Uns gibt’s nur so

Über Jahre habe ich mich der Illusion hingegeben, „Meiner“ und ich seien so aufgeschlossen, dass wir nie und nimmer ein Problem haben würden damit, unsere Kontakte zu Kinderlosen zu behalten. Klar sind die Kinder für uns das Wichtigste im Leben, aber es gibt noch so viele andere Dinge, die uns interessieren, weshalb wir ganz gerne auch mal über anderes reden. Ein wenig Horizonterweiterung schadet auch uns Eltern nicht. Solange Karlsson noch ein Baby war, konnten wir die Illusion noch aufrechterhalten, aber kaum war der Knopf auf eigenen Füssen unterwegs, bekam die Illusion erste Kratzer. Und zwar, als ein Gast unseren Erstgeborenen, der fröhlich summend seine Runden um den Kaffeetisch drehte, wissen liess: „Karlsson, wir wissen, dass du da bist. Du kannst jetzt also wieder aufhören, laut zu sein.“ Muss ich erwähnen, dass dieser Gast zum letzen Mal bei uns zu Besuch war? Wer nicht akzeptiert, dass zu Vendittis auch Kinder gehören und dass derjenige, der bei uns zu Gast ist, auch bei unseren Kindern zu Gast ist, der hat ein Problem mit uns.

Je grösser unsere Kinder werden, umso öfter muss ich feststellen, dass längst nicht alle, die bei uns ein- und ausgehen damit leben können, dass sie „Meinen“ und mich nicht ohne unsere Kinder haben können. Dass Lärm bei uns eben dazugehört, dass tadellose Ordnung ein Ding der Unmöglichkeit ist, dass Vieles nicht planbar ist. Und auch wenn ich es absolut nicht in Ordnung finde, wenn der FeuerwehrRitterRömerPirat einer ihm fremden Person gegen das Bein tritt und ich ihm dies auch ganz klar verbiete, so muss ich doch auch ein ganz kleines bisschen Verständnis haben für meinen Sohn. Wenn er nämlich von dieser Person wie Luft behandelt wird, wenn diese Person sich in seinem Revier so aufführt, als hätte er hier nichts verloren, dann erstaunt es mich nicht, dass er nicht allzu gut zu sprechen ist auf sie. Klar, der Junge muss lernen, so etwas nicht zu tun, weil er mit seinem Verhalten völlig daneben liegt. Aber liegt die andere Person nicht ebenso daneben, wenn sie es nicht einmal für nötig erachtet, unser Kind, das bei uns immerhin zu Hause und Teil der Familie ist, nicht einmal zu grüssen? Vielleicht bin ich ja in meiner Mutterliebe blind, aber für mich ist Respekt gegenüber Kindern ebenso wichtig wie Respekt gegenüber Erwachsenen.

Ich bin froh, dass ich auch andere Menschen kenne. Menschen, die selber zwar keine Kinder haben, die es aber geniessen, hin und wieder Zeit mit unseren Kindern zu verbringen. Menschen, die nicht nur daran interessiert sind, was „Meiner“ und ich so machen, sondern die auch wissen wollen, wie es Karlssons abgeliebtem Eisbären David geht, was Luise im Ballett gelernt hat, ob der FeuerwehrRitterRömerPirat noch immer so glühend an Römern interessiert ist, ob Winnie the Pooh dem Zoowärter auch schön gehorcht und ob das Prinzchen wieder neue Wörtchen gelernt hat. Menschen, die plötzlich im Kinderzimmer verschwinden, weil sie auch mit unseren Knöpfen Zeit verbringen wollen, nicht nur mit uns. Ich liebe solche Menschen, denn sie lassen mich daran glauben, dass Kinderlose und Reichbekinderte nicht auf zwei völlig verschiedenen Planeten leben.

2 Kommentare zu “Uns gibt’s nur so

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