An die Wetterverwirrten,…

…die nach dem zweiten nicht ganz sonnigen Wochenende in Folge nicht mehr ein und aus wissen und deswegen in diversen sozialen Medien den Jammergesang „So ein mieses Wetter und das mitten im August!“ angestimmt haben…

Ich möchte euch etwas erklären: Das, was seit einigen Stunden auf eure ach so empfindlichen Köpfchen herab tropft und eure noch empfindlicheren Seelchen in tiefste Trauer stürzt, nennt sich Regen. Die Tröpfchen fühlen sich gar kalt an auf der nackten Haut, ich weiss, und sollten eure zarten Füsschen in einem Pfützchen landen, holt ihr euch am Ende noch einen Schnupfen und dann ist es aus mit dem Sommerfeeling. Ach, so ganz ohne Sonnenschein will einfach keine rechte Lebensfreude aufkommen. Vierundzwanzig kostbare Sommerstunden vergeudet! Womit haben wir das verdient? Wo doch schon bald der Herbst vor der Tür steht und dann dauert es wieder sooooooo lange, bis endlich wieder Sommer wird. 

Meine lieben Wetterverwirrten, ihr nervt und zwar gewaltig. Schaut ihr denn eigentlich nie aus dem Fenster? (Ich meine, jetzt mal abgesehen von eurem sorgenvollen Blick, mit dem ihr überprüft, ob der Himmel „endlich“ wieder blau werden will?) Seht ihr denn nicht, wie die Natur förmlich nach Flüssigkeit lechzt? Glaubt ihr wirklich, das Wetter habe einzig und alleine die Aufgabe, euch fröhlich zu stimmen und euch das Gefühl zu vermitteln, ihr wäret am Strand und nicht zu Hause in der langweiligen Schweiz? Hat eure Mama euch nie erklärt, dass eitel Sonnenschein ziemlich schnell eine trostlose Wüste entstehen lässt?

Falls nein, dann solltet ihr vielleicht mal im Estrich euer altes Schulmaterial ausgraben, dort findet ihr bestimmt noch irgendwo die Zeichnung mit dem Wasserkreislauf und dann versteht ihr vielleicht, was ich meine.

(Und sonst könntet ihr euch wenigstens ein Beispiel am Prinzchen nehmen. Der hat heute, als die Lehrerin wissen wollte, worüber sich die Kinder freuen, gesagt, er sei glücklich, weil es endlich mal wieder regne.)

will I be happy?; prettyvenditti.jetzt

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Wer verwöhnt denn da?

Vor ein paar Tagen geriet ich mit einem unserer grösseren Kinder in einen ziemlich heftigen Disput. „Das Prinzchen ist dein Lieblingskind. Er ist total verwöhnt und darf alles“, lautete der Vorwurf im Kern und ich versuchte, möglichst angemessen zu reagieren. Mir sei schon klar, dass „Meiner“ und ich mit dem Jüngsten weniger streng seien, gab ich zu. Wir täten das nicht mit Absicht und erst recht nicht, weil wir das Prinzchen lieber hätten als die anderen, aber als Eltern werde man mit zunehmender Erfahrung einfach gelassener. Ja, ich stand sogar dazu, dass ich als jüngstes Kind in meiner Familie mich ohne es zu wollen oft mit dem eigenen jüngsten Kind solidarisiere. Ich erklärte aber auch, die Position des Nesthäkchens bringe nicht nur Vorteile mit sich, übermüdete Eltern und besserwisserische grosse Geschwister könnten einem ziemlich zusetzen. Weil ich mich gerade für einen Artikel mit dem Thema „Geschwisterkonstellationen“ auseinandersetze und mehrere Fachbücher gelesen habe, konnte ich mein Geschwätz gar theoretisch untermauern, doch es half nichts; der Vorwurf, ich würde den Jüngsten krass bevorzugen, blieb im Raum.

Heute Abend trat das Prinzchen mit nackten Füssen in eine Nähnadel, die aus unerfindlichen Gründen auf dem Teppich lag. Die Nadel steckte tief im grossen Zeh und entsprechend laut war das Geschrei. Innert Sekunden kamen sie angerannt, die grossen Geschwister. „Prinzchen, was ist mit dir? Tut es schlimm weh? Kann ich dir helfen? Willst du meine Spielfigur haben?“ Das alles, obschon das Prinzchen längst auf meinem Schoss sass und „Meiner“ sich um die Entfernung der Nadel kümmerte. „Oh ja, er wird tatsächlich gehätschelt und verwöhnt, der Kleine“, brummte ich. 

Blöd war einfach, dass ausgerechnet das Kind, das so sehr mit der Sache gehadert hatte, nicht dabei war, um zu sehen, dass Mama und Papa bei Weitem nicht die einzigen in diesem Haus sind, die dem Jüngsten das Gefühl geben, er sei ein kleiner Prinz.

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Wenn dein Garten an der Strasse liegt,…

…und du dich irgendwann dazu entschliesst, dem Gehölz den Garaus zu machen, um aus der Einöde etwas Schönes entstehen zu lassen, dann kommst du mit jedem, der am Haus vorbeigeht, ins Gespräch. 

Der eine – ein netter Kerl, leicht handicapiert – erzählt dir, wie er jeweils zu Hause, in den Bergen oben, mit seinen Blumen plaudert und wie gut das beiden Seiten tut.

Der Nächste lässt dich ganz unverblümt wissen, es sei wirklich höchste Zeit, dass du das mit dem Garten mal endlich anpackst. So, wie das ausgesehen habe, sei es ja wirklich nicht mehr schön gewesen. 

Der Dritte sagt dir, mit der von euch angewendeten Methode würdet ihr die Wurzelstöcke nie und nimmer aus dem Boden kriegen und er bleibt auch bei seiner Meinung, als du erklärst, auf diese, Wege hättet ihr bereits ohne grossen Aufwand fünf hartnäckige, lästige Dinger ausgegraben. 

Ein älteres Ehepaar freut sich, dich mit „Deinem“ im Garten anzutreffen, findet, es sei doch besser, einen neuen Garten anzulegen, anstatt sich einen neuen Mann zu suchen und erzählt dann voller Stolz die eigene Liebes- und Lebensgeschichte.

Eine übellaunige Alte sagt zwar nichts, verzieht aber angewidert das Gesicht, weil auf der Feuerstelle gerade ein paar Wurzelstöcke, die zu gross sind für den Häcksler, ziemlich viel Rauch produzieren.

Manch einer meint nur: „Lieber du als ich“ und lässt zur Motivation ein paar Tipps zurück, nach denen du nicht gefragt hast.

Einige wollen wissen, was denn werden soll und sind erstaunt, wenn du dir deinen zukünftigen Garten ganz anders vorstellst, als sie es machen würden. 

Und dann gibt es noch so nette Menschen wie dein Nachbar und sein Kollege, die mit sinnvollen Tipps und Tricks, Werkzeugverleih und beherztem Anpacken dafür sorgen, dass die Arbeiten mit bedeutend weniger Schwielen und Schweissausbrüchen als erwartet vorangehen.

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Alles nur eine Frage der Disziplin?

Montag backen, Dienstag arbeiten, Mittwoch Garten, Donnerstag arbeiten, Freitag putzen – So ist das geplant und so habe ich das in den vergangenen zehn Tagen auch mehr oder weniger durchgezogen. „Ist es am Ende doch nur eine Frage der Disziplin, ob man es schafft, die Dinge zu tun, die man sich vorgenommen hat?“, fragte ich mich selbst heute früh, als ich mal kurz meinem Spiegelbild begegnete. Mein Spiegelbild zog die Augenbrauen hoch. „Hast du die Sache mit Schwiegermama schon wieder vergessen?“, fragte es mich. „Und die Lehrerin, die dich fast jeden Mittwochvormittag angerufen hat, weil der FeuerwehrRitterRömerPirat über Bauchweh klagte? Und Luise, die so viel krank war? Und deine eigenen Käferchen? Und all die Stundenplanänderungen? Und…“ „Schon gut“, unterbrach ich ungeduldig, denn im Garten warteten ein paar hartnäckige Wurzeln auf mich, „ich habe verstanden: Solange alles mehr oder weniger rund läuft, ist es eine Frage der Disziplin, aber wenn Schwiegermütter, Lehrerinnen und Käfer die Finger im Spiel haben, kann ich wollen, soviel ich will, es wird trotzdem nicht klappen.“ „Schlaues Mädchen“, antwortete mein Spiegelbild. Jetzt war es an mir, die Augenbrauen hochzuziehen. „Mädchen? Hast du uns zwei in letzter Zeit schon mal etwas genauer angesehen?“ „Wie sollte ich?“, fragte mein Spiegelbild zurück, „du rennst ja andauernd wie ein aufgescheuchtes Huhn durch Haus und Garten, da bekomme ich dich kaum je zu Gesicht.“ „Ach ja, ich soll hier vor dem Spiegel rumhängen, wenn meinen Plänen endlich mal nichts im Wege steht?“, raunzte ich. „Und wenn ich dir das nächste Mal begegne, wirfst du mir vor, ich sei ein undiszipliniertes Miststück, das nichts auf die Reihe kriegt.“ Eine Antwort wartete ich nicht mehr ab, denn die Wurzeln brauchten mich jetzt wirklich. Man weiss schliesslich nie, wann der nächste Käfer kommt… 

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Diebstahl!

Vor vielen Jahren gab es in unserem Leben eine Sache, die wirklich kostbar war, aber da sie uns in rauen Mengen zur Verfügung stand, wussten wir ihren Wert nicht richtig zu schätzen, weshalb wir sie oft für unsinnige Dinge wie Endlossitzungen, Pflichteinladungen und Streitigkeiten verschwendeten. Als die Kinder kamen, begannen wir zu erkennen, was wir vergeudet hatten, aber da die Sache nur umkämpft, nicht aber verschwunden war, lernten wir mit der Zeit, sie zu geniessen. Jetzt erkannten wir erst, wie unglaublich wertvoll sie war und wir schätzten uns ausserordentlich glücklich, sie zu besitzen. Okay, an gewissen Tagen sah es so aus, als hätten wir sie verloren, aber je grösser die Kinder wurden, umso seltener war dies der Fall. Ja, zwischenzeitlich fühlten wir fast wieder so sicher wie zu kinderlosen Zeiten, so dass wir uns gar verstiegen, zu glauben, die Sache stünde uns zu. 

Tja, und dann wurden aus unseren Kindern Teenager und auf einmal war die Sache weg. Einfach so, mochten wir auch noch so lange danach suchen, sie war fort. Erst dachte ich ja, wir hätten sie einfach am falschen Ort versorgt und müssten nur mal gründlich unser Leben auf den Kopf stellen, um sie wieder zu finden. Doch seitdem Luise auch an der Oberstufe ist, gibt es keinen Zweifel mehr: Man hat uns beraubt, hat uns den Feierabend, der uns im Laufe der Jahre so kostbar geworden ist, brutal entrissen und ich fürchte, es wird eine Ewigkeit dauern, bis der Dieb gefasst ist und wir zurückbekommen, war wir so schmerzlich vermissen. 

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Cinderella muss abspecken

Karlsson und Luise zogen sich neulich spät abends einen seichten Film rein und weil ich noch später abends zwar einen Brummschädel hatte, nicht aber müde genug war, um mich schon ins Bett zu verkriechen – Himmel, es war noch nicht mal Mitternacht! -, schaute ich mir das Zeug auch an. Es war einer dieser unzähligen Cinderella-Verschnitte, diesmal aber nicht mit kreischenden Teenies, sondern mit angeblich erwachsenen Frauen, die mitten im Berufsleben stehen. Die Story ging etwa so:

Drei in den Augen des amerikanischen Publikums wohl deutlich übergewichtige Frauen werden nicht für voll genommen. Sie beschliessen, gemeinsam abzunehmen, gestehen einander unter Tränen, dass sie sich den Speck nur angefressen haben, um sich vor der bösen, bösen Welt da draussen zu schützen und weil sie einfach nie gelernt haben, sich selbst zu mögen. Damit der Zuschauer auch weiss, wie man den Speck auf den Hüften los wird, darf er den drei Frauen dabei zusehen, wie sie sich mit dem Personal Trainer auf dem Sportplatz quälen, wie sie mit grösster Willensstärke dem Doughnut widerstehen und wie eine von ihnen nur dank chirurgischer Hilfe zur Traumfigur zurückfindet. Schliesslich aber sind die Frauen dünn genug, um dem Publikum als Vorbild zu dienen und jetzt darf das Glück endlich auf sie herabregnen. Im Falle der Hauptfigur kommt dieses – wie könnte es anders sein – in Form eines gut situierten Prince Charming und eines fetten Buchdeals daher. 

Cinderella ist heute also nicht mehr arm, sondern dick. Wenn sie haben will, was andere Frauen ganz selbstverständlich für sich in Anspruch nehmen, soll sie abspecken. Und wenn sie das endlich geschafft hat, soll sie gefälligst dankbar sein, dass Prince Charming sie haben will. Obschon sie ihn natürlich warnen muss, ihr Körper sei „nicht so schön wie der von anderen Mädchen“, bevor er mit ihr in die Kiste springt. (Natürlich versichert er ihr pflichtbewusst, sie sei wunderschön und habe ihm schon gefallen, als sie noch runder war, aber wir wissen alle, dass er das nur um der politischen Korrektheit Willen sagen muss.)

Zum Glück fanden Karlsson und Luise dieses Machwerk ebenso übel wie ich, sonst müsste ich sie ganz dringend einer Gehirnwäsche unterziehen. 

remain connected; prettyvenditti.jetzt

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Kahlschlag

Die Sträucher so verdurstet, dass sich Äste ohne grossen Kraftaufwand abbrechen lassen. 

Der Löwenzahn schlapp, seine Wurzeln saft- und kraftlos. Fast ohne Widerstand gibt er das Terrain frei, das er sich im Frühling so selbstbewusst erobert hat. 

Regenwürmer nur in getrockneter Form.

Das Erdreich so krümelig, dass Prinzchen, sein bester Freund, Zoowärter und FeuerwehrRitterRömerPirat den ganzen Nachmittag Archäologen spielen können und sogar eine fast schon historische 200-Lire-Münze zu Tage fördern.

Sogar das lästige Efeu vermag sich nicht richtig gegen unsere Rodungsarbeiten zu wehren. 

Die Gurken kraftlos, unmotiviert und ohne Ertrag. Ohne nur den leisesten Hauch von Wehmut räumen wir das Beet jetzt schon. 

Auch die Nacktschnecken haben sich rar gemacht. 

Keine Frage, der Hitzesommer hat dem Garten ziemlich zugesetzt. Und dadurch beste Bedingungen geschaffen, damit wir mit unserem Kahlschlag viel schneller vorwärts kommen als geplant. Darum gleicht unser Garten nach wenigen Stunden Arbeit bereits einer Wüste. Im Kopf gedeihen deshalb die Träume für zukünftige Gartentage umso üppiger. 

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Wenn mir jetzt noch einer erklären könnte…

…warum Menschen, die viel Geld für eine professionell gestaltete Homepage ausgeben, nicht einen einzigen roten Rappen für eine professionelle Korrektur ausgeben und am Ende ihrer Kundschaft ganz ungeniert solche Sätze zumuten: „Mir viel die Decke auf den kopf, also machte ich Eine Recherge im internet“.

…wie man Schulbücher in durchsichtige Folie einpackt, ohne dass das Zeug andauernd reisst.

…wie der Kerl, der neulich in einem Leserbrief geschrieben hat, fast alle Flüchtlinge, die derzeit auf diesem Planeten nach einem sicheren Zuhause suchen, hätten ihre Heimat freiwillig und ohne Not verlassen, es geschafft hat, all die unzähligen Menschen nach den Beweggründen für ihre Flucht zu fragen.

…wie Luises Schmusetier aus Kleinkindertagen es fertig gebracht hat, trotz ständiger Beobachtung in den Garten zu entweichen, viele Jahre unbemerkt dort vor sich hin zu modern – bis wir auf die Idee kommen, Bäume zu fällen – und trotz allem immer noch als Luises Schmusetier aus Kleinkindertagen erkennbar zu bleiben.

…woher ich den langen Atem nehmen soll, um bei den ganzen Schulweg- und Pausenplatzstreitereien, die noch nie so heftig waren wie in dieser ersten Schulwoche, kühlen Kopf zu bewahren.

…weshalb sich gewisse Menschen doch heute tatsächlich schon zum ersten Mal über „diesen blöden Regen und das ausgerechnet am Wochenende“ beklagt haben.

il paese delle meraviglie; prettyvenditti.jetzt

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Wie man treue Kunden vergrault (und sie trotzdem dumm genug sind, zu bleiben)

In meinem Leben gibt es seit ich denken kann nur eine einzige Bouillon. Eine, auf die meine Mutter schon seit Jahren schwört und die bei mir seit dem Tag, an dem ich begann, meinen eigenen Haushalt zu führen, im Küchenschrank steht. Die einzige, bei der unsere Kinder nicht die Nase rümpfen und die sie mit Vorliebe zwischen den Mahlzeiten aus der Dose naschen. Diejenige, die ich immer beim gleichen Vertreter bestelle, der zwei- oder dreimal im Jahr die Frauen meiner Familie zum grossen Bestellen um den Esstisch meiner Mutter versammelt. Die Bouillon, die ich zu verwenden gedenke, bis es mir vielleicht eines Tages gelingt, selber etwas herzustellen, das mir besser schmeckt. Oder bis es mir zu bunt wird mit diesen Anrufen.

Es fing vor etwa einem Jahr an. „Frau Venditti, wir hätten da dieses tolle Sonderangebot…“ flötete die Dame am Telefon, aber weiter kam sie nicht, denn ich liess sie wissen, ich würde immer nur direkt beim Vertreter bestellen, denn Telefoneinkäufe seien nicht so mein Ding. „Wenn Sie bei mir bestellen, kommt das auch Ihrem Aussendienstmitarbeiter zugute“, erklärte mir die Dame, doch ich blieb hart. „Kein Interesse, vielen Dank, notieren Sie das bitte in meiner Kundendatei. Keine Telefonverkäufe bei mir“, beharrte ich und sie versprach mir hoch und heilig, meinen Wunsch zu vermerken.

Ich vertraute ihr. Ganze drei Wochen lang, dann schellte das Telefon erneut. „Frau Venditti, wir hätten da…“ „Bitte entschuldigen Sie, wenn ich Sie unterbreche, aber ich habe Ihnen gesagt, dass ich keine Anrufe wünsche. Ich bestelle direkt beim Vertreter.“ „Wenn Sie bei mir best….“ „Nein, vielen Dank. Keine Anrufe. Ich kaufe nicht am Telefon.“ „Gut, dann notiere ich das so in Ihrer Kundendatei.“ 

Danach herrschte Ruhe. Einen Monat lang, vielleicht auch zwei? Ich weiss es nicht so genau. Auf alle Fälle flötete mir bald schon wieder eine freundliche Dame ins Ohr: „Frau Venditti, wir hätten da…“ „Nun hören Sie mir mal ganz gut zu: Seit bald zwei Jahrzehnten bin ich Kundin bei Ihnen, ich bin zufrieden mit Ihrem Aussendienstmitarbeiter und wie ich Ihnen nun schon zweimal deutlich gesagt habe, wünsche ich, nicht am Telefon belästigt zu werden.“ „Aber…“ „Ich wünsche nicht am Telefon belästigt zu werden, notieren Sie sich dies bitte.“ Sie versprach, dies umgehend zu tun.

Sie tat es nicht. Oder sie hat vergessen, dass sie es getan hat. Oder eine Kollegin hat den Vermerk gelöscht. Oder der Chef hat gesagt, sie solle auf den Vermerk pfeifen und mich trotzdem anrufen. Oder sonst irgend etwas, auf alle Fälle flötete sie ein paar Wochen später wieder. Ich hingegen flötete nicht, im Gegenteil. Ich liess sie noch einmal in aller Deutlichkeit wissen, wenn diese Anrufe nicht aufhörten, könnte sie eine treue Kundin aus der Kartei streichen. Sie versprach mir untertänigst, zu vermerken, dass ich keine Anrufe wünschte… und rief ein paar Wochen später wieder an, um einmal mehr von mir zu hören….

Ach, ihr wisst schon. Und ihr fragt euch wohl, weshalb ich meine Drohung nicht schon längst wahr gemacht habe und mich aus der Kundendatei habe streichen lassen. Na, warum wohl? Weil schon meine Mutter auf die Bouillon schwört. Weil seit dem Tag, an dem ich meinen eigenen Haushalt hatte, keine andere in meinem Küchenschrank steht. Weil meine Kinder nur bei dieser einen die Nase nicht rümpfen und zwischen den Mahlzeiten aus der Dose naschen. Weil ich dabei sein will, wenn die Frauen in meiner Familie um den Esstisch meiner Mutter sitzen, um Bouillon zu bestellen. Und weil mein bisher einziger Versuch, meine eigene Bouillon herzustellen, so kläglich gescheitert ist, dass es noch sehr lange dauern wird, biss ich einen brauchbaren Ersatz habe. 

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Mit der Säge gegen die Weltuntergangsstimmung

Zugegeben, es war ein Anflug von Weltuntergangsstimmung, der mich dazu bewog, heute Nachmittag zur Säge zu greifen. Nach ausgiebiger „Spiegel“-Lektüre sah ich mal wieder schwarz genug, um nicht nur von einem Selbstversorgergarten zu träumen, sondern ihn für eine Notwendigkeit zu erachten, für die es sich lohnt, zu schwitzen.

Es ist nämlich so: Einer, der in grauer Vorzeit mal Besitzer unseres Hauses war, verstand unter dem Begriff Garten einen gepflegten Sitzplatz mit schattenspendendem Sichtschutz. Ein Sichtschutz aus Gehölzen, die für Bienen komplett uninteressant und obendrein potthässlich sind, die aber nach Jahren des mehr oder weniger ungehinderten Wucherns unglaublich viel Platz auf unserem nicht gerade riesigen Grundstück einnehmen. Ein Sichtschutz also, der weg muss, ehe wir überhaupt überlegen können, was aus dem kleinen Flecken Erde, den wir unser eigen nennen, in Zukunft werden soll. Und weil wir wohl die Idee haben, nicht aber das nötige Kleingeld, um andere für uns malochen zu lassen, müssen wir eben selber ran.

Wer mich kennt, kann sich vorstellen, wie geschickt ich mit einer Säge umzugehen weiss. Dennoch wurden heute Nachmittag – trotz Hitze und Ungeschicklichkeit – ein Gestrüpp, zwei Bäumchen und die Hälfte eines undefinierbaren Baum-Busch-Gestrüpps soweit gestutzt, dass sich „Meiner“ der Entfernung des Wurzelwerks widmen kann. Ein Anfang erst, bestimmt, aber dennoch ein entscheidender Schritt, denn so elend, wie der „Garten“ jetzt aussieht, kann er gar nicht bleiben und wir sind endlich gezwungen, etwas Richtiges daraus zu machen.

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