Überfordert

Es ist mal wieder soweit: Der Haushalt wächst mir über den Kopf und zwar in einem solchen Ausmass, dass ich leicht hysterisch werde, wenn ich daran denke, dass irgend jemand all diesen Mist wegräumen sollte. Und dass dieser „irgend jemand“ theoretisch ich sein sollte. Das Schlimme ist nur, dass ich für diese Aufgabe schlicht und einfach nicht tauge. Klar, das gewöhnliche Haushaltschaos von Küche nach dem Essen wieder sauber machen, die frisch gewaschene Wäsche aufhängen und das WC putzen, das kriege ich hin. Problemlos.

Aber wenn die Küche im Chaos versinkt, die Wäsche sich in jeder Ecke des Hauses stapelt, die Betten frisch bezogen werden müssten, die Sommerkleider weggeräumt und die Winterkleider hervorgeholt werden sollten, die Kleiderschränke von zu kleinen Kleidern gesäubert werden müssten und dann auch noch der Bürotisch mit Dingen bedeckt ist, die nicht dahin gehören, dann übersteigt das mein Vermögen. Nun könnte man natürlich einwenden, ich müsste meine Zeit eben fürs Aufräumen einsetzen, anstatt hier immer meinen Käse niederzuschreiben. Was durchaus etwas für sich hat, aber mein Problem liegt tiefer. Ich weiss nämlich schon gar nicht, wo ich anfangen soll, weil ich den Überblick schon längst verloren habe.

Nimmt der Haushalt bei mir Überhand, dann geschieht in mir drin das Gleiche, was bei anderen Leuten geschieht, wenn sie wissen, dass sie ein 20-seitiges Konzept verfassen, die Steuererklärung ausfüllen, einen Bericht abliefern und eine Gebrauchsanweisung schreiben müssen. Sie fühlen sich gelähmt, fragen sich, wie sie dies alles schaffen sollen und wissen nicht, an welchem Ende sie anfangen müssen, weil ihnen das alles gleichviel sagt, nämlich gar nichts. Ja, ich weiss, es ist schwer vorstellbar, dass so banale Dinge wie aufräumen, sortieren und putzen die gleiche Reaktion hervorrufen können, aber so ist es nun mal bei mir: Dinge, die für die meisten Menschen völlig banal und selbstverständlich sind, sind für mich eine riesige Überforderung. Gut, dafür habe ich kein Problem damit, ein Konzept zu verfassen. Aber das hilft mir ja in meinem Alltag auch nicht weiter. Ich könnte zwar das perfekte Konzept abliefern, wie bei uns in Zukunft aufgeräumt werden muss und ich bin mir fast sicher, dass ich selber auch danach leben würde, aber da die meisten Menschen nicht so ticken, würde sich der Rest meiner Familie eine Dreck scheren um das Papier und mein Konzept bliebe ein Papiertiger. Und meine Überforderung wäre gleich gross wie eh und je.

Es gibt also nur einen Ausweg aus der ganzen Misere: „Meinem“ den Kopf voll jammern, wie sehr mich das alles überfordert und hoffen, dass er bereit ist, die Führung zu übernehmen, um uns alle aus dem Chaos zu retten. Wenn er mir dann irgend eine kleine Aufgabe zuteilt,  damit ich den anderen beim Aufräumen nicht im Wege rumstehe, dann stehen die Chancen gut, dass unser Höhle dereinst wieder bewohnbar sein wird.

 

 

4 Kommentare zu “Überfordert

  1. Ich rede mir ja immer ein, aufräumen könne man nur, wenn das Prinzchen aus dem Weg ist. So langsam aber befürchte ich, dass ich das Hindernis bin… 😉

  2. Das kommt mir alles ziemlich bekannt vor :).
    Konzepte erstellen liegt mir auch ganz gut, die Umsetzung schon wieder weniger…
    Freut mich gelesen zu haben, dass sich euer Haushalt in deiner Abwesenheit doch wieder etwas geordnet hat.

  3. Liebe Grüsse zurück an meine Schwester im Geiste. Es ist so beruhigend, dass es noch andere von meiner Sorte gibt. 🙂

  4. Zitat: „Ich könnte zwar das perfekte Konzept abliefern, wie bei uns in Zukunft aufgeräumt werden muss“

    Einen lieben Gruß von einer Schwester im Geiste. Ich bin auch ganz groß im planen und erstellen von Konzepten und eher schwach in der häuslichen Umsetzung. 😦

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