Fehlanzeige

Okay, ich geb’s ja zu, dass Jasmin Hutter damals, als sie noch Nationalrätin war, mir ganz schrecklich auf die Nerven gefallen ist. Und darüber habe ich freimütig geredet. Weil ich der Meinung war, dass ich als Mutter, die auch schon die sehr unromantischen Seiten des Familienlebens kennen gelernt hatte, einiges mehr zum Thema zu sagen hatte, als sie, die damals gerade mal mit dem ersten Kind schwanger war. Frauen, die lauthals verkünden, was Mama zu tun und zu lassen hat, bevor sie selber Mama sind, sind mir äusserst suspekt. Wenn sie dann auch noch mit ihrem Gerede Politik machen wollen, dann bringt mich das zur Weissglut. Inzwischen aber hat sich Frau Hutter ins Privatleben zurückgezogen und seither habe ich mich nicht mehr um sie gekümmert. Warum sollte ich auch, jetzt wo sie in der Öffentlichkeit schweigt? Und ich bin mir fast ganz sicher, dass sie inzwischen bestimmt die eine oder andere Erfahrung gemacht hat, die sie erkennen lässt, dass Muttersein schwieriger ist, als es in der Fernsehwerbung jeweils aussieht. Für mich also wäre das Kapitel Jasmin Hutter abgeschlossen.

Wäre, wenn sich nicht seit einiger Zeit immer öfters Menschen auf meinen Blog verirren, die offenbar verzweifelt auf der Suche sind nach Hinweisen, dass bei Hutters der Haussegen schief hängt. Ich kann mir nicht erklären, weshalb mein Blog bereits an dritter Stelle erscheint, wenn man nach Eheproblemen im Hause Hutter sucht, aber ich bin mir ganz sicher, dass das Gerücht, so es denn existiert, nicht aus meiner Küche stammt. Denn wie bereits erwähnt, ist mir Jasmin Hutter, jetzt, wo sie keinen Einfluss mehr nimmt auf die Geschicke der Schweiz, ziemlich egal. Und deshalb, liebe Suchende, muss ich euch leider enttäuschen. Bei mir findet ihr keine süffigen Geschichten über das ehemalige Aushängeschild der SVP-Frauen. Da müsst ihr schon anderswo im Dreck wühlen.

Ganz die Mama

Wer kennt das nicht: Eines Tages dämmert einem, dass man endlich mal wieder etwas für die Fitness tun sollte und man fängt an, bei jeder Gelegenheit davon zu reden, dass man unbedingt mehr Sport machen sollte und dass man sich einfach noch nicht entscheiden kann, ob man lieber schwimmen oder Rad fahren möchte. Irgendwann gibt man sich einen Ruck, besorgt sich ein Abo und eine Ausrüstung und dann nimmt man sich ganz fest vor, sich regelmässig am Riemen zu reissen und die ersten drei Wochen geht das wirklich ganz gut. Voller Elan macht man sich auf zur körperlichen Ertüchtigung, voller Stolz verkündet man im Bekanntenkreis, man betreibe jetzt regelmässig Sport, voller Freude hätschelt man den ersten Muskelkater. Nach drei Wochen, manchmal auch etwas früher oder etwas später, ist es vorbei mit der ersten Euphorie, doch man rafft sich noch zwei oder dreimal auf, sich dennoch in die Sportkleider zu stürzen und den Lesesessel zu verlassen. Gut, während man dabei beim einen Mal noch den Weg in die Sporthalle findet, landet man beim anderen Mal schon vor dem Training im Café. Schliesslich ist der gute Vorsatz ganz verpufft und das Abo läuft ab, ohne dass man es je voll ausgeschöpft hätte.

So ähnlich war das auch mit dem Zoowärter und dem Muki-Turnen. Den ganzen Sommer über freute er sich darauf, im Herbst wieder jede Woche mit mir in die Turnhalle zu gehen. Jedes Mal, wenn er seine Turnhose sah, redete er davon, was er alles machen werde, wenn der Spass erst wieder losginge. Jedem, der es hören wollte, erzählte er, dass er dann wieder mit Mama ins Turnen gehen werde. Als es endlich soweit war, war die Begeisterung riesig. So riesig, dass ich ihm gleich ein Muki-T-Shirt bestellen und uns in die Liste der regelmässigen Teilnehmer eintragen musste. In der ersten Zeit hätte er täglich dorthin gehen mögen. Doch so langsam aber sicher kühlt sich die Begeisterung ab. Irgendwann begann er, auf dem Weg zu trödeln, er fragte mitten in der Stunde, wie lange das denn noch dauern würde und seit einer Woche nun weigert er sich, das Haus zu verlassen. Er wolle lieber schlafen, lässt er mich jeweils wissen, wenn ich ihn morgens zur Eile antreiben will.

Nun wäre es natürlich an mir, den Zoowärter zu motivieren, ihm zu sagen, dass Sport eine ganz tolle Sache sei und dass wir uns doch verbindlich angemeldet hätten. Und ich war heute Morgen, als er wieder nicht aus dem Bett kommen wollte, tatsächlich nahe daran, ihn zu überreden. Doch dann liess ich es bleiben. Denn weshalb soll ich von meinem Sohn etwas erwarten, was ich selber nicht zustande bringe? Wozu soll ich ihn zwingen, seinen inneren Schweinehund zu überwinden, wo ich doch meinen eigenen nicht im Griff habe? Und zu guter Letzt: Warum soll ich ausgerechnet in einem der wenigen Bereiche einschreiten, in denen mein Zoowärter nach mir kommt? Wo er doch sonst ganz der Papa ist.

Verschmähte Liebe

Wer mich kennt, weiss, dass ich für die Kinder über fast jeden Schatten springe. Der FeuerwehrRitterRömerPirat wünscht sich eine jener unsäglichen Autorennbahnen mit Loopings zu Weihnachten? Natürlich kriegt er sie, auch wenn sowohl Mama als auch Papa von einer Welt ohne Autos träumen. Die Kinder möchten so furchtbar gerne einmal Toast Hawaii essen? Na dann, bereiten wir ihnen eben diese kulinarische Sünde zu. Wir können dann ja immer noch auf den Stockzähnen grinsen, wenn die Kinder erkennen müssen, dass aufgeweichtes Toastbrot mit Schinken, Käse, Ananas und Kirsche nicht der Gipfel aller Genüsse ist. Karlsson will deutsche Schlager und Ländlermusik hören? Nun, soll er doch, solange er es in einer einigermassen erträglichen Lautstärke tut. Und wenn er die Geschmacksverirrung danach durch das Hören von Bach, Mozart und Mani Matter ausgleicht, ist die Welt auch für uns wieder in Ordnung.

Sehr weit Anlauf nehmen musste ich allerdings, als ich neulich beim Wocheneinkauf über meinen Schatten sprang und je zwei Blut- und Leberwürste in den Einkaufswagen legte. Offen gestanden bin ich in meinem doch nicht mehr ganz kurzen Leben noch nie mit dieser Scheusslichkeit in Kontakt gekommen. Aber seitdem Karlsson für alles schwärmt, wovor Mama sich ekelt und seitdem der FeuerwehrRitterRömerPirat es seinem grossen Bruder gleichtun will, dämmerte mir, dass ich wohl nicht ewig meine Augen verschliessen könnte ob der blutrünstigen Schlemmerei, die da jeweils im Herbst getrieben wird. Von Menschen, die einem solchen Gelage schon beigewohnt haben, habe ich mir sagen lassen, dass die Sache ziemlich abstossend sein muss. Von aufspritzenden Säften berichtete man mir und von einem Gestank, der für Aussenstehende nicht eben appetitanregend sei. Und deshalb habe ich lange so getan, als wüsste ich nicht, wovon er redet, wenn Karlsson bat, ich möchte ihm doch einmal Blutwürste kaufen. Aber ich wusste, dass ich irgendwann würde nachgeben müssen und so lagen also die Würste letzen Donnerstag im Einkaufswagen und heute Mittag im heissen Wasser. Ich habe mal angenommen, dass man die Dinger in heissem Wasser gart, aber vielleicht war das vollkommen falsch. Ich weiss nämlich nicht, welches die korrekte Art ist, Blut- und Leberwürste geniessbar zu machen.

Ich weiss übrigens auch nicht, ob das Zeug tatsächlich spritzt, wenn man mit der Gabel dreinsticht, ich weiss nicht, ob das Zeug so eklig ist, wie es aussieht und schon gar nicht weiss ich, ob meine Söhne Blut- und Leberwürste nun mögen oder nicht. Alles was ich weiss, ist, dass die Würste so bestialisch gestunken haben, dass weder Karlsson, noch der FeuerwehrRitterRömerPirat noch der Zoowärter sie angerührt haben. Und so liegen sie da, unberührt und eklig, ein Zeichen meiner überschwenglichen Mutterliebe, die über jeden Schatten springt. Die Art von Mutterliebe, die beim heutigen Mittagessen so herzlos verschmäht wurde.

Worüber ich übrigens gar nicht so unglücklich bin. Man stelle sich mal vor, wie unser Speiseplan in Zukunft aussehen würde, wenn die Jungs die Würste geliebt hätten.

 

Home sweet home?

Luise ist wieder zu Hause, was ich als fürsorgliche Mutter natürlich begrüsse. Ich meine, es gibt doch nichts Besseres für ein Kind, als in seiner vertrauten Umgebung gesund zu werden. Dort, wo die Menschen sind, die sie lieben und die sie liebt. Dort, wo sie all ihre Sachen, ihr gewohntes Essen und auch die Ruhe hat, die sie im Spitalzimmer, das sie mit einer fünfzehnjährigen Quasselstrippe teilen musste, vergeblich herbeisehnte. Ist doch einfach schön, dass man heute die Kinder nicht mehr unnötig lange im Krankenhaus behält, wo sie sich vor lauter Schläuchen und Apparaturen kränker fühlen, als sie wirklich sind. So sehe ich das, theoretisch zumindest.

Praktisch ist es leider so, dass in den Augen eines kleinen Bruders die grosse Schwester, die einen Infusionsschlauch hinter sich herzieht, ein schutzbedürftiger Mensch ist. Auf eine grosse Schwester aber, die zwar noch etwas müde und blass, sonst aber wieder ganz die Alte ist, muss man doch nicht sonderlich Rücksicht nehmen, nicht wahr? Jetzt ist sie ja wieder da, also kann man sich wieder wie gewohnt mit ihr streiten. Wegen dieser klitzekleinen Wunde am Bauch soll die doch kein Geschrei machen. Ist doch alles halb so wild. Dann will sie auch noch ganz alleine mit Mama Guetzli backen, bloss weil sie nicht dabei war, als die anderen das Lebkuchenhaus bauten. Und das, nachdem sie Mama einen Tag und zwei Nächte lang ganz für sich alleine haben durfte. So ein Affentheater, bloss wegen diesem kleinen Blinddarm.

Aber auch für uns Eltern ist es im Alltag gar nicht so einfach, Luise die Ruhe zu bieten, die sie eben auch jetzt noch braucht, obschon sie zwischendurch schon ganz fit und munter ist. Liegt dein Kind im Krankenhausbett, klein, hilflos und müde, dann wird dir bewusst, wie sehr sie auf dich angewiesen ist. Liegt dein Kind zu Hause auf dem Sofa, musst du aufpassen, dass du überhaupt mal Zeit findest, dich um sie zu kümmern. Zwischen dem schrillenden Telefon, den anderen Kindern, die jetzt auch wieder Aufmerksamkeit brauchen, zwischen Abwasch, kochen und Aufwischen geht ein krankes Kind zuweilen fast vergessen. Und dies, obschon sie auch jetzt noch ganz viel Zuwendung bräuchte, um wieder ganz auf die Beine zu kommen.

Mag sein, dass Luise sich zu Hause wohler fühlt, aber ich bin mir fast sicher, dass ihr ein weiterer Ruhetag im Krankenhaus dennoch ganz gut getan hätte. Auch wenn ich theoretisch weiterhin der Meinung bin, dass man zu Hause schneller gesund wird.

Da waren’s nur noch drei…

Drei Blinddärme, meine ich natürlich, die uns nächtens auf die Notfallsation treiben könnten, mit der bangen Frage im Kopf, ob der Kerl nun entzündet, bereits geplatzt oder völlig gesund ist. Zumindest bei zwei Kindern werden wir in Zukunft sagen können, dass es garantiert nicht der Blinddarm ist, der Kind und Eltern Bauchschmerzen bereitet. Luise ist den Ihren nämlich vergangene Nacht losgeworden. Jetzt liegt sie da und erholt sich, währenddem ich an ihrer Seite abwechslungsweise Handschuhe stricke, den Laden zu Hause via Fernsteuerung – auch unter dem Namen Handy bekannt – halbwegs unter Kontrolle zu halten versuche und die Welt an unserem neuesten Abenteuer teilhaben lasse.

Und ich muss gestehen: Auch wenn ich gerne auf das Drama verzichtet und Luise die Operation erspart hätte, es ist dennoch ganz schön, wieder einmal nur für ein einziges Kind da zu sein, es zu trösten, zu ermutigen und zu hätscheln. Und sich halb krank zu lachen über den Humor, den die unverwüstliche Luise gleich nach dem Aufwachen wieder entwickelt hat. Einfach köstlich, ihr dabei zuzusehen, wie sie mit gefährlichem Blitzen in den Augen und einem frechen Spruch auf den Lippen in ihrem Krankenbett auf und ab fährt.

Wenn ich zurückdenke an die ersten Stunden nach Karlssons Blinddarmoperation, dann wird mir klar, dass einiges anders ist als damals. Was nicht bloss daran liegt, dass Karlssons Blinddarm bereits seit zwei Tagen geplatzt war, bevor unser Erstgeborener endlich so richtig zu jammern begann, während Luises Blinddarm erst leicht entzündet war, als sie bereits weinte vor lauter Schmerz. Was übrigens nichts über den Umgang der beiden Kinder mit Schmerzen im Allgemeinen aussagt, denn oft ist Luise viel härterem Nehmen als Karlsson. Es liegt auch nicht nur daran, dass Karlsson damals von der Ambulanz im Hotel abgeholt werden musste, in dem wir die Ferien verbrachten, während Luise und ich gestern Abend viele Wartestunden hatten, in denen wir uns damit abfinden konnten, dass der Blinddarm weg muss. Und auch die Tatsache, dass ich damals schwanger und deswegen überempfindlich war, fällt nicht so sehr ins Gewicht.

Nein, der allergrößte Unterschied liegt darin, dass diesmal eben nicht alles neu und deswegen beängstigend war. Klar, auch in dieser Nacht brachte ich kein Auge zu, ehe meine geliebte Luise nicht wieder bei mir war. Und natürlich kamen auch diesmal Erinnerungen an Geschichten hoch, die man irgendwo gelesen hatte. Geschichten von Routineeingriffen, die in einem Drama endeten. Aber dank der Erfahrung, dass Karlsson damals eine weitaus schlimmere Blinddarmgeschichte unbeschadet überstanden hat, half mir, die düsteren Gedanken besser in Schach zu halten. Wir sind im Umgang mit dem Routineeingriff also einiges routinierter als auch schon. Auch wenn keine Geschichte gleich verläuft wie die andere, ruhiger ist man dennoch, wenn man zumindest ein bisschen weiß, worum es geht.

Den nächsten entzündeten Blinddarm werden wir dann wohl erkennen, bevor das Kind überhaupt Bauchschmerzen kriegt und den Übernächsten lassen wir präventiv entfernen, damit er gar nicht erst auf dumme Gedanken kommt.

Ach ja, und dankbar, dass das geliebte Kind wieder auf dem Wege der Besserung ist, bleibt man, egal, wie oft man schon größere und kleinere Dramen durchgestanden hat.

Stammgast

Ob man auf der Kinder-Notfallstation auch Zimmer mieten kann? So langsam scheinen wir hier zu Stammgästen zu werden, einfach jedes Mal mit einem anderen Kind. Diesmal mit dabei: Luise mit Verdacht auf Blinddarmentzündung. Die Warterei ist endlos, Luise tapfer und sehr darum bemüht, jetzt schon möglichst viel über ihren Traumberuf Krankenschwester zu lernen. Nicht mal bei der Blutabnahme schaut sie weg und schlafen will sie erst recht nicht, aus Angst, etwas zu verpassen.

Und Mama? Die ist inzwischen auch ein wenig weiser geworden und hat vorsorglich ihr Strickzeug, das iPad und ein Buch eingepackt. Bloß etwas hat sie vergessen: Dass man ein Abendessen im Magen haben sollte, bevor man sich aufmacht, im Spital zu warten.

Und jetzt bitte noch auf Englisch…

Dass fehlerfreies Englisch zuweilen eine Glückssache ist, ist mir nicht neu. All die „Schtiiks“ (Steaks) und „Chichenn Nöggets“ (Chicken Nuggets) die hierzulande gegessen werden, liegen mir schwer auf dem Magen auch wenn ich selber als Vegetarierin nie zugreife, wenn diese serviert werden. Wenn die sportliche Fünfzigerin ins „Body Pömp“ geht und der Referent ein „Klöster“-Diagramm präsentiert, dann frage ich mich, weshalb man die Dinge nicht doch lieber auf Deutsch sagt, wo es auf Englisch doch einfach nur peinlich klingt. Und wenn meine Schwiegermutter uns vor „Fasabuck“ (Facebook) warnt, kann ich nur mit Mühe das Lachen verkneifen, auch wenn ihre Angst, dass wir im grossen weiten Internet zu viel von uns preis geben, sehr gross ist. (Dass meine Schwiegermutter allen Ernstes glaubt, „Meiner“ und ich würden Fotos von durchzechten Nächten publizieren, steht auf einem anderen Blatt. Wo wir doch uns doch die Nächte bloss mit zu viel Prinzchengeschwätz um die Ohren hauen und das gibt garantiert keine kompromittierenden Bilder.)

Solange das Horror-Englisch nur gesprochen wird, kann ich dennoch halbwegs damit leben. Man hört’s, nimmt’s zur Kenntnis und vergisst es gleich wieder. Also eine Qual, die sich in Grenzen hält. Viel schlimmer finde ich es, wenn das Zeug geschrieben und dann auch noch gedruckt wird. Und zwar nicht von Schülern, die ein Grundrecht auf Fehler haben, sei es im Gesprochenen, Geschriebenen oder Gedruckten. Wenn ich aber in einem Buch den unsäglichen Titel „Do Italians it better?“ lesen muss, dann ärgere ich mich derart darüber, dass der Lektor seinen Dienst nicht getan hat, dass ich kaum mehr weiterlesen kann. Gut, so ein Tippfehlerchen ist schnell mal übersehen, wie ich bei meinem eigenen Buch leider auch habe feststellen müssen, aber eine derart kolossale Fehlkonstruktion wie oben zitiert sollte doch irgend einem ins Auge springen, bevor das Buch in Druck geht. Oder bin ich wirklich eine unverbesserliche Idealistin?

Nun, immerhin kann man bei diesem Titel noch halbwegs erahnen, was die Autorin hätte fragen wollen. Was aber fange ich mit dem Wortgewusel an – Satz mag ich das nicht nennen, weil ich gar nicht weiss, ob es einer sein soll – das ich gestern Abend beim Verpacken der Adventsgeschenke für unsere Kinder entdeckt habe? Da lese ich auf einer Schachtel mit Traktoren, die das Prinzchen in den kommenden Tagen erhalten soll, die folgenden Worte: „To insure a loke new appearance in definitely“. Und das nicht etwa winzig gedruckt, irgendwo in der untersten Ecke einer Gebrauchsanweisung, sondern gross, fett und rot. Das Ganze insgesamt viermal, auf jeder Seite der Schachtel einmal.

Seither verfolgen mich diese Worte, denn ich weiss nicht, an wem ich zweifeln soll. An meinem CPE, weil es mir noch immer nicht ermöglicht, jeden erdenklichen Mist, der in englischer Sprache daherkommt, zu verstehen? Am Werbefuzzi, der glaubt, das Produkt verkaufe sich besser, wenn es in einer pseudoenglischen Verkleidung daherkommt? Am Thesaurus, der mir sagt, er kenne das Wort „loke“ nicht? Oder vielleicht an meinem Verstand, der nicht fähig ist, hinter diesen Worten einen Sinn zu erkennen? Was, wenn sich hier die ultimative Weisheit verbirgt, ohne die mein Leben nie das wird, was es sein könnte, wenn ich die geheimnisvolle Botschaft entschlüsseln könnte?

Wäre nett, wenn mir jemand weiterhelfen könnte, bevor ich an meinem Lebensziel vorbeischiesse, bloss, weil meine Englischkenntnisse nicht ausreichen.

Wo bleibt er denn nur?

Was läuft hier bloss wieder falsch? Ich kann ihn umwerben wie ich will, zu mir will er in diesem Jahr einfach nicht kommen. Landauf landab klagen die Mütter, in diesem Jahr sei es besonders schlimm mit ihm, sie wüssten ihm fast nicht mehr zu wehren, aber von mir will er einfach nichts wissen. Andere Mütter werden in diesen Tagen belästigt mit Adventssingen, Adventsbasteln, Adventsbacken, Adventsshopping, Adventsichweissnichwassonstnoch, aber bei mir herrscht noch heute, am Tag nach dem ersten Advent, gespenstische Ruhe. Klar, am Samstag haben wir auch Adventskränze gebastelt, aber das war kein Stress, weil jemand anders die Sache perfekt organisiert hatte. Ach ja, und die Kinder machen natürlich auch bei so einer Art Krippenspiel mit, aber dieser eine zusätzliche Termin war nun wirklich nicht so schlimm, zumal unser Samstagnachmittag mit weniger Kindern dafür umso ruhiger verlief. Auch die zwei anderen adventsbedingten Termine, die bis Weihnachten noch in unserem Kalender stehen, fallen auch nicht gross ins Gewicht.

Und so kommt es, dass ich in diesen Tagen wohl eine der wenigen Mütter bin, die allen Ernstes vorschlägt: „Lass uns doch im Dezember mal wieder Kaffee trinken. Mein Kalender ist noch ziemlich leer. Wann hättest du denn Zeit?“ Warum bloss zückt bei dieser freundlichen Einladung die andere Person nicht sogleich die Agenda? Warum bloss schaut sie mich an, als hätte ich da eben eine furchtbar ketzerische Frage gestellt? Warum bloss zweifeln einige gar an meinem Verstand, wenn ich frage, ob sie bald einmal wieder Zeit für einen Schwatz hätten?

Nun ja, ich weiss nur zu gut, warum das so ist. Klage ich doch gewöhnlich auch über den Adventsstress, der mich daran hindert, Ruhe und Besinnung zu finden. Was ich aber nicht weiss: Warum bloss ist es in diesem Jahr anders bei mir? Habe ich ein besonders gutes Jahr erwischt, in dem sämtliche Lehrkräfte meiner Kinder adventsmüde sind und deswegen auf zusätzliche Termine verzichten? Sind unsere Kinder in diesem Jahr besonders bescheiden und belästigen uns nicht mit unerfüllbaren Wünschen? Oder habe ich in den vergangenen Wochen in derart hohem Tempo gelebt, dass ich mich jetzt, wo es arbeitsmässig etwas ruhiger wird, nicht mehr so leicht aus der Ruhe bringen lasse?

Vielleicht aber – und das befürchte ich fast – spielt der Adventsstress in diesem Jahr ein besonders heimtückisches Spiel mit mir: Er kündigt seinen Besuch nicht wie üblich weit im Voraus an, sondern wartet, bis wir glauben, er habe und in diesem Jahr vergessen weshalb wir es uns mit Glühmost und Guetzli gemütlich machen, und dann schlägt er aus dem Hinterhalt zu, wenn wir am wenigsten mit ihm rechnen.

Ich wünschte, es wär‘ anders…

Was soll man denn an einem Abend schreiben, an dem man der ernüchternden Tatsache ins Auge sehen muss, dass man einmal mehr auf der Seite der Abstimmungsverlierer steht? Und dies gleich zweimal. Was soll man schreiben, wenn man sich so langsam aber sicher im eigenen Land nicht mehr richtig zu Hause fühlt, weil man hinter dem, was da entschieden wird, nicht mehr stehen kann? Vielleicht schreibt man dies: Es gibt Tage, an denen ich mir wünschte, die Politik ginge mir am Allerwertesten vorbei. Tage, an denen ich mir wünschte, dass ich es fertigbringen könnte, mit Scheuklappen durchs Leben zu gehen und nicht nachdenken zu müssen. Weil nachdenken manchmal einfach weh tut. Tage, an denen man sich wünscht, man könnte sich in Zukunft nur noch im eigenen Mikrokosmos von Familie, Schreibtisch und Küche bewegen.

Aber weil die Kinder eine Zukunft brauchen, der Schreibtisch seinen Schreibstoff und die Küche ihre Vorräte, wird man nicht umhin kommen, sich wieder aufzurappeln, die Scheuklappen gar nicht erst hervorzuholen und weiter mitzudenken. Und beim nächsten Mal wieder abstimmen gehen. Mindestens so lange, bis in diesem Land wieder mit mehr Herz und weniger Vorurteilen politisiert wird.

Hach, bin ich nicht fürchterlich pathetisch, wenn ich eine Abstimmungsniederlage zu verdauen habe? Vielleicht darf ich demnächst Reden für den 1. August schreiben. Wobei, so wie der politische Wind derzeit weht, wird wohl eher nichts daraus…

Krippenspiel-Karriereleiter

Wie fast überall im Leben, gibt es auch bei den Krippenspielen eine Karriereleiter. Im ersten Jahr startet man als Schaf, im zweiten Jahr darf man ein Hirte sein,  im dritten dürfen die Jungs einen der drei Könige sein, die Mädchen ein Engel und schliesslich folgt im vierten Jahr die Krönung, wenn man Maria oder Josef sein darf. So zumindest sieht die Karriere aus, wenn sie ohne Hindernisse verläuft.

Bei Luise nun ist die Karriere ins Stocken geraten. Eigentlich sollte sie schon längst die Maria machen dürfen, aber seit drei Jahren nun ist sie auf der Stufe Engel stehengeblieben. Was vielleicht an ihrem engelsgleichen Aussehen liegt. Luise findet es dennoch  ziemlich doof, dass es karrieremässig nicht vorwärts geht und man weiss ja, dass die Zeit drängt, wo sie doch in wenigen Jahren zu alt sein wird, um noch eine Rolle in einem Krippenspiel zu kriegen. Krippenspielregisseure sind da noch gandenloser als Hollywood-Regisseuere. Unter diesen Umständen ist es für Luise natürlich auch kein Trost, dass sie in diesem Jahr zumindest den Engel Gabriel machen darf. Sie findet, dass sie jetzt lange genug auf die Krönung ihrer Karriere gewartet hat und es tröstet sie auch  nicht, dass ihre Mama damals auch auf der Stufe Engel stehen geblieben war. Ob wir nächstes Jahr mit Bestechungsgeldern nachhelfen müssen?

Ernsthafte Sorgen machte ich mir, als der FeuerwehrRitterRömerPirat mir meldete, er sei in diesem Jahr als  Kartoffelsack zu sehen sein. Haben die jetzt tatsächlich weitere Hierarchiestufen eingeführt und unser armer kleiner Sohn muss noch einmal ganz unten anfangen, obschon er sich doch  einmal schon ganz leidlich durchgeschlagen hat? Wie kann ich mich denn damit brüsten, wenn ich den Leuten sagen muss: „Mein Sohn hat in diesem Jahr den Kartoffelsack so bravourös gespielt, dass er im nächsten Jahr ganz bestimmt die Eselsrolle bekommt.“? Nach mehrmaligem Nachhaken hat sich aber herausgestellt, dass ich ganz unbesorgt sein kann. Der FeuerwehrRitterRömerPirat ist ein Hirte, so wie es sich gehört, wenn man schon zum zweiten Mal dabei ist. Aber weil dieser Hirte einen alten Kartoffelsack trägt, war der FeuerwehrRitterRömerPirat offenbar anfangs ein wenig verwirrt, wer er denn nun sei.