Hilft denn keiner diesen armen Kindern?

Mehrstimmiges Wehklagen tönte heute um elf Uhr vormittags durch das Haus Venditti. Was war bloss geschehen? War vielleicht ein geliebtes Haustier verstorben? Nein, natürlich nicht. Abgesehen von Stubenfliegen, Ameisen und ein paar Marienkäferlarven gibt’s im Hause Venditti gar keine Haustiere. Waren die Kinder krank? Nein, auch nicht. Ausnahmsweise verzichten wir mal für ein paar Wochen auf den Austausch von krankmachenden Käfern. Man kann ja nicht immer Spass haben. Hatten sich die lieben Kinderlein denn so lange gestritten, bis alle am Heulen waren? Leider auch falsch, der wahre Grund für das Geheul war ein viel Schlimmerer: Mama und Papa Venditti hatten verkündet, dass heute die Zimmer aufgeräumt werden müssen. Einfach so, obschon das Leben doch auch schön ist, wenn man bei jedem zweiten Schritt in einen Legostein tritt oder sich die Knöchel verstaucht beim Versuch, über Kissen und Decken zu steigen, ohne sich dabei in Wollfäden, die sich durchs ganze Zimmer spannen, zu verheddern.

Ja, „Meiner“ und ich können ganz schön gemein sein. Ohne Vorwarnung – denn was sind schon die drei, vier auf die ganze Woche verteilten Ankündigungen, dass am Samstag aufgeräumt werde? – zu befehlen, dass jetzt Ordnung gemacht wird. Da kann man ja nicht anders, als zu heulen. Und das tat Luise lange und ausgiebig. So lange, bis die Aufräumaktion vorbei war. Auch der FeuerwehrRitterRömerPirat schluchzte zum Steinerweichen, und hätte ich nicht gewusst, was der Grund für das Schluchzen war, ich hätte das arme Kind sofort mit einer warmen Honigmilch und einem Fieberthermometer unter die Bettdecke gesteckt und den Arzt angerufen. Bei Karlsson flossen die Tränen nicht sofort, sondern erst, nachdem „Meiner“ ihn zur Rede gestellt hatte, weil er wieder das ganze Zimmer umstellte, anstatt endlich Ordnung zu machen. Warum der Zoowärter heulte, weiss ich eigentlich nicht so genau. Er dachte wohl einfach, dass das heute zum Tagesprogramm gehört. Und weil das Prinzchen überall dabei sein will, wo seine grossen Geschwister dabei sind, stimmte auch er mit ein. All das Geheule im Chor klang so grauenvoll, dass es mich erstaunt, dass noch keiner gekommen ist, um „Meinem“ und mir die Kinder wegzunehmen.

Irgendwann waren die Zimmer dann doch noch soweit aufgeräumt, dass man mit den vergossenen Tränen den Boden putzen konnte. Und jetzt endlich konnte ich den Kindern gestehen, dass ich so gut verstehen kann, wie elend ihnen ist. Denn gibt es etwas Schlimmeres, als am Samstag – oder an irgend einem Tag – aufräumen zu müssen?

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