Kompliment

Das muss man sich mal vorstellen. Ich, 

… die Frau, die täglich maximal drei Minuten vor dem Spiegel steht,

… die morgens ihre knallbunten Kleider ziemlich wahllos aus dem Schrank zerrt,

… die vorzugsweise online shoppt, weil sie es in Kleiderläden keine fünf Minuten aushält, ohne nervös zu werden,

… die zwar nichts dagegen hat, sich hübsch anzuziehen, aber im Grossen und Ganzen auf Mode pfeift,

… die von ihrer Tochter immer und immer wieder zu hören bekommt, sie sei zwar ein netter Mensch, aber ihr Stil sei zum Davonlaufen, 

… ich also wurde heute von eben dieser Tochter gefragt: „Leihst du mir mal deine neue Jacke? Die ist sooooooooo schön.“

Dass ich den Tag noch erlebe, an dem ich fürchten muss, meine ausgesprochen modebewusste Tochter würde mir mein Lieblingsstück aus dem Schrank klauen, habe ich mir bisher in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können. Bisher hat sie sich nur an meinen Sachen vergriffen, wenn sie beim Verkleiden möglichst lächerlich aussehen wollte.

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Einige Umbau-Gedanken

Der Küchenumbau befindet sich in seiner zweitletzten Phase und es wird allmählich Zeit, einige Lehren aus der ganzen Sache zu ziehen:

  • Es gibt durchaus Gründe, weshalb „Meiner“ und ich keinen handwerklichen Beruf ergriffen haben. Sehr viele, sehr gute Gründe. 
  • Hat man die Vierzig überschritten, darf man sich nicht wundern, wenn die bestellten Küchenmöbel und der nicht bestellte Hexenschuss am gleichen Tag geliefert werden. (Die Hexe traf nicht mich, sondern „Meinen“, aber er hat ganz furchtbar tapfer auf die Zähne gebissen.)
  • Dass Teenager immer hungrig sind, haben wir bereits an anderer Stelle festgestellt. Dieser Hunger lässt sich leider durch einen Küchenumbau ganz und gar nicht beeindrucken. Du hast also die Wahl: Entweder, du arrangierst dich damit, dass  die Halbwüchsigen andauernd wie hungrige Wölfe in der Küche herumschleichen, um zwischen Schrauben, Bohrmaschinen und Brettern etwas Essbares zu ergattern, oder du schickst sie auf die Kebab-Jagd, damit du endlich in Ruhe schrauben kannst. 
  • Hilft Karlsson mit, bist du immer froh, wenn er sich bald einmal wieder dem Klavier oder der Geige zuwendet. (Auch bei ihm sind die Gründe, weshalb er keinen handwerklichen Beruf ergriffen hat, zahlreich.)
  • Hilft das Prinzchen mit, bist du immer traurig, wenn er sich wieder seinen Zeichnungen oder dem Spiel mit seinen Brüdern zuwendet. (Sieht zwar nicht so aus, als wolle er mal einen handwerklichen Beruf ergreifen, aber ich glaube, er könnte, wenn er wollte.)
  • Es gibt auch Kinder, die von dem ganzen Durcheinander gar nichts mitbekommen und die dich ganz verwundert anschauen, wenn du sie fragst, ob sie mal kurz helfen könnten. Helfen? Wozu? Soll die Küche denn nicht bleiben, wie sie jetzt gerade ist?

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Wie man sich selber an die Leine legt

„Wenn du mich heute noch einmal am Handy erwischst, darfst du es mir für die ganzen Herbstferien wegnehmen“, sagte er am Abend vor den Ferien. „Du bist aber ganz schön hart mit dir selber. Willst du dich wirklich dieser Versuchung aussetzen?“, fragte ich. Er wollte und natürlich ging es schief. Ich erwischte ihn und das Handy verschwand – auf seinen ausdrücklichen Wunsch – in einem Versteck.

In diesem Versteck war es heute nicht mehr, weil er es aufgespürt hatte. Zu dumm, dass ich ihm schon wieder auf die Schliche kam und so wird halt die handyfreie Zeit auf nach den Herbstferien verlängert.

Manche Kinder sind wirklich unglaublich talentiert darin, sich das Leben schwerer zu machen als nötig.

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Liebe Mitmütter

Glaubt mir, ich weiss nur zu gut, wie einsam und endlos die Tage sein können, wenn die Kleinen noch klein sind. Ich weiss auch, wie unglaublich gut es tut, endlich einmal einen ganzen Abend lang mit Freundinnen unterwegs zu sein. Dennoch muss ich euch sagen, dass es bestimmte Orte gibt, an denen weder ich noch sonst irgend jemand mithören möchte, was ihr einander zu erzählen habt.

Ja, ich weiss, die Ferien im Kinderhotel waren unglaublich toll. Endlich waren eure Knöpfe rund um die Uhr beschäftigt und ihr hattet Zeit zum Lesen. Und dann dieses Buffet! So viel gutes Essen und ihr musstet keinen Finger dafür krumm machen. Und natürlich wollt ihr auch noch über den USA-Trip reden, wo es so tolle Pancakes gab und wo ihr euch all die vielen Kilos, die ihr vorher mühselig abgenommen hattet, gleich wieder angefressen habt. Sogar euer Kleiner, der doch sonst nie etwas essen mag, hat da so richtig reingehauen. Der Schwiegervater hat dann natürlich wieder blöd gemeckert, aber das kennt man von ihm ja nicht anders. Ach, und wo wir schon von den Schwiegereltern reden….

So geht das in einem Fort, mit viel Gekicher und Gejammer und das macht euch so unglaublich glücklich, dass ihr keine Sekunde daran denkt, dass ihr euch die Sauna mit Menschen teilt, die hergekommen sind, um zur Abwechslung mal den Familenalltag hinter sich zu lassen. Also unterhaltet euch gefälligst über Dinge, die eure unfreiwilligen Mithörer auch interessieren. Oder unterhaltet euch am besten gar nicht, denn euer ewiges Geschnatter nervt gewaltig, wenn man versucht, möglichst viel Entspannung in die kurzen kinderfreien Stunden zu packen.

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Das Prinzchen leistet Widerstand

Das Prinzchen ist seit eh und je ein ausgesprochen pflegeleichtes Kind, das uns äusserst selten Kummer bereitet. Zwar ist er ein kleiner Sturkopf, aber da sich seine Sturheit selten gegen Familienmitglieder richtet, ist das nicht weiter schlimm. 

Jetzt aber hat er angefangen, auf einem Gebiet Widerstand zu leisten, auf dem ich keinen Widerstand dulde: Er will Asterix und Obelix nicht mögen, ja, er weigert sich rundheraus, mir zuliebe wenigstens einen Band zu lesen, um zu sehen, ob er den beiden Galliern nicht vielleicht doch etwas abgewinnen könnte. „Ich lese nur Tim und Struppi und sonst keine Comics“, beharrt er und es hilft nichts, dass der FeuerwehrRitterRömerPirat und ich ihm eine witzige Episode nach der anderen erzählen. Er will nicht, der kleine Prinz, und wenn er nicht will, dann ist er ähnlich stur wie Miraculix, wenn Obelix ihn um eine Portion Zaubertrank anbettelt. 

Aber warum, in aller Welt, muss das Kind unbedingt Asterix lesen? Na, warum wohl? Weil er ohne Kenntnis der ersten dreissig Bände auf die Idee kommen könnte, seine Mutter sei reif für die Klapsmühle, wenn sie am frühen Morgen schlaftrunken in die Küche geschlurft kommt und fragt: „Schalut schuschammen. Gibtsch hier wasch schu Trinken?“

Ein Ende in Sicht

Wie es unserer Küche gehe, wollte neulich jemand von mir wissen. Sie sei auf dem Wege der Besserung, antwortete ich und das ist sie tatsächlich.

Die Kühlgerät-Komödie hat ein gutes Ende gefunden. Das unnütze Ding, das nach wenigen Monaten bereits seinen Dienst verweigerte, ist auf Kosten der Firma abtransportiert und entsorgt. Das neue Gerät ist so wunderbar, dass mich jedesmal, wenn ich seine Türen öffne, leicht fröstelt, was ja bei einem Kühlschrank eigentlich normal ist, mich aber dennoch überwältigt, weil es sein Vorgänger nicht mehr unter die 10-Grad-Marke schaffte. 

Der Herd meiner Träume ist installiert, Schwiegermamas heilige Pfannen sind entsorgt uns seither wird nur noch in pinkfarbenen und hellgrünen Töpfen gekocht. Eine wahre Freude, die man allerdings immer nur ganz kurz geniessen kann, weil dieses Induktionszeug so wahnsinnig schnell ist.

Das Abwaschen in der Badewanne hat bereits vor einigen Wochen ein Ende gefunden und seit heute steht sogar wieder eine Maschine da, die uns bereitwillig die Arbeit abnimmt.

Wenn alles läuft wie geplant, sollten nächste Woche die Küchenmöbel fertig werden und dann ist er hoffentlich endlich Geschichte, der Umbau, der als eine der nervenaufreibendsten und zugleich eine der wunderbarsten Haushaltangelegenheiten in die Familiengeschichte eingehen wird. Nervenaufreibend, weil wir dabei Murphys Gesetz von vorne bis hinten und wieder zurück durchbuchstabiert haben. Wunderbar, weil immer dann, wenn wir uns nicht mehr zu helfen wussten, von irgendwo ein rettender Engel angeflogen kam, der uns aus der Patsche half. (Wo wir heute ohne diese Engel stünden, möchte ich mir lieber nicht ausmalen…)

Und so überwiegt jetzt, wo das Ende in Sicht ist, die Dankbarkeit, die die den Ärger allmählich verblassen lässt. Wobei er nicht gänzlich vergessen gehen soll, sonst kommen „Meiner“ und ich am Ende noch auf die Idee, uns ins nächste Abenteuer zu stürzen.

dahlie

Lest heute wiedermal anderswo

Wir versuchen gerade, endlich in Herbstferienstimmung zu kommen, darum gibt’s heute nur den einen Text von mir und zwar auf hier, auf swissmom.ch.

 

17 Gebote für reisende Teenager

Egal, ob Klassenlager oder Ferienwoche in der Toscana, einige Gebote sollten reisende Teenager beherzigen:

1. Du sollst keinen gestellten Wecker zurücklassen. Erst recht keinen, der ab fünf Uhr früh alle 30 Minuten aufs Neue losgeht. (Dieses Gebot gilt auch für Teenager mit erlesenem Musikgeschmack, die sich von Johann Sebastian Bach, Mahalia Jackson und anderen Grössen wecken lassen.)

2. Wenn du schon Gebot Nummer 1 nicht einhältst, dann sollst du deinen Eltern wenigstens den Code für dein Gerät geben, damit sie den Wecker bis zu deiner Rückkehr zum Schweigen bringen können. 

3. Du sollst nicht die einzige sich im Haushalt befindliche volle Zahnpastatube mit in die Ferien nehmen.

4. Da du Gebot Nummer 3 ohnehin brichst: Du sollst nach deiner Rückkehr die jetzt natürlich nicht mehr ganz volle Zahnpastatube umgehend zurück ins Badezimmer stellen, damit sie der Tube, die deine Eltern in der Zwischenzeit gekauft haben, Gesellschaft leisten kann.

5. Da du dich selbstverständlich auch nicht an Gebot Nummer 4 hältst: Du sollst die jetzt natürlich nicht mehr ganz volle Zahnpastatube nicht bis zum nächsten Aufräumanfall in deinem Zimmer vergammeln lassen.

6. Du sollst nicht erst im letzten Moment vor der Abreise daran denken, dass du noch Kleider waschen musst.

7. Weil du Gebot Nummer 6 ohnehin übertreten wirst: Du sollst deinen Ärger über die zu langsam trocknende Wäsche nicht an deiner Mutter auslassen.

8. Du sollst erst recht nicht von deiner ziemlich grün eingestellten Mutter fordern, sie solle sich endlich einen Tumbler zulegen. 

9. Du sollst nicht klammheimlich das Handykabel deines Bruders mitnehmen.

10. Du sollst die allerbeste, bei sämtlichen Familienmitgliedern beliebte Haarbürste zu Hause lassen. 

11. Du sollst die Frage „Hast du uns vermisst?“ nicht wahrheitsgetreu beantworten, es sei denn, du hättest vor lauter Heimweh die ganze Woche nichts essen mögen. 

12. Du sollst nicht behaupten, du hättest nichts mehr anzuziehen und müsstest ganz dringend shoppen gehen, ehe du deinen Koffer ausgepackt hast. (Dieses Gebot gilt auch dann, wenn dein Koffer drei Monate nach deiner Rückkehr noch immer in deinem Zimmer vor sich hin gammelt.)

13. Du sollst den Proviant, den du auf der Hinreise nicht hast aufessen mögen, nicht mehr mit nach Hause nehmen. 

14. Du sollst keine Käfer und Seuchen aus dem Klassenlager mit nach Hause bringen.

15. Du sollst deine Packliste vor der Abreise sehr genau durchlesen und überprüfen, ob du alles dabei hast.

16. Weil du auch Gebot Nummer 16 missachtest: Du sollst nach deiner Heimkehr nicht jammern, du hättest es ohne Regenjacke, Sonnencreme und Shampoo kaum ausgehalten. 

17. Du sollst dich nach der Rückkehr nicht über Schlafmangel beklagen. Es hat dir keiner befohlen, bis tief in die Nacht mit den anderen zu quatschen.

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Entlarvt

Gestern im Zug eine Schülergruppe, begleitet von zwei Erwachsenen. Eine der beiden Frauen perfekt getarnt, damit sie unter den vielen jungen Menschen nicht so mittelalterlich aussieht, wie sie ist. Also eine Latzhose, die an den richtigen Stellen zerrissen ist und nur an einem Träger hängt, Jeansjacke, top moderne Sonnenbrille, an den Füssen ein Paar dieser schrecklichen Sneakers, die eigentlich aussehen wie orthopädische Schuhe und die trotzdem der letzte Schrei sind bei den Teenagern. Erst als sie zu reden anfängt, kann sie nicht mehr verbergen, welcher Generation sie angehört: „Hattet ihr denn viele schwierige Proben?“, fragt sie. Proben? Himmel, wer so genau weiss, wie sich die heutige Jugend kleidet, sollte auch wissen, dass kein Mensch mehr Proben schreibt. Tests, oder vielleicht auch Lernzielkontrollen, aber ganz bestimmt keine Proben.  

Es ist halt doch so, wie es immer schon war: Alle Anstrengungen, nicht alt aussehen zu wollen, helfen nichts, wenn man noch immer die Sprache seiner eigenen Jugendzeit spricht. (Was ja nicht verboten wäre. Mann sollte dann einfach nicht so krampfhaft darum bemüht sein, cool zu wirken.)

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Lehrgeld

Die Krautfäule ist beileibe keine Unbekannte für mich. Im Gegenteil. Ihr sind schon so viele meiner geliebten Tomaten zum Opfer gefallen, dass ich mir dieses Jahr mit meinem Kolumnenhonorar ein grosses Gewächshaus geleistet habe, um den Pflanzen ein schützendes Dach zu bieten. Diesmal würde ich nicht mit ansehen müssen, wie eben noch wunderschöne Tomaten plötzlich braun und unansehnlich werden, des war ich mir sicher.

Leider habe ich einen gravierenden Fehler begangen: Ich habe Ferien gebucht. Die drei Wochen Schweden im Juli waren des Guten zu viel für meine verwöhnten Nachtschattengewächse. Wie konnte ich es wagen, die langen Sommerabende im Norden zu geniessen, während sie mit voller Kraft Blattwerk, Zweige und Blüten produzieren mussten? Aus Protest gegen die schändliche Vernachlässigung hoben sie die Dachfenster des Gewächshauses aus ihrem Angeln. Erst sah es so aus, als wäre diese Racheaktion folgenlos geblieben, doch irgendwann letze Woche war nicht mehr zu übersehen, dass sich die Fäulnis breit macht, wo der Regen eingedrungen ist. Was blieb mir da anderes übrig, als radikal durchzugreifen, um zu retten, was noch nicht befallen ist? Beim Wegräumen der kranken Pflanzen wurde mir schmerzlich bewusst, dass uns die diesjährigen Sommerferien nicht nur eine ganze Stange Geld, sondern auch kiloweise Tomaten gekostet haben. 

Na ja, immerhin zeigt sich jetzt, wo das Tomatengestrüpp beseitigt ist, dass es den Peperoni, die ebenfalls im Gewächshaus wohnen, ganz prächtig geht. Und weil der Dschungel nun gelichtet ist und die Herbstsonne so richtig durchs Dach scheinen kann, darf ich immerhin hier auf eine reiche Ernte hoffen. 

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