Laut, lauter, am lautesten

Vendittis sind schon von Natur aus nicht sehr leise. Wie sollten sie auch, wenn Papa Venditti aus Italien und Mama Venditti aus einer Grossfamilie stammt. Er ist laut, weil seine Eltern am Telefon immer so laut redeten, damit man ihre Worte aus dem kalten Norden auch im warmen Süden verstehen konnte. Sie ist laut, weil sie ihre grossen Geschwister übertönen musste. So zumindest erkläre ich mir den Umstand, dass das Leiseste, was es bei uns gibt, laut ist.

Lauter ist es geworden, seitdem ein Kind nach dem anderen Teil der Familie geworden ist. Jeder will gehört werden und weil man in all dem Geschnatter nicht gehört wird, wenn man leise ist, muss man eben etwas lauter sein als alle anderen. Nur so hat die Botschaft eine Chance, überhaupt anzukommen. Dass man auch warten könnte, bis derjenige, der gerade am Reden ist, ausgeredet hat, darauf ist noch keiner gekommen. Vielleicht auch deshalb, weil man bei uns ewig warten würde, bis alle, die etwas sagen wollen, ausgeredet haben. Denn kaum holt der Eine mal Luft, springt schon der Nächste ein. Auf dass es gar nicht erst vorkomme, dass mal absolute Stille herrscht.

Ich hätte ja nicht erwartet, dass es noch lauter werden kann. Aber es kann. Wenn da ein Prinzchen ist, das zwar schon ziemlich gut redet, aber eben noch nicht gut genug, um den grösseren Geschwistern Paroli zu bieten. Deshalb muss das Prinzchen heulen, wenn er sich anders nicht durchsetzen kann. Und heulen macht mehr Lärm als reden, ist ja klar, sonst würde man gar nicht die Mühe auf sich nehmen, damit anzufangen. Wenn da auch noch ein Tageskind ist, das die deutsche Sprache noch nicht gut genug beherrscht, um in diplomatische Verhandlungen mit den fünf kleinen Vendittis zu treten, dann ist da noch einer mehr, der heult, wenn es anders nicht geht. Und zwei, die heulen, machen mehr Lärm als einer alleine, ist ja klar.

Aufgefallen ist mir dies alles erst, als mich Abend für Abend ein schlechtes Gewissen und ein kratziger Hals plagten. Ein schlechtes Gewissen, weil ich das Gefühl hatte, ich hätte mal wieder den ganzen Tag nur rumgebrüllt und ein kratziger Hals vom Rumbrüllen. Dann aber fiel mir auf, dass ich gar nicht böse war, wenn ich rumbrüllte und da wurde mir klar, dass ich getan hatte, was ich schon als Kind getan hatte, wenn es um mich herum immer lauter geworden war: Ich hatte mich nach Leibeskräften darum bemüht, noch lauter zu sein als alle anderen, damit ich mal endlich gehört wurde. Dumm nur, dass ich dennoch nicht gehört werde, denn unsere Kinder tun es mir gleich und schrauben die Lautstärke noch einmal eine Stufe höher.

Nun frage ich mich natürlich, wie wir den Lärmpegel wieder senken können und weil ich mir selber nicht mehr zu helfen weiss, hier meine Frage an meine Leser:

 

2 Kommentare zu “Laut, lauter, am lautesten

  1. Ruhig werden, wenn Mama ruhiger wird, klappt bei uns leider nicht. Ich habe den Verdacht, dass bei unserer Horde die Lautstärke der Mama nicht allzu viel Einfluss hat.

  2. Das Phänomen kenne ich übrigens auch mit „nur“ zwei Kindern… Ich brülle selten weil ich wütend bin, habe aber das trügerische Gefühl das mir dann mal jemand zuhört.

    Wenn ich selbst dann mal einen Gang zurückschalte tun das die Kinder irgendwann auch. Wenn ICH solange durchhalte 😉

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