Wer ist hier ein Sklaventreiber?!

Kaum türmt sich bei uns die Arbeit, mutiert „Meiner“ zum Sklaventreiber. Gewöhnlich ist er ja ein grundlieber linker Lehrer wie er im Buche steht. Aber im Ausnahmezustand benimmt er sich wie ein Erzliberaler. Ob es unser Ernst sei, dass wir nach dem Mittagessen noch eine Pause einlegen wollten, fragt er empört. Als ich ihn darauf hinweise, dass wir das vor dem Essen so beschlossen hätten, stänkert er: „Die Kinder haben Glace gehabt, du einen Kaffee. Das ist ja wohl Pause genug.“ Ist das wirklich noch der Mann, den ich vor elf Jahren geheiratet habe?

Nun ja, vielleicht haben wir uns wirklich etwas viel vorgenommen für die nächsten Tage. Sämtliche Zimmer räumen, Möbel von einem Zimmer ins andere, von einer Wohnung in die andere verschieben, alles ausmisten, was nicht mehr gebraucht wird, alles gründlich putzen. Dass so ganz nebenbei noch Wäsche gewaschen, eingekauft und fürs Essen (bei diesem Sauwetter vorzugsweise warm) gesorgt werden sollte, versteht sich von selbst. Dann wären da noch fünf Kinder zu betreuen, die sich zwar schon alle wie verrückt auf ihre neuen Zimmer freuen, die aber nicht begreifen wollen, weshalb man zuerst Mamas Bücher, Papas Unterwäsche und des Prinzchens Spielsachen aus dem Weg räumen muss. Und weshalb sie bei dieser sinnlosen Übung auch noch helfen sollten, ist ihnen ein Rätsel. Aber sie können ja auch nicht den ganzen Tag vor der Glotze sitzen, damit wir ungestört malochen können.

Wenn ich all dies bedenke, kann ich eigentlich ganz gut verstehen, weshalb „Meiner“ sich als Sklaventreiber gebärdet. Auch wenn ich dies ihm gegenüber nie und nimmer zugeben würde. Sonst würde er mir noch entgegenhalten, ich sei keinen Deut besser. Wer hat ihn denn heute Abend angeschnauzt, als er mit dem Prinzchen auf dem Bett geschäkert hat? Wo es doch eigentlich Zeit gewesen wäre, die Küche aufzuräumen, die Wäsche zu falten, die Kinder ins Bett zu bringen, den Computer neu zu installieren und Mamas Bücher alphabetisch zu ordnen…

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