Kinderlose Kinderexperten

Meine kinderlosen Freundinnen sind Gold wert. Mit ihnen kann ich über die Dinge quatschen, die sich außerhalb meiner Mamawelt abspielen. Sie erfahren von mir, was sie ohne Kinder verpassen (und was nicht), ich lerne von ihnen, wie man die Dinge auch noch sehen könnte, wenn man sie nicht immer im Hinblick auf die eigenen Kinder betrachtete. Bei ihnen kann ich auch mal ungehemmt darüber lästern, wie sehr mir der Tanz ums goldene Kind, den manche Mütter veranstalten, auf den Geist geht. Im Gegenzug berichten sie mir schonungslos offen über die Abgründe des „Single-WG-wie soll meine Zukunft aussehen?“-Lebens. Kurzum, sie sind eine echte Bereicherung, diese Frauen. 

Was ich hingegen nicht ertragen kann, sind kinderlose Menschen, die Kinder und Teenager nur vom Hörensagen und vor allem aus den Medien kennen und sich dennoch für Experten halten. Menschen, mit denen man solche Gespräche führt (Dieses hier ist übrigens fiktiv, leider aber nicht frei erfunden.): 

Ich: „Meine Tochter ist in den Ferien jeweils sehr viel experimentierfreudiger mit ihrem Kleiderstil. Dann trägt sie Dinge, die sie für die Schule nie anziehen würde.“

Mein Gegenüber seufzt tief, legt die Stirn in sorgenvolle Falten und sagt: „Ja, das ist heutzutage einfach schlimm mit diesem Markenwahn. Die Kinder trauen sich ja nicht mehr aus dem Haus, wenn sie nicht die richtigen Klamotten tragen…“

„So habe ich das nicht gemeint“, unterbreche ich, um mir nicht den ganzen Markenkleider-Sermon, den ich inzwischen in- und auswendig kenne, anhören zu müssen. „An unserer Schule ist das eigentlich kein Problem…“

Weiter komme ich nicht, bevor mein Gegenüber ins Wort fällt: „Nein, glaub mir, die Kids leiden richtig. Wenn die die falschen Schuhe an den Füssen haben, werden die verprügelt. Ich habe neulich diesen Artikel gelesen…“

Jetzt ist es an mir, unhöflich zu sein: „Ich weiss, an manchen Schulen läuft das tatsächlich so, aber bei uns schlagen wir uns mit anderen Themen rum. Meine Tochter ist halt jetzt einfach in dem Alter, in dem man nicht auffallen will…“

„Das ist es genau, was ich meine“, unterbricht mich mein Gegenüber schon wieder. „In dem Artikel haben sie diese bekannte Jugendpsychologin zitiert…wie heisst sie nochmal?… Ach, ist ja auch egal, aber auf alle Fälle hat sie gesagt, die Kids wollten auf gar keinen Fall mehr auffallen, weil sie sonst…“

So geht das dann so lange weiter, bis die Person meine Aussage über Luises Kleiderstil so weit zurechtgebogen hat, dass sie als Beleg für die Thesen aus dem Zeitungsartikel herhalten kann. Und bis ich mir überlege, ob ich der Person einen Praktikumsplatz bei uns zu Hause anbieten soll, damit sie mal Kinder und Teenager in freier Wildbahn erleben kann. 

Noch Fragen, warum ich solche Menschen nicht zu meinem Freundeskreis zähle?

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Schülerkonzertgedanken

Was mir an einem Schülerkonzert so alles durch den Kopf geht:

Ich glaube, das mit der Yellow Submarine haben sich die Beatles ein wenig anders vorgestellt.

Sind sie nicht wunderbar, meine musizierenden Kinder?

Eines Tages wird die Menschenrechtskonvention erkennen, dass die Musik von Ludovico Einaudi zu Folterzwecken missbraucht werden kann und deswegen verboten gehört.

Ich weiss, dass meine Kinder nicht wunderbarer sind als alle anderen Kinder auch, aber sind sie nicht wunderbar?

Gibt es einen herzerwärmenderen Anblick als ausgewachsene Teenager, die mit Begeisterung ihre Musikinstrumente traktieren?

Ist er nicht wunderbar, mein kleiner Prinz, der andauernd auf einem imaginären Klavier spielt, währenddem er zuhört, wie die anderen musizieren?

Gibt es einen herzerwärmenderen Anblick als ein Kleinkind, das bei jedem Musikvortrag – egal, ob klassisch, rockig oder sonst was -, vor lauter Begeisterung nicht mehr an sich halten kann?

Ist er nicht wunderbar, mein Zoowärter, der im Publikum sitzt und mir erklärt, die Musik, die da gespielt werde, sei der perfekte Soundtrack zu dem, was in seiner Phantasie gerade ablaufe?

Schon eigenartig, dass man bei solchen Anlässen seit Jahren schon immer die gleichen Familien sieht. Und andere Familien nie. 

Himmel, ja, sie sind wunderbar, deine Kinder, aber kannst du jetzt mal aufhören mit deiner Schwärmerei, du elende Glucke?

Gar nicht schlecht, die Idee, das Programm ein wenig zu straffen und das Publikum ins Dunkle zu setzen. So herrscht endlich mal Ruhe im Saal und die Kinder müssen nicht gegen das ewige Geschwätz anspielen. 

Schweig, Glucke, ich will dich nicht mehr hören!

Wäre das ein Sportanlass, hätte es bestimmt etwas mehr Dorfprominenz hier.

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Schulbesuchstag, 785. Ausgabe (oder so)

Eigentlich müsste ich ja gar nicht mehr hingehen. Ich kenne die Lehrer, die Lehrer kennen mich und der Unterricht ist wie er immer schon war, mal spannender, mal langweiliger. Prinzchen, Zoowärter und FeuerwehrRitterRömerPirat aber wünschen sehnlichst meine Anwesenheit, und sei sie noch so kurz, weil ich fünf Besuche in zwei Tage quetschen muss.

Luise hingegen will auf gar keinen Fall, dass ich komme. Der Besuch bei ihr ist also eine heilige Pflicht, denn die einzige Rolle, die sie mich in ihrem Leben noch spielen lässt, ist jene der peinlichen Mutter und dieses Engagement nehme ich sehr ernst. (Wie ernst? So ernst, dass ich im Englischunterricht beinahe aufgestreckt hätte, um einen Adverb-Fehler auf dem Arbeitsblatt zu korrigieren, aber ich hab’s dann bleiben lassen, weil die Lehrerin ihre Sache sonst ganz gut macht.)

Na ja, und Karlsson – der mir ganz gerne seine Lehrer präsentiert – hätte eigentlich gewünscht, ich wäre bereits am Montag gekommen, damit er seine lineare Erörterung nicht schreiben muss, aber diesen Gefallen konnte ich ihm beim besten Willen nicht tun, denn sonst würden unsere Gespräche noch länger im folgenden Muster verlaufen: „Welches Thema soll ich denn nehmen, Mama?“ – „Nimm doch….“ – „Nein, das ist Scheisse.“ – „Dann nimm halt…“ – „Nein, haben wir im Unterricht schon gemacht.“ – „Dann eben….“ – „Sicher nicht! Das machen schon alle anderen.“ – „Und warum nicht…?“ – „Auf gar keinen Fall. Ist ja total bescheuert.“

Man sieht also, meine Gründe für mein andauerndes Rumhängen in Schulzimmern sind so vielfältig wie unsere Kinder. Und wenn man erst mal dort ist, wird’s ganz amüsant, weil man endlich mal mit den Müttern quatschen kann, die man sonst nie sieht. Dann stehen wir in der Ecke rum, tratschen über dies und jenes und fragen uns, ob die Kinder es überhaupt noch wahrnehmen, wenn die Lehrerin alle zwei Minuten entnervt „Schhhhhhhh“ macht.

Okay, es hat eine Weile gedauert, bis ich einen auffälligen Zusammenhang zwischen ihrem „Schhhhhhhh“ und meinem Kichern erkannt habe. Ich bin dann ein Zimmer weiter gezogen, um den Unterricht nicht länger zu stören. 

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Lesemotivation

Zum Lesen motivieren wollte ich sie, also schnappte ich mir den Roman, den ich in ihrem Alter mehrmals mit Begeisterung verschlungen habe. „Désirée“ von Annemarie Selinko, ein historischer Schinken über die Frau, die als junges Mädchen von Napoléon sitzen gelassen und später Königin von Schweden wurde. Das Buch hat alles, was Luise ansprechen sollte, meinte ich: Eine weibliche Hauptfigur, Liebe, Intrigen, eine erträgliche Dosis Spannung, Bezüge zu Frankreich – wo wir bald sein werden – und Schweden – wo wir schon zweimal waren.

Um ihr den Einstieg zu erleichtern, las ich nach dem Mittagessen das erste Kapitel vor. Erst sassen nur Luise und ich am Tisch, doch als ich zu der Stelle kam, wo Désirées Bruder abgeführt wird, gesellte sich das Prinzchen zu uns. Soooooo spannend sei das, meinte er. Ob denn der Bruder wieder freikomme, oder ob er geköpft werde? Wenig später, als von der Guillotine und den Blutlachen die Rede war, stiess der FeuerwehrRitterRömerPirat zu uns, auch er voller Fragen, wie es denn weitergehe. Und sogar der Zoowärter, der zwar Wichtigeres zu tun hatte, als mit uns am Tisch zu sitzen, liess sich aus dem Nebenzimmer vernehmen: „War das jetzt der Bruder, dem sie den Kopf abgehauen haben, oder war das ein anderer?“ Einzig Luise, die ich ja eigentlich dazu motivieren möchte, die weiteren 600 Seiten zu verschlingen, sass gelangweilt da und wollte wissen, wann sie endlich ins Bad gehen dürfe, sie müsse noch ganz dringend ihren Pferdeschwanz binden, bevor die Schule anfange. 

Ich schätze mal, ich werde nach einem Buch suchen müssen, das mir ganz und gar nicht zusagt, um Luise zum Lesen zu motivieren. Unsere Söhne haben sich offensichtlich so viel von meiner Leidenschaft für Historisches geschnappt, dass für Luise nicht mal ein Krümel übrig geblieben ist. 

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Gluckenfreie Zone

Bei Luise hat die Glucke nichts zu melden, das weiss ich schon, lange und spüren tue ich es noch viel länger, vielleicht schon seit jenem Tag, an dem sie wie ein Champagnerkorken aus mir rausgeflogen kam und mit wachem Blick aus grossen, himmelblauen Augen den Gebärsaal inspizierte. Klar, auch Luise ist Sentimentalitäten gegenüber nicht ganz abgeneigt, aber den Zeitpunkt für solche Dinge bestimmt sie und dann sind wir gefälligst gemeinsam sentimental. Aber dass Mama einfach so ein wenig die Glucke loslässt, bloss weil Töchterchen für ein paar Tage ins Ski- oder Jungscharlager fährt, sowas geht bei Luise nicht. Und weil man bei so einer Glucke nie ganz sicher sein kann, ob sie nicht doch noch im dümmsten Moment angerannt kommt, tanzt Luise in den Tagen von der Abreise so gekonnt auf meinen Nerven rum, dass sie am Vorabend ganz vergnügt zu mir sagen kann: „Mama, bist du nicht froh, mich für ein paar Tage los zu werden?“ und offen gestanden wäre mir das eine oder andere Mal schon fast ein „Ja, eigentlich schon“ rausgerutscht. Dieses Verhalten bringt durchaus auch Vorteile mit sich, denn ist es Luise erst mal gelungen, die Glucke in ihre Schranken zu weisen, darf ich meine Tochter nicht nur zum Reisecar begleiten – etwas, was mir Karlsson nie erlaubt hätte -, ich darf sie sogar vor den Augen ihrer versammelten Schulklasse umarmen. 

Was Luise nicht weiss und was ich ihr auch ganz bestimmt nie sagen werde: Die Glucke ist sehr wohl dabei, wenn ich meine Tochter verabschiede, sie hält sich einfach so lange wie nötig still. „Du lässt zu, dass Luise mit einem Reisecar verreist?“, fragte sie heute früh ganz entsetzt. „Du weisst aber schon, was passieren kann, wenn so ein Chauffeur nicht richtig gut aufpasst?“

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Schulsystemkonform

Ein letztes Mal trabte ich heute Nachmittag im Kindergarten an, um mich mit der Lehrerin über die schulische Zukunft eines unserer Kinder zu unterhalten und dieses letzte von vielen Kindergarten-Elterngesprächen war ein absolutes Novum für mich. Da war kein Hauch von „Ein liebes Kind, aber leider fast ein wenig zu schüchtern“, keine Spur von „In diesem Bereich müssen Sie unbedingt mit ihm arbeiten, sonst wird es schwierig“, keine Andeutung in Richtung „Eventuell könnte da mal eine Therapie nötig werden.“ Nein, nichts dergleichen, einfach nur: „Er macht das wirklich toll, bringt alles mit, was er für die Schule braucht und ist voll und ganz bereit für den nächsten Schritt.“ 

„Warum freust du dich so über dieses Gespräch? Das Prinzchen kommt ja ohnehin in die Schule, egal, ob er bereit ist oder nicht“, meinte Luise, als ich völlig beschwingt nach Hause kam. „Du kannst dir ja nicht vorstellen, wie schön es ist, wenn mal nicht an deinem Kind rumgemäkelt wird“, gab ich zur Antwort. Und wie ich das sagte, dämmerte mir, dass“Meiner“ und ich im fünften Anlauf doch noch ein schulsystemkonformes Kind zustande gebracht haben. (Nicht dass ich dies für besonders erstrebenswert erachte, aber es macht die Dinge deutlich einfacher…)

la dignità; prettyvenditti.jetzt

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Erziehungsfragen

  • Wie viele Jahre Schreib- und Leseerfahrung braucht ein Kind, bis es Mamas abwesenden Blick hinter dem Bildschirm nicht als Aufforderung zum Quasseln interpretiert, sondern als die verzweifelte Suche nach dem richtigen Wort im nahezu perfekten Satz? Die fast acht Jahre, die Karlsson nun schon hinter sich hat, reichen offenbar nicht. 
  • Bin ich auch dann eine Rabenmutter, wenn mein Jüngster am iPad Lernspiele spielt, währenddem ich mich mittagsschlafend verpenne?
  • Welche Angst wiegt schwerer: Die Angst des Kindes vor dem imaginären Monster im Schrank oder die Angst der Eltern, das Kind, das im elterlichen Bett Zuflucht vor dem Monster sucht, könnte seinem gelegentlichen Drang zum Bettnässen nachgeben?
  • Darf man einem Kind direkt ins Gesicht sagen, wie wenig man an einer ausführlichen Zusammenfassung sämtlicher Filme und Computerspiele interessiert ist, oder muss man so lange desinteressiert „Hmmmmm, ja….Echt?…Klingt toll“, murmeln, bis das Kind fertig zusammengefasst hat? (Eine Frage, die mich übrigens schon länger umtreibt, als ich Kinder habe. Diese Angewohnheit hatten schon ein paar Neffen und Nichten von mir.)
  • Darf ich zurückzicken, wenn die Tochter zickt, oder ist zicken nur in einem bestimmten Alter erlaubt?
  • Womit bestrafe ich mich selber mehr: Mit der Entscheidung, noch einen „Tom & Jerry“ zu erlauben und mir damit drei Brüder einzuhandeln, die einander gegenseitig piesacken, oder keinen „Tom & Jerry“ mehr zu erlauben und mir damit drei Brüder einzuhandeln, die mich nicht nur piesacken, sondern pausenlos motzen, sie dürften nie, aber auch gar nie irgend etwas? (Nein, die Frage, ob überhaupt „Tom & Jerry“ hat sich leider nicht gestellt, da der Pay-TV-Anbieter nichts ähnlich Kurzes von pädagogisch besserer Qualität im Kinderprogramm hat.)
  • Soll man dem Teenager sagen, dass das Geräusch von aufeinanderreibendem Styropor für die mütterlichen Ohren eine Qual ist, oder gibt man ihm mit dieser Information eine Waffe in die Hand, die er nicht nur nie wieder hergeben wird, sondern bei sich bietender Gelegenheit auch an seine Geschwister weiterreichen wird?
  • Wird das Prinzchen noch perfektionistischer, wenn mir in der Hitze des Gefechts rausrutscht, er sei ein furchtbarer Perfektionist? (Er ist einer, glaubt mir, schlimmer als Karlsson noch.)
  • Darf ich in meinem Blog solche Erziehungsfragen stellen, oder fühlt sich dadurch meine Leserschaft dazu ermutigt, mir Erziehungstipps zu geben? (Damit das klar ist: Tipps sind nicht willkommen – weitere Fragen hingegen schon.)
verdura rossa; prettyvenditti.jetzt

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Anti-aging

Zugegeben: Es war wohl mal wieder grenzenlos naiv von mir, zu glauben, meine Töpfchen und Tiegelchen – von denen ich übrigens nicht allzu viele besitze – seien jetzt, wo auch das Prinzchen halbwegs gross ist, vor überneugierigen Kinderfingern geschützt. Dass der Kampf ums Fond-de-Teint-Döschen mit Luises ersten Pickeln erst richtig entbrennen würde, ahnte ich erst, als sie mich eingehend befragte, wie man das Zeug denn anwenden müsse. Da diese Familie aber schon öfters mal eine mütterliche „Wer hat sich schon wieder an meinen Sachen vergriffen? Wisst ihr eigentlich, wie teuer das Zeug ist?“-Schimpftirade erlebt hat, glaubte ich trotzdem, die Zeit der plötzlich leeren Töpfchen sei endlich überstanden. 

Ist sie aber nicht. Als ich mir heute Morgen vor dem Einkauf ein wenig Farbe ins Gesicht klatschen wollte, griff ich mal wieder ins Leere. Nein, nicht in dieses „Mit etwas Mühe bringe ich vielleicht noch einen winzigen Rest raus“-Leere, sondern in das jeder Mutter bekannte „Die haben das doch nicht etwa ausgeleckt?“-Leere, von einfacheren Gemütern auch einfach „L-E-E-R“-Leere genannt. Eine Leere, die mich dazu zwang, vollkommen farblos aus dem Haus zu gehen.

Was nicht weiter schlimm wäre, wenn ich mir die Farbe ins Gesicht schmieren wollte, um etwas besser auszusehen, aber in meinem Fall ist die Farbe ein soziales Engagement, da mein ungeschminktes Antlitz mein Umfeld in tiefe Sorge stürzt. (Also so etwas wie: „Geht’s dir wirklich gut, oder soll ich vielleicht doch lieber einen Krankenwagen rufen?“) Ein Hauch von Farbe ist also Pflicht und darum musste beim Einkauf auch sofort ein neues Döschen her.

Bloss, wie schütze ich das Ding vor Luises Zugriff? Ich glaube, ich habe eine Lösung gefunden: Ich habe mir einfach das Ding mit der fetten „Anti-aging“-Aufschrift geschnappt. Jetzt muss ich Luise nur noch weismachen, „anti-aging“ bewirke bei Menschen unter vierzig, dass sie innert einer Woche so abgekämpft und übermüdet aussähen wie ihre eigene Mutter, und das Problem ist gelöst.  

Zumindest hoffe ich das. Luise behauptet nämlich standhaft, sie habe sich gar nicht an meinem Farbtöpfchen vergriffen und da auch die anderen vier kleinen bis mittelgrossen Vendittis glaubhaft versichern, sie hätten nichts damit zu tun, muss ich davon ausgehen, dass mal wieder „der andere“ zugeschlagen hat und dass der sich durch „anti-aging“ beeindrucken lässt, ist zu bezweifeln. 

retrospettiva colorata

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Matcha-Sablés – mal so, mal anders

Ob ich hier nicht vielleicht mein Rezept für Matcha-Sablés veröffentlichen könnte, wurde ich gefragt. Natürlich kann ich, ich muss nur erst mal zwei Dinge vorausschicken: 1. Mein Rezept ist es nicht, denn obschon ich ganz gerne in der Küche stehe, versiert genug, um selber etwas zu erfinden, bin ich nicht. Ich kann euch also nur sagen, wie ich es mache, mehr nicht. 2. Im www wimmelt es geradezu von Rezepten für Matcha-Sablés und für meine Versionen habe ich mich mal hier, mal dort inspirieren lassen, nur weiss ich nicht mehr so genau wo, weshalb ich leider keine Linksammlung zu all den tollen Kochblogs bieten kann, bei denen ich ein wenig abgeschaut, ein wenig verändert, vielleicht in einem Fall sogar ein wenig verbessert habe. Hier also einfach zwei kurze Anleitungen, wie ich es gemacht habe:

Eigentlich sind Matcha-Sablés ja nichts weiter als gewöhnliche Sablés, verfeinert mit ziemlich teurem Pulver. Beim ersten Mal habe ich es so gemacht:

250 Gramm weiche Butter mit 100 Gramm Puderzucker verrührt, 1 Prise Salz und 1 Esslöffel von meinem sündhaft teuren Matcha-Pulver aus dem Länggass-Tee hinzugefügt, dann 400 Gramm Weissmehl eingeknetet. Den Teig habe ich zu zwei Rollen von ca. 4 cm Durchmesser geformt, die Rollen in Rohzucker gewälzt, in Klarsichtfolie eingepackt und für eine Stunde in den Kühlschrank gelegt. Den gekühlten Teig habe ich in 5 mm dicke Scheiben geschnitten, die ich eigentlich nochmal 15 Minuten hätte kühl stellen müssen, was ich aber leider vergessen habe, weshalb die Sablés sofort für 12 Minuten im 200 Grad heissen Ofen gelandet sind. Wären sie gekühlt gewesen, hätten sie etwas hübscher ausgesehen, aber sie waren auch so ganz nett. Einfach aufpassen, dass sie nicht zu braun werden, denn das sieht irgendwie nicht mehr so toll aus. Knalliges grün ist eindeutig appetitlicher. 

Gestern habe ich eine andere Variante ausprobiert:

225 Gramm weiche Butter mit 100 Gramm Puderzucker verrührt, dann 1/2 Teelöffel Salz und 1 Esslöffel von dem nicht ganz so sündhaft teuren Zeug  von der London Tea Company (Kabusepulver No 2 für Getränke und Küche) und zwei Eigelb hinzugefügt, dann 275 Gramm Weissmehl eingeknetet. Diesmal habe ich die Teigrollen vor dem Kühlen in ziemlich viel Hagelzucker gewälzt, den Rest habe ich gleich gemacht wie beim ersten Mal. Ja, das Kühlen nach dem Schneiden habe ich schon wieder vergessen…

Und jetzt, was war besser, die erste oder die zweite Version? Keine Ahnung. Die von gestern waren wohl etwas brüchiger, was ich – vielleicht zu Unrecht – dem Eigelb anlaste, dafür auch deutlich süsser, woran mit Sicherheit der Hagelzucker Schuld ist, denn von dem habe ich mehr genommen als vom Rohzucker, weil er so hübsch aussah. Mit Genuss weggeputzt wurden die Sablés sowohl gestern als auch beim ersten Mal. Sogar von Luise, die Matcha offiziell nicht ausstehen kann.

Und hier noch das leider schon altbekannte Bild des ersten Versuchs, die Überreste der gestrigen Ladung sind leider nicht mehr allzu fotogen. 

Matcha Sablés

Absolut

Eigentlich ist das heutzutage ja sehr verpönt, aber für einmal tue ich es trotzdem: Ich behaupte, im Besitz der allein seligmachenden Wahrheit zu sein. Nur in Sachen Läuse, sonst nicht, aber in diesem Bereich dulde ich keinen Widerspruch mehr. Nach drei erfolglosen „Geben Sie mir das Beste, was Sie gegen Läuse haben“-Kuren gibt es für mich nur noch zwei Methoden, um die Biester loszuwerden.

1. Die FeuerwehrRitterRömerPiraten- und Zoowärtermethode, die da heisst: Haare millimeterkurz abrasieren, Bettwäsche noch einmal gründlich waschen und fertig. Okay, diese Methode funktioniert nur, wenn man eine Freundin hat, deren Kinder mit gutem Beispiel vorangehen und die den Jungs in den schlimmsten Farben ausmalen kann, was die Parasiten auf dem Kopf alles treiben (Ich glaube, beim FeuerwehrRitterRömerPiraten war es der Satz: „Stell dir vor, die Biester haben Sex auf deinem Kopf“, der ihn dazu bewogen hat, sich von seiner Haarpracht zu trennen.). Diese Methode hat auch den Nachteil, dass sentimentale Naturen wie der Zoowärter noch Tage nach der Kopfrasur den Haaren nachtrauern, aber da muss man durch, wenn man irgendwann wieder läusefrei sein will.

2. Die Prinzchen- und Luisemethode
Dieser Weg ist eindeutig beschwerlicher als der erste, aber es gibt nun mal Menschen, die sich dem Kahlschlag auf dem Kopf stur verweigern. Die müssen dann halt damit leben, dass man ihnen eine Tube voller Mayonnaise aufs Haupt drückt – was gewissen genervten Müttern ein fast schon krankhaftes Vergnügen bereitet. Das schmierige Zeug wird tüchtig einmassiert, dann kommt über Nacht eine Haube drauf. Am nächsten Tag geht’s weiter mit einer Essigspülung, stundenlangem Auskämmen und viel Geschrei, weil viele tote Läuse im Kamm zu finden sind. (Zumindest, wenn man Prinzchen heisst, bei Luise stellte sich der ganze Aufwand als unnötig heraus. Eine Prinzchen-Mähne, auf der sich die Läuse austoben können, bietet offenbar ausreichend Schutz für Luises gut gepflegte Haarpracht.) Dann Tag für Tag mit Essig auskämmen, noch einmal eine Portion Mayonnaise, noch einmal Essig, dann sind die Kinder läusefrei und könnten glatt in der Salatschüssel landen. 

Dies also wären sie, die einzigen wirksamen Anti-Laus-Methoden. Dass mir also keiner daherkommt und behauptet, es gebe noch einen dritten Weg. 

rosehip; Gianluca Venditti