Weichgeklopft

Wer mich kennt, weiss, wie sehr ich Besuche beim Coiffeur liebe. So sehr nämlich, dass seit meinem letzten Haarschnitt bald ein Jahr verstrichen ist. Und das sieht man irgendwann. Wenn an den Haarwurzeln braun, dunkelblond und grau wirr durcheinander spriessen, der untere Teil aber noch immer so etwas wie blond ist und alle Haare zusammen so lang sind, dass des Prinzchens Speisereste drin kleben bleiben, dann sehe ich irgendwann aus wie eine langhaarige Vogelscheuche. Eine alternde, langhaarige Vogelscheuche. Und dann findet „Meiner“, es müsse etwas geschehen. Aber ich weiss zu verhindern, dass etwas geschieht: Ich gebe alles Geld, das man für Coiffeurbesuche gebrauchen könnte, so schnell als möglich aus. Weg damit, bevor „Meiner“ auf die Idee kommt, er könnte für mich einen Termin bei Jolanda, Monika oder Manuela vereinbaren. So kann ich dann jedesmal, wenn er auf das leidige Thema zu sprechen kommt, darauf hinweisen, dass wir einfach kein Geld haben für derlei unnützen Kram. Alles schon ausgegeben für eine dringend nötige Schwarzteelieferung, einen Stapel Bücher, Kursmaterial, etc.

So langsam hat „Meiner“ aber genug. Woran ich das merke? Nun, er schöpfte den Kindern, den Gästen und sich selber den Teller voller Essen und liess mich leer ausgehen. Und das nicht nur einmal, nein, sogar zweimal. Oder er „vergass“ mir ein Glas hinzustellen. Subtile Nadelstiche, um mir zu zeigen, dass er mich einfach ignorieren würde, wenn ich weiterhin wie eine langhaarige Vogelscheuche daherkäme. Und da ich keine Lust habe, zu verhungern oder zu verdursten, habe ich ihm schliesslich erlaubt, meine Haare zu schneiden. Da es wie erwähnt in unserem monatlichen Budget gerade keinen Spielraum für einen Besuch bei Jolanda, Monika oder Manuela gibt. Und so hat eben „Meiner“ Hand angelegt. Jetzt sehe ich nicht mehr aus wie eine langhaarige Vogelscheuche, sondern wie eine schulterlanghaarige. Mal sehen, ob ich jetzt wieder etwas zu Essen bekomme, oder ob „Meiner“ auch noch drauf besteht, dass ich mir die verbliebenen Haare töne, bevor er mich wieder füttert.

4 Gedanken zu “Weichgeklopft

  1. Muss ich mir auch zulegen. So eine persönliche Coiffeuse, die dafür sorgt, dass ich nicht immer wie eine Vogelscheuche aussehe.

  2. Schlägt er mir auch immer vor. Aber ich fürchte, dass ich dann noch mehr wie eine Vogelscheuche aussehe… 😉

  3. Tipp an „Deinen“: bei Auszubildenden als Model hinschicken, das ist meistens kostenlos bzw. beim Färben/Tönen bezahlt man nur das Material 😉 (es wird auch alles von den Lehrmeistern überprüft/überwacht, so das eigentlich nix schiefgehen kann ^^)

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