Verschmähte Liebe

Wer mich kennt, weiss, dass ich für die Kinder über fast jeden Schatten springe. Der FeuerwehrRitterRömerPirat wünscht sich eine jener unsäglichen Autorennbahnen mit Loopings zu Weihnachten? Natürlich kriegt er sie, auch wenn sowohl Mama als auch Papa von einer Welt ohne Autos träumen. Die Kinder möchten so furchtbar gerne einmal Toast Hawaii essen? Na dann, bereiten wir ihnen eben diese kulinarische Sünde zu. Wir können dann ja immer noch auf den Stockzähnen grinsen, wenn die Kinder erkennen müssen, dass aufgeweichtes Toastbrot mit Schinken, Käse, Ananas und Kirsche nicht der Gipfel aller Genüsse ist. Karlsson will deutsche Schlager und Ländlermusik hören? Nun, soll er doch, solange er es in einer einigermassen erträglichen Lautstärke tut. Und wenn er die Geschmacksverirrung danach durch das Hören von Bach, Mozart und Mani Matter ausgleicht, ist die Welt auch für uns wieder in Ordnung.

Sehr weit Anlauf nehmen musste ich allerdings, als ich neulich beim Wocheneinkauf über meinen Schatten sprang und je zwei Blut- und Leberwürste in den Einkaufswagen legte. Offen gestanden bin ich in meinem doch nicht mehr ganz kurzen Leben noch nie mit dieser Scheusslichkeit in Kontakt gekommen. Aber seitdem Karlsson für alles schwärmt, wovor Mama sich ekelt und seitdem der FeuerwehrRitterRömerPirat es seinem grossen Bruder gleichtun will, dämmerte mir, dass ich wohl nicht ewig meine Augen verschliessen könnte ob der blutrünstigen Schlemmerei, die da jeweils im Herbst getrieben wird. Von Menschen, die einem solchen Gelage schon beigewohnt haben, habe ich mir sagen lassen, dass die Sache ziemlich abstossend sein muss. Von aufspritzenden Säften berichtete man mir und von einem Gestank, der für Aussenstehende nicht eben appetitanregend sei. Und deshalb habe ich lange so getan, als wüsste ich nicht, wovon er redet, wenn Karlsson bat, ich möchte ihm doch einmal Blutwürste kaufen. Aber ich wusste, dass ich irgendwann würde nachgeben müssen und so lagen also die Würste letzen Donnerstag im Einkaufswagen und heute Mittag im heissen Wasser. Ich habe mal angenommen, dass man die Dinger in heissem Wasser gart, aber vielleicht war das vollkommen falsch. Ich weiss nämlich nicht, welches die korrekte Art ist, Blut- und Leberwürste geniessbar zu machen.

Ich weiss übrigens auch nicht, ob das Zeug tatsächlich spritzt, wenn man mit der Gabel dreinsticht, ich weiss nicht, ob das Zeug so eklig ist, wie es aussieht und schon gar nicht weiss ich, ob meine Söhne Blut- und Leberwürste nun mögen oder nicht. Alles was ich weiss, ist, dass die Würste so bestialisch gestunken haben, dass weder Karlsson, noch der FeuerwehrRitterRömerPirat noch der Zoowärter sie angerührt haben. Und so liegen sie da, unberührt und eklig, ein Zeichen meiner überschwenglichen Mutterliebe, die über jeden Schatten springt. Die Art von Mutterliebe, die beim heutigen Mittagessen so herzlos verschmäht wurde.

Worüber ich übrigens gar nicht so unglücklich bin. Man stelle sich mal vor, wie unser Speiseplan in Zukunft aussehen würde, wenn die Jungs die Würste geliebt hätten.

 

Und jetzt bitte noch auf Englisch…

Dass fehlerfreies Englisch zuweilen eine Glückssache ist, ist mir nicht neu. All die „Schtiiks“ (Steaks) und „Chichenn Nöggets“ (Chicken Nuggets) die hierzulande gegessen werden, liegen mir schwer auf dem Magen auch wenn ich selber als Vegetarierin nie zugreife, wenn diese serviert werden. Wenn die sportliche Fünfzigerin ins „Body Pömp“ geht und der Referent ein „Klöster“-Diagramm präsentiert, dann frage ich mich, weshalb man die Dinge nicht doch lieber auf Deutsch sagt, wo es auf Englisch doch einfach nur peinlich klingt. Und wenn meine Schwiegermutter uns vor „Fasabuck“ (Facebook) warnt, kann ich nur mit Mühe das Lachen verkneifen, auch wenn ihre Angst, dass wir im grossen weiten Internet zu viel von uns preis geben, sehr gross ist. (Dass meine Schwiegermutter allen Ernstes glaubt, „Meiner“ und ich würden Fotos von durchzechten Nächten publizieren, steht auf einem anderen Blatt. Wo wir doch uns doch die Nächte bloss mit zu viel Prinzchengeschwätz um die Ohren hauen und das gibt garantiert keine kompromittierenden Bilder.)

Solange das Horror-Englisch nur gesprochen wird, kann ich dennoch halbwegs damit leben. Man hört’s, nimmt’s zur Kenntnis und vergisst es gleich wieder. Also eine Qual, die sich in Grenzen hält. Viel schlimmer finde ich es, wenn das Zeug geschrieben und dann auch noch gedruckt wird. Und zwar nicht von Schülern, die ein Grundrecht auf Fehler haben, sei es im Gesprochenen, Geschriebenen oder Gedruckten. Wenn ich aber in einem Buch den unsäglichen Titel „Do Italians it better?“ lesen muss, dann ärgere ich mich derart darüber, dass der Lektor seinen Dienst nicht getan hat, dass ich kaum mehr weiterlesen kann. Gut, so ein Tippfehlerchen ist schnell mal übersehen, wie ich bei meinem eigenen Buch leider auch habe feststellen müssen, aber eine derart kolossale Fehlkonstruktion wie oben zitiert sollte doch irgend einem ins Auge springen, bevor das Buch in Druck geht. Oder bin ich wirklich eine unverbesserliche Idealistin?

Nun, immerhin kann man bei diesem Titel noch halbwegs erahnen, was die Autorin hätte fragen wollen. Was aber fange ich mit dem Wortgewusel an – Satz mag ich das nicht nennen, weil ich gar nicht weiss, ob es einer sein soll – das ich gestern Abend beim Verpacken der Adventsgeschenke für unsere Kinder entdeckt habe? Da lese ich auf einer Schachtel mit Traktoren, die das Prinzchen in den kommenden Tagen erhalten soll, die folgenden Worte: „To insure a loke new appearance in definitely“. Und das nicht etwa winzig gedruckt, irgendwo in der untersten Ecke einer Gebrauchsanweisung, sondern gross, fett und rot. Das Ganze insgesamt viermal, auf jeder Seite der Schachtel einmal.

Seither verfolgen mich diese Worte, denn ich weiss nicht, an wem ich zweifeln soll. An meinem CPE, weil es mir noch immer nicht ermöglicht, jeden erdenklichen Mist, der in englischer Sprache daherkommt, zu verstehen? Am Werbefuzzi, der glaubt, das Produkt verkaufe sich besser, wenn es in einer pseudoenglischen Verkleidung daherkommt? Am Thesaurus, der mir sagt, er kenne das Wort „loke“ nicht? Oder vielleicht an meinem Verstand, der nicht fähig ist, hinter diesen Worten einen Sinn zu erkennen? Was, wenn sich hier die ultimative Weisheit verbirgt, ohne die mein Leben nie das wird, was es sein könnte, wenn ich die geheimnisvolle Botschaft entschlüsseln könnte?

Wäre nett, wenn mir jemand weiterhelfen könnte, bevor ich an meinem Lebensziel vorbeischiesse, bloss, weil meine Englischkenntnisse nicht ausreichen.

Also das geht zu weit, mein Sohn!

Einmal im Jahr, wenn die Ikea zum spätsommerlichen Flusskrebse-Essen einlädt, gibt’s auch bei Vendittis Flusskrebse. Das gehört für Kinder, welche die „Kinder aus Bullerbü“ fast auswendig kennen einfach dazu. Abgesehen von Karlsson und „Meinem“ mag zwar eigentlich niemand Flusskrebse, aber dennoch macht die ganze Familie begeistert mit beim Sezieren der armen Tierchen. Die ganze Familie? Nein! Eine unbeugsame Vegetarierin hört nicht auf, dem Frevel Widerstand zu leisten. Auch wenn es genau diese unbeugsame Vegetarierin ist, die alljährlich die armen tiefgekühlten Krebse einkauft, aber das ist ein anderes Thema.

Tags darauf ist der Spuk mit den Flusskrebsen wieder vorbei und wäre da nicht diese Schüssel mit den Überresten, es würde sich keiner mehr an die Sache erinnern. Ausser Karlsson natürlich, der die Überreste stolz dem Nachbarjungen präsentiert: „Schau mal, was wir gestern zum Abendessen bekommen haben!“, brüstet er sich und fährt dann fort: „Aber Mama war natürlich zu feige dazu, die Dinger zu essen.“ Dann denkt er eine Weile lang nach und schliesslich meint er: „Eigentlich müsste es ja ‚Feigetarier‘ heissen, weil die einfach zu feige sind, Fleisch zu essen.“

Vielleicht schicke ich den Jungen demnächst mal zu einer Besichtigungstour in den Schlachthof. Mal sehen, ob wir danach nicht einen „Feigetarier“ mehr in der Familie haben….

Bildung

Eigentlich hätte ich heute Abend ja nichts mehr schreiben wollen, aber nach dem „Meiner“ und ich uns nun eine Stunde lang köstlich amüsiert haben, muss ich meine Leserinnen und Leser auch an unserem Spass teilhaben lassen. Wir haben nämlich Schularbeiten von Fünftklässlern korrigiert. Arbeiten, mit denen getestet wird, wie fit die Kinder für die Oberstufe sind. Hier ein paar Muster, wie fit sie sind:

Frage: Wie nennt man die Zähne, die dir schon ausgefallen sind?

Antwort: Mehlzähne

Frage: Warum stehen Atomkraftwerke meist am Wasser?

Schüler 1: Weil so weiss man, wenn ein Schiff kommt.

Schüler 2: Damit sie nicht fallen.

Schüler 3: Weil in der nähe Militär ist.

Frage: Wie heissen junge Wildschweine?

Antwort: Eber

Wie heisst die männliche Ente?

auch Eber

Junge Wildschweine heissen übrigens wahlweise auch Kalb oder Wildferkel, männliche Enten auch Papa oder Gans.

Frage: Welches ist die grösste Stadt der Schweiz?

Antwort: Deutschland

Frage: Welchen Erdteil hat Kolumbus entdeckt?

Antwort: Bö (Wahlweise auch Spanien)

Frage: Welche Kraft macht, dass Dinge auf den Boden fallen, wenn man sie loslässt?

Schüler 1: Erdenergy

Schüler 2: Kran

Schüler 3: Blanet

Schüler 4: sie Fahren

Frage: In welche Richtung fliegen Zugvögel im Winter?

Antwort: Noders

Frage: Zu welchem Volk gehören Asterix und Obelix?

Schüler 1 – 10: Römer (Da kann man nur sagen: „Die spinnen, die Schüler!“)

Schüler 11: Comiks

Aufgabe: Nenne drei Lebensmittel, die man kühl lagern muss.

Lösung: Milch, Cola, Mineral

Frage: Was ist ein Vegetarier?

Schüler 1: Gemüse

Schüler 2: Lebensmittel (Hoffentlich laufe ich dem nie über den Weg, sonst frisst er mich mit Haut und Haar…)

Frage: Wer erbaute das Amphitheater in Windisch?

Antwort: Julius Cäsar (Und zwar ganz alleine. Gestorben ist er dann wegen der vielen Schwielen, die er an den Händen hatte.)

Frage: Was brauchst du noch zum Spaghettikochen?

Antwort: Nein

Frage: Woraus bestehen Wolken?

Schüler 1: getrocknetem Regen

Schüler 2: Himmel

Frage: Spitzname für ein Kind, das sehr viel liest?

Schüler 1: Spitzbub

Schüler 2: Härry

Schüler 3: dicke

Frage: Womit wird eine Dampflokomotive betrieben?

Antwort: Mit Steinen

Frage: Wie nennt man einen Musiker, der neue Musikstücke schreibt?

Antwort: Kopietnierer

Frage: Was muss ein Musicaldarsteller können?

Schüler 1: schreiben, denken

Schüler 2: spielen, komunieren

Frage: Eine halbe Glatze hat 100 Haare. Wie viele hat eine ganze Glatze?

Antwort: 1 Million

Aufgabe: Schreibe drei Mannschaftssportarten auf.

Schüler 1: Basel, YB, Zürich

Schüler 2: Juventus, Galastaray, Young Boys (Für Schreibfehler stehe ich nicht gerade. Ich habe alles so abgeschrieben, wie es da stand. Im Gegensatz zu den Schülern kenne ich mit Mannschaftsspotrarten nämlich nicht so aus…)

Bei solchen Antworten muss man sich doch wirklich keine Sorgen machen um den Bildungsstand der heutigen Jugend. Zumindest an Originalität sind sie kaum zu übertreffen. Und atmen tun die Kinder übrigens wahlweise mit der Leber, der Luftröhre oder dem Herzen. Wie schon Antoine de Saint-Exupéry wusste:Man atmet nur mit dem Herzen gut.“

Das muss Mutterliebe sein

Was treibt eine eingefleischte Vegetarierin, – oder müsste es vielleicht die „ausgefleischte“ heissen? – dazu, am Montagmorgen die Läden nach Kalbsleber abzuklappern? Was veranlasst sie, das Zeug ohne Handschuhe an den Händen in den Einkaufskorb zu legen? Was bringt sie dazu, am Nachmittag Sophie oder Charlotte, – welche der beiden Damen das zweifelhafte Vergnügen haben wird, ist noch nicht entschieden, –  den Fleischwolf aufzusetzen? Das Zeug mit Rahm zu vermischen, mit Eiern, Speck und Zwiebeln?

Nun, es ist ganz einfach: Wenn Karlsson zu seinem neunten Geburtstag Leberpastete will, dann bekommt er Leberpastete. Und wenn Karlsson findet, das Zeug aus der Tube sei niemals so gut wie das Hausgemachte, dann macht sich die Mama eben an die Arbeit. Möge sie sich noch so sehr ekeln vor dieser schmierigen Angelegenheit.

Hätte man mir damals, vor neun Jahren, vorausgesagt, dass mich dieses kleine Bündel Mensch, das ich zum ersten Mal in den Armen hielt, dazu bringen würde, Leberpastete zu machen, ich hätte nur mitleidig den Kopf geschüttelt. Ich doch nicht! Wenn mein Kind solche Scheusslichkeiten essen will, muss er eine Dümmere finden, die das macht für ihn, hätte ich gesagt. Und heute muss er mich nur treuherzig anschauen aus seinen braunen Samtaugen und schon renne ich ins Dorf und kaufe Kalbsleber. Wenn das nicht Mutterliebe ist, was dann?

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Mehr von Kutteln und Buchstaben. Und von Zahlen

Okay, ich geb’s zu. Es war eine masslose Übertreibung, zu behaupten, ich wüsste schon, wie man ein störrisches Kind dazu bringt, Kutteln zu essen (Siehe „Was soll ich getan haben?“). Ich habe keinen blassen Schimmer und ich will auch keinen haben. Denn würden meine Kinder Kutteln essen, wer müsste dann wohl die Scheusslichkeit kochen? Und gewissen Scheusslichkeiten muss man trotz aller Weltoffenheit den Zutritt zur Küche verwehren. Immerhin bin ich überzeugte Vegetarierin. Sollte ich also je meine Kinder beim Kuttelnessen erwischen, werden sie sofort enterbt. Was sie allerdings nicht davon abhalten wird. Zu erben gibt es bei mir ohnehin bloss ein paar Mikrofasertücher, einen Stapel Bücher und ein paar Blogeinträge, die meine Kinder doof finden werden.

Was mich zum Thema führt, über das ich eigentlich schreiben wollte. Ich zerbreche  mir nämlich seit Stunden den Kopf, weshalb ich mir darüber den Kopf zerbrechen muss, wie man kleine Kinder das Alphabet lehrt. Man könnte doch meinen, dass jemand, der jede freie Minute mit Lesen und Schreiben zubringt, das einfach so mit Links tut. Doch es scheint, dass man das, was einem einfach so in den Schoss gefallen ist, nicht weitergeben kann. Man hat sich ja nichts erarbeiten müssen und deshalb weiss man auch nicht, auf welchem Weg man es sich angeeignet hat. Hat man sich hingegen etwas mit viel Mühe erkämpfen müssen, verfügt man über eine ganze Menge von Tricks, wie man sich das Unverständliche doch noch halbwegs verständlich machen kann.

Vielleicht sollte ich Mathematiklehrerin werden. Nur könnte ich dann nicht garantieren, dass die Resultate auch stimmen

Ausgang

Irgend einer findet sich immer, der etwas dagegen hat, dass Mama in den Ausgang geht. Mal sind es die Babysitter, die in letzter Minute absagen, mal machen die Kinder ein Geschrei, als begebe man sich für drei Jahre auf eine Weltreise, mal kommt ein unerwarteter Termin dazwischen. Und heute? Lange Zeit sah es wirklich gut aus für den gemütlichen Besuch beim Griechen um die Ecke. Ein netter Abend in angenehmer Gesellschaft. Wer könnte da etwas dagegen haben?

Mein Magen. Genau wie letztes Jahr, als mit den gleichen Leuten ein Besuch beim gleichen Griechen auf dem Programm stand. Wohl aus lauter Gewohnheit fand mein Magen, griechisches Essen sei nicht nach seinem Geschmack und deshalb rebellierte er schon am frühen Morgen. Als nach einem Liter ekligen Orangenjus-Backpulver-Gesöffs, einem Glas Cola und ein paar Schlucken Artischockengebräu der Magen noch immer nicht nachgeben wollte, hätte ich beinahe aufgegeben. Doch dann beschloss ich, mich zu widersetzen. Hat ein rebellisches Organ  das Recht, mir einen freien Abend zu vermiesen, auf den ich mich wochenlang gefreut habe? Nicht mit mir, dachte ich und ging trotz allem zum Griechen.

Hätte ich das bloss nicht getan. Am Anfang ging alles noch gut. Doch als beim dritten Gang der Wirt bemerkte, dass ich eine einzige Kartoffel im Teller hatte, während alle anderen ihr Fleisch genossen, wurde es brenzlig. Sollte ich mich jetzt als wählerische Zicke geben, der nichts gut genug ist? Zu sagen, mir sei schlecht, wäre eine Beleidigung gewesen. Also gestand ich dem Wirt, dass ich Vegetarierin bin. Was tat der Wirt? Offerierte er Lamm, weil das kein Fleisch ist? Warf er mich aus dem Restaurant? Aber nicht doch! Er servierte mir Erbsen und mit Käse gefüllte Auberginen und zwar eine riesige Portion. Eigentlich hätte mir die Kartoffel vollauf genügt. Aber weil das Essen wunderbar war und man als Vegetarierin dankbar sein muss, wenn man überhaupt etwas zu essen bekommt, ass ich brav fast alles alleine auf. Die anderen waren ja auch schon pappsatt vom vielen Fleisch.

Eines ist sicher: Beim nächsten Mal wird mein Magen härteres Geschütz auffahren, um mich an einem Besuch beim Griechen zu hindern. Mal sehen, wer dann der Stärkere ist.

Wer hat Angst vor einem Wiener Würstchen?

So ein blöder Deal. Ein Wiener Würstchen gegen drei Tage Ferien, allein mit dem Prinzchen. Ich und meine grosse Klappe! Warum nur habe ich in einer schwachen Minute behauptet, für ein paar Tage Ferien würde ich sogar eine Bratwurst essen. Eine Bratwurst zu essen ist so ziemlich das Übelste für eine überzeugte Vegetarierin. Also fangen wir mal mit einem Wiener Würstchen an.

Sollte eigentlich keine Sache sein. Immerhin habe ich schon öfters mal eines jener scheusslichen Vegi-Würstchen heruntergewürgt, um beim Hot-Dog-Essen nicht als Aussenseiterin dazustehen. Aber das hier ist etwas ganz anderes. Wie können unsere Kinder solche Dinger nur in sich hineinstopfen? Allein der Geruch haut einen fast vom Stuhl. Und da soll man reinbeissen können? Vor meinem inneren Auge erscheint das arme Schwein, das für diese Wurst hat leiden müssen. Oder war es eine Kuh? Ein Pferd? Egal, ich bringe es einfach nicht fertig, in das Ding zu beissen.
Langsam bekommen die Kinder Mitleid mit mir, die Tochter als Erste. Sie fangen an, Ausflüchte für mich zu suchen, damit ich den Kopf aus der Schlinge ziehen kann. Aber versprochen ist versprochen. Die Wurst muss in meinen Magen. Doch erst, als der Älteste den Küchentimer stellt und mir noch genau fünf Minuten Zeit gibt, schaffe ich es, das scheussliche Ding Stück für Stück ohne zu kauen mit viel Wasser herunterzuwürgen. Ich müsse ja ziemlich verzweifelt sein, dass ich mir sowas antue, mein "Meiner" trocken. Der hat gut reden. Immerhin hat er die Kinder immer und immer wieder an diesen doofen Deal erinnert. Zehn Sekunden bevor der Timer piepst ist das Ding endlich geschluckt, die Familie applaudiert und noch jetzt, drei Stunden später, plagt mich der scheussliche Wurstgeschmack. Die drei Ferientage habe ich mir redlich verdient.

Fragt sich bloss, welche Angst grösser war, die vor der Wurst oder die vor drei Tagen Alleinsein…