Weissglühend

Nein, lange hat mein Aufenthalt auf Wolke sieben nicht gedauert. Der FeuerwehrRitterRömerPirat hat dafür gesorgt, dass sich die Hochgefühle schnell wieder verflüchtigt haben. Viel schneller, als mir lieb war. Es wäre doch schön gewesen, wenn ich mich mal einfach des Lebens hätte freuen können. Aber solche Dinge sind dem FeuerwehrRitterRömerPiraten einerlei. Wenn er Lust hat, nach dem Mittagessen die ganze Küche unter Wasser zu setzen, dann tut er dies. Dann macht er auch keine halben Sachen, sondern sorgt dafür, dass auch wirklich jeder Quadratzentimeter des Bodens mit Wasser bedeckt ist. Wenn Mama dann wutschäumend angerauscht kommt, strahlt er sie fröhlich an, als habe er etwas ganz Grosses geleistet. Hat er ja auch: Er hat es fertiggebracht, dass Mama mal wieder mit voller Wucht auf dem harten Boden der Realität gelandet ist.

Wenn Mama unsanft landet, dann hat sie sich nicht mehr im Griff. Dann brüllt sie herum, auch wenn sie herumbrüllen schrecklich findet. Dann schnauzt sie die unbeteiligten Kinder an, auch wenn sie weiss, dass sie ungerecht ist. Dann knallt sie die Türen, auch wenn sie weiss, dass sie ein schlechtes Vorbild ist. Und der FeuerwehrRitterRömerPirat? Der versteht die Welt nicht mehr. Warum macht Mama so ein Theater? Er wollte doch nur seinen Spass haben. Dass er so reagiert, treibt Mama nur noch mehr zur Weissglut und bald schon heult der FeuerwehrRitterRömerPirat, als habe man ihm etwas zuleide getan.

Als ein paar Minuten später der Sturm verzogen ist und die Kinder beschäftigt sind, starre ich niedergeschlagen aus dem Fenster. Warum nur muss ich immer dann explodieren, wenn das Leben endlich so läuft, wie ich es mir wünsche? Und warum versteht der FeuerwehrRitterRömerPirat nicht, dass er zu weit geht, dass das alles nicht mehr lustig ist? Warum nur muss er immer und immer wieder meine Grenzen aufs Gröbste überschreiten? Stimmt mit dem Kind etwas nicht? Braucht er einen Psychiater?

Wie ich mir den Kopf zerbreche, erscheint vor meinem inneren Auge auf einmal das Bild eines kleinen Mädchens. Es sitzt auf einem Holztisch vor seinem Elternhaus und hackt mit den Kufen seiner Schlittschuhe, die es an den Füssen trägt, fröhlich Löcher in den Tisch. Der ganze Tisch ist übersät mit Löchern. Als die Eltern schimpfen, versteht es die Welt nicht mehr. Was haben die bloss? Das hat doch Spass gemacht. Dann sehe ich das Mädchen, wie es voller Wut gegen die Tür eines Schuppens tritt, so lange, bis die Tür ein grosses Loch hat. Auch diesmal ist das Mädchen verwundert, dass man es ausschimpft. Wer braucht denn diese alte, lotterige Tür?

Das Mädchen ist die spätere Mama des FeuerwehrRitterRömerPiraten. Und weil dieses Mädchen noch immer in der Mama steckt, rastet die Mama dann aus, wenn sich der FeuerwehrRitterRömerPirat wie das Mädchen aufführt. Weil die Mama sich aber auch daran erinnert, dass das Mädchen all die Dummheiten ohne böse Absichten gemacht hat, schafft sie es, nachdem der Zorn verraucht ist, den FeuerwehrRitterRömerPiraten wieder in den Arm zu nehmen und sich mit ihm zu versöhnen.

5 Gedanken zu “Weissglühend

  1. Ich schmeiß mich weg… ich habe das Mädchen jetzt wirklich vor meinem inneren Auge gesehen… 🙂 🙂 (ich kann das Mädchen auch verstehen… 😉 )
    Was ist jetzt mit der Tinte? Trocken?

    Neugierig…

    LG anabel

  2. Wie wahr! Das hat mir übrigens sogar die Psychiaterin bestätigt: Kinder nehmen keinen Schaden, solange man offen dazu steht, dass man überreagiert hat und seine Fehler nicht schönredet und rechtfertigt. Und ich bin ja nicht nur überlaut in meiner Wut, ich bin auch überschäumend in meinen Liebesbezeugungen meinen Kindern gegenüber. Allerdings komme ich manchmal an einen Punkt, wo ich sogar mich selber erschrecke mit meiner Lautstärke und spätestens dann weiss ich, dass ich viiiiiiiieeeeeel zu weit gegangen bin…

  3. „Du hast meine Mutter noch nicht brüllen gehört“ sagt die grosse Tochter zu meiner Schwester bei dem Hinweis, dass der Ton in Restaurantküchen bei Stress durchaus ruppig werden kann.
    Nein – meine Kinder mögen es nicht wenn ich rumschreie – ich mag es ja auch nicht wenn sie zurückbrüllen. Trotzdem denke ich schon auch, dass es ganau diese überschäumende Energie ist, die mich am Laufen hält. Und es gibt ja auch Tage an denen ich hier alle verblüffe weil ich auf irgendwelchen Unsinn völlig gelassen reagiere….
    Ich bin so – ich mühe mich an guten Tagen mich im Griff zu behalten – an schlechten brülle ich und entschuldige mich anschliessend bei allen und glaube/hoffe dass die Kinder verstehen dass der Frust/Ärger eben auch mal raus muss.

    Solange wir wissen, dass wir nicht optimal reagiert haben und es wenigstens versuchen ab und an nicht zu tun ist noch nicht alles verloren. Schlimm wird es wenn wir nicht mehr darüber nachdenken….

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