“ Luise überlegte einen Moment lang und sagte dann: „Aber Mama hat bei Papa auch auf die äussere Schönheit geschaut, als sie ihn geheiratet hat.“

Nun, ich meine, dass Luise sich noch ein wenig Zeit lassen soll mit der Frage nach dem Mann des Lebens, aber dass ich nun endlich weibliche Gesellschaft habe, wenn ich mir mal wieder einen Kostümfilm reinziehen will, freut mich natürlich ungemein. Denn auch wenn es schön ist, dass „Meiner“ meine Liebe zu Schnulzen teilt, so richtig schwelgen lässt sich eben nur mit anderen Frauen. Auch wenn diese Frau, mit der ich in Zukunft schwelgen werde, noch keine acht Jahre alt ist.

Reden wir mal über Geld

Okay, ich weiss, das Thema ist hoch unanständig und ich würde mich nicht darüber wundern, wenn ich den einen oder anderen Leser verliere, weil ich über solche Schweinereien schreibe. Aber nachdem sich in der Weihnachtszeit die Schlagzeilen zum Thema „Armut in der reichen Schweiz“ und „Working Poor“ wieder häufen und sich zudem zum  Jahresende die Rechnungen bei uns türmen, komme ich nicht umhin, mich mal wieder mit den schmutzigen Geheimnissen unseres Lebens zu befassen.

Vergleicht man den Lebensstandard von uns Schweizern mit dem Lebensstandard eines Grossteils der Weltbevölkerung, dann muss man gestehen, dass hierzulande wohl kaum einer weiss, was es bedeutet, richtig arm zu sein. Also arm im Sinne von kein Dach über dem Kopf, keine warmen Kleider, keine Gewissheit, ob man morgen wieder etwas zum Essen haben wird. Diese Art von Armut kennen die Wenigsten von uns und wenn unsere Kinder jeweils wissen wollen, ob wir arm oder reich seien, erkläre ich ihnen genau dies: Dass wir, verglichen mit den meisten Menschen auf diesem Planeten, steinreich sind. Und es stimmt ja auch, wir haben mehr als genug. Ein Haus, Schränke voller Kleider, mehr als genug zu Essen und dann noch sehr viele Dinge, von denen die meisten Menschen nicht mal träumen können. Zum Beispiel, um nur etwas zu nennen, diesen Computer, in dessen Tasten ich jeweils meine Texte haue. Nein, arm sind wir wirklich nicht.

Und doch gibt es da dieses Gefühl von Ohnmacht, wenn an einem Tag wie heute die Krankenkasse mitteilt, dass sie uns hunderte von Franken an Leistungen zuviel ausbezahlt hätten, die wir nun gefälligst zurückzahlen sollten. Zur gleichen Zeit lassen sie uns wissen, wie hoch der Betrag sein wird, den wir ab nächstem Jahr zu bezahlen hätten und „Meiner“ und ich schauen uns nur noch schweigend an, weil wir uns fragen, wie wir das alles bezahlen sollen. Wo wir doch genau wissen, dass die Prämienverbilligung, die uns dabei hilft, die Krankenkassenprämien zu bezahlen, erst im Laufe des nächsten Jahres ausbezahlt wird. Wir wissen auch, dass neben den Krankenkassenrechnungen noch ganz viele weitere Rechnungen darauf warten, beglichen zu werden. Rechnungen, die einfach so ins Haus flattern, ohne dass wir einen Einfluss darauf hätten. Weil das Leben in der Schweiz eben etwas kostet. Und zwar ziemlich viel.

So viel, dass wir reichen Leute nicht umhin kommen, uns bei der Fülle an Auslagen, die wir kaum oder gar nicht beeinflussen können, zuweilen sehr arm fühlen. Diese Überforderung, sich abzurackern und doch nie genug zu haben, diese Angst vor unvorhergesehenen Auslagen, welche das Ganze Budget aus dem Lot zu bringen drohen, dieses Gefühl von Ohnmacht, weil der Reichtum, in dem der Durchschnittsschweizer lebt, einen sehr hohen Preis hat, das alles kann einem ganz schön zusetzen. Nein, ich will nicht jammern, zumal man mir sofort den Vorwurf machen würde, wir hätten eben nicht so viele Kinder haben sollen. Ich will dankbar sein für alles, was wir haben, aber zuweilen wünsche ich mir eine Verschnaufpause in dem endlosen, unglaublich kräfteraubenden Spiel von Geld einnehmen und Löcher stopfen. Hin und wieder träume ich von einem Leben, in dem die Angst vor dem finanziellen Abgrund nicht existiert.

Und dann träume ich auch von einem Leben, in dem es nicht als unanständig gilt, über solche Dinge zu reden. Wie viele von uns reichen Schweizern fühlen sich als absolute Versager, weil sie glauben, sie seien die Einzigen, die es einfach nicht schaffen, etwas für Notzeiten auf die Seite zu legen? Wie viele von uns machen sich selber schwere Vorwürfe, wenn ihnen die Monatsabrechnung mal wieder die Tränen in die Augen treibt? Wie viele von uns fürchten sich hin und wieder vor dem Tag, an dem sie den Kindern Winterschuhe kaufen müssen, weil sie nicht wissen, ob bis dahin wieder genug Geld auf dem Konto ist? Wenn ich mich in meinem Bekanntenkreis umsehe, habe ich jeweils das Gefühl, wir seien die Einzigen, denen es so geht. Wenn ich aber die Statistiken anschaue, wird mir bewusst, dass es noch ganz vielen anderen ähnlich gehen wird, dass aber jeder sich schämt, darüber zu reden, weil er glaubt, wenn er sich nur etwas mehr anstrengen würde, sähe es anders aus mit seinen Finanzen

Nein, ich will nicht klagen, denn bei uns ist es am Ende immer irgendwie aufgegangen. Manchmal besser, manchmal schlechter, aber irgendwie kommen wir immer über die Runden. Aber ich wünschte schon, dass ich nicht jeden Luxus, den wir uns hin und wieder leisten, später wieder bereuen müsste, wenn ich merke, dass das Geld dafür nicht gereicht hätte, wenn ich gewusst hätte, welche Rechnung demnächst wieder bei uns eintreffen würde. Und manchmal wünschte ich auch, dass andere Leute offener über die schmutzigen Geheimnisse in ihrem Leben reden würden. Damit wir uns nicht immer wie die einzigen Deppen in unserem reichen Land fühlen müssen.

Arbeit frisst Leben

Vor einiger Zeit habe ich ja damit geprahlt, dass der Adventsstress in diesem Jahr nichts wissen will von mir. Das ist auch weiterhin so geblieben, aber erst heute ist mir endlich klar geworden, weshalb das so ist. Vor lauter Arbeit habe ich nämlich noch gar nicht realisiert, dass am Sonntag der dritte Advent ist und dass es so langsam aber sicher an der Zeit wäre, in Weihnachtsstimmung zu kommen. Aber wie soll man denn in Weihnachtsstimmung kommen, wenn die Arbeit, die man bis anhin noch ziemlich gut vom Familienleben hatte trennen können, sich mehr und mehr in den Alltag frisst?

Heute Morgen war mal wieder ein klassisches Beispiel dafür. Nach einer anstrengenden Sitzung und einer halbdurchwachten Nacht war ich heute Morgen reif für ein wenig Faulenzen mit Duftkerzen, Schwarztee, ein paar Weihnachtsguetzli und ausgiebiger Zeitungslektüre. Und für einmal schien das Familienleben meinem Ansinnen wohlgesinnt zu sein: Karlsson und Luise machten sich pünktlich auf den Weg und sogar der FeuerwehrRitterRömerPirat verliess heute das Haus bevor der Kindergarten angefangen hatte. Der Zoowärter verschlief den ganzen Morgen, das Tageskind kam ausnahmsweise später und einzig ein sehr gut gelauntes Prinzchen sorgte für gerade genug Leben in der Bude, damit mir nicht langweilig würde. Alles war perfekt für ein fröhliches Tête-à-Tête bei Tee und Kakao mit meinem Jüngsten. Ach ja, und wo wir schon dabei waren, könnten wir uns doch gleich noch einen gemütlichen Schwatz mit dem Au-Pair gönnen. Vielleicht könnten wir ja endlich besprechen, wer war zu Weihnachten bekommen soll.

Und dann kam der erste Anruf, kurz darauf der Zweite und als ich den Dritten entgegennahm, klingelte gleichzeitig auch noch das Arbeitshandy.  Dazwischen zwei oder drei E-Mails, die ganz dringend beantwortet werden mussten. Das Au-Pair tat inzwischen, was ich eigentlich so gerne getan hätte: Sie quatschte mit dem Prinzchen, freute sich an seinen Fortschritten und sorgte dafür, dass er die Mama, die schon wieder an der Strippe hing, nicht zu sehr störte. Dabei hätte ich doch noch so gerne von ihm gestört werden wollen, lechzte ich doch nach einer ziemlich anstrengenden (Arbeits)woche richtiggehend nach Zeit mit meinem Jüngsten. Aber am Ende kam doch wieder die Arbeit zuerst, auch wenn das Au-Pair mich davon zu überzeugen versuchte, ich solle doch beim nächsten Mal das Telefon einfach läuten lassen. Irgendwann war ich so frustriert über meinen verpatzten vorweihnachtlichen Mama-Sohn-Morgen, dass dieser eine Anruf mehr nicht weiter ins Gewicht fiel. Ausserdem war es jetzt ohnehin Zeit, mit Luise zur Kinderärztin zu fahren, um die Fäden aus ihrer Bauchnaht zu entfernen.

Auf dem Weg zur Ärztin, als wir an unglaublich vielen Samichläusen, Lichterketten und dekorierten Tannenbäumen vorbeifuhren, wurde mir endlich klar, dass ich mich jetzt ganz dringend mal dem Advent und allem, was er so an Schönem mit sich bringen kann, widmen muss. Denn tue ich das nicht, steht am Ende doch noch der Adventsstress vor der Tür, weil ich vor lauter Arbeit das Backen, das Dekorieren, das Singen, das Geschenkemachen, das Geniessen und die Stille auf den letzen Moment aufgeschoben habe.