Krisenmanagement

Halb fünf Uhr Nachmittags, ein beschaulicher, fast schon ein wenig langweiliger Büronachmittag neigt sich seinem Ende zu. „Meiner“ hat um fünf seine erste Sitzung am zukünftigen Arbeitsort und deshalb lasse ich meine Arbeit zu einem Ende kommen. Gerade will ich mich innerlich auf das Chaos vorbereiten, das vor der Bürotür auf mich wartet, da öffnet sich dieselbe Tür und unser Gast meldet, dass er mich ganz dringend braucht, weil er sich eine Verletzung zugezogen hat. Der Zoowärter braucht mich auch ganz dringend, weil er beschlossen hat, dass er mit seiner Freundin nach Hause gehen will, was Papa aber nicht einsehen will. Aber ich will es auch nicht einsehen und deshalb haben wir bald schon einen heulenden Zoowärter. Und einen FeuerwehrRitterRömerPiraten, welcher dem übermüdeten Prinzchen den Bä! wegschnappt, worauf wir auch noch ein heulendes Prinzchen haben. Und eine Luise, die nicht dann zu Hause ist, wenn sie zu Hause hätte sein sollen. Und einen Karlsson, der seine Hausaufgaben erst später machen will, was aber nicht geht, weil er später eine Konzertprobe hat.

Irgendwann wird klar, dass der Gast ärztliche Behandlung braucht, worauf die halbe Horde mit mir im Auto verschwindet, während „Meiner“ mit dem Auto meiner Mama zur Sitzung düst und Karlsson zu Hause die Stellung hält. Gast in ärztliche Behandlung übergeben, dann wieder zurück nach Hause, die Rückführung von Luise veranlassen, Pizzateig herstellen, Karlsson zur Konzertprobe fahren, Pizza backen, Prinzchen ins Bett bringen und kontrollieren, ob der inzwischen auf dem Fussboden eingeschlafenen Zoowärter noch tief genug schläft, „Meinen“ anrufen um ihm zu sagen, dass er Karlsson abholen soll, weil ich jetzt den Gast abholen werde, wieder zu Hause allen Pizza servieren und dafür sorgen, dass alle Hausaufgaben gemacht sind, Luises Probleme beim Häkeln lösen, dem FeuerwehrRitterRömerPiraten von den Wikingern erzählen und ihn danach beruhigen, weil der Zoowärter heute nicht bei ihm im Zimmer schlafen wird, weil er ausnahmsweise bei uns schlafen darf, damit wir ihn nicht wecken müssen, Augenblicke später einen Zoowärter trösten, der mit nasser Hose völlig verschlafen aus unserem Schlafzimmer kommt und noch immer nach seiner Freundin brüllt, Karlsson vom Computer loseisen, weil jetzt fertig ist mit „Fritz & Fertig“, Küche aufräumen, jedem Kind ein Liedchen singen, Luise ermahnen, dass jetzt Schluss sei mit dem Herumgerenne, Karlsson trösten, weil der Schmetterling, den er vor zwei Jahren in der Schule gemacht hat, kaputt gegangen ist und sonst noch ein paar kleinere und grössere Krisen, wie zum Beispiel eine Taschenlampe, die neue Batterien braucht.

Jetzt scheint das Haus langsam zur Ruhe zu kommen. Endlich hätte ich Zeit, mich in mein Lehrbuch zum Thema Krisenmanagement zu vertiefen. Aber ob ich diesem Thema überhaupt gewachsen bin?

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