Von Schwiegertöchtern und Schwiegermüttern

Wann genau haben eigentlich die ewigen Grabenkriege aufgehört? Seit der ersten Begegnung war man sich suspekt. Die Junge war zu klein, die Alte zu unfreundlich. So fing es an und noch gehässiger ging es weiter. Jedes Geschenk war ein Affront, zwischen jeder Zeile las man einen Vorwurf, in jeden Blick wurde etwas hineininterpretiert. Und natürlich war jeder Feiertag mit seiner erzwungenen Fröhlichkeit eine Tortur. Noch schlimmer war der Muttertag. Wer hat  mehr Anrecht darauf, gefeiert zu werden? Die Alte, die die anstrengendsten Seiten der Mutterschaft schon längst hinter sich hat, oder die Junge, die noch mitten im Stress steckt? Man redete nie darüber, doch insgeheim dachte jede, sie hätte mehr Beachtung verdient.

Und dann, ganz plötzlich, ist es kein Problem mehr. Nicht, dass man sich viel besser verstehen würde. Die gegenseitigen Besuche sind auch jetzt noch eine eher anstrengende Angelegenheit. Dennoch hat es eine Veränderung gegeben. Die Junge hat begriffen, dass sie auch dann Mutter ist, wenn sie den Muttertag teilen muss. Die Alte ist froh, wenn ihr die Enkel nicht allzu oft das wohlgeordnete Leben durcheinander bringen. So ist inzwischen der Muttertag beiden egal und man lässt einander  in aller Ruhe den freien Sonntag geniessen.

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