Zuckersüss

Ach wie süss!
Mein Gott, wie süüüüüüüüsss!
Ist ja süss! ❤ ❤ ❤ ❤
Süüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüss!!!!
Wie süss ist das denn?
Soooooooooooo süüüüüüüüüüüüüüüüss!
Das ist ja so was von süss!
Ich kann nicht genug davon bekommen, so süss ist das.
Süss! Süss! Süss!
How sweet!
Sweetie pie!
Boah, wie süss!
Supersüss!
Obersupersüss!!!
Ach Gottchen, wie süss!
Ooooooooooch, süüüüüüüüüüss!!!!!!!
Süsse Maus!
Zuckersüss!
Oh Mann, voll süss!
Richtig süss!
Oh nein, wie süss!
……. Und dann noch etwa 851 weitere Variationen von süüüüüüüüüüüsssssssss!

Meine Damen, wenn ihr schon das Bild eines euch wildfremden Babys kommentieren müsst, ginge das vielleicht etwas fantasievoller? Und etwas weniger pubertär? Und mit ein paar Ausrufezeichen weniger?
Ich meine, die meisten von euch haben oder hatten ja mindestens ein eigenes Baby. Da dürften euch doch noch ein paar andere Adjektive einfallen. Nein, bitte nicht „knuffig“. Auch nicht „goldig“. Und schon gar nicht „nüüüüüüdlich“.

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Mütter-Chat

Die Elternzeitschrift „Glückliche Eltern – wunderbare Kinder“ stellt ihrer Leserschaft im Facebook eine Frage: „Weltreise mit Kleinkind – würden Sie es wagen?“ Wenige Sekunden später treffen die ersten Antworten ein.

Annemarie K: „Weltreise mit Kleinkind? Seid ihr denn alle bescheuert?“

Shenice L: „Bescheuert? Sicher nicht. Ich habe mein erstes Kind in einem Buschspital in Afrika geboren, mein zweites auf einer Nordpol-Expedition. Derzeit wandern wir gerade mit zwei Kleinkindern von Tijuana nach Feuerland, ich bin im siebten Monat schwanger mit Zwillingen, die – wenn alles wie geplant läuft – in einem Einbaum auf dem Amazonas zur Welt kommen werden.“

Denise M.-Q: „Shenice, du hast sie ja wohl nicht alle! Man sollte dir die Kinder wegnehmen!“

Annemarie K: „Da kann ich dir nur beipflichten, Denise. Wer so verantwortungslos ist, gehört bestraft.“

Mandy S: „meine kleinen brauchen das aussland nicht, is eh alles scheise dort, wir haben tv und internett, meer braucht man nicht“

Julia J: „Wow, Mandy, tolle Ansichten hast du! Sag mal, sind deine Kinder schon mit einem Brett vor dem Kopf auf die Welt gekommen, oder musstest du es ihnen noch annageln?“

Mandy S: „halt’s maul, du schlampe!“  (Eingriff durch Redaktion)

Irina Z: „Wenn’s all-inclusive auf einem Kreuzfahrtschiff ist, bin ich sofort dabei.“

 Yvette P: „Ich finde es wirklich bedenklich, wie tief das Niveau dieser Diskussion gesunken ist. Meiner Meinung nach soll jede Familie ihren eigenen Weg finden. Ich persönlich finde, Kinder sollten während der ersten drei Lebensjahre den Strapazen einer Auslandreise nicht ausgesetzt werden, danach sind kurze Reisen ins benachbarte Ausland zu empfehlen. Mehr als vier Stunden Autofahrt sollte man den Kindern aber vor dem zehnten Altersjahr auf gar keinen Fall zumuten.“

Marietta L: „Vier Stunden? Das ich nicht lache! Da kommen wir in Kanada gerade mal zur nächsten Ortschaft.“

Olivia M.-T.: „Wegen solchen Besserwisserinnen, wie du eine bist, Yvette, geraten wir Mütter einander immer in die Haare. Das ganze Geschwätz von ‚jeder muss seinen eigenen Weg finden‘ und dann doch wieder Vorschriften machen. Das ist doch zum K…..!“

Julia J: „Yvette, danke für deinen Mut. Jemand muss diesen verantwortungslosen Tussis doch mal sagen, wo es langgeht.“

Shenice L: „Sagt mal, habt ihr eigentlich nichts Besseres zu tun? Brecht mal aus eurer kleinkarierten Welt aus. Wisst ihr, wie es sich anfühlt, hochschwanger von Malaria heimgesucht zu werden? Das ist das wahre Leben…“

Annemarie K: „Wie kommst du dort draussen in der Pampa überhaupt zu einem Internetzugang, Shenice?“

Yvette P: „Ja, und wie willst du hochschwanger und mit Malaria überhaupt Kommentare verfassen?“

Shenice L: „Hab ich etwa behauptet, ich hätte jetzt Malaria? Das war in Afrika…“ 

Britta N: „Ladies, seid ihr denn alle übergeschnappt? Die Frage war doch, ob man mit einem Kleinkind eine Weltreise wagen soll und ich finde, dass es durchaus möglich ist, wenn es für Mama, Papa und Kleinkind stimmt.“

Amanda B: „Und wenn es für das Kind nicht stimmt? Es kann seine Meinung ja noch nicht sagen. Ich finde es eh unverschämt, wie wir Eltern uns einbilden, wir könnten über unsere Kinder bestimmen. Die haben doch auch ihren Willen.“

Julia J: „Und darum sollen wir alle zu Hause versauern?“

Amanda B: „Kinder sind das grösste Glück der Erde. Wer bei dieser Aufgabe versauert, sollte keine Kinder haben.“

So geht es weiter, bis die Redaktion den bissigen Müttern die nächste Frage zuwirft. Namen und Diskussionsinhalt sind frei erfunden, der Tonfall leider nicht.

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Ein Märchen aus alten Zeiten

„Du hast mich früher jeweils fast in den Wahnsinn getrieben“, erzähle ich einer meiner Nichten an der Familienweihnachtsfeier. „Freitags habe ich jeweils dich und deine grosse Schwester gehütet und du wolltest nie schlafen. Einmal musste ich unbedingt einen Englischvortrag für den nächsten Tag schreiben…“ Ich stelle fest, dass meine Nichte mich leicht ungläubig anschaut, also erkläre ich ihr, dass man damals samstags noch Schule hatte. „Da sass ich also mit dir auf dem Schoss und versuchte, meinen Vortrag zu Papier zu bringen.“ Die verwirrende Tatsache, dass ich meine Notizen tatsächlich von Hand mit der Füllfeder schrieb, weil noch kaum einer Zugang zu einem PC hatte, lasse ich weg, denn was ich als nächstes sagen werde, wird verwirrend genug sein für sie: „Das Dumme war nur, dass ich in der Stadtbibliothek keine Literatur zum vorgesehenen Thema gefunden hatte, also wechselte ich kurzerhand das Thema und verfasste einen Vortrag über die Jüdische Religion. Du heulend auf meinem Schoss, ich heulend am Schreibtisch, das war ein Erlebnis…“ Meine Nichte zögert einen Augenblick und meint dann „Du hattest also noch kein Internet damals… Warum konntest du dann so kurzfristig das Thema wechseln?“

Ja, warum eigentlich? Ein Genie war ich nämlich nicht. Zum Teil lag es bestimmt daran, dass ich zufällig gerade die passende Literatur zur Hand hatte. Je länger ich mich aber in die damalige Situation versetze, umso deutlicher erinnere ich mich daran, dass ich zu jener Zeit eine ganze Bibliothek an Wissen abrufbereit im Kopf hatte, so dass ich einen Vortrag einfach so aus dem Ärmel schütteln konnte. Heute ist dieses Wissen nicht mehr ganz so präsent; ich habe ja Google. Leider?

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Nein, ich suche keinen neuen Mann

Man sollte ja meinen, man könne heutzutage dem Computer alles beibringen. Ich meine, der Kerl ist inzwischen im Stande, auf den Punkt genau anzuzeigen, wo man gerade steht. Er kann dich fotografieren, wenn du ganz dringend ein Bild von dir brauchst und keine Kamera zur Hand hast. Er benimmt sich nach Lust und Laune wie ein CD-Player, ein Buch, ein Fernseher oder eine Schreibmaschine. Warum aber will der Kerl nicht begreifen, dass ich nicht auf Partnersuche bin? Egal, auf welcher Homepage ich mich aufhalte, überall will der Computer mir einen neuen Mann andrehen. Mal einen fürs Leben, dann wieder bloss einen für das kleine Abenteuer zwischendurch. Mal will er mir einen Akademiker aufschwatzen, dann wieder soll ich nur aufs Äussere schauen. Und wenn ich irgendwann aus lauter Frust auf die Frage „Sind Sie auf der Suche nach ihrem Traumpartner“ klar und deutlich „Nein“ anklicke, dann verschwindet die lästige Frage nicht etwa, sondern man macht mich dezent darauf aufmerksam, wo ich einen neuen finden könnte, sollte mein jetziger Traumpartner ganz unverhofft das Weite suchen. Okay, ich weiss, solche Dinge kommen vor und zwar öfter als man denkt, aber muss ich mir deswegen schon mal einen Mann auf Vorrat suchen? Einfach für den Fall, dass es mit „Meinem“ nicht klappen könnte? Nein danke, nicht mit mir. Da investiere ich lieber mehr Zeit in meine sehr reale Beziehung mit ihren Höhen und Tiefen, als im virtuellen Raum schon mal nach einem Ersatz Ausschau zu halten. 

Klar, ich könnte das aufdringliche Gehabe der Partnervermittler einfach ignorieren, aber das ist gar nicht so leicht, wenn einem ein Kind über die Schultern schaut und fragt, warum sich dieser nackte Mann da auf dem Laken räkelt. Und das nicht etwa auf einer einschlägigen Seite, sondern als Werbung, die mir gratis zu meinen Mails geliefert wird. Wenn ich dann noch bedenke, dass Karlsson jetzt auch eine E-Mail-Adresse hat und mit dem gleichen Mist, einfach in weiblicher Form, konfrontiert wird, dann kommt mir die Galle hoch. Wann endlich kommt der findige Computerexperte, der den „Stop! Keine Werbung!-Aufkleber für die Mailbox erfindet? Wann endlich kommt der Filter, mit dem ich angeben kann, was ich angepriesen bekommen will und was nicht? So schwer müsste das doch nicht sein, ich kann ja auch einstellen, ob ich meine Korrekturen in Deutsch(Schweiz) oder Deutsch (Deutschland) haben will. 

Und wo ich schon dabei bin, mich aufzuregen: Wann endlich begreift mein iPad, dass ich nicht Tamara heisse?

 

 

Stöberfieber

Seitdem es das Internet seinen Weg in unser Zuhause gefunden hat – also schätzungsweise seit etwa hundertfünfzig Jahren, denn ihr wollt mir doch wohl nicht weismachen, dass es einmal eine Zeit ohne Internet gegeben hat -, bin ich dem Stöberfieber verfallen. War ein Baby unterwegs, stöberte ich nach dem besten Kinderwagen, der schönsten Umstandskleidung, dem perfekten Nachtlicht. Stand Weihnachten vor der Tür, verglich ich die Preise der verschiedenen Anbieter und kaufte dann die Duplo-Eisenbahn dort, wo sie am günstigsten war. Sehnte ich mich nach Ferien, machte ich mich auf die Suche nach dem perfekten Ferienort.

Dabei verfolgte ich nicht primär das Ziel, auch wirklich etwas zu kaufen, denn solche Stöberorgien haben einen unschätzbaren Unterhaltungswert. Allein die gesammelten Absurditäten, die den werdenden Eltern angepriesen werden, sorgen für mehrere Tage ausgesprochener Heiterkeit. Es wäre mir nicht im Traum eingefallen, mir in der Schwangerschaft einen Gurt zuzulegen, der das Baby im Bauch mit klassischer Musik beschallt, um nichts in der Welt hätte ich mich dazu hinreissen lassen, einem meiner Babies eine Puppe mit leuchtendem Gesicht ins Bettchen zu legen und auch um den Baby-Anzug mit integriertem Mopp, von dem ich bis heute nicht weiss, ob es sich dabei um Spass oder Ernst handelte, machte ich einen weiten Bogen. Nein, solche Dinge habe ich nur gebraucht, um mich schiefzulachen, gekauft habe ich dann ganz vernünftig. Nun ja, bis auf dieses elende musikalische Töpchen, das ich für den Zoowärter anschaffte, aber das geschah aus reiner Verzweiflung, weil ich des Wickelns überdrüssig geworden war.

Leider werden die Gelegenheiten zum Stöbern weniger, je grösser die Kinder werden, denn jetzt stöbern sie selber. Die aktuelle Hitliste der Suchbegriffe: 1. Barockperücke 2. Empire-Kleid 3. Meerschweinchen 4. Pferd 5. Mundharmonika. Zu sagen habe ich da nicht mehr viel ausser „Nein, das kaufen wir nicht, das ist zu teuer.“ oder „Meerschweinchen kriegst du erst, wenn du endlich lernst, dein Zimmer in Ordnung zu halten“ was man auch übersetzen könnte als „Vergiss es. Solange du die Füsse unter meinen Tisch streckst kommt mir kein Tier ins Haus, dessen Käfig ausgemistet werden muss, denn am Ende bleibt die Arbeit doch an mir hängen, das weiss ich noch aus meiner eigenen Kindheit.“

Dabei sind Haustiere ja ideal dazu, die Stöberei fortzusetzen, wenn man keinen Babykram mehr braucht, denn bei Haustieren neigt der Mensch ja zu ähnlich absurden Einfällen wie bei Babies und Kleinkindern. Da gibt es zum Beispiel den Edelstahl-Trinkbrunnen, das „Erlebniscenter“, das Baldriankissen oder das Kratzschloss – alles für die Katz. Natürlich haben wir uns nicht darum dazu entschieden, unsere Familie um zwei Katzen zu erweitern, aber währenddem ich nach dem perfekten Katzenklo, der katzenfreundlichsten Transportkiste und dem kindersicheren Futternapf suche, kann ichgleich ein wenig stöbern. Nur so zum Spass. Sofern mich die Kinder überhaupt noch lassen. Möchte ja zu gerne wissen, weshalb die alle so fanatisch das Internet durchforsten…

Desperate Mousewife

Als ob der gestrige Frusttag nicht schon schlimm genug gewesen wäre – ich hoffe, ihr habt mein völlig unprofessionelles Gebrüll nicht gehört – muss heute auch noch die Internetverbindung streiken. Nun gut, streiken tut sie schon seit längerer  Zeit, aber nachdem ich die vergangenen Tage mit dem Computer auf dem Sofa verbracht habe, ist mir das stetige Ein und Aus der Drahtlosverbindung verleidet. Und so habe ich mich heute endlich dazu durchgerungen, mal wieder meine Freunde bei Sunrise anzurufen. Die Ferndiagnose, die man mir dort gestellt hat, war leider nicht gerade der Aufsteller des Tages: Vermutlich sei das Modem kaputt, aber ich hätte ja zwei Jahre Garantie auf das Gerät, das ich jetzt eben werde zur Reparatur einschicken müssen. In meinem Kopf schrillten die Alarmglocken, denn Modem weg bedeutet für mich soviel wie Abgeschnittensein vom Leben. Ja, ich weiss, vor zwölf Jahren ging es auch noch ohne und „Meiner“ und ich stellten uns tatsächlich die Frage, ob sich die Sache mit dem Internet je durchsetzen würde, oder ob wir auf einen privaten Anschluss verzichten könnten. Aber damals wusste ich ja noch nichts von Bloggen, Internet-Shopping und Arbeiten von zu Hause aus. Heute aber geht bei mir ohne Internet nichts mehr und deshalb geriet ich in leise Panik, als ich hörte, dass unser Modem wohl zur Kur muss.

Auch der Rest der Ferndiagnose stimmte mich nicht viel optimistischer. Ich könnte ja mal nachfragen, ob die im Sunrise Center in Aarau ein Ersatzmodem für die Zeit hätten, aber garantieren könne er mir natürlich nichts, meinte der Herr von Sunrise, der trotz unserer engen Freundschaft, die uns verbindet, nicht eben freundlich war. Um mich nach diesen düsteren Nachrichten zu beruhigen, versuchte ich sogleich, in Aarau anzurufen um zu fragen, ob sie allenfalls ein Ersatzmodem für eine verzweifelte Mousewife an Lager hätten. Aber leider kann man den Laden in Aarau gar nicht anrufen. Man landet im gleichen Call-Center, wie wenn man die Support-Hotline anruft. Was bleibt mir da anderes übrig, als mein Monster von Computer in den Flur zu schleppen, ihn mit dem Kabel ans Modem zu hängen und mir den Frust von der Seele zu schreiben? Und dann zu hoffen, dass das Modem endlich seine Selbstheilungskräfte aktiviert, damit ich es nicht einschicken muss. Immerhin habe ich es ja auch ohne Kur geschafft, wieder halbwegs auf die Beine zu kommen.

Bewegend

Ist doch einfach schön, so gefeiert zu werden. Schon dass „Meiner“ eine Party für mich organisiert hat, hat mich riesig gefreut. Auch die Postkarten von lieben Freunden haben mir den Tag verschönert. Das Päckchen von den Eltern unseres Au-Pair war eine wunderbare Überraschung. Und die Glückwünsche auf Facebook, zum Teil von lieben Menschen, die ich seit Jahren nicht mehr gesehen habe, waren natürlich auch sehr schön.

So richtig bis tief in mein Innerstes gerührt hat mich aber etwas anderes, nämlich die Geburtstagsgrüsse, die heute meine Mailbox beinahe überquellen liessen. Einfach bewegend, wer da alles an mich gedacht hat: „ClickandBuy“ schickt mir die besten Wünsche, der „Waschbär Umweltversand“ und „Vivanda“ haben sich gar miteinander abgesprochen, um mir den exakt gleichen Geburtstagsgruss zukommen zu lassen, der „Weltbild Verlag“ und „La Redoute“ schenken mir in unendlicher Grosszügigkeit je zehn Franken wenn ich für unendlich viel Geld etwas bei ihnen bestelle und auch „StayFriends“ und „Jesus.de“ haben mich nicht vergessen.

Ist das nicht beeindruckend: Da hinterlässt du nur ein einziges Mal in einem Online-Shop deine Spuren und schon wird dein Geburtstag nie wieder vergessen. Freunde mögen dein Geburtsdatum mit demjenigen deines „Deinen“ verwechseln, Verwandte mögen sich fragen, ob du nun 36 oder 46 Jahre alt wirst, aber „ClickandBuy“ wird nie vergessen, an welchem Tag du den wievielten Geburtstag feierst. Vermutlich werden die mir noch im Altersheim die besten Wünsche zukommen lassen, obschon ich mich bereits heute nicht mehr daran erinnern kann, wie die überhaupt an mein Geburtsdatum gekommen sind. Muss einer jener verrückten Spätabenspotaneinkäufe gewesen sein, den ich bei denen im Halbschlaf getätigt habe.

Ob ich aus lauter Dankbarkeit für all die netten Wünsche mal kurz bei jedem meiner Gratulanten vorbeisurfen soll? Ich meine, wenn ich will, dass die mir auch in 50 Jahren noch zum Geburtstag gratulieren können, muss ich dafür sorgen, dass ihr Laden läuft, nicht wahr?

Pass auf!

Grundsätzlich finde ich es ja ganz nett, dass die Net-Nanny so gut aufpasst, dass an unserem Computer keiner per Zufall auf eine Seite zweideutigen Inhalts gerät. Wir wollen ja nicht, dass der FeuerwehrRitterRömerPirat plötzlich Sexbildchen zum Ausmalen bekommt, wenn er mal wieder nach Malvorlagen sucht. Oder dass Luise in die Fänge eines Glücksspiels gerät, wenn sie Playmobil-Spiele spielt. Oder dass Karlsson am Ende erotische Romane zu lesen bekommt, wenn er eigentlich nur das Lesetraining für die Schule machen möchte. Weil wir zwar sehr wachsam darauf achten, was unsere Kinder im Internet treiben, aber ihnen leider nicht ununterbrochen über die Schultern schauen können, haben wir eben die Net-Nanny engagiert. Und eigentlich macht sie ihre Sache ja ganz gut: Sie verweigert den Zugriff auf alles, was die Kinder nicht sehen sollten.

Aber manchmal übertreibt sie es ja schon mit ihrer Wachsamkeit. Da wollte sie mich doch neulich tatsächlich daran hindern, mir meine tägliche Dosis Kleines Brüllen einzuverleiben, weil sie steif und fest behauptete, sie hätte auf der Seite pornographische Inhalte ausfindig gemacht. Da ich beim besten Willen nichts Schmutziges auf dieser Seite finden konnte, beginne ich zu fürchte, dass die Net-Nanny ein wenig hysterisch ist.  Als ich gestern Abend einen kleinen Frustkauf bei Britshop tätigen wollte – bei dem Wetter bekommt man doch einfach Sehnsucht nach England, denn wenn schon Regen, dann wenigstens englischen -, gab mir die Nanny eins auf die Finger, weil sie schon wieder Pornographie geortet hatte. Also wenn sie mich wegen meines Kaufrausches ermahnt hätte, hätte ich das ja noch verstehen können, aber da passt eigentlich „Meiner“ schon gut genug auf, dass ich unser Geld nicht aus dem Fenster schmeisse. So langsam fühle ich mich von der Nanny gegängelt: Will ich meine Mails abrufen, warnt sie mich vor Glücksspielen, will ich einen Online-Monsterwocheneinkauf tätigen, weist sie mich darauf hin, dass der Laden nichts für mich sei, da er unter anderem auch Alkohol im Angebot hat. Wo immer ich auch surfe, heisst es „Pass auf! Das könnte gefährlich werden.“ oder „Geh nicht zu nahe ran, das bekommt dir nicht gut.“ So langsam bekomme ich richtig Lust, die Tante auf den Mond zu schicken.

Was mich davon abhält, dies zu tun? Jetzt mal abgesehen davon, dass ich sie brauche, solange die Kinder noch so klein und unwissend sind? Ist doch klar, warum: Weil mir ihr Gehabe irgendwie bekannt vorkommt. Wenn ich bloss wüsste, woher…..

Liebesbrief an die moderne Technologie

Immer, wenn  wir in die Ferien verreisen gilt meine erste Sorge dem Internetanschluss. Nicht dass ich mich in der Illusion wiege, meine Leser könnten nicht ein paar Tage ohne neues Gebrabbel meinersteits auskommen. Ob ich das allerdings  überstehen würde, ist eine andere Frage. Diesmal aber war es besonders wichtig, denn ich hatte den Abgabetermin meiner Kolumne bereits verschieben müssen, weil ich Donnerstag und Freitag im Spital mit Warten vertrödelt hatte. Die Zeit drängte also, als wir in Chamonix ankamen. Undwie immer, wenn die Zeit drängt, lief alles schief.

Zuerst mal funktionierte das Modem nicht, das mir die Réception zur Verfügung gestellt hatte. Also begann ich ohne Internetverbindung zu schreiben. Irgendwann stellte ich mit Schrecken fest, dass das Schreibbprogramm des Laptops zwar Wörter, nicht aber Zeichen und Leerschläge zählt. Also begannen „Meiner“ und ich zu zählen. Dies aber passte dem Laptop nicht, weshalb er zu protestieren begann, sein Akku werde demnächst leer sein, was dazu führte, dass „Meiner“ und ich panisch begannen, den Text von Hand abzuschreiben, denn der Adapter für ausländische Steckdosen war mal wieder zu Hause geblieben und die Réception war inzwischen geschlossen. Also ab zum Computer in der Lobby, der aber aus unerfindlichen Gründen etwas gegen mich hat und alles tat, nur nicht das, was ich will.

Irgend wann gab ich auf, stürmte entnervt in die Ferienwohnung, wo ich einen hefitgen Streit mit „Meinem“ vom Zaun brach. Wenn ich schon keinen an der Réception zur Schnecke machen konnte, musste eben „Meiner“ dranglauben. Und man sagt ja, die meisten Paare würden in den  Ferien streiten, weshalb also sollten wir eine Ausnahme machen?

Wie die Kolumne dann doch fertig geworden ist? Nun, heute früh – und ich meine wirklich früh – funktionierte alles wieder tadellos. Und zum Zeichen der Versöhnung hat mir „Meiner“ sogar ein  anderes Modem geholt an der Réception. Somit fanden meine von Hand abgezählten 3000 Zeichen inklusive Leerschläge gerade noch rechtzeitig den Weg nach Aarau. Ob der Text gut ist? Keine Ahnung. Bei so viel Zählen konnte ich mich nicht auch noch auf den Inhalt konzentrieren…

Und jetzt starten wir einen neuen Anlauf, das süsse Leben hier zu geniessen.

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