Früh am Morgen

Der FeuerwehrRitterRömerPirat will nicht aufstehen, vergiesst sogar ein paar Tränen. Mit gutem Grund, wie sich drei Minuten, bevor er aus dem Haus müsste, herausstellt. Die Hausaufgaben sind nämlich nicht fertig gelöst, aber daran ist Papa schuld, denn der hat gestern Abend angeblich gesagt, der FeuerwehrRitterRömerPirat dürfe mit seinen Freunden auf den Schulkirschbaum, auch wenn die Hausaufgaben noch nicht ganz fertig seien.  Ja, die Mama hat ausdrücklich gesagt, zuerst müsse alles fertig sein, aber wenn Papa das nicht eben so ausdrücklich sagt, sondern nur impliziert, kann doch der FeuerwehrRitterRömerPirat nichts dafür, dass die Hausaufgaben nicht erledigt sind. Und überhaupt, in diesem Haus findet man nie einen Bleistift, mit dem man die Hausaufgaben lösen könnte und daran ist ganz bestimmt nicht der FeuerwehrRitterRömerPirat schuld, genau so wenig wie all anderen, die in diesem Haus regelmässig Hausaufgaben lösen. Bleistifte, das muss man wissen, machen sich ganz von selbst aus dem Staub, wenn sie sich irgendwo attraktivere Arbeitsbedingungen erhoffen, zum Beispiel als Türsteher im Abflussrohr oder als Grabschaufler beim Begräbnis des Babyvogels, der den Sturz aus dem elterlichen Nest nicht überlebt hat. 

Der Zoowärter kommt nicht aus dem Bett, weil der Papa immer nur nein sagt zu allem und darum sagt der Zoowärter heute halt auch mal nein zur Schule, um den Papa für seine Sturheit zu bestrafen. Okay, ist vielleicht nicht ganz fair, dass jetzt die Mama zig Mal die Treppen hochsteigen muss, um ihn doch noch aus dem Bett zu jagen, das gibt der Zoowärter offen zu. Aber die Mama ist ja selber schuld, dass sie einen Mann geheiratet hat, der immer zu allem nein sagt, was dem Zoowärter gerade Spass machen würde. Irgendwann lässt sich der Junge doch noch dazu überreden, aus dem Bett zu kommen, aber nur, damit er dem Papa ins Gesicht sagen kann, dass heute nichts wird mit Schule. Und damit er der Mama vorhalten kann, sie liebe nur das Prinzchen, ihn aber gar kein bisschen. Das hat er ihr ja schon gestern und vorgestern gesagt, warum also steht sie nicht endlich offen dazu?  Und überhaupt: Wie will sie dem Zoowärter ausgerechnet an einen Tag wie heute, wo das Prinzchen mit einem ganzen Rucksack voller Leckereien und liebevoll mit Sonnencrème und Zeckenspray eingeschmiert aus dem Haus geschickt wird, weis machen, sie hätte alle ihre Kinder auf ihre ganz spezielle Weise gleich lieb? Und jetzt faselt sie davon, wie sie vor zwei Wochen, als der Zoowärter Schulreise hatte, genau gleich viel eingekauft hat. Das zählt doch nicht mehr, ist längst alles verdaut und vergessen. Zum Glück schenkt das Prinzchen dem störrischen grösseren Bruder ganz ohne Zwang eine ganze Schachtel Bonbons – „Ich kann doch nicht so viele Süssigkeiten essen!“ – und damit sind auch die Zweifel an Mamas Liebe wie weggeblasen. Als Entschädigung für den Zoff bekommt Mama sogar einen grasgrünen Bonbon geschenkt, was sie natürlich sofort als zoowärterschen Liebesbeweis deutet. 

Luise überkommen plötzlich die Zweifel, ob ihre neuen Shorts in der Schule überhaupt zugelassen sind, oder ob die in die Kategorie „Hot Pants“ fallen und damit verboten sind. Mama versucht ihr weis zu machen, dass diese Shorts gar keine Hot Pants sein können, weil sie diese ja ohne Luises Wissen gekauft hat und Mama würde ihrer minderjährigen Tochter ganz bestimmt nie im Leben Hot Pants erlauben oder gar kaufen. Luise ist nicht so recht überzeugt, denn die Schule tendiert dazu, die Dinge etwas enger zu sehen als Mama, doch aus Furcht, zu spät zu kommen, beschliesst sie, ihrer antiautoritär angehauchten Mutter zu glauben, auch wenn die Schule alles andere als antiautoritär angehaucht ist. 

Das Prinzchen verhält sich für einmal ganz kooperativ, was vermutlich an oben genanntem Rucksack liegt, Karlsson sagt ohnehin seit Wochen nichts anderes mehr als „Getrocknete Bananen“ und „Weli Gluscht gha han“ und erbringt damit den eindeutigen Beweis, dass er wohlbehalten in der Pubertät angekommen ist. „Meiner“ befindet sich in seinem alljährlichen „Ich bin mit meinen Nerven am Ende und weiss nicht mehr, wo mir der Kopf steht“-Schuljahresend-Tief, was sich zum Beispiel darin äussert, dass er ohne ersichtlichen Grund von mir wissen will, wo an meinem Laptop der „Print Screen“-Knopf zu finden ist und dann nicht sagen will, weshalb er diesen Knopf ganz dringend im Morgengrauen finden muss und dann erst noch ausgerechnet in dem Moment, in dem seine Frau gerade dabei ist, die Generalreinigung der Katzenkistchen vorzunehmen und ziemlich in der Sch…. steckt. 

Himmel, lass endlich diese Sommerferien beginnen!

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Weshalb ich gestern nichts geschrieben habe

Gewollt hätte ich ja schon, aber nicht gekonnt, weil ich den ganzen Tag eine Zweijährige gehütet habe. Eine sehr selbständige, unternehmungslustige, aber auch äusserst friedfertige Zweijährige, die einem mit Blicken und Händedruck klar macht, was sie will. Eine Zweijährige, die so lange auf dem Trampolin hüpft, wie es ihr passt, die nicht länger als 45 Minuten Mittagsschlaf macht, die schelmisch lächelt, wenn sie etwas im Schilde führt, die unsere Jungs mit Leichtigkeit dazu bringt, ihr die volle Aufmerksamkeit zu schenken, die sofort Vertrauen zu mir gefasst hat, auch wenn sie mich nicht besonders gut kennt und darum liess sie sich willig von mir an der Hand nehmen, herumtragen, auf dem Schoss halten, auf die Schultern nehmen…  Eine ganz wunderbare Zweijährige, die schon bei unserer ersten Begegnung mein Herz erobert hat und die jederzeit herzlich willkommen ist bei mir. 

Wenn sie das nächste Mal kommt, muss ich vorher einfach gedanklich ein paar Jahre zurückreisen, um wieder in den „Allzeit bereit für den nächsten verrückten Einfall“-Modus zu kommen, den ich irgendwie verlernt habe, seitdem das Prinzchen im Kindergarten ist. Wie konnte ich bloss vergessen, dass so ein kleines Menschlein mindestens 59 von 60 Minuten für sich in Anspruch nimmt und das erst noch mit Charme? Wie konnte ich bloss vergessen, wie müde man nach einem wunderbaren Tag mit einem kleinen Menschlein ist?

Und wie haben wir das bloss geschafft, als bei uns zu Hause noch mehrere von diesen hinreissenden kleinen Menschlein gleichzeitig auf verrückte Einfälle kamen?

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Die Sache mit dem Mutterstolz

Es ist mir ja ein wenig peinlich, dies hier zu gestehen, aber ich sag’s dennoch: Auch ich bin nicht ganz gefeit gegen Mutterstolz. Ich weiss, ich habe herzlich wenig dazu beigetragen, dass es so gekommen ist und man hat ja auch nie die Garantie, ob es gut weitergeht, aber ins gewissen Momenten klopft auch mein Herz schneller und ich denke „Wahnsinn, das ist mein Kind.“ Okay, ich weiss, Menschen kann man nicht besitzen und spezieller als jeder andere Mensch auf diesem Planeten sind auch meine Kinder nicht, aber von solchen Finessen lässt sich der Mutterstolz nicht abhalten, der überkommt einen einfach manchmal. Zum Beispiel, wenn der Erstgeborene nicht nur körperlich die Mama überragt, sondern auch in gewissen Fähigkeiten. Oder wenn in der einzigen Tochter schemenhaft die zielstrebige junge Frau zu erkennen ist, die sie zu werden anfängt. Oder wenn…ach was, ich höre auf, sonst glaubt ihr noch, ich wollte mit meinem Nachwuchs prahlen. 

Will ich aber nicht und dürfte ich auch nicht, wenn ich es denn wollte. Karlsson ist nämlich sehr besorgt darum, dass ich schön brav auf dem Boden bleibe. Erzähle ich meiner Schwester mit stolzgeschwellter Brust, Karlsson hätte eine sechs in Französisch – ja, meine lieben Leser aus Deutschland, besser als sechs geht bei uns nicht -, weist er mich sofort  in die Schranken: „Wen interessieren schon meine Noten? Du wirst ja richtig peinlich.“ Bekommt er mit, wie ich jemandem von diesem unglaublich tollen Kompliment erzähle, das ihm die Musiklehrerin gemacht hat, lacht er mich aus: „Redest du jetzt schon wieder davon? Dreht sich bei dir eigentlich alles nur noch um deine grossartigen Kinder?“ und sein spöttischer Ton macht unmissverständlich klar, dass er es einfach lächerlich findet, wenn ich nur schon den Anschein erwecke, ich würde meine Kinder für begabter halten als andere es sind.

Weil ich in den Augen meines grossartigen, talentierten, bildhübschen, sprachbegabten, … Erstgeborenen nicht lächerlich erscheinen will, bringe ich in solchen Momenten meinen Mutterstolz ganz schnell zum Schweigen und erzähle stattdessen von einer Begebenheit, bei der mir dieser junge Herr ganz gewaltig auf die Nerven gegangen ist. Von daher ist es dann gar nicht mehr so weit bis zur Bemerkung: „Mist! Dass ausgerechnet mein Kind auf diese saublöde Idee gekommen ist“ und schon halten sich das Grossartige und das Nervtötende wieder die Waage.

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Was ich uns Müttern zum Muttertag wünsche

Vielleicht ist es etwas vermessen, Wünsche zu äussern, wo ich doch eigentlich ganz zufrieden sein könnte mit dem, was meine Lieben heute für mich tun. Aber es gibt dennoch ein paar Dinge, die ich mir und meinen Mitmüttern wünsche:

Ich wünsche uns, dass keine Mutter den Karren ganz alleine ziehen muss. Nein, das wünsche ich nicht nur meinen allein erziehenden Mitmüttern, sondern auch denen, die fast alle Lasten alleine tragen, obschon sie nicht alleine sind.

Ich wünsche uns Nachbarn, Politiker, Pädagogen, Kellner, Vorgesetzte, Schwiegermütter, Museumsaufseher und Buspassagiere, die uns grundsätzlich gute Absichten unterstellen und uns deshalb das Leben nicht unnötig schwer machen. Dann fällt es uns auch leichter, unsere guten Absichten in Tat umzusetzen.

Ich wünsche uns Supermärkte, die sich nicht auf Kosten unserer ohnehin schon arg strapazierten Nerven bereichern.

Ich wünsche uns, dass nie mehr darüber diskutiert wird, ob Stillen in der Öffentlichkeit anstössig ist.

Ich wünsche uns Freundinnen und Freunde, die in einer ganz anderen Lebenslage stecken als wir, damit wir es nicht verlernen, über den Tellerrand hinaus zu blicken.

Ich wünsche uns Selbstbewusstsein, damit wir die Mütter sein können, die unsere Kinder brauchen und nicht die Mütter, die irgend jemand anders als gute Mütter bezeichnet.

Ich wünsche uns, dass Mütter ihre Kinder nicht mehr schützen müssen vor Menschen, die vergessen haben, dass ein Kind nicht angetastet werden darf.

Ich wünsche uns, dass man von uns nicht automatisch erwartet, wir könnten und wollten basteln.

Ich wünsche uns die Fähigkeit, uns im Jetzt an unseren Kindern zu freuen und nicht erst im Rückblick, wenn sie unserer Obhut entwachsen sind. Das muss nicht jeden Tag übersprudelnde Begeisterung sein, immer mal wieder ein kleines Lächeln wäre schon ganz gut, auch an den Tagen, an denen nichts so ist, wie man es uns in der Werbung versprochen hat und wir uns wünschten, es gäbe ein Umtauschrecht.

Ich wünsche uns spannendere Gespräche unter Müttern. Ich meine, wollt ihr wirklich wissen, ob die andere lieber Pampers oder Huggies hat?

Ich wünsche uns, dass wir aufhören, einander zu sagen, wie man es „richtig“ macht.

Ich wünsche uns, dass wir nicht so tun, als wären wir bessere Menschen, weil wir Kinder geboren haben. Ich wünsche uns aber auch, dass wir nicht so tun, als seien wir schlechtere Menschen, weil wir es wegen der Kinder „nicht so weit gebracht haben“ wie andere.

Ich wünsche uns, dass wir nicht immer so ein elendes Affentheater machen müssen um jeden kleinen Mist.

Ich wünsche uns, dass unsere Kinder uns heute nicht nur sagen müssen, sie hätten uns lieb, sondern dass sie dies auch sagen wollen.

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Notfall-Date

Allzu romantisch war es nicht, unser Tête à Tête im Fast-Food-Tempel. Zu laute Musik, ungesundes „Essen“, unsympathische Gäste. Aber nachdem wir uns tagelang wegen Banalitäten in den Haaren gelegen hatten, musste es einfach sein. Wir mussten raus aus unseren vier Wänden. Raus aus der dicken Luft, die sich angestaut hatte. Raus aus den Rollen des strengen Papas und der besänftigenden Mama, diesen doofen Rollen, die wir immer dann einnehmen, wenn wir uns sogar im Bereich der Kindererziehung heftige Kämpfe liefern, weil wir einander so sehr auf die Nerven fallen. 

Wir mussten einfach wieder mal Paar sein, und sei es nur für diese eine Stunde am späten Abend. Einfach irgendwo hin, wo sie am Sonntagabend offen haben, an einen Ort, wo sie einen nach der Bestellung in Ruhe lassen, damit man mal wieder ein paar Worte wechseln kann. Nein, romantisch war es wirklich nicht, aber der kurze Szenenwechsel hat dennoch gut getan. Einfach quatschen – „Was hältst du vom Thema ‚Hochsensibilität‘? Nur wieder ein Modethema, oder ein echtes Problem?“ „Wie wollen wir eigentlich unseren Vierzigsten feiern?“ „Bundesrat Maurer war ja wieder mal voll peinlich.“ -, ein oder zwei Missverständnisse aus dem Weg räumen und unbeschwert sein.

Es hat gut getan, kurz wegzugehen. Es war beruhigend, zu merken, dass da kein Graben ist zwischen uns, sondern manchmal einfach zu viel Alltagskram, der uns daran hindert, einander zu verstehen. Auch wenn es nicht romantisch war, war es doch schön, wieder mal nur zu zweit zu sein.

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Bleiben wir bitte farbenblind

Da bringst du deinen Kindern von frühester Kindheit an bei, im Bezug auf die Menschheit vollkommen farbenblind zu sein und dann dies:

Karlsson: „Prinzchen, wenn du mal gross bist, könntest du ja deine Freundin aus Nigeria heiraten.“

Prinzchen: „Aber das geht doch nicht. Ein Schweizer kann doch keine Afrikanerin heiraten.“

Karlsson: „Natürlich kann er das. Man kann Menschen von überall auf der Welt heiraten.“

Prinzchen: „Aber nicht Menschen aus Afrika.“

Karlsson: „Aber sicher doch. Das kann man.“

Das Prinzchen glaubt seinem ältesten Bruder noch immer nicht und ruft deshalb nach mir: „Mama, Karlsson sagt, ein Schweizer kann eine Afrikanerin heiraten. Stimmt das wirklich?“

Ich: „Natürlich stimmt das, Prinzchen. Die Menschen sind überall gleich und darum kommt es auch nicht drauf an, woher jemand kommt.“

Prinzchen: „Aber wenn ich in der Schweiz bin und sie in Afrika, dann geht das doch nicht.“

Na ja, in diesem einen kleinen Punkt liegst du vielleicht richtig, mein Prinz, aber über den Rest deiner Einstellung müssen wir uns noch einmal eingehend unterhalten. 

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Wunder unter dem Sofa

Katzenmama Henrietta ist einfach ein Phänomen. Schleicht sich irgendwann im Laufe des Morgens ins Wohnzimmer, legt sich unters Sofa und fängt an, zu gebären – nicht im Heubett, übrigens. Das alles so leise und unaufgeregt, dass ich, die ich auf dem Sofa meine Magenverstimmung auskuriere, erst etwas davon mitbekomme, als es unter mir zart zu miauen beginnt. Nach und nach kommen die kleinen bis mittelgrossen Vendittis von der Schule nach Hause,  doch Mama Henrietta lässt sich dadurch nicht im Geringsten stören und gebärt in aller Seelenruhe weiter. Ihr doch egal, wenn die Jungs am Esstisch nebenan lärmen und Luise alle paar Minuten zum Sofa gerannt kommt, um zu sehen, ob wieder ein Kätzchen das Licht der Welt erblickt hat.

Kurz nach dem Mittagessen säugen fünf kräftige Katzenmädchen an Henriettas Zitzen. Ebenfalls kurz nach dem Mittagessen stehen fünf gewöhnlich sehr laute Vendittikinder für einmal stumm und andächtig da und bestaunen das Wunder, das sich ganz nebenbei unter dem Sofa abgespielt hat. Das Staunen wird sogar noch grösser, als das Prinzchen eine Eierschale aufhebt, die aus unerklärlichen Gründen den Weg ins Geburtsnest gefunden hat. „Schau mal, Mama, hier ist sogar noch die Schale von dem Ei, aus dem die Kätzchen geschlüpft sind.“

Na gut, den Glauben an dieses Wunder musste ich unserem Jüngsten schleunigst wieder austreiben, sonst kommt er am Ende noch auf die Idee, der Osterhase bringe die kleinen Kätzchen. 

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Relax

Hinter uns liegen zwei äusserst intensive Wochen. Menschen, die wir mögen gaben sich die Klinke in die Hand, die einen auf Einladung, die anderen spontan, aber alle gleich willkommen. Unsere Tage waren angefüllt mit tiefschürfenden Gesprächen, Gelächter, gemütlichen Teestunden, gemeinsamem Kochen und langen Abenden. Torten, Osterhasen, frische Blumen und sogar ein Trampolin für unsere Kinder fanden den Weg zu uns, auch hier wieder einiges als Begleiterscheinung einer Einladung, anderes spontan, aber alles überraschend und sehr willkommen. 

Waren wir ausnahmsweise mal unter uns, nutzten wir die Zeit, um unser Zuhause wieder halbwegs gästetauglich herzurichten und Vorräte für weitere gemütliche Mahlzeiten anzuschleppen. War auch das getan, unterhielten uns Karlsson und Luise, indem sie in die Rolle von Menschen schlüpften, die wir nicht zu unseren bevorzugten Gästen zählen. (Keine Angst, ihr, die ihr hier wart, gehört nicht in diese Kategorie und ihr, die ihr demnächst bei uns eingeladen seid, auch nicht.) Oft brachten sie uns zum Lachen, hin und wieder strapazierten sie damit aber auch unsere Geduld. 

Es war eine schöne Zeit, die wir sehr genossen haben. Dennoch waren „Meiner“ und ich irgendwann ziemlich geschafft. Darum sollte sich jeder von uns am heutigen Ostermontag ein paar Stunden ganz für sich gönnen dürfen. Für „Meinen“ war schnell klar, womit er diese Stunden füllen will: Sauna, Stille, nur ein wenig lesen und ausspannen, bevor morgen der Arbeitsalltag wieder beginnt. Ich aber wusste nicht so recht, was ich tun sollte. Ein richtig gutes Buch, das mich für ein paar Stunden in eine andere Welt entführt, habe ich derzeit nicht. Bleibe ich zu Hause, bin ich umgeben von einem Haufen unerledigter Dinge, gehe ich in ein Café, laufe ich Gefahr, irgendwelche Bekannte zu treffen und danach ist mir nach diesen zwei Wochen trotz aller Liebe zu meinen Mitmenschen nicht wirklich.

Nach reiflicher Überlegung kam ich zum Schluss, dass einzig die  Luxusvariante taugt, um mir etwas Ruhe zu verschaffen: Eine heftige Magenverstimmung, die mich dazu zwingt, mich jammernd ins Bett zu legen und mir die Decke über den Kopf zu ziehen. Ich weiss eben noch, wie sich richtige Erholung anfühlen sollte…

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Paarzeiten

Babies und Kleinkinder schaden dem Beziehungsleben, darüber sind sich so ziemlich alle einig, die keine Babies oder Kleinkinder haben. Mit wenig Schlaf, einem veränderten weiblichen Körper, einem rund um die Uhr zu versorgenden kleinen Menschlein und wenig Raum für Zweisamkeit muss eine Beziehung doch einfach zu kurz kommen, denkt man. Gut, vollkommen falsch ist das nicht. Es ist tatsächlich eine ziemlich grosse Umstellung vom Paar zur Familie, doch wenn die Kleinen erst mal einen gewissen Rhythmus gefunden haben, ist es gar nicht mehr so schwierig, auch wieder Paarzeiten einzuschalten. Zumindest, wenn man sich damit abfinden kann, dass die Knöpfe die sorgfältigste Planung zu jeder Zeit mit einem kleinen Virus oder einem überraschenden Armbruch zu Fall bringen können. 

Das alles ist nichts, im Vergleich zu dem, was kommt, wenn die Kleinen erst mal grösser sind. Abends um acht verschwinden sie nicht brav auf ihren Zimmern, nein, dann kommen sie erst aus ihren Löchern hervorgekrochen und wollen reden. Oder Hilfe bei den Hausaufgaben. Oder mit Mama einen Chick-Flick schauen. Oder streiten. Die Sache mit der Geheimsprache kannst du dir auch abschminken, wenn sie mal aufgeklärt genug sind, um zumindest erahnen zu können, was sich Mama und Papa zwischen Suppenschüssel und ausgeleerten Saftgläsern mitzuteilen versuchen. Zweisamkeit wird zum Fremdwort, weil immer einer von beiden jemanden irgendwohin chauffieren oder von dort wieder abholen muss. Vielleicht schaffst du es gerade noch, „Deinem“ im Vorbeigehen zwischen Tür und Angel zu sagen, dass du ihn vermisst und gerne mal wieder etwas Zeit mit ihm verbringen möchtest. Wenn du Glück hast, erinnert er sich daran, wer du bist und fragt sich nicht, wer diese mittelalterliche Tussi ist, die ihn da einfach so anbaggert. 

Sollte es dir dennoch einmal gelingen, ihn zu einem gemeinsamen Tässchen Tee zu verführen, kommt ganz bestimmt ein Teenager daher und will ebenfalls ein Tässchen haben. Und du kannst es ihm nicht mal verwehren, denn die Ausrede „Du kannst nicht schlafen, wenn du nachmittags um vier Schwarztee trinkst“, quittiert er mit einem Schulterzucken und „Muss ohnehin lange wach bleiben, weil ich noch für diesen Test üben muss. Hilfst du mir?“ Falls dann doch irgendwann vor Mitternacht Ruhe einkehrt, versuchst du verzweifelt, „Deinen“ aus dem Sofa-Tiefschlaf zu rütteln, damit ihr die Nacht immerhin –  mit Katze und  einem von der Angst geplagten Kind –  im gleichen Bett verbringt. 

Wie, ihr glaubt, ich würde übertreiben? Aber klar tue ich das. Wenn nicht gerade Schulferien sind haben „Meiner“ und ich ja jeden Freitagmittag fünfzig Minuten nur für uns. Zeit genug, um einander bei einem Sandwich zu versichern, dass wir alles in unserer Macht stehende unternehmen werden, um unsere Zweisamkeit durch die Teenagerjahre unserer Kinder hindurch zu retten. 

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Love Story

Für sie lässt er seine besten Freunde warten und wenn sie sagt, sie wolle heute mal mit ihm alleine sein, dann muss ihm keiner mit der Idee kommen, man könnte sich ja auch zu dritt oder zu viert treffen. In ihrer Gegenwart verfliegt die Zeit so schnell, dass jeder Abschied zu früh kommt, egal, wie oft man ihn schon hinausgezögert hat. Schwer zu sagen, wie die zwei zueinander gefunden haben. Irgendwann gehörten sie einfach zusammen. Auf den ersten Blick mag es scheinen, als habe sie die Hosen an, denn sie ist die Zielstrebigere von beiden. Doch ohne seine Leichtigkeit wäre alles nur halb so schön. Sie ergänzen sich halt einfach. Darum macht ist es auch ganz natürlich, wenn sie beim Musikschulkonzert den Arm um seine Schulter legt. Kein Erröten, keine dummen Sprüche, kein Abstreiten – so macht man das einfach, wenn man sich gefunden hat. Gut, er mag es ihr nicht gleichtun, vermutlich weil er weiss, dass ich ganz in der Nähe bin und alles mitbekomme. Das wäre dann schon etwas peinlich. Mütter haben ja bekanntlich keine Ahnung von der ersten grossen Liebe.

Gut, etwas überrascht bin ich tatsächlich. Dass ausgerechnet er der Erste ist, der eine Freundin nach Hause bringt, hätte ich vom Zoowärter nämlich nicht unbedingt erwartet.

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