Trifft (in hohem Mass teilweise nicht) zu

Jetzt muss ich doch noch einmal auf dieses unsägliche Laufbahnreglement zurückkommen, denn die Sache will mir einfach nicht aus dem Kopf. Mit diesem Laufbahnreglement will die Schule ja nicht nur die Leistungen der Schüler bewerten, man möchte auch das „Arbeits-, Lern und Sozialverhalten“ möglichst umfassend beurteilen. Da stellt sich die Lehrkraft unter dem Punkt „Gestaltet Arbeiten sorgfältig und zuverlässig“ zum Beispiel die Frage, ob sich das Kind um eine „exakte und ansprechende Darstellung bemüht“. Unter dem Punkt „Begegnet den Lehrpersonen respektvoll“ wird analysiert, ob das Kind mit Kritik umgehen kann, ob es anständig ist und „sich zu benehmen weiss“. Es gibt einen ganzen Katalog an weiteren Kriterien, welche bewertet werden sollen.

Aber wie bewertet man denn? Ähnlich wie in einer Marktforschungs-Umfrage, wie mir scheint. Die Lehrkraft kann nämlich ankreuzen: „Trifft in hohem Mass zu“, „Trifft zu“, „Trifft teilweise zu“ und „Trifft nicht zu“. Soweit so einfach. Was mich an der Sache aber beunruhigt ist, dass die Spalte „Trifft zu“ gelb unterlegt ist, denn, so hat es die Schulleitung erklärt, man wünscht sich, dass sich alle Kinder in möglichst allen Punkten in dieser Spalte befinden. Nun kann ich ja ein gewisses Verständnis dafür aufbringen, dass man nicht gerade erfreut ist darüber, wenn ein Schüler in allen Bereichen ein „Trifft nicht zu“ erreicht. Ist ja nicht gerade angenehm, einen Querschläger in der Klasse zu haben, der weder mit Mitschülern noch Lehrern klarkommt und der jeden Tag die Hausaufgaben vergisst.

Was aber ist so schlimm daran, wenn man mal sagen muss, dass eine Sache nur teilweise zutrifft? Ich meine, würde man mein Arbeits- und Sozialverhalten genauer unter die Lupe nehmen, man würde wohl öfters mal ein „Trifft teilweise zu“ ankreuzen. Hätte man zum Beispiel gestern beurteilen müssen, ob ich mich „durch Erwartungen / Anforderungen unter Druck setzen lasse“, man wäre ganz klar zum Schluss gekommen, dass dies sehr wohl zutrifft. Vor allem, wenn ich nachts um eins noch immer verbissen und den Tränen nahe an dieser Broschüre arbeite, die doch endlich in Druck gehen sollte. Würde man an einem ganz gewöhnlichen Tag untersuchen, ob ich anständig bin und mich zu benehmen weiss, man könnte bestätigen, dass dies durchaus zutrifft. Aber glaubt mir, das Urteil würde ganz anders ausfallen, wenn man mich zufällig an einem Hausfrauenfrusttag kombiniert mit quengeligen Kindern und PMS erlebte. An solchen Tagen ist ein „Trifft teilweise zu“ eine Glanzleistung, die nicht zu verachten ist. Unter Erwachsenen akzeptiert man, dass es im Leben gute und schlechte Tage gibt und solange einer nicht komplett ausfällig wird, drückt man schon mal ein Auge zu, auch wenn der Tonfall etwas gehässiger als gewöhnlich war. Warum aber erwartet man von den Kindern eine Ausgeglichenheit, die wir selber nicht hinkriegen? Haben die Kinder kein Recht auf „Trifft teilweise zu“-Tage? Oder gar auf „Trifft nicht zu“-Tage?

Ja, dann wäre da natürlich noch die Spalte „Trifft in hohem Mass zu“. Auch die ist offenbar unerwünscht. Zumindest verstehe ich das so, denn wäre sie erwünscht, wäre sie bestimmt auch gelb eingefärbt. Wenn ich ganz nett und gnädig gestimmt bin, erkläre ich mir dies damit, dass man Kinder und Eltern nicht zu sehr unter Druck setzen will. Vermutlich will man uns sagen, dass gut schon ausreichend ist und dass es nicht nötig ist, sich abzukämpfen, um es auf Stufe „sehr gut“ zu bringen. Wenn ich weniger gnädig gestimmt bin – und das kann durchaus vorkommen, wenn man mir beim Schulbesuch sagt, der FeuerwehrRitterRömerPirat hätte zwar eine geniale Zeichnung gemacht, hätte dafür aber viel zu viel Zeit gebraucht -, dann sehe ich darin eine andere Aussage: „Du darfst gut sein, ja, du musst sogar. Aber bitte sei nicht zu gut, denn damit bringst du unser Programm durcheinander und das ist anstrengend.“

Wenn ich meine Kinder so anschaue, an all die unzähligen Hochs und Tiefs unseres Zusammenlebens denke, mir überlege, mit welchen Stärken sie brillieren und mit welchen Schwächen sie an ihre Grenzen stossen, dann wird mir klar, dass sie keine „Trifft zu“-Kinder sind. Das Spektrum reicht von „Trifft in hohem Masse zu“ bis zu „trifft überhaupt nicht zu“ und zwar bei jedem Kind, an jedem Tag. Natürlich, so, wie ich sie kenne, werden sie sich ernsthaft darum bemühen, ins „Trifft zu“-Schema zu passen, sie nehmen die Schule ja ernst und das ist soweit okay. In meiner Erfahrung ist es aber so, dass sie vor lauter Anstrengung, in der Schule in die gelbe Spalte zu passen, zu Hause so ausgelaugt sind, dass sie in den Bereichen „Kann sich mühelos entspannen und fröhlich sein“ nur noch ein „Trifft teilweise zu“ erreichen würden. Und an ganz anstrengenden Schultagen müsste ich beim Bereich „Geniesst das Zusammenleben mit Eltern und Geschwistern und trägt zu einem friedlichen, hilfsbereiten Familienklima bei“ ein „Trifft nicht zu“ eintragen.

Ich schreibe „würde“ und „müsste“, weil wir bei uns in der Familie davon absehen eine „Verbindliche Regelung zur Beurteilung des Arbeits-, Lern- und Sozialverhaltens“ zu erarbeiten. Ziemlich unprofessoinell, ich weiss, aber deutlich lebensnaher, wenn ihr mich fragt.

Schulfrust

Okay, ich weiss, das Thema hängt euch wohl langsam zum Hals heraus, aber einmal muss ich mir noch Luft verschaffen, bevor ich das Thema für eine Weile bleiben lasse. Versprochen, grosses Ehrenwort. Ich werde euch nicht mehr mit meinem derzeitigen Schulfrust belästigen, bis… nun, sagen wir, bis zum nächsten Elternabend, der… hmmm…lasst mich mal in der Agenda nachschauen, wann der schon wieder stattfindet…. ach ja, hier steht es: Nächsten Montag. Mist, das ist keine besonders lange Nicht-über-Schulfrust-jammern-Pause. Dann werde ich eben versuchen, meinen Frust beim nächsten Mal hinunterzuschlucken. Aber heute muss ich einfach noch einmal…

Angefangen hat es bereits heute früh, als der FeuerwehrRitterRömerPirat mal wieder nicht rechtzeitig aus dem Haus kam. Er hat mir ja damals im Kindergarten hoch und heilig versprochen, dass er, wenn er erst mal ein Erstklässler sei, morgens immer schön brav aus dem Haus gehen würde. Und, wie lange hat er sein Versprechen gehalten? Genau zwei Wochen lang, in der Schulwoche drei ist er meines Wissens noch kein einziges Mal rechtzeitig im Unterricht erschienen. Nun verstehe ich natürlich schon, dass ein Kind rechtzeitig zur Schule antraben muss, aber so langsam stellt sich mir die Frage, warum denn ausgerechnet unser drittes Kind, das mit einem Wissensdurst von beinahe unbegrenztem Ausmass ausgestattet ist, sich so schwer damit tut, zu der Stätte des Lernens zu gehen. Liegt das wirklich nur an ihm? Oder gar an mir, die ich nicht fähig bin, das Kind richtig zu motivieren?

Frust Nummer zwei erwartete mich, als ich mittags nach Hause kam. Auf dem Küchentisch fand ich einen Zettel mit einem sehr traurig dreinblickenden Zahn drauf. Die Zeichnung war wirklich originell, aber mir schwante dennoch Übles. „Mist! Der Zoowärter hat wohl Löcher in den Zähnen. Ich hab’s doch geahnt, dass nicht jedes unserer Kinder vom Schulzahnarzt kerngesunde Zähne attestiert bekommt.“, waren meine ersten Gedanken. Als ich dann las, was auf dem Zettel konnte ich fürs Erste aufatmen. Keine Löcher, gut so, mein kleiner Zoowärter. Doch was ich las, stimmte mich dennoch nicht fröhlich.  „Liebe Frau Venditti“, stand da nämlich „Der Zoowärter hat die Untersuchung verweigert. Neuer Termin: (Sie + Kind)….. Ich bitte Sie, pünktlich zur Untersuchung zu erscheinen.“ Da habe ich das Urteil also schwarz auf gelb: Mein viereinhalbjähriger Sohn ist ein Schulzahnarztverweigerer. Hat sich einfach geweigert, sich auf diesen absolut schrecklichen Zahnarztstuhl, der nicht nur mich, sondern auch andere Eltern, an ein Foltergerät aus alten Zeiten erinnert, zu setzen. Seufzend legte ich den Brief beiseite, trug den Termin, zu dem ich + Kind gefälligst pünktlich zu erscheinen haben, in den Kalender ein und dachte voller Sehnsucht daran zurück, wie die Besuche beim Schulzahnarzt zu Zeiten von Karlsson und Luise noch waren. Die mussten zwar auch in jenes hässliche Untersuchungszimmer, aber die Lehrerin setzte sich gemeinsam mit dem Kind auf den Stuhl des Schreckens, wenn  die Angst vor dem Zahnarzt zu gross war. Dass das Lieblingsstofftier dabei sein durfte, war selbstverständlich; wenn ich mich recht erinnere, schrieb die Kindergärtnerin gar einen Brief an die Eltern, mit der Bitte, man möge dem Kind doch ein Stofftier mitgeben, wenn es dies wünsche. Ich glaube, es gab damals kein einziges Kind, das sich gegen den Untersuch gewehrt hat, und falls doch, dann war danach bestimmt nicht von Verweigerung die Rede, sondern wohl eher von Angst, welche das Kind überwältigt hatte.

Frust Nummer drei schliesslich war der erste Punkt am heutigen Elternabend der Erstklässler: „Laufbahnreglement – Verbindliche Regelung zur Beurteilung des Arbeits- Lern und Sozialverhaltens“. Ich werde euch nicht mit Details langweilen, für einmal drücke ich mein Empfinden „mathematisch“ aus: Laufbahnreglement + quirliger Erstklässler = schulfrustrierte Mama. So einfach ist das. Und so schwierig zugleich.

Elterngespräche

Elterngespräch 2006
Karlsson ist wirklich ein netter Junge. Er hört sehr interessiert zu, führt seine Aufträge gewissenhaft aus und man spürt auch, dass er viel weiss. Leider zeigt er dies aber viel zu wenig, man muss ihn regelrecht dazu drängen, sein Wissen preiszugeben. Im Kreis meldet er sich nie zu Wort, im Einzelgespräch schafft man es manchmal, ihn zum Reden zu bringen. Mir scheint, dass man sein Selbstvertrauen dringend stärken sollte. Haben Sie auch schon daran gedacht, den Jungen in einen Selbstverteidigungskurs zu schicken? Oder vielleicht  ins Karate? Einfach etwas, was ihn etwas selbstbewusster macht? 

Elterngespräch 2008
Luise ist wirklich ein nettes Mädchen. Sie hört interessiert zu, führt ihre Aufträge gewissenhaft aus und ab und zu wagt sie, zu zeigen, was sie kann. Meistens aber ist sie im Unterricht sehr still und zurückhaltend, beobachtet man sie in der Pause, erkennt man einige Ansätze von ihrem Temperament, welches sie durchaus öfters auch im Unterricht einbringen dürfte. Es wäre schön, wenn sie etwas selbstbewusster auftreten würde. Haben Sie sich schon mal Gedanken gemacht darüber, wie Sie das Selbstbewusstsein Ihrer Tochter stärken könnten?

Elterngespräch 2010
Der FeuerwehrRitterRömerPirat ist  wirklich ein netter Junge. Er hört interessiert zu und weiss auch sehr viel. Im Kreis meldet er sich jedoch kaum zu Wort, sein Wissen und seinen Schalk erkennt man nur im Einzelgespräch. Wenn ihm etwas nicht passt, kann er ziemlich bockig sein, ansonsten dürfte er durchaus noch etwas selbstbewusster auftreten. Vielleicht können Sie ihn dazu ermutigen, sich etwas mehr einzubringen.

Erste Rückmeldung der Lehrerin 2011
Der Zoowärter ist wirklich ein netter Junge. Ich hätte gar nicht erwartet, dass er sich bereits am ersten Kindergartentag so laut und deutlich zu Wort meldet. Manchmal erweckt er den Anschein, etwas verträumt zu sein, aber wenn er mal aufdreht, erkennt man, dass er sehr genau weiss, was er will. Im Vergleich zu seinem grossen Bruder tritt er deutlich selbstbewusster auf.

Elterngespräch 2013???
Das Prinzchen ist wirklich ein netter Junge. Er bringt sich überall ein und hat auch keine Angst davor, sich im Kreis zu Wort zu melden. Manchmal tritt er aber etwas allzu selbstbewusst auf. Sehen Sie eine Möglichkeit, wie Sie Ihrem Sohn etwas mehr Zurückhaltung beibringen könnten? Vielleicht einen Meditationskurs, bei dem das Kind lernt, etwas zur Ruhe kommen kann…. 

 

 

 

Heute verstehe ich…

… weshalb meine Mutter sich stets so dagegen stemmte, den „Döschwo“ mit offenem Verdeck zu fahren. Damals dachte ich ja, sie sei eine Spielverderberin, heute bewundere ich sie masslos dafür, dass sie immerhin ab und zu üble Nackenschmerzen in Kauf nahm, um uns den Spass nicht bei jeder Fahrt zu verderben. Ich stimme ja bereits ein Gezeter an, wenn Wohnungs- und Balkontüre zur gleichen Zeit offen stehen.

… weshalb meine Mutter bei Kind Nummer sieben nicht allzu erpicht war darauf, es bei jedem Spaziergang auf den Arm zu nehmen. Zumal Kind Nummer sieben damals mindestens vier Jahre alt und durchaus in der Lage war, auf eigenen Füssen zu gehen. Bei mir kommt ja bereits Kind Nummer fünf öfters mal zu hören, dass Mamas müde Knochen einfach keine Lust haben auf die ganze Schlepperei. Und dabei ist Kind Nummer fünf noch nicht mal drei Jahre alt, aber sehr wohl in der Lage, selber zu gehen, auch wenn er in letzter Zeit immer mal wieder das Gegenteil behauptet.

… weshalb sich meine Eltern Sonntag für Sonntag nach dem Mittagessen einen ausgedehnten Mittagsschlaf gönnten. Damals wollte ich natürlich nicht verstehen, weshalb sie nicht lieber mit uns in den Zoo oder in den Wald gingen, aber heute, wo ich selber Sonntag für Sonntag nach dem Mittagessen gar nicht anders kann, als tief und fest zu schlafen, muss ich sagen, dass sie damals genau das Richtige getan hatten. 

… dass meine Mutter meinen Bruder manchmal einfach gewähren liess, wenn er beim Einkauf Schokolade und Gummibärchen in den Einkaufswagen schmuggelte. Damals hatte ich das Gefühl, der Junge könne sich alles erlauben, bloss, weil er diese hinreissende Grübchen hatte, wenn er lächelte. Heute ahne ich, dass meine Mutter es wohl einfach müde war, immer und immer und immer wieder zu fordern, dass er die Schmuggelware sofort ins Gestell zurücklegt. Vielleicht aber war sie auch gar nicht richtig wach, sondern schleppte sich schlafwandelnd mit ein paar Kindern im Schlepptau durch den Laden und bekam deswegen gar nichts mit von all den Schmuggelversuchen. Das ist natürlich nur eine Vermutung, basierend auf eigenen Erfahrungen. Ich möchte meiner Mutter ja nichts unterstellen…

… noch so Vieles, was ich damals nicht verstand. Weshalb meine Mutter beim Bezahlen der Rechnungen immer so angespannt war und dabei nicht gestört werden wollte. Weshalb sie es nicht ausstehen konnte, wenn wir beim Telefonieren stets um sie herumschwirrten und wissen wollten, wer am anderen Ende der Leitung war. Warum sie es nicht ausstehen konnte, wenn ich von der Schule nach Hause kam und motzte, weil es nicht das Essen gab, das ich so gerne gehabt hätte. Weshalb sie mir dann trotzdem erlaubte, Brot zu essen, anstatt stundenlang mit angewidertem Gesichtsausdruck vor einem Teller mit Spinatwähe zu sitzen. 

Ja, ich verstehe meine Mutter heute ziemlich gut. Eines aber begreife ich noch immer nicht: Warum liess mich meine Mutter als Fünfzehnjährige nicht zu der einzigen Party gehen, zu der ausnahmsweise mal ganz nette, wohlerzogene Jungs und nicht irgendwelche zwielichtigen, vernachlässigten Rotznasen eingeladen hatten? Und warum brummte sie mir, als ich mich trotz ihres Verbots heimlich aus dem Haus schlich, drei Monate Hausarrest auf? Das kann ich nun wirklich nicht verstehen, noch immer nicht. Ob ich es in vier oder fünf Jahren verstehen werde?

Und für alle, die nicht wissen, was ein „Döschwo“ ist, hier seht ihr einen und zwar einen, wie wir ihn hatten, als ich noch sehr jung und sehr verständnislos war, so verständnislos, dass ich mir der Gefahren eines zurückgerollten Verdecks noch in keiner Weise bewusst war:

Sinnkrise abgewendet

Unser Planungswerk schreitet munter voran. Legten wir vergangenen Sonntag bloss fest, was wann getan werden muss und wer zu welchem Zeitpunkt überhaupt nichts tun muss/darf, so sind wir heute einen Schritt weiter gegangen: Wir haben zumindest auf dem Papier die ärgsten Stressfallen eliminiert. Jetzt wissen wir also nicht bloss, an welchen Tagen die Kinder bei der Wäsche helfen müssen und wann und bei welchen Lehrerinnen der erste Elternabend der diesjährigen Saison stattfindet, wir haben jetzt auch festgelegt, an welchen Tagen „Meiner“ das Prinzchen in die Krippe bringt und an welchen Abenden das Mittagessen vorgekocht werden muss. Damit ich morgens nicht mehr wie eine Furie mit Kindergarten- und Kleinkind durchs Dorf hetzen muss und sich mittags nicht mehr sieben hungrige und genervte Vendittis gegenseitig die wohlverdiente Pause verderben. Wenn das so weitergeht mit uns – und wenn wir es hinkriegen, die Pläne vom Papier in den Alltag zu übertragen – dann werden wir am Ende noch eine ganz gewöhnliche Grossfamilie, die ohne viel Drama ihren Alltag meistert. 

Eigentlich bin ich ja ganz froh, wenn wir das Chaos zumindest ansatzweise in den Griff kriegen. Und doch kam heute Abend, als ich den Dampfnudelteig für morgen Mittag knetete, eine leise Angst in mir hoch. „Entwickelst du dich jetzt allmählich zu einer jener Hausfrauen, die einmal im Monat drei oder vier Gerichte in riesigen Mengen vorkochen und dann einfrieren, damit sie nicht mehr zu oft in der Küche stehen müssen?“, fragte ich mein müdes Selbst, das sich eigentlich viel lieber mit der Zeitung aufs Sofa verzogen hätte. „Kommt es tatsächlich noch so weit, dass du, die du so gerne kochst und noch lieber isst, deine Familie und dich selber mit dem immer gleichen Futter abspeist, nur damit dein Alltag etwas beschaulicher wird?“ Ich war auf dem besten Weg, mich in eine uferlose Sinnkrise zu stürzen, die wohl darin geendet hätte, dass ich den wahnwitzigen Entschluss gefasst hätte, wieder Vollzeithausfrau zu werden. Zum Glück fiel mir gerade noch rechtzeitig ein, dass hausgemachte Dampfnudeln wohl kaum in die Kategorie der „im Handumdrehen zubereitet“-Rezepte gehören und dass ich somit weiterhin von mir behaupten darf, zwar eine miserable Hausfrau, dafür aber immerhin eine leidenschaftliche Köchin zu sein. 

Hinterhältig? Na und?

Ihr dürft mich getrost ein hinterhältiges Miststück schimpfen, ich schäme mich trotzdem nicht dafür, dass ich dem Prinzchen heute Abend heimlich Gute-Nacht-Tee in den Feierabend-Kakao gemischt habe. Nach zwei Wochen Prinzchen bis kurz vor Mitternacht liegen meine Nerven derart blank, dass ich meinen allerliebsten Jüngsten nach neun Uhr abends nur noch friedlich schlafend aushalten kann. Ich weiss, das klingt jetzt hart, aber ihr könnt mir glauben, dass man es am Ende eines sehr langen Tages nicht mehr besonders süss findet, wenn ein kleiner Mensch abends um halb elf die Vorratskammer plündert, den Küchenschrank ausräumt und mit der WC-Bürste hantiert, anstatt brav im Bett zu liegen, wie es sich für einen mehr oder weniger wohlerzogenen, übermüdeten beinahe-Dreijährigen gehört.

Darum also der Gute-Nacht-Tee, darum die ungewohnte Ruhe abends um halb zehn, darum auch die wunderbare Aussicht auf ein völlig ungehindertes Wäscheaufhängenfaltenwaschenküchesaubermacheneingangaufräumenfussbodenfegen. Wenn ich mich dabei nicht vollkommen ungeschickt anstelle, reicht die Zeit vielleicht noch für die ersten zehn Minuten des Films, den ich mir für heute Abend ausgeliehen habe.

Zuweilen muss man einfach hinterhältig sein, wenn man für die lieben Kleinen auch in ihren anstrengenden Lebensphasen noch genügend Nerven haben will.

Konsumlust steigend

„Weisst du Mama, jetzt, wo ich in der Dritten bin und so viel mehr Stress habe als im letzten Schuljahr, brauche ich unbedingt ein Etui. Damit ich nicht so viel Zeit verliere mit dem Suchen von Farbstiften und weisst du, wenn ich die Hausaufgaben im Hort mache oder bei der Grossmama, dann wäre das auch viel praktischer so. Also, ich muss wirklich ganz dringend ein neues Etui haben, am besten noch heute. Ach ja, und ich will mir jetzt übrigens kein Pferd mehr kaufen, sondern Meerschweinchen. Oder vielleicht auch Kaninchen, ich bin mir noch nicht so sicher, aber können wir schon mal bei ricardo nachschauen, ob es ein gutes Angebot gibt?  – Schau mal, Mama, dieser Kaninchenstall kostet nur 70 Franken. Ist der nicht unglaublich günstig? Aber Mama, das macht doch nichts, dass da noch das Auslaufgehege fehlt. Da müssen wir eben noch eins dazu kaufen. Hier hätte ich schon ein Passendes gefunden. Oder der Papa macht mir eins. Können wir gleich jetzt zum Baumarkt fahren? Ach ja, Mama, beinahe hätte ich es vergessen: Wir können in der Schule die alten Bibliotheksbücher kaufen, nur 50 Rappen das Stück. Darf ich? Bitte, bitte! Nein, ich will das Geld nicht mit Karlsson und dem FeuerwehrRitterRömerPiraten teilen, sonst kaufen die so doofe Bücher, die ich nicht haben will. Okay, dann kaufe ich eben nur drei Stück, wenn du gerade nicht so viel Kleingeld im Portemonnaie hast. Aber schau mal, hier hast du noch eine zwanziger Note! Kann ich nicht die mitnehmen? Warum denn nicht? Ich bringe dir auch ganz bestimmt den Rest wieder zurück, versprochen. Ach Mama, du bist so unfair. Ich rede jetzt kein Wort mehr mit dir. ———Mama, wann kommt denn endlich das Paket mit den Herbstkleidern, das du für uns bestellt hast. Glaubst du, es kommt noch diese Woche, oder müssen wir vielleicht noch in die Stadt gehen. Es könnte ja sein, dass es übermorgen plötzlich kalt wird und dann habe ich gar nichts Passendes mehr zum Anziehen. Und wenn wir dann schon in der Stadt sind, kaufen wir gleich noch das Etui. Können wir gleich jetzt gehen?….“

Das können wir natürlich schon, meine geliebte Tochter, aber nur, wenn du mir verrätst, woher wir all das Geld nehmen sollen, das du so gerne ausgeben möchtest.

Ihr habt ja Recht…

Ihr habt ja Recht, ihr, die ihr mir sagt, dass ich mal wieder auf dem besten Weg bin, das Fuder zu überladen. Ihr, die ihr mir ins Gewissen redet, weil ich wieder zu oft ja sage,  weil ich der Ruhe zu wenig Raum gebe, weil ich Aufgaben übernehme, die nicht meine sind. Ihr habt Recht, meine lieben Kinder, wenn ihr mir sagt, dass ich wieder zu viel Zeit im Büro verbringe und zu wenig mit Bilderbuch und Kuscheldecke auf dem Sofa. Du irrst nicht, mein Körper, wenn du mir sagst, dass es jetzt Zeit wäre, eine Pause einzulegen, die müden Füsse zu entlasten, tief durchzuatmen und einfach mal gar nichts zu tun.

Ich kann euch allen wirklich nur zustimmen, und doch bleibe ich ratlos. Denn egal wie oft ich schon erschöpft am Boden lag, egal, wie oft ich mir schon geschworen habe, nicht noch einmal in die gleiche Falle zu tappen, egal, wie oft ich mir schon vorgenommen habe, es beim nächsten Mal anders zu machen, so habe ich noch immer keinen Weg gefunden, aus meiner Haut zu können, eine andere zu werden. Eine, die ja sagt, wenn Ja dran ist und nein, wenn Nein an der Reihe ist. Eine, die nicht nach jeder Geschwindigkeitsbusse wieder erneut zu sehr aufs Gaspedal drückt. Eine, die nicht nur weiss, dass es Zwischenstufen gibt zwischen den zwei Extremen Feuereifer und abgelöscht.

Ob ich je soweit sein werde?

(Frei)zeitmanagement

Meine erste Reaktion war ziemlich ablehnend, als „Meiner“ neulich vorschlug, dass wir jeweils am Sonntag die wichtigsten Aufgaben und Termine der Woche planen. Das Wichtigste, damit meinte er nicht alleine die unzähligen Elterngespräche, die er jeweils ausserhalb der Schulzeit führt oder die zahlreichen Termine, die ich ausserhalb der regulären Arbeitszeiten einplane, nein, er wollte auch Zeiten festlegen, wann wir mit den Kindern Wäsche falten und versorgen, wann wir uns mit unserem Kontostand und den zu bezahlenden Rechnungen befassen und – für mich am schwierigsten zu akzeptieren – wann jeder von uns ein paar Stunden ganz für sich alleine hat. „Warum um Himmels Willen willst du denn jetzt auch noch unseren Alltag durchplanen? Sind wir denn nicht bereits genug eingespannt mit Stundenplänen, ausserschulischen Aktivitäten der Kinder, Arztbesuchen und all dem elenden Kram?“, protestierte ich. Aber klar seien wir das, entgegnete „Meiner“ und genau darum wolle er unseren Alltag besser strukturieren denn „wenn wir immer und überall spontan sind, dann reagieren wir am Ende nur noch auf das, was an uns herangetragen wird und dann sind wir gefangen in unserer Spontaneität.“

Ich weiss nicht, ob mich der Inhalt seiner Aussage überzeugt hat, oder ob ich einfach nur baff war, dass der Mann, der allem theoretischen Geschwätz abgeneigt ist, mir auf einmal einen Sachverhalt so sec und unumstösslich darlegte, dass mir keine Gegenargumente einfielen. Gewöhnlich bin ich diejenige, die ihn mit knapp gehaltenen, aus meiner Sicht absolut logischen Argumenten derart nerve, dass er sich beeilt, mir Recht zu geben, bevor ich ihn mit einer einschläfernden Predigt über die Richtigkeit meiner Überlegungen langweile. Diesmal waren die Rollen vertauscht und mir blieb nichts anderes übrig, als bei dem Spiel mitzumachen, obschon mir nicht so ganz wohl war dabei. Wie bereits angetönt, hatte ich meine grössten Bedenken bei der Freizeit, die wir ab sofort fest einplanen sollten.

Warum ausgerechnet bei der Freizeit? Müsste denn eine fünffache Mama, die obendrein noch Teilzeit arbeitet, beim Gedanken an fest eingeplante Freizeit nicht glänzende Augen kriegen? Nun, das war einmal so, vor langer Zeit, als ich mir noch Illusionen machte. „Morgen Nachmittag nehme ich mir zwei Stunden frei und dann lege ich mich mit einem dicken Schmöker in die Badewanne, komme was wolle“, nahm ich mir jeweils vor. Natürlich kam tatsächlich, was wollte. Die Kinder kotzten, eine in Tränen aufgelöste Freundin brauchte Beistand, „Meiner“ wurde bei der Arbeit aufgehalten und verspätete sich, ich musste eine Stellvertretung übernehmen – damals unterrichtete ich noch -, ein Vertreter schneite herein und liess sich nicht abwimmeln oder vielleicht packte mich auch nur das schlechte Gewissen, weil ich mit einem Ohr mitbekam, wie „Meiner“ versuchte, allen Kindern gleichzeitig gerecht zu werden. Es blieb beim Träumen von Badewanne und Schmöker und die Realität des Alltags behielt mich weiterhin fest im Griff. Die ersten drei oder viermal, als mir so etwas passierte, war ich bitter enttäuscht, später dann nahm ich die resignierte Haltung ein, dass es eben kein Recht auf Freizeit und Erholung gibt, auch wenn in der Erklärung der Menschenrechte genau dies festgeschrieben ist. Mag ja sein, dass einem die Freizeit hin und wieder ganz unvermittelt in den Schoss fällt, aber planen lässt sie sich nicht, sagte ich mir. 

Ob das inzwischen anders ist? Ich bezweifle es, auch wenn ich heute Abend, als wir uns nun zum ersten Mal hinsetzten, um die wichtigsten Fixpunkte der kommenden Woche festzulegen, nichts dagegen unternahm, als „Meiner“ für den Mittwochnachmittag ein paar Stunden Zeit für mich ganz alleine einplante. Nun ja, ein wenig muckte ich natürlich schon auf, als er vorschlug, dass ich erst nach dem Abendessen wieder erscheinen sollte. „Das kann ich den armen Kindern doch nicht zumuten“, wehrte ich ab und so werde ich nun am Mittwoch um 19 Uhr wieder bei Mann und Kindern erwartet. „Meiner“ wollte sogar noch weiter gehen in der Planung und fragte, was ich denn vorhätte, ob ich lieber zu Hause bleiben und schreiben oder in den Wald gehen wolle, aber diese Frage beantwortete ich nicht. Wo bliebe denn die Spontaneität, wenn wir auch noch die geplante Freizeit verplanten? Obschon, wenn ich höre, wie das Prinzchen im Nebenzimmer vor sich hin fiebert und wenn Luise sehe, die gerade über Schwindel und Übelkeit klagend auf dem Fussboden liegt, dann scheint mir, dass meine „Freizeit“ von Mittwochnachmittag bereits bis auf die letzte Minute verplant ist.

Trainingsprogramm zum Schuljahresanfang

6:30 Uhr: Sich unter Ächzen und Stöhnen aus dem Bett zwängen, dem Prinzchen eine Milch wärmen und sich zurück ins Bett begeben.

6:45 Uhr: Sich unter Ächzen und Stöhnen aus dem Bett zwängen, ganz langsam und vorsichtig die Treppe hochsteigen, Orientierungslauf, um herauszufinden, welches Kind in welchem Bett den Schlaf gefunden hat, Weckruf und dann die Kinder mit sanftem Druck aus dem Bett holen, was zuweilen nur unter Körpereinsatz – „Mama, ziehst du mich bitte hoch, mein Körper ist so schlapp, ich schaffe das nicht alleine.“ – gelingt.

6:55 Uhr: Startschuss zum Stafettenlauf zwischen Herd und Küchentisch: Wer bringt schneller mehr Kakaotassen auf den Tisch, ohne etwas zu verschütten? „Meiner“ ist meistens Sieger, aber er schummelt, denn er wärmt die Milch in der Mikrowelle und nicht auf der Herdplatte.

7:25 Uhr: Startschuss zum Treppenrennen: Mama hetzt drei Treppen hoch, um Kleider für die Kleinsten zu suchen, die Kinder hetzen zwei Treppen hoch, dann wieder eine runter und wieder drei hoch, wozu weiss keiner so genau, aber das alles wirkt sehr geschäftig und am Ende hetzen doch wieder Mama und Papa gemeinsam hoch und runter, um Schuhe, Schulhefte, Zahnbürsten, etc. herbeizuschaffen.

Irgendwann zwischen 7:25 und 7:50 Uhr: Ein verzweifelter Versuch, mal kurz zu duschen. Meist gelingt es, manchmal nicht.

7:55 Uhr: Der Endspurt für die Schulkinder beginnt. Schulsäcke stemmen, Kinder anfeuern „Ja, Luise, du schaffst das. Nur noch diesen einen Zahn bürsten und dann kannst du losziehen! Jawohl, Karlsson, nur noch einmal die Treppe hoch und die Schuhe holen, dann bist du bereit! Bravo, der FeuerwehrRitterRömerPirat hat’s als Erster geschafft! Bitte um einen kräftigen Applaus für den FeuerwehrRitterRömerPiraten!“

8:00 Uhr: Endspurt für die Vorschulkinder. Tief bücken, um beim Anziehen der Schuhe zu helfen, weit in die Höhe strecken, um die eigenen Schuhe, die man vor Luise in Sicherheit hat bringen müssen, aus dem Regal zu holen und wieder tief bücken, um das Prinzchen hochzuheben, der „nicht laufen kann“.

8:10 Uhr: In raschem Schritt zum Kindergarten. Wer ist schneller, der Zeiger der Uhr oder Mama Venditti mit Prinzchen auf dem Arm und verträumtem Zoowärter im Schlepptau? Der Uhrzeiger gewinnt fast immer und die Kindergärtnerin fragt besorgt nach, ob Mama Venditti wohl auch mitgekriegt hat, dass der Kindergarten in diesem Schuljahr bereits um Viertel nach acht beginnt und nicht wie früher um halb neun. Ja, Mama Venditti hat das mitgekriegt, aber ihre Kinder scheren sich einen Dreck darum, wo der Uhrzeiger steht, Hauptsache, sie können noch schnell der Nacktschnecke guten Tag sagen und die hohe Mauer beim Kirchgemeindehaus erklimmen. Genau so, wie es eigentlich sein müsste, wenn man denn noch Zeit hätte, Kind zu sein.

8:20 Uhr: Heftiges Winken, um sich vom Zoowärter zu verabschieden.

8:21 Uhr: Prinzchen hochheben, der noch immer „nicht laufen kann“ und ab zur Arbeit.

8:30 bis 11:30 Uhr: Verschnaufpause für den Körper, jetzt ist der Kopf dran.

11:35 Uhr: Zum Kindergarten rennen – diesmal ohne Prinzchen auf dem Arm – und den Zoowärter abholen.

11:45 Uhr: Den Zoowärter und die anderen Kinder, die sich uns auf dem Heimweg angeschlossen haben, zu Hause abladen. Überprüfen, ob wirklich nur eigene Kinder ins Haus gehen und falls Fremde darunter sind, dafür sorgen, dass diese zu Hause anrufen, um zu melden, dass sie bei uns gelandet sind. Zurück ins Büro rennen, um die Arbeit abzuschliessen und das Prinzchen abzuholen.

12:15 Uhr: Mit dem Prinzchen auf dem Arm nach Hause hetzen, wo „Meiner“ hoffentlich schon Zeit gefunden hat, das Essen fertig zu machen, das einer von uns beiden im Morgengrauen oder am Vorabend halbwegs vorbereitet hat..

12:55 Uhr: Kurze Verschnaufpause auf dem Sofa, zumindest, wenn niemand anruft und damit den Wettlauf „Wer ist zuerst beim Telefon?“ in Gang setzt.

13:15 Uhr: Der Endspurt für die Schulkinder beginnt. Schulsäcke stemmen, Kinder anfeuern „Ja, Luise, du schaffst das. Nur noch diesen einen Zahn bürsten und dann kannst du losziehen! Jawohl, Karlsson, nur noch einmal die Treppe hoch und die Schuhe holen, dann bist du bereit! Bravo, der FeuerwehrRitterRömerPirat ist als erster bereit! Bitte um einen kräftigen Applaus für den FeuerwehrRitterRömerPiraten!“

13:15 bis 18:00 Uhr: Das Nachmittagsprogramm ist weniger straff organisiert. Es beinhaltet wahlweise „Noch schnell ins Büro rennen und dort eine oder zwei Stunden arbeiten“ oder „Mit zwei oder drei Kindern im Schlepptau – das Prinzchen natürlich wieder auf dem Arm – zum Arzttermin hetzen“ oder „Nur mal rasch in die Migros gehen, um Milch und Obst zu kaufen – natürlich wieder mit Kindern auf dem Arm und im Schlepptau“ oder „Kommt, wir begleiten Karlsson zur Geigenstunde. Ich muss doch die neue Lehrerin auch mal treffen. Ja, Prinzchen, ich nehme dich auf die Schultern und ihr anderen lauft schön brav mit. Nein, die Geigenstunde ist nicht mehr im Schulhaus gleich um die Ecke, sondern im anderen. Ja, genau, Luise, in dem Schulhaus, zu dem man immer so weit laufen muss…“. Hin und wieder, wenn nur die Kleinen und ich zu Hause sind, sieht das Nachmittagsprogramm auch so aus: „Kommt mal aufs Sofa, ihr zwei,  ich erzähle euch eine Geschichte“ und wenig später schlafen wir drei kreuz und quer übereinander tief und fest, bis die Grossen nach Hause kommen und eine Motivationsspritze für die Hausaufgaben brauchen.

18:00 bis 21:00 Uhr: Allmählich wird das Tempo gedrosselt, alle schalten einen Gang tiefer. Nun ja, zumindest, wenn kein Elternabend auf dem Programm steht. Falls doch, dauert das Trainingsprogramm eben noch ein wenig länger: Kinder in Rekordzeit füttern, ins Bett bringen und dann, pünktlich um fünf vor sieben, los zum Schulhaus. Wann endlich teilt jemand der lieben Lehrerschaft mit, dass ein Elternabend um sieben Uhr uns Eltern daran hindert, unseren Kindern einen pädagogisch wertvollen Tagesabschluss mit Ritualen, Gutenachtgeschichten und „Ich hab‘ dich lieb“ zu bieten? Und die Strafe tragen natürlich wieder wir Eltern, denn wenn wir um halb neun nach Hause gehetzt kommen, sind bestimmt alle noch wach, weil sie doch ohne Rituale, Gutenachtgeschichten und „Ich hab‘ dich lieb“ nicht einschlafen konnten.