Die Schuldigen sind gefunden

Die Frage, wer die Wirtschaft in die Krise geritten habe, wird seit Monaten heftig diskutiert. Die meisten Menschen geben gierigen Bankern die Schuld. Doch das ist eine ganz gemeine, völlig haltlose Unterstellung. Seit vorgestern weiss ich mit Bestimmtheit, wer die Weltwirtschaft an den Rand des Abgrunds getrieben hat. Wir waren es, die Mütter.

Warum ausgerechnet ich das weiss? Nun, ich hatte das Glück, einem Experten vor die Füsse zu laufen, der mir ungefragt darlegte, was in der Welt schief läuft. Schuld an der Krise seien wir Frauen, um genau zu sein wir Mütter. Würden wir nicht so bald als möglich unseren Kindern davonlaufen, um zu arbeiten, hätten wir die Krise nicht. So einfach ist das. 
Und warum laufen wir Müttern unseren Kindern davon? Auch dafür gibt der Experte eine ganz einfache Erklärung: Arbeiten wir Frauen im Büro, dann machen alle Männer ein Riesentheater um uns, bringen uns den Schmus und geben uns das Gefühl, wichtig zu sein. Sind wir dann zu Hause mit unseren Kindern, schenkt man uns keine Beachtung mehr. Darum wollen wir so schnell als möglich wieder ins Büro zurück. Und schwupps, da haben wir sie, die globale Wirtschaftskrise.
Sie finden diese Erkenntnis nicht revolutionär? Nun, ich auch nicht. Werden wir Mütter doch schon seit geraumer Zeit für alles verantwortlich gemacht, was schief läuft auf dieser Welt. Deshalb tragen wir Mütter den Vorwurf auch mit mehr Gelassenheit als die Banker. Eine Anschuldigung mehr fällt nun wirklich nicht mehr ins Gewicht. 

Pasta mit Mayonnaise

Ach Schweiz, du kinderfreundlichstes aller Länder! Wie liebe ich es, immer wieder von Neuem zu erleben, wie sehr du die Kinder und ihre Eltern verwöhnst. Wie schön ist es, in einen deiner perfekt designten Schnellzüge einzusteigen. Herrlich, dass für Kinderwagen ein besonders prominenter Platz vorgesehen ist: Gleich im Durchgang, so dass jeder, der ein- oder aussteigen will, sich daran erfreuen kann. 

Wunderbar auch deine Postautos. Die freundlichen Chauffeure, die einen mit ihren originellen Vorschlägen den Tag versüssen. Bittet man sie, die hintere Türe zu öffnen, damit man mit dem Kinderwagen einsteigen könne, meinen sie: "Legge si doch de Wage zäme!" Ja und das Kind? Bekommt das dann einen Spezialplatz im Gepäckfach, Herr Chauffeur? 
Ein Traum auch die drei Stufen, wenn man dann trotzdem die Erlaubnis zum Einsteigen bekommt. Anderswo auf der Welt muss man teure Fitnessabos kaufen, um nach der Geburt wieder in Form zu kommen. Hierzulande genügen ein paar Fahrten mit dem Postauto. Ein rüstiger Rentner, der einem seelenruhig beim Wagenheben zuschaut, verstärkt noch den Trainingseffekt. 
Ach ja, die lieben Senioren! Wie sie sich an den kleinen Schweizerlein erfreuen! Der Postautochauffeur wird nur mit einem "E Guete, Herr Schöudknächt" bedacht, der unfreundliche Sitznachbar muss sich mit Smalltalk begnügen. Für die Kinder aber gibt es etwas ganz Spezielles: Diesen giftigen, missbilligenden Seitenblick, den nur Schweizer Senioren so perfekt zustande bringen. Nun, wenn einem Kind auf der holprigen Fahrt die Sonnenblende aus der Hand rutscht, braucht das auch eine besondere Beachtung und wir sind froh, dass solche Leistungen hierzulande noch gewürdigt werden. 
Ja, nach solchen Tagen fühlt man sich dann als Eltern so richtig glücklich. So glücklich, dass man das mit einem speziellen Essen feiern muss: Pasta mit Mayonnaise. 

Erwartungen

Wenn man eine grosse Familie hat, wollen plötzlich alle etwas von einem. Jeder scheint irgend ein Bedürfnis befriedigen zu wollen. Da sind zum Beispiel gelangweilte Senioren. Sind wir zu siebt unterwegs, starren sie uns ungeniert an und beginnen zu tuscheln. „Meiner“ streckt ihnen dann provokativ fünf Finger entgegen und sagt: „Ja, es sind fünf. Sie haben richtig gezählt.“

Eltern, die die Familienplanung abgeschlossen haben, glauben, bei uns ihre nicht mehr gebrauchten Babysachen gratis entsorgen zu dürfen. Ständig bietet man uns alte Reisebetten, Kinderwagen und Winterjacken an. Wahrscheinlich glauben diese Menschen, ihre Angebote seien willkommene Spenden. Immerhin liest man ja alle zwei Tage, Kinder seien das grösste Armutsrisiko. Was die Wohltäter aber nicht bedenken: Wenn ihr Keller schon nach zwei Kindern überquillt mit Babysachen, wie muss dann erst unserer aussehen? Also nichts gewesen mit Gratis-Entsorgung bei Vendittis.
Neuerdings scheint man von uns auch zu erwarten, dass wir Arbeitsplätze schaffen. Nun ja, Arbeit hätten wir für mindestens drei Angestellte, doch leider reicht unser Einkommen nicht ganz, um der Wirtschaftskrise Herr zu werden. So musste ich leider die Frau abweisen, die mich händeringend darum bat, ihre Schwiegertochter doch bitte, bitte bei mir arbeiten zu lassen. Sie brauche ja wirklich nur „e chline bizteli Lohn“.
Jetzt, wo die Kinderzulagen angehoben werden, sind wir auch zu beliebten Hassobjekten geworden. Kinderlose empören sich in Leserbriefen über die kaltblütige Abzockerei, die wir Eltern betreiben. Ist ja auch wahr. Tausend Franken pro Monat für das bisschen Windeln wechseln und Wäsche waschen. Von solchen Summen konnten  Ospel und Konsorten auch zu den besten Zeiten nur träumen. Schämen sollten wir uns, wir Sozialschmarotzer! Während uns aber die einen als Abzocker verachten, sehen andere in uns die heldenhaften Retter der AHV. Es gibt tatsächlich Menschen, die sich bei uns bedanken, weil unsere Kinder ihre Rente sichern. Das rührt uns, stürzt uns aber auch in eine tiefe Identitätskrise. Was sind wir denn nun? Helden oder Abzocker?
Zum Schluss sind noch die Menschen zu erwähnen, die keine Familie haben. Auch sie suchen gerne die Nähe von grossen Familien und wir freuen uns darüber. Sie genissen das turbulente Leben bei uns, spielen mit den Kindern und finden es die tollste Sache der Welt, ein Baby zu wickeln; wir können mal wieder ein Gespräch führen, bei dem sich nicht alles um durchwachte Nächte und Streitereien zwischen Kindern dreht. Und beide Seiten finden es unglaublich interessant, zu erfahren, womit sich die anderen den ganzen Tag herumschlagen müssen.
Ach ja, und dann bat mich doch neulich eine Frau, ich solle für sie auch noch ein Kind gebären. Doch da musste ich leider abwinken. Meine Kinder mit anderen teilen, das geht ja noch. Aber verschenken kann ich sie leider nicht. Dazu sind sie mir zu sehr ans Herz gewachsen.

Nachts

Nachts wird unser Schlafzimmer zum Bienenhaus. Eigentlich wäre es so vorgesehen, dass nur "Meiner" und ich dort schlafen. Doch weil das Prinzchen noch viel Nähe braucht und wir onehin kein freies Zimmer haben für ihn, schläft auch er bei uns. Seit einigen Wochen sogar im eigenen Bettchen. Wer Nacht für Nacht "Schmeiss die Mama aus dem Bett" spielt, hat sein Aufenthaltsrecht an meiner Seite rasch verspielt, auch wenn er ein Prinz ist.

Dies also wäre die Besetzung in unserem Schlafzimmer. Bis dann gegen zwei Uhr morgens die schlaflose Prinzessin ins Zimmer geschlichen kommt. Sie könne nicht schlafen. Immer wenn sie den Kopf zur Wand drehe, habe sie böse Träume. Schlaftrunken weist man sie an, sie solle es sich im Reisebett bequem machen. 
Was dann passiert, lässt sich am Morgen nicht mehr genau rekonstruieren. Aus unerfindlichen Gründen werde ich nicht von lautem Schnarchen geweckt, sondern von leisem Murmeln. Neben mir liegt nicht mehr der Mann, der gestern Abend noch da war, da liegt ein FeuerwehrRitterRömerPirat und schläft selig. Manchmal auch noch ein Karlsson vom Dach, ein Sams oder was gerade aktuell ist. 
Wo aber ist "Meiner"? Hat er mich jetzt verlassen? Bin ich ihm nicht mehr gut genug? Keine Sorge. Er schnarcht auf dem Sofa vor sich hin. Bei zwei kleinen Männern im Bett war kein Platz mehr für einen Grossen.
Mal schauen, ob unser Zweitjüngster sein Gitterbett hergibt. Vielleicht können "Meiner" und ich bei ihm unterkommen. 

Einfach nur schön

Schon dass „Meiner“ und ich heute Morgen zusammen mit den kleinen Prinzen in Baden im Café Himmel sitzen durften, war ein Geschenk. Frische Croissants und heisse Schokolade anstelle von Unterricht und Wocheneinkauf. Ein grossartiges Geschenk von Arbeitskollegen, die wissen, dass für Eltern nichts so wertvoll ist wie Zeit zu zweit.

Und es sollte noch besser kommen. Wir hatten uns eine winzige gemütliche Ecke im Café ausgesucht. Wir unterhielten uns angeregt und liessen uns auch durch die ziemlich missmutige Dame gegenüber nicht stören. Nach einer Weile drängte sich ein ziemlich fülliger Herr auf den knappen Platz neben uns. Bevor er sich setzte, fragte er sein missmutiges Gegenüber höflich, ob der Platz noch frei sei. Er bekam keine Antwort. Offen gestanden waren auch wir nicht sonderlich begeistert darüber, unsere gemütliche Ecke teilen zu müssen. Nach einer Weile machte sich die missmutige Dame zum Gehen bereit. Höflich wünschte ihr der Mann einen schönen Tag. Wieder keine Reaktion. Als sie gegangen war, wandte sich der Mann an uns: „Vielleicht hört sie ja nichts.“ Er meinte es ernst.
So kamen wir mit dem Achtzigjährigen ins Gespräch. Er erzählte von seinen sechs erwachsenen Kindern und seinen zwölf Enkelkindern, freute sich, dass auch wir eine grosse Familie haben. Wir redeten ein wenig über die Geschichte der Römer, weil „Meiner“ bekanntlich in Windisch arbeitet. Dann wandte er sich wieder seiner NZZ zu, wir unserem Gespräch. Nach einer Weile suchte der Mann etwas in seiner Jackentasche, dann sagte er plötzlich zu uns: „Ob ich jetzt am Heiligen Abend in der Kirche etwas in die Kollekte gebe, oder ob ich jemand anderem eine Freude mache, spielt ja keine Rolle.“ und schob mir eine Fünfzigernote zu. Dann zitierte er in bühnenreifem Hochdeutsch – er stammte aus Deutschland – die Stelle aus dem Matthäusevangelium: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ Er wollte sich nicht wichtig machen, er erwartete keinen überschwenglichen Dank. Er wusste einfach, womit man Eltern von kleinen Kindern eine Freude macht, weil er selber einmal das Gleiche erlebt hatte.
Als wir uns nach einer Weile verabschiedeten, rief er uns hinterher: „Wählt einfach den Blocher nicht, dann kommt alles gut!“ Ein Seelenverwandter…

Inquisition

Es ist ja nicht meine Art, Leute nach ihrer Herkunft in Kategorien einzuteilen. Ich habe keine Lust, die Menschen je nach Nationalität in bestimmte Schubladen zu stecken und  bin eine grosse Verfechterin der Einzigartigkeit eines jeden Menschen, wenn auch diese Einzigartigkeit meistens geformt wird durch das Umfeld, in dem jemand lebt. Wenn ich also die folgenden Geschichten erzähle, möge mich bitte niemand der Fremdenfeindlichkeit bezichtigen. Die Italienerinnen sind nämlich, wie alle anderen Menschen auf diesem Erdboden, einzigartige Individuen. Bloss wenn es darum geht, ungefragt ihre Meinung zu äussern, sind die meisten Italienerinnen ähnlich einzigartig. Jetzt, wo dies geklärt ist, also die Geschichte(n).

Als vor etwas mehr als vier Jahren unser drittes Kind zur Welt kam, teilte ich das Zimmer mit einer Italienerin, die ebnfalls ihr drittes Kind bekommen hatte. Während Unseres das dritte Kind innert drei Jahren war, war Ihres das Dritte innert zwanzig Jahren. Die Anwesenheit dieser Frau bescherte mir das amüsanteste Wochenbett meiner Karriere. Die reinste Soap Opera. Die Beziehungsdramen des ältesten Sohnes, die endlosen Diskussionen, ob Papa oder Mama sich unterbinden lassen solle, die stolze Nonna, die nichts Besseres zu tun wusste, als der Mutter Schauermärchen zu erzählen, die Teenietochter, die sich damit abfinden musste, dass sie nicht mehr die Prinzessin ist. Es war höchst unterhaltsam und bei all den Dramen wäre es mir nicht im Traum eingefallen, mich einzumischen. Ich beobachtete das Treiben leise amüsiert von meinem Bett aus.

Der Zufall will es, dass ich dieser Frau ab und zu wieder begegne. Gestern war es mal wieder soweit. Wir hatten uns seit Frühling nicht mehr gesehen und deshalb war sie ziemlich überrascht, mich mit einem Neugeborenen zu sehen. Ob das Meines sei, wollte sie forsch wissen. Ob ich bei unserer letzten Begegnung schon gewusst hätte, dass ich schwanger sei?  Weshalb ich ihr damals nichts davon gesagt hätte? Wieviele Kinder ich jetzt hätte? Fünf? O Dio mio! Mit erhobenem Zeigfinger schaut sie micht streng an: „Jetzt ist aber fertig!“, befiehlt sie und geht weg.

Dieses Erlebnis erinnert mich an eine unserer Lieblingsnachbarinnen. Auch sie stammt aus Italien, ist ein unglaublich fröhlicher Mensch und ist immer für einen Schwatz zu haben. Und für einen Gratistip. So auch, als „Meiner“ neulich einen Apfelbaum pflanzte. Vom Gärtner hatte er sich alles genauestens erklären lassen: An welchem Standort der Baum stehen sollte, wie hoch er die Erde aufschütten sollte, wie man die Äste in die richtige Position bringt und was es sonst noch so zu berücksichtigen gibt, wenn man bald Früchte ernten will. Kaum war er fertig mit der Arbeit, ging die besagte Nachbarin an unserem Garten vorbei. Ihr Kommentar zur sorgfältig ausgeführten Pflanzaktion: „Ci voleva l‘ albicocca!“.

Performance

Stimme 1: "Ausgang, Ausgang, Ausgang, Ausgang, Ausgang, Ausgang,…" Stimme 2, setzt leise ein, wird dann lauter: "Ausgang, Ausgang, Ausgang,…". Stimme 3, laut: "Ausgang, Ausgang, Ausgang, …" Stimme 1, sehr laut "Untergang!". Stimmen 2 und 3, als Echo "Untergang, Untergang." Stimme 1: "Ausgang, Ausgang, Ausgang, Ausgang,…". Stimme 2, schreiend: "Übergang!". usw.

Wie lange die Performance dauerte, lässt sich schwer sagen. Auf jeden Fall war sie sehr inspirierend. Leider wird uns der tiefere Sinn des Ganzen auf immer verschlossen bleiben. Die Akteure waren für ein nachträgliches Interview leider nicht mehr ereichbar, da sie sich, kaum von der Bühne verschwunden, in ihre Betten zurückzogen. Eine Widerholung des Auftritts am Küchentisch ist ausgeschlossen. Welcher Künstler tritt denn schon zweimal am selben Ort vor dem gleichen spärlichen Publikum auf?

Aufklärung

Das war mal wieder ein Tischgespräch heute. „Können Vierzehnjährige schon Kinder bekommen?“, will die Fünfjährige wissen. „Ja.“ „Wie? Wenn sie Tabletten schlucken?“ Auftritt grosser Bruder: „Nein, weisst du, da steckt ein Mann sein Schnäbi in die Frau und dann drückt er die Samen heraus und dann gibt es ein Baby.“ Nun ja, für einen Siebenjährigen keine schlechte Antwort, oder? Doch die Schwester versteht noch nicht so recht und fragt, ob sie Mama und Papa nicht einmal zuschauen dürfe. Das wiederum findet der grosse Bruder völlig daneben, denn wer keine Kinder mehr will, macht sowas auch nicht mehr, oder? 

Und damit wären wir beim Thema Unterbindung angelangt. „Hat sich der Papa schon die Adern durchschneiden lassen, damit ihr kein Baby mehr bekommt?“, will der Älteste wissen. Nun gilt es zu erklären, dass man bei der Sterilisation nicht die Adern, sondern die Samenleiter durchschneidet. Und zwar möglichst so, dass man icht auch noch beim Thema Suizid hängen bleibt. Man muss den Kindern ja nicht alles aufs Mal auftischen. Aber als verantwortungsvolle Eltern müssen wir natürlich auch verhindern, dass unser Sohn demnächst auf dem Schulhof erzählt, sein Papa habe sich die Adern durchgeschnitten, damit er keine weitern Kinder mehr bekomme. Nur weil er kein weiteres Leben mehr zeugen will, heisst das ja noch lange nicht, dass ihm das Leben verleidet ist.

Nächtliche Ruhestörung

Normalerweise schläft der Kleine ja in seinem eigenen Bett, doch weil er seine Matratze mit Exkrementen beschmiert hat, – auf weitere Details verzichten wir an dieser Stelle – nächtigt er im Elternschlafzimmer, bis die Matratze wieder trocken ist. Aber daran denkt Mama natürlich nicht mehr, als sie nachts um eins wegen eigenartiger Motorengeräusche erwacht. Sind die Nachbarn jetzt vollkommen durchgedreht, dass sie mitten in der Nacht ihre Motorsäge laufen lassen? Oder lässt da ein Teenager den Motor seines Rollers aufheulen? Aber nein, das Geräusch kommt nicht von draussen. Es ist der Kleine, der bereits im zarten Alter von 18 Monaten dermassen laut schnarcht, dass die Mutter in Versuchung gerät, wegen nächtlicher Ruhestörung die Polizei zu rufen. Nun stellt sich natürlich die Frage, wie der Junge jemals eine Frau finden soll, wenn er mit seinem Schnarchen bereits jetzt die Wände zum Wackeln bringt. Ihm bleibt nur zu hoffen, dass der Trend der getrennten Schlafzimmer bis dahin anhält…

Wie war das nochmals mit den Genen?

Woher hat er das bloss? Der Papa drückt sich seit frühester Kindheit erfolgreich ums Fussballspielen und dies trotz italiensicher Wurzeln. Die Mama begreift noch immer nicht, was es mit der Offsideregel auf sich hat. Und der Sohn bricht in Tränen aus, wenn Deutschland das EM-Finalspiel verliert. 

Es waren tatsächlich echte Tränen, die der Vierjährige am frühen Morgen vergoss, als er erfuhr, dass die Spanier den Pokal mit nach Hause nehmen. Ja, es schüttelte ihn regelrecht durch. Während der Rest der Familie die EM als mehr oder weniger notwendiges Übel betrachtet hatte, entschied sich unser Dritter gleich zu Beginn dafür, die Deutschen zu unterstützen. Und dabei blieb er bis zum bitteren Ende. 
Wie sehr er sich die Sache zu Herzen genommen hatte, merkten wir aber erst heute Morgen. Wie er da betrübt auf dem Sofa sass und sich nur noch mit einem ganz süssen Kakao und einer langen Umarmung trösten liess, konnte er einem richtig Leid tun. 
Das kann ja heiter werden, wenn er erst mal grösser ist. Wenn er einer jener Männer wird, die bei jeder Niederlage „ihres“ Vereins in eine mittelschwere Depression verfallen. Nun, er wird in bester Gesellschaft sein mit unzähligen Männern auf diesem Planeten. Woher er das hat, wird jedoch für immer ein Rätsel bleiben.